Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer

Blu-ray Review

mr link ein fellig verrücktes abenteuer blu-ray review cover
Universal Pictures, 10.10.2019

OT: Missing Link

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Ein Bigfoot namens Susan

Neues Futter für Stop-Motion-Fans.

Inhalt

Ein satter Schock für Lionel Frost: Der Sasquatch spricht

Lionel Frost ist ein von sich überzeugter Forscher von Weltformat. Er hat schon Mythen erforscht, von denen andere nur träumten – denkt er zumindest. Seine Kollegen von der anerkannten Abenteurer-Gilde sehen das aber anders. Sie akzeptieren Frost nicht und halten ihn für einen Spinner. Um es ihnen ein für allemal zu beweisen, wollte Frost endlich Beweise liefern und Fotos von Nessie liefern. Doch dummerweise zerstörte das Seemonster die Kamera. Nun findet Frost seinen letzten Strohhalm. Und zwar einen Brief, der ihm vom Lebensort des Sasquatch, einer Kreatur mit riesigem Fußabdruck, berichtet. Als er dorthin reist, findet er diese Kreatur sehr schnell. Die Überraschung folgt auf dem Fuß. Denn der BigFoot scheint nicht nur das fehlende Glied zwischen Affe und Mensch zu sein, er kann auch noch sprechen. Und er ist ein äußerst empfindsames Wesen, das keine Lust mehr hat, alleine im Wald zu leben. Er möchte zu den sagenumwobenen Wesen im Himalaya reisen, die er als Artgenossen identifiziert hat. Und so machen sich Frost und Mr. Link, wie der Forscher das haarige Wesen nennt, auf die Reise nach Shangri-La …

Frost ist ganz Forscher und vermisst erst einmal, was er vor sich sieht

Chris Butler kennen wir schon. Als Autor verfasste er zuletzt das Skript von Kubo: Der tapfere Samurai und als Regisseur debütierte der Storyboard-Artist von Corpse Bride 2012 mit dem liebenswert altmodischen ParaNorman. Außerdem hatte er auch bei Boxtrolls seine Finger im Spiel. Der aufmerksame Leser wird festgestellt haben, dass alle genannten Filme aus den Laika Studios kommen. Und diese 2005 in Portland/Oregon gegründete und verortete Produktionsschmiede ist bekannt für eine ganz bestimmte Art von Animation: Stop-Motion.
Bei dieser werden einzeln animierte Posen von unbewegten Objekten aufgenommen. Das Zusammenfügen der Einzelbilder zu einem laufenden Ganzen ergibt dann den Film. Prominente Vertreter sind die Aardman Studios mit ihren Charakteren Wallace & Gromit. Laika allerdings geht einen anderen Weg als die Kollegen aus England. Denn wo Aardman vornehmlich die Macken und Marotten von Mensch und Tier aufs Korn nimmt, beschäftigt sich Laika eher mit den fantastischen Themen. Ob das nun der morbide Humor von Corpse Bride ist oder die skurrile Welt der Karton tragenden Wesen in Boxtrolls.
Mit dem jüngsten Werk Mister Link knöpft sich Chris Butler, der auch das Drehbuch schrieb, eine Abenteuergeschichte in bester Phileas-Fogg-Tradition vor und integrierte urbane Monsterlegenden. Das Ganze wurde noch größer angelegt als zuvor Kubo und klotzt mit 110 Sets und 65 individuellen Drehorten.

Lionel Frost segelt gen Europa

Leider muss Mister Link dennoch als erster echter Misserfolg des Studios gelten. Denn bei einem Budget von 100 Mio. Dollar spielte er nur 22 Mio. Dollar ein – zu Unrecht und sehr unverständlich. Denn nicht nur begeisterte er all jene, die ihn im Kino sahen, sondern ist er ein wirklich guter Film geworden.
Wie jeder Film der Studios zeichnet auch Mister Link seine Figuren äußerst liebevoll, porträtiert ihre Missgeschicke augenzwinkernd und vermengt eine ganze Menge Popkultur in seine abenteuerliche Story. Denn Abenteuer gibt’s satt. Die (bald zum Trio mutierende) Gruppe erlebt bleihaltige Momente im Wilden Westen, reist in der Postkutsche quer durchs Land. Setzt über die See zum Alten Kontinent über und erreicht irgendwann ihr Ziel: Den Himalaya.
Verteilt auf 94 Minuten ist das Tempo durchweg hoch und die unglaublich detailliert animierten Schauplätze laden zum Staunen ein. Schon lange war man nicht mehr so drin, in einem Abenteuer von verne’schen Ausmaßen. Das Timing des Humors ist dazu perfekt. Egal, ob das der Slapstick von Mr. Link ist oder die sarkastischen Kommentare von Frost. Selbst die Romanze zwischen ihm und Adelina funktioniert prächtig. Dass es im Grunde eine Geschichte über Freundschaft ist (der ein Hauch einer Ökobotschaft und eine Spur Kritik am Festhalten von Traditionen innewohnt), die hier erzählt wird, macht Mister Link umso familienfreundlicher. Wirklich düster geht’s hier nicht zu und die Beziehung, die Frost und Mr. Link zueinander entwickeln erfüllt die Herzen von Groß und Klein mit positiven Gefühlen.

Adelina weist Lionel gerne mal in die Schranken

Und es ist (mal wieder) großartig animiert. Der Respekt, denn man hat, wenn man bedenkt, dass hier 24 Bilder pro Sekunde moduliert und abgefilmt werden müssen, ist in Anbetracht einer Actionszenen unermesslich groß. Nimmt man nur mal die rasante Sequenz an Bord des Ozeandampfers bei hohem Wellengang, kommt man aus dem Staunen kaum raus. Es ist schlicht genial, wie man auf die unterschiedliche Schiffslage reagiert und dies in die Bewegungen der Figuren integriert.
Schade ist einzig, dass man die Animationen scheinbar noch mal durch eine gewisse Computerbearbeitung geschickt hat. Denn die seltsam soften Oberflächen der Figuren wirkt weniger oldschool als man es sich wünschen würde.
Gewünscht hat man sich allerdings eine hochwertige Synchronisation – und hat sie bekommen.
Es mag mittlerweile nicht sonderlich innovativ sein, Christoph Maria Herbst als Stimme für Animationsfiguren zu besetzen, aber er passt einfach hervorragend auf Lionel Frost. Noch besser aber ist Bastian Pastewka als Susan/Mr. Link. Dessen souveränes Wandern zwischen sensibler Empfindsamkeit und scheinbarer Begriffstutzigkeit bietet tatsächlich mehr Zwischentöne als Zach Galifianakis etwas alberner angelegter Tenor im Original.
Und so ist Mister Link ein rundum vergnüglicher, warmherziger und rasanter Film für die ganze Familie geworden – und er ist viel besser als sein mageres Einspiel vermuten ließe.

Angekommen in der Zivilisation

Bild- und Tonqualität

Stehen sie bald vor Links Artgenossen?

Als traditionell animierter Stop-Motion-Film ist Mister Link nicht ganz frei von kleineren Imperfektionen wie wackligen Bildeinstellungen und etwas ungleichmäßigen Oberflächen. Das allerdings macht einen großen Teil des Charmes aus – wenngleich man ihn (wie oben beschrieben) etwas zu glattgebügelt hat. Farben sind kräftig und der Kontrastumfang ist richtig gut. Die weißen Schneeberge des Himalayas setzen sich grandios vor dem blauen Himmelshintergrund ab und Links rotbraunes Fell wirkt als dynamischer Farbtupfer inmitten der Szenerie. Scharf ist das Bild ebenfalls und bis auf wenige, ganz dezent körnige Momente auf Gesichtern in Close-ups gibt’s auch ansonsten nichts zu meckern.
Was im Übrigen auch für den Sound gilt. Die beiden dts-HD-Masterspuren sorgen mit sattem Bassfundament während des Einlaufs in den Palast der Yetis für richtig Druck und auch das fast kenternde Schiff wird satt ins Heimkino transportiert. Die großartige Surroundkulisse lässt sowohl den authentischen Hall in den riesigen Räumen der Yeti-Königin realistisch erklingen wie auch die coolen Sounds zu Beginn. Wenn Frost auf Nessis Rücken surft, spritzt das Wasser greifbar zum Zuschauer und die Pistolenschüsse kommen ebenso trocken rüber wie die Faustschläge von Mr. Link. Dazu gib es dauerhaft hervorragend verständliche Dialoge und räumliche Filmmusik.

Bonusmaterial

Welch ein Anblick

Das Bonusmaterial von Mister Link enthält zwar mehrere Featurettes, die jedoch allesamt etwas kurz geraten sind. Oder, anders gesagt: Sie hätten durchweg länger ausfallen dürfen, weil sie mindestens so spannend sind wie der Film selbst. Wenn man in „Welch ein Mysterium!“ im Zeitraffer sieht, wie schnell und viel die Animateure sich rund um die Figuren bewegen, während diese sich nur in Zeitlupe vorwärts animieren, wird klar, wie unglaublich viel Arbeit hinter diesen Filmen steckt. Man sieht ein- und denselben Animateur teilweise mit vier bis fünf verschiedenen T-Shirts (also vermutlich an mindestens vier bis fünf aufeinanderfolgenden Arbeitstagen), während sich die animierte Szene vielleicht um drei bis fünf Sekunden fertigen Films weiterbewegt – ein Wahnsinn!
Weitere Featurettes geben Einblick in die generelle Arbeit der Laika-Studios und lassen auch die englischen Originalstimmen von Mister Link zu Wort kommen. Eine Fotogalerie rundet das Angebot ab.

Fazit

Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer ist großartiges Stop-Motion-Kino mit liebenswerten Figuren, hervorragender Synchronisation und rasanter Action – ein echtes Highlight im Animations-Dschungel.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 90%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 50%
Film: 90%

Anbieter: Universal Pictures Germany
Land/Jahr: USA/Kanada 2018
Regie: Chris Butler
Sprecher: Christoph Maria Herbst, Collien Ulmen-Fernandez, Bastian Pastewka, David Nathan
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 95
Codec: AVC
FSK: 6

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures Germany)

Trailer zu Mister Link

Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer| Offizieller HD Trailer | Deutsch German | (2019)

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