Mörderland – La isla mínima

Blu-ray Review

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Koch Media, ab 27.10.2016

OT: La isla mínima

 


Im Sumpf des Verbrechens

Hochspannender und politisch aufgeladener Thriller aus Spanien.

Inhalt

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Juan und Pedro – ein ungleiches Team, das sich respektiert

September 1980: Die Demokratie Spaniens stecht nach der Franco-Diktatur noch in den Kinderschuhen und beileibe nicht jeder ist glücklich über die neuen Verhältnisse. Zu dieser Zeit werden die zwei Polizisten Juan und Pedro in ein Provinznest im Süden Andalusiens entsandt, um zwei Schwestern mit zweifelhaftem Ruf (so sagt man) aufzuspüren. Die gelten seit einige Zeit als vermisst und so kommt es nicht überraschend, dass sie ein paar Tage später brutal zugerichtet in den Sümpfen gefunden werden. Der erste Verdächtige der Ermittlungen ist der junge Schönling Quini, der noch zwei weitere Mädchen kannte, die vermisst werden. Da er Kontakt zu ihnen allen hatte und noch dazu durch eine Tätowierung auf einem Foto identifiziert wurde, auf dem er eindeutige sexuelle Handlungen mit ihnen vollzog, deuten alle Anzeichen auf ihn. Doch auch der Vater scheint nicht ohne Motiv zu sein. Je tiefer Juan und Pedro vordringen, desto gefährlicher wird es für sie selbst …

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Quini ist nicht erfreut darüber, dass man ihm hinterher spioniert

Wenn David Fincher sich mal eine Auszeit von den düsteren Thrillern nimmt, ist es umso schöner, wenn andere seinen „Job“ übernehmen und ihn teilweise in Sachen Atmosphäre und Stimmung noch übertreffen. Dass die Beiträge nicht zwingend aus Hollywood kommen müssen, beweist Alberto Rodriguez (Kings of the City) mit Mörderland – La isla Mínima eindrucksvoll. Vor dem Hintergrund des Übergangs von Diktatur zu Demokratie nutzt er die pessimistische Einstellung der Protagonisten für einen ebenso dunklen Krimi. Während viele alte Kader in den wichtigen Positionen (vor allem des Militärs) immer noch aktiv sind, versucht eine junge und neue Generation von Ermittlern ihre Arbeit zu machen. Wenngleich man ihnen gegenüber misstrauisch ist und vor allem Pedro die (Ex)-Faschisten gern mal provoziert. Die Tatsache, dass die beiden Polizisten sich zwar aufeinander verlassen können, aber offenbar grundverschieden sind, gibt dem Zuschauer eine gute Reibungsfläche – und das, ohne die Identifikationsmöglichkeit zu verlieren. Während alle anderen Figuren um sie herum für die Taten infrage kommen, sind Juan und Pedro zunächst die Felsen in der Brandung. Teils staubtrockener Humor tut es der ebenso staubigen Hitze gleich, die akustisch durch beständiges Zirpen der Zikaden verdeutlicht wird.

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Das ganze Dorf trauert um die beiden Toten

Neben den beiden Hauptdarstellern, die ihre Rolle vorzüglich meistern, spielt vor allem die Szenerie im Verbund mit den Bildern flirrender Hitze und den atmosphärischen Aufnahmen der Sümpfe dem Thriller in die Hand. Karge Wüstenei, perspektivlose Menschen, die wildern, um etwas auf dem Teller zu haben – weder Zeit noch Umstände könnten treffender geschildert werden, als es in Mörderland der Fall ist. Und obwohl sich der Film gehörig Zeit nimmt, um die Geschichte voranzutreiben, bleibt man dran und folgt dem Geschehen, das zunehmend dramatischer und bitterer wird. Je stärker dann vor allem einer der beiden Cops die Beherrschung zu verlieren beginnt und je mehr man von dessen dubioser Vergangenheit erfährt, desto intensiver wird man ins Geschehen gesogen. Außerdem weiß man am Ende, dass sich im Franco-Regime viele schuldig gemacht haben – selbst jene, von denen man es nicht erwartet hätte. Die langsamen Kamerafahrten vermitteln dabei einen bedrohlichen und keineswegs entspannten Charakter – immer wieder unterstützt von Aufnahmen aus der zentralen Vogelperspektive. Und wenn man denkt, dass Action hier gar nicht mehr stattfindet, zeigt Mörderland, dass man sogar einer traditionellen Verfolgungsjagd per Auto noch Innovatives abringen kann (selbst wenn die beiden Fahrzeuge gerade mal in der 50-PS-Klasse zu suchen sind).

Bild- und Tonqualität

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Juan und Pedro mit ihrem Dienstwagen

Mörderland beginnt mit sensationell gut aufgelösten Aufnahmen aus der Vogelperspektive, welche die bizarre Sumpflandschaft erfahrbar machen. Kein Körnchen oder Rauschpartikelchen trübt hier den Eindruck. Das bleibt auch im weiteren Verlaufe so, denn die Blu-ray gibt sich in Sachen Bildruhe zu keiner Zeit eine Blöße. Selbst während der schlechter ausgeleuchteten Momente ist die Stabilität herausragend. Schärfe und Auflösung lassen nie zu Wünschen übrig und bleiben über den kompletten Bildschirm verteilt sehr gut. Lediglich die Farben und Kontraste dürften noch etwas kräftiger sein, was allerdings bewusst gewählt zu sein scheint, um die Stimmung zu intensivieren und auf die 80er Jahre abzustimmen.
Der feine Filmscore von Mörderland, der die anfänglichen Aufnahmen aus der Luft begleitet, kommt sehr detailreich und akzentuiert aus den Lautsprechern. Die Fahrt auf dem Trecker in den Sumpf erfolgt ebenfalls äußerst lebhaft und die Schüsse während des atmosphärisch aufgeladenen Volksfestes zerreißen die Luft effektvoll. Die stillen Momente kommen ohne Grundrauschen aus und die Naturgeräusche an den Flüssen sind absolut authentisch. Die (vorzügliche) Synchro mit bekannten Stimmen ist sehr gut verständlich und trägt zum Gelingen des Films bei. Trotzdem hier kein Actionfeuerwerk gezündet wird, ein wirklich sehr gut gelungener Tonsektor mit ausgewogener Performance.

Bonusmaterial

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Ausgerechnet am einzigen Tag mit Regen läuft den Ermittlern der Täter vor die Nase

Das Bonusmaterial von Mörderland – La isla mínima ist erstaunlich reichhaltig gefüllt. Neben einem 20-minütigen Making-of, das vor allem erzählt, dass man den Film seit 2004 schon zweimal realisieren wollte, gibt’s noch entfallene Szenen, Outtakes, ein Videotagebuch, Behind-the-Scenes-Sequenzen und Featurettes über die Spezialeffekte sowie die Musik. Einen kleinen Einblick ins Drehbuch und in die Artworks gibt’s obendrein.

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Fazit

Mörderland – La isla mínima ist ein bisweilen höllisch spannender und gesellschaftspolitisch brisanter Thriller, dessen Atmosphäre zum Schneiden ist. Im positivsten Sinne und bis zum konsequenten Ende vergleichbar mit den besten Krimis aus Skandinavien – must have für Thrillerfans!
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 60%
Film: 80%

Anbieter: Koch Media
Land/Jahr: Spanien 2014
Regie: Alberto Rodriguez
Darsteller: Raúl Arévalo, Javier Gutiérrez, Antonio de la Torre, Nerea Barros, Jesús Castro, Salvador Reina, Cecilia Villanueva, Manolo Solo
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, sp
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 104
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Mörderland – La Isla Mínima

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