Muse – Worte können tödlich sein

Blu-ray Review

muse - worte können tödlich sein blu-ray review cover
EuroVideo, 09.10.2018

OT: Muse

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Der weiße Kreis

[Rec]-Regisseur Jaume Balagueró hat wieder zugeschlagen

Inhalt

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Samuel stellt auf eigene Faust Nachforschungen an

Samuel Solomon ist Literaturprofessor an der Uni und führt eigentlich ein zufriedenes Leben mit seiner jungen Lebensgefährtin, der Studentin Beatriz. Nach einer heißen Liebesnacht ringt sie ihm ab, dass er sie für immer lieben werde – und schneidet sich dann im Bad die Pulsadern auf. Samuel kann den Tod nicht verhindern und fällt in ein tiefes Loch. Auch ein Jahr später verfolgen ihn noch Albträume. In diesen hat er Visionen einer Frau, die bei einem blutigen Mord ums Leben kommt. Dann jedoch wird es seltsam. Denn eines Tages wird von einem Ritualmord berichtet, dessen Einzelheiten sich praktisch 1:1 mit dem decken, was Samuel geträumt hat. Ein offenes Ohr für diese unglaubliche Geschichte findet er in Kollegin Susan, die allerdings immer schon empfänglich war für esoterische Themen. Als er sich unerlaubterweise an den Tatort begibt und das Haus betritt, in dem die Tat verübt wurde, trifft er dort auf eine Fremde namens Rachel. Rachel ist aus dem gleichen Grund im Haus, denn auch sie hat den Mord vor dessen Stattfinden im Traum erlebt …

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Rachel hat die gleichen Träume

Jaume Balagueró gehört zu den talentiertesten und beschäftigtsten Regisseuren und Drehbuchautoren des jungen spanischen Horrorkinos. Mit der von ihm kreierten [Rec]-Serie wurde er 2007 schlagartig einem größeren Publikum bekannt. Nachdem er mit Sleep Tight bewies, dass er Schauer auch ohne große Make-up-Effekte oder blutige Szenen erzeugen kann. Mit Muse nimmt er sich nun einer weniger irdischen denn vielmehr übernatürlichen Thematik an und setzt auf Atmosphäre anstelle von effekthascherischer Oberflächlichkeit. Gleichzeitig schreckt er nicht davor zurück, Dinge schonungslos zu zeigen, wie sie nun mal sind – immerhin befindet man sich in einem spanischen, nicht in einem amerikanischen Film. So darf Sex nackt sein und aufgeschnittene Pulsadern hinterlassen tiefe Schnitte, keine oberflächlichen Kratzer.
Das aber nur zu Beginn, denn nach der ersten Viertelstunde regiert die Grusel-Stimmung. Ein verlassenes Haus, in dem der Mord stattfand, ein weiteres altes und heruntergekommenes Gemäuer, vor dem ein bemooster Oldtimer steht – das alles wird in düsteren und sehr atmosphärischen Bildern eingefangen.
Klar, es geht genretypisch konventionell zu. Aber immerhin bietet die Story von den bösen Musen, die sich zu einem Hexenzirkel verschworen haben und mit Worten zu gar schrecklichen Taten fähig sind, durchaus Abwechslung.

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Susan glaubt Salomon

Basierend auf dem 2003er Roman Die dreizehnte Dame (La dama número trece) vom spanischen Autor und Ex-Psychiater José Carlos Somoza versucht Muse tiefer in die Meta-Ebene seiner Figuren zu schauen. Doch was stimmungsvoll gefilmt ist, verliert auf halbem Weg an Überzeugungskraft. Die Komponente mit dem Nachtclub und Rachels Arbeit im selben lenkt ab. Die Charaktere werden ein wenig aus den Augen verloren und es fehlt vor allem an emotionaler Bindungskraft an Samuel.
Was Balagueró in Sleep Tight so grandios gelang, nämlich der hohe Grad an Mitfiebern und Mitempfinden der Hitchcock ähnlichen Suspense, geht in Muse vor allem in der wirren Geschichte unter, deren roter Faden kaum vorhanden ist. Man tut sich einfach schwer, die kryptischen Dialoge und übersinnlichen Momente nachvollziehen zu können, was dann auch an der Spannung knabbert.
Abseits der stilvollen Bilder kann man sich allerdings noch über etwas anderes erfreuen: Das Wiedersehen mit zwei bekannten Darsteller-Gesichtern. Zum einen hat Franka Potente die Rolle der Professoren-Kollegin Susan abbekommen und darf hier zeigen, dass sie in Genrefilmen immer gut besetzt ist – bis zum blutigen Finale. Zum anderen traut man seinen Augen kaum, dass niemand Geringerer als Christopher „Dr. Emmett L. Brown“ Lloyd mit von der Partie ist. Als Vater der eingangs ermordeten Lidia weiß er mehr als er zunächst vorgibt und zeigt, dass er abseits von extrovertierter Komik mit zerzauster Frisur auch im Genrekino gut aufgehoben ist.

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Rachel tanzt Nachts in Clubs, um ein Auskommen für sich und ihren Sohn zu haben

Bild- und Tonqualität

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Die Musen tragen schwarz

Das relativ dunkel gehaltene Bild der Blu-ray von Muse ist nicht ganz frei von Unruhen. Gerade in Außenaufnahmen wuselt es auf Straßenpflastern und Hintergründen schon mal etwas. Während der ruhigeren Innenraumszenen ist die Bildstabilität besser. Auch die Schärfe lässt in den Close-ups nur wenig zu wünschen übrig. Vor dem hellen Licht eines Fensters geht die Bilddynamik schon mal etwas runter und das Rauschen wird wieder stärker. Hier fehlt es der Blu-ray etwas an Kontrast, sie wirkt dann etwas trüb (5’00) – allerdings ist das beleuchtungstechnisch auch eine sehr schwierige Szene. In den Innenraum-Szenen, die bei künstlichem Licht stattfinden, gefallen Kontrastumfang und Farbdarstellung sehr gut.
Beim Sound tut sich die Blu-ray von Muse etwas leichter als beim Bild. Die beiden dts-HD-Master-Spuren liefern nicht nur gut verständliche Dialoge, sondern lassen die schaurigen Szenen mit zahlreichen direktionalen Effekten aufleben. Ob das ein Gewitter ist, dessen Rumpeln effektvoll durchs Heimkino poltert oder das Stimm-Wirrwarr, das Salomon in seinen Träumen wahrnimmt – die Surrounds werden in den entsprechenden Sequenzen dauerhaft mit Signalen versorgt. Im letzten Drittel gesellen sich dann oft tieffrequente Signale hinzu, die allerdings oft in unangenehmes Dröhnen übergehen – akustisch sauber ist das leider nicht, selbst wenn’s so gewollt ist (74’30).

Bonusmaterial

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Atmosphärische Bilder bestimmen „Muse“

Im Bonusmaterial von Muse wurde lediglich der Original-Filmtrailer abgelegt. Vor dem Start des Hauptmenüs gibt’s zudem noch ein paar Programmtipps des Anbieters.

Fazit

Muse beginnt stark und hört ebenso stark wie überraschend auf. Dazwischen verliert er sich allerdings in kryptischen Deutungen und Nebenplots. Für Genrefans dennoch ein Blick wert – nicht nur wegen der beiden hierzulande so beliebten Darsteller.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 5%
Film: 60%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: Spanien/Irland/Belgien/Frankreich 2017
Regie: Jaume Balagueró
Darsteller: Elliot Cowan, Franka Potente, Ana Ularu, Joanne Whalley, Christopher Lloyd, Leonor Watling, Manuela Vellés
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter EuroVideo)

Trailer zu Muse – Worte können tödlich sein

MUSE – Worte können tödlich sein Trailer

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