Monos – Zwischen Himmel und Hölle

Blu-ray Review

DCM Film Distribution, 09.10.2020

OT: Monos

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Instinktiv

Fesselndes Drama aus Kolumbien, das entfernt an Werner Herzogs Extremfilme erinnert.

Inhalt

Der Comandante drillt die acht Jugendlichen

Irgendwo in den kolumbianischen Bergen: Eine kleine Gruppe von acht Jugendlichen trainiert. Und trainiert. Und trainiert. Unter Anleitung ihres Comandante werden sie für „die Organisation“ gedrillt. Ihr jüngster Auftrag, auf eine Gefangene aufzupassen, wird noch ergänzt, als der Comandante eine Milchkuh auf den Berg bringt. Eine Leihgabe von der Organisation, um die sich gut gekümmert werden soll. Dumm nur, dass das milchspendende Tier bei Albereien mit der Maschinenpistole ums Leben kommt. Und das löst eine erste Kette von Ereignissen aus, auf die die Gruppe nicht vorbereitet ist. Doch es kommt noch schlimmer: Kampfhandlungen nähern sich den Jugendlichen, auf dass diese mit ihrer Gefangenen in den Dschungel fliehen. Als diese dann jedoch fliehen kann, droht die Gruppe zu zerreißen …

Die Instinkte regieren beim Fußballspiel

Coming-of-Age unter härteren Bedingungen. Regisseur Alejandro Landes inszeniert mit Monos eine Drama, das immer wieder an Herr der Fliegen errinert und schon mal sehr surreale Züge annimmt. Auch ein Terrence Malick scheint Pate gestanden zu haben, als Landes seine visuell sehr einprägsamen Bilder mit der Kamera einfangen ließ. Mainstream, so viel ist klar, findet man hier nicht. Eher einen Film, der auf zahlreichen Festivals lief und zum Liebling der Kritiker anvancierte – und das durchaus zu Recht.
Denn was die sieben Laiendarsteller (lediglich Moises Arias als Patagrande ist Profi-Schauspieler) hier abliefern, ist ganz großes Kino. Mit dem Mut, ihren Figuren tief in die Seele zu schauen, entwickeln sie neben ihren pubertären Spielen und dem Erwachen der Sexualität auch die Aggression, die sich nach und nach durch ein dramatisches Ereignis in die Gruppe schleicht.
Die Stärke des Films ist es, seine Darsteller zu beobachten und sie nicht zu drängen. Das Drehbuch gibt die Richtung vor, die Dynamiken scheinen sich von selbst zu geben. Zärtliche Bilder aufkeimender Liebe und Sexualität werden später von Gewalt abgelöst, wenn die Gruppe aus den Bergen in den Dschungel fliehen muss. Dabei spielt die Ausbildung zu Kriegern bald gar keine große Rolle mehr. Zwar scheint irgendeine Art von Konflikt im Hintergrund zu schwelen. Welcher das aber ist, warum die Kids für den Kampf ausgebildet werden, ist für die Story nur von nebensächlichem Interesse. Wie bei Herr der Fliegen auch geht es um Gruppendynamiken, die sich entwickeln, wenn unvorhergesehene Ereignisse ein scheinbar geordnetes Geflecht durcheinander bringen. Natürlich spielt dabei die Tatsache eine Rolle, dass die Jugendlichen in der Wildnis leben. Dass sie keine Struktur von außen haben, sondern nur nach einigen antrainierten Regeln leben. Als diese Regeln nicht mehr greifen, bietet die Natur-Umgebung keine Antworten. Sie ist keine Hilfe, sondern wird zur Bedrohung. Und der Zuschauer erfährt, dass die Kids das erlernte Training als Halt nutzen, was sie konsequenterweise näher zur Gewalt bringt als allen lieb sein kann.

Die Gefangene „gehört“ der Organisation

Spätestens, wenn nach knapp einer Stunde die Geschehnisse eine überraschende Wendung nehmen, bekommt das Ganze eine Eigendynamik, die den Zuschauer ernsthaft mitnimmt – emotional und aus reiner Unterhaltungssicht. Denn was vorher mehr spielerische Auseinandersetzung mit dem Ernstfall war, fordert die Gemeinschaft der Gruppe nun aufs Äußerste. Mit einem neuen Anführer, der sich zunehmend dominant und irrational verhält, gerät Monos mehr und mehr zum Kommentar auf die Auseinandersetzung zwischen der kolumbianischen Regierung und den Rebellen der FARC.
Indem die Kids mehr und mehr auf ihre Urinstinkte reduziert erscheinen, werden sie zum Gleichnis auf den brutalen Konflikt, der zwischen der Guerilla-Bewegung und der kolumbianischen Regierung einerseits und zwischen der FARC und paramilitärischen Gruppen sowie den Drogenkartellen andererseits geführt wurde.
Es lohnt sich also, hier auch mal den Blick hinter die Fassade zu werfen und die sozialpolitischen Hintergründe des Films zu ergründen, um ihn vor diesen noch greifbarer einordnen zu können. Aber auch so bietet Monos einen faszinierenden Blick auf das kolumbianische Kino – unterstützt von (wie gesagt) herausragenden Darstellerleistungen, einer großartigen (Natur)Kulisse und dem kongenialen (wenngleich bewusst selten eingesetzten) Score der britischen Komponistin Mica Levi.

(3 Kundenrezensionen)
Preis: 13,49 €
(Stand von: 2020/09/30 8:32 pm - Details
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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Fri, 09 Oct 2020
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Bild- und Tonqualität

Herr der Fliegen lässt grüßen

Monos hat ein durchweg raues, etwas schmuddelig, weil nachträglich gekörntes Bild. Die Kontraste sind bewusst hart gehalten, sodass an ihren Flanken schon mal etwas Information im Schwarz versinkt. Das ist aber ebenso gewollt wie das teilweise Überstrahlen auf hellen Bereichen. Die Schärfe gelingt in Naheinstellungen sehr gut, hin und wieder sieht man die eine oder andere Doppelkontur in Halbtotalen. Farben, so sie im späteren Verlauf stattfinden, kommen kräftig rüber. Der Dschungel lebt auf diese Weise realistisch auf.
Beim Sound überzeugt die BD etwas mehr. Die Stimmen werden klar und deutlich wiedergegeben und während der oft abwesenden Filmmusik wird die Natur recht authentisch dargestellt. Egal, ob Tiergeräusche oder Wind und Regen – die dts-HD-Master-Spur lässt das Geschehen greifbar werden. Wenn dann bei 42’38 für einen kurzen Moment der Krieg losbricht rumst es ganz ordentlich im Heimkino und auch in den folgenden Szenen in den Katakomben hört man das entfernte Grollen der Handlungen. Gleichzeitig tropfen Wassertropfen mit realistischem Geräusch von der Decke. Wer etwas gegen Mücken hat, der wird den surrenden Sound nach 58 Minuten verfluchen, wenn die Geflohene in einen Schwarm von Moskitos gerät, die komplett um den Zuschauer herum schwirren.

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Bonusmaterial

Im Bonusmaterial gibt’s außer dem Trailer nichts zu entdecken.

Fazit

Monos ist ein starkes Stück Kino aus Kolumbien. Visuell, darstellerisch und inszenatorisch durchaus einzigartig. Nur eben nichts für Mainstream-Fans – schon alleine aufgrund des eher ungeklärten Endes. Der Film lädt eher dazu ein, sich mit gruppendynamischen Psychologien und der jüngeren Geschichte Kolumbiens auseinander zu setzen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 10%
Film: 85%

Anbieter: DCM Film Distribution
Land/Jahr: Kolumbien/Argentinien/Niederlande/Deutschland/
Regie: Alejandro Landes
Darsteller: Sofia Buenaventura, Julián Giraldo, Karen Quintero, Laura Castrillón, Deiby Rueda
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1 // 1,78:1
Laufzeit: 103
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter DCM Film Distribution)

Trailer zu Monos

MONOS – ZWISCHEN HIMMEL UND HÖLLE | TRAILER jetzt in ausgewählten Kinos

 

3 thoughts on “Monos – Zwischen Himmel und Hölle

  1. Avatar Jacob

    Vielen Dank für das review! Der wird gekauft 🙂

  2. Avatar Stefan

    Aufgrund des Reviews gekauft. Bin begeistert von diesem kolumbianischen Jugenddrama. Danke für den tollen Tipp !

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