Mindcage

Blu-ray Review

Leonine Distribution, 07.04.2023

OT: Mindcage

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Schweigen der Lämmer 2.0

Wenn Kopien von berühmten Filmvorbildern an eben jenen scheitern …

Inhalt

Mary besucht den „Künstler“ im Knast

Als eine Serie Morde, die Stadt erschüttert, wird die junge FBI-Agentin Clarice Starling auf den Fall angesetzt. Sie soll mit dem verurteilten und inhaftierten Killer Hannibal Lecter sprechen, da dieser sich besonders gut in das Täterprofil des „Buffalo Bill“ genannten Täters hineinversetzen und Starling eventuell Hinweise geben kann – ach nee, falscher Film. Noch mal von vorne:
Sechs Frauen hat Arnaud Lefeuvre, genannt: „Der Künstler“, vor fünf Jahren getötet. Er hat sie vergiftet, danach konserviert und (daher der Name) auf kunstvolle Art und Weise hergerichtet und dekoriert. Seit fünf Jahren sitzt er nun im Todestrakt und seine Hinrichtung steht kurz bevor. Zur Verhaftung trug damals auch Detective Jake Doyle bei, dessen Partner bei den Ermittlungen tragisch ums Leben kam. Als die Öffentlichkeit von neuerlichen Tötungsdelikten erschüttert wird, deren Art und Weise frappant an die Arbeiten des „Künstlers“ erinnern, muss Doyle erneut tätig werden. Ihm zur Seite stellt man die junge Kollegin Mary Kelly. Lt. Owings, der die Ermittlungen verantwortet, will, dass man mit Lefeuvre spricht, um mögliche Anhaltspunkte für den Trittbrettfahrer zu erhalten. Da Mary sich aufgrund ihrer psychiatrischen Ausbildungsanteile dazu berufen fühlt, besucht sie den verurteilten Sechsfachmörder in dessen Verwahrungsanstalt. Bevor der sich allerdings mit der Sache befassen möchte, stellt er erst einmal Forderungen: Seine Todesstrafe möge doch in lebenslange Haft herabgesetzt werden und außerdem möchte er seine Malutensilien in der Zelle haben.

Privat hat Mary mit Problemen zu kämpfen

Als Jonathan Demme 1991 mit seiner Filmadaption von Thomas Harris in die Kinos kam, war man sich selten so einig. Sowohl Publikum als auch Kritik feierten den vor allem im Finale nervenzerfetzend spannenden und unfassbar gut geschauspielerten Thriller. Kein Wunder, dass er bei den Oscars die fünf wichtigsten Kategorien absahnen konnten. Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller, Beste Hauptdarstellerin und Bestes adaptiertes Drehbuch. Vor Das Schweigen der Lämmer gelang das nur zwei anderen Filmen: Es geschah in einer Nacht (1935) und Einer flog über das Kuckucksnest (1976) – illustre Kollegen also. Im Nachgang schaffte das bis heute kein anderer Beitrag mehr. Kein Wunder, dass sich Thriller, die in den letzten 30 Jahren inszeniert wurden, nicht selten an Demmes Version des Harris-Romans orientieren. Und wenn sie sich „nur“ orientieren, dann ist dagegen auch kaum etwas einzuwenden. Kritik darf man aber durchaus üben, wenn Filme praktisch keinerlei eigene Idee einbringen und das Vorbild mitunter fast 1:1 kopieren – wie im Fall von Mauro Borrellis Mindcage. Borrelli ist eigentlich in seiner Hauptfunktion als Concept Artist solch prominenter Filme wie Captain America: The First Avenger, The Hateful 8 oder Dumbo am Werk. Von Zeit zu Zeit setzt er sich aber auch auf den Regiestuhl und fabriziert dann B-Movie-Quark wie The Ghostmaker, Haunted Forest, The Recall oder zuletzt Warhunt mit einem Mickey Rourke, dessen Gesichtsoperationen ihm mittlerweile jede Mimik geraubt haben.

Lefeuvre kann endlich wieder malen

Ein Lieblingsdarsteller von Borrelli ist allerdings Robert Knepper. Der den älteren Zuschauern vor allem als Ekel-Insasse von Prison Break bekannte Schauspieler hat nahezu in allen Filmen des Regisseurs mitgespielt und darf hier den vorgesetzten Polizeibeamten geben. Allerdings dreht sich die Handlung nicht um ihn, sondern um Melissa Roxburg, Martin Lawrence und John Malkovich. Leider erreicht keiner von den dreien das Niveau von Jodie Foster, Scott Glenn oder gar Anthons Hopkins. Auch wenn Malkovich mit langer Zottelmähne (wahlweise mit geflochtenen Zöpfen in den Rückblicken) und ungepflegtem Bart sein Möglichstes tut, um maximalen Abstand vom gestriegelten und höflichen Hannibal Lecter zu bekommen. Einzig: Es nutzt nichts. Jedes Gespräch und jede Diskussion mit Mary erinnert unweigerlich an Das Schweigen der Lämmer – nur in schlecht. Das Drehbuch von Mindcage bemüht sich nicht mal für einen kurzen Moment, eigene Ideen einzubringen. Und wenn es dann mal vom Kurs der Kopie von Demmes Meisterwerk abkommt, dann setzt Borrelli neue Segel und schippert im Fahrwasser von Sieben. Dessen Laufrinne hat allerdings kaum Wasser und der Kahn setzt immer wieder auf Land auf. Denn wo Finchers Thriller mit düsteren Bildern und unheilschwangerer Atmosphäre punktete, bleibt Mindcage durchweg unspannend und vorhersehbar. Und nur um diese Vorhersehbarkeit nicht bis ins Letzte zu verfolgen, präsentiert uns Borrelli zum Schluss einen aus den Fingern gesaugten Twist, der kaum hanebüchener sein könnte – ganz abgesehen davon, dass sich das Drehbuch die dümmste Variante einfallen lässt, warum Mary plötzlich alleine im Haus des Killers unterwegs ist.

Mary will die Adresse des Trittbrettfahrers wissen

Das sind Momente, in denen sich der Zuschauer auch mal für dumm verkauft vorkommen kann. Verärgert darf man indes ganz gewiss darüber sein, dass die Greenscreen-Qualität bei der Autofahrt nach zirka zwölf Minuten gruselig ist. Das hat man vor allem bei der Sicht aus der Frontscheibe selten schlechter und statischer gesehen. Das Beste an Mindcage ist das Produktionsdesign, das allerdings schon zu Beginn etwas inflationär eingesetzt wird. Dennoch: Die Inszenierung der toten Engel sieht klasse aus und macht den Eindruck, als hätte sie den größten Anteil des Budgets verschlungen. Für Lawrence jedenfalls kann nicht viel Geld übrig geblieben sein, so unmotiviert und lustlos agiert er in der Rolle des Detective. Da hat er mal die Chance, gegen seine üblichen Gewohnheiten agieren zu können und dann macht er rein gar nichts draus. Gegen die immerhin engagiert aufspielende Melissa Roxburgh verblasst er in jeder Szene. Und auch Roxburgh ist hier keine neue Jodie Foster. Was Malkovich geritten hat, diese Rolle zu spielen, weiß wohl nur sein Agent – man hat fast ein wenig Mitleid mit ihm, wie er in dieser Lecter-Kopie untergeht.

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Bild- und Tonqualität

Kann Lefeuvre der Todesstrafe entgehen?

Mindcage wurde komplett digital gefilmt – auch wenn man das kaum glauben mag. Dazu später mehr. Zum Einsatz kamen RED-Kameras, die im Minimum mit 6K aufzeichnen. Allerdings ließ sich nicht ergründen, ob hier ein 4K-DI oder lediglich ein 2K-DI gezogen wurde, von dem aus der Film dann auf die Full-HD-Blu-ray gelangt ist. Was sich sehr wohl sagen lässt: Menschen, die mit (digitalem) Rauschen nichts am Hut haben (wollen), sollten einen großen bogen um die Scheibe machen. Denn Mindcage ist ganz offensichtlich sehr bewusst sehr durchzogen von einem nachträglich hinzugefügten Rauschen. Man wollte es offenbar ziemlich schmuddelig und ein wenig analog haben. Schon die anfänglichen Aufnahmen in der Dunkelheit von Lefeuvres Zelle sind sehr körnig und unruhig. Die nachfolgende Übersicht über die verregnete Stadt sieht noch krasser verrauscht aus. Hier kommt dann auch bereits das mangelhafte Encoding deutlich zum Tragen. Mit dem hinzugefügten Digitalrauschen UND dem Regen kommt das Encoding nicht klar. Einzelne Ansammlungen von Rauschpunkten flimmern von oben nach unten über den Bildschirm, was man als Regen eher interpretieren muss als man es erkennen kann. Deutliche Cluster-Ansammlungen von Rauschbereichen wechseln sich ab mit soft-glatten Stellen und der Horizont der Stadt wird von wirklich schäbigem Encoding umwabert. Kommt mehr Licht ins Spiel, wird das Bild etwas angenehmer, verlässt aber seine Rausch-Pfade nicht. Wie gesagt: Für Gegner von Körnung und/oder digitalem Rauschen ist die Blu-ray kein Genuss. Innenräume wurden oft mit warmem Licht ausgestattet und bekamen nicht selten eine gewisse Gelbfilterung mit auf den Weg. Hauttöne bekommen dann eine deutlich sichtbare Gelbbetonung. Auch Lawrence‘ Antlitz ist mehr gelbbraun als braun. Die Kontrastierung liegt aufgrund des bewusst gewählten Schmuddellooks eher im mittleren Bereich. Wirklich helle Elemente, die man den dunkleren gegenüberstellen kann, gibt es nicht. Zudem werden sie durch die schmuddelige Postproduktion abgedunkelt. Viele Einstellungen wirken dadurch eher gräulich. Die Blu-ray von Mindcage kommt mit einer DTS HD-Master Tonspur fürs Englische und Deutsche. Deren Aufgabe ist es zunächst, die Dialoge sauber und klar wiederzugeben. Das gelingt ihnen durchaus gut. Auch die deutsche Sprachausgabe ist sauber und sehr gut verständlich. Das gilt für Roxburghs Synchronstimme ebenso wie vor allem für das heiser-kratzige, aber gleichzeitig voluminöse Timbre von Torsten Michaelis, dem Synchronsprecher von Martin Lawrence. Die Dialoge stehen außerdem ausreichend laut im Mittelpunkt. Auch das Spinett im Score bei 13’30 klingt angenehm und fein aufgelöst. Räumlich wird es immer dann, wenn gewisse Soundeffekte genutzt werden – beispielsweise das spinnenartige Geräusch bei 20’50. Etwas lauter wird’s innerhalb des Films, der über wenig Actionszenen verfügt, wenn es mit dem Killer gemeinsam in den Stripclub geht. Allerdings dürfte die Stimmung noch etwas druckvoller wiedergegeben werden. Nimmt man sich dynamische Szenen wie das Gewitter direkt zu Beginn nach knapp drei Minuten, lebt der Ton durchaus auf. Allerdings fand auch hier gegenüber dem englischen Ton eine leichte Dynamik-Kompression statt. Der O-Ton spreizt die Lautstärke hier noch mehr und fordert den Subwoofer bei gleicher Grundlautstärke etwas mehr. Da liegen zwar nicht (wie schon mal bei Leonine-Titeln) Welten zwischen O-Ton und Synchro, aber es sind eben doch Unterschiede hörbar.

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Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Mindcage finden sich leider nur der Trailer zum Film sowie Programmtipps zu einigen weiteren Titeln. Schade, dass man erneut auf Material wie ein Making-of oder auch auf Interviews verzichten muss – vor allem, da hier zwei verdiente und langjährig aktive Schauspieler besetzt wurden. Es wäre schön gewesen, wenn man hier etwas mehr über die Dreharbeiten und das Ensemble erfahren hätte.

Fazit

Mindcage kopiert ebenso ungeniert wie unmotiviert bei Das Schweigen der Lämmer und ergänzt das müde Skript mit Anleihen bei Sieben. Das ist leider weder spannend noch atmosphärisch geraten und wirkt in manchen Szenen grenzwertig lächerlich. John Malkovich ist auf dem besten Wege, sich in die gleichen Bücher einzutragen, in denen schon die Namen John Travolta und Bruce Willis stehen. Man kann nur hoffen, dass ihm mal wieder jemand ein gutes Skript zur Hand reicht. Visuell versucht die Blu-ray das Geschehen atmosphhärisch analog zu gestalten, scheitert aber am schwachen Encoding.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 10%
Film: 40%

Anbieter: Leonine Studios Spielfilm
Land/Jahr: USA 2022
Regie: Mauro Borelli
Darsteller: Martin Lawrence, Melissa Roxburgh, John Malkovich, Robert Knepper, Neb Chupin
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Untertitel: de
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 96
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter LEONINE Studios Spielfilm)
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Trailer zu Mindcage

Mindcage - Trailer (deutsch/german; FSK 16)


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Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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2 Kommentare
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ondy

Heute gesehen und fand ihn laaangweilig. Musste zu oft an das schweigen der lämmer denken und konnte nicht richtig eintauchen in den film. Der ton ist sehr sehr undynamisch und ist noch langweiliger als die disney abmischungen.

Frank

Seehr schlechter Film ,kann mich der Kritik anschliessen.