November Criminals

Blu-ray Review

November Criminals Blu-ray Review Cover
Sony Pictures, 25.01.2018

OT: November Criminals

 


Trauer

Hervorragend besetzte Adaption eines gefeierten Debüt-Romans.

Inhalt

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Ein schicksalhafter letzter Besuch im Café

Seitdem die Mutter des 18-jährigen Addison an einem Aneurysma verstarb, ist er ein wenig neben der Spur. Als er seine Bewerbung für die Uni in Chicago abliefert und in sieben Zeilen beschreiben soll, welches seine guten und schlechten Seiten sind, stellt er fest, dass er viel mehr Platz braucht – und zwar für die negativen Eigenschaften. Allerdings ist er immerhin sozial gefestigt und hat in Phoebe eine dicke Freundin und in Kevin einen tollen Kumpel. Beide haben sich seit dem Tod seiner Mutter um ihn gekümmert und stehen zu ihm. Ausgerechnet als Phoebe und Addison gemeinsam ihre Unschuld verlieren (man möchte ja nicht als Jungfrau an die Uni), wird Kevin in der Bäckerei, in der er arbeitet, erschossen. Man geht von einem Gang-Delikt aus, da der Junge scheinbar gezielt getötet wurde. Allerdings weiß Addison es besser: Kevin war kein Mitglied in einer Gang. Seine Worte und Beteuerungen will allerdings niemand hören. Dennoch sieht er nicht ein, warum er sich aufs Trauern beschränken soll. Er schlägt die guten Ratschläge in den Wind und nimmt selbst Ermittlungen auf. Phoebe hilft ihm, sieht aber mit Sorge, dass Addison sich immer tiefer in gefährliche Kreise begibt …

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Phoebe sieht die eigenen Nachforschungen Addisons mit wechselhaften Gefühlen

Ansel Elgort ist aktuell einer der angesagtesten Jungdarsteller und bewies zuletzt mit Baby Driver, dass er auch in Actionfilmen einsetzbar ist. In November Criminals kombiniert er seine Coolness aus besagtem Actionfilm mit dem sensiblen Spiel, das schon Das Schicksal ist ein mieser Verräter zum echten Ereignis machte. Da labert er in einem Moment noch lässig vor sich hin und verliert im nächsten gemeinsam mit Phoebe die beidseitige Jungfräulichkeit. Dass das nicht lächerlich oder dämlich rüberkommt, liegt aber nicht nur an Elgort und der (auch hier) mal wieder wunderbaren Chloë Grace Moretz. Es liegt auch an Filmemacher Sacha Gervasi, der mit Anvil – Die Geschichte einer Freundschaft als Dokumentarfilmer debütierte. Die Szene zwischen den beiden Darstellern gehört zu den schönsten, die über das „erste Mal“ je gedreht wurden. Es ist aber auch der letzte dieser Momente, denn von der Sekunde an, da der Mord das Zepter übernimmt, regieren Drama und zunehmend auch der Thrill. Denn was noch mit schick unterlegter Pop- und Retro-Musik als Flyer-Aktion beginnt, nimmt bald gefährliche Züge an. Was Gervasi allerdings an Sensibilität während der oben angesprochenen Szene vermittelt, lässt er leider in seiner Figurenzeichnung unter den Tisch fallen. Sein Addison ist scheinbar ein Verweigerer moderner Technik. Er nutzt einen Pager anstelle eines Handys, hört Musikkassetten und fährt einen BMW 2002 aus den 70ern. Warum? Das klärt der Film nicht. November Criminals basiert auf der Vorlage des Romans von Journalist Sam Munson. Dessen Werk ist gleichzeitig gesellschaftskritisch, politisch und eine Metapher auf den Verlust von geliebten Menschen.

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Überraschender Besuch

Letzteres wird durchaus angesprochen, wenn Addison mit seinem Vater über die aktuellen Geschehnisse spricht und durchklingt, dass der Tod der Mutter/Ehefrau für beide immer noch nicht abgeschlossen ist. Gesellschaftskritik wird allerdings nur am Rande integriert, wenn Phoebes Mutter (eine Lobbyistin) die Scheuklappen-Arbeit der Polizei verteidigt und ihrer Tochter den Umgang mit Addison quasi untersagt. Etwas schade ist die Tatsache, dass die romantischen Momente zwischen den beiden Teenagern (obwohl sie zu den schönsten Situationen des Films gehören) nicht so ganz zum Krimi-Thriller-Aspekt passen wollen. Inhaltlich sind die einzelnen Teile von November Criminals zwar übergangslos, doch so richtig will sich die Bindung zu Addison und seinen Ermittlungen nicht einstellen. Es bleibt trotz nachvollziehbarer Motivation eine eher kühle Angelegenheit. Dass die ganze Mörderhatz des Jungen natürlich vor allem dazu dient, die eigenen Dämonen zu bekämpfen und seine eigene Trauer zu bewältigen, wird dem Zuschauer spätestens dann nahe gebracht, als Addison seiner Phoebe erzählt, wie er die tote Mutter zu Hause gefunden hat. In Verbindung mit dem durchaus melancholischen Finale wird es beim Betrachter dann doch noch ergreifend.

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Cooles Auto für einen 18-jährigen

Bild- und Tonqualität

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Addisons Nachforschungen bleiben nicht ohne Folgen

Das Bild von November Criminals kommt im Bildformat von 1,78:1 zum Betrachter. Es präsentiert sich blitzsauber und extrem laufstabil. Die Bildruhe ist sehr hoch und vermeidet jede Körnung. Farben sind ein wenig warm gefiltert, sobald es in Innenräumen spielt – allerdings jederzeit angenehm und nie übertrieben sepiafarben. Der Kontrastumfang dürfte noch ein kleines bisschen größer sein, Schwarz hätte etwas mehr Punch verdient. Die Schärfe ist durchweg homogen über das Bild verteilt und bleibt dabei auf einem guten bis sehr guten Niveau. Ab und an zeigen sich während der dunklen Szenen leichte Banding-Probleme (65’10).
Akustisch passiert in November Criminals nicht viel. Der Film ist fast durchweg dialogkonzentriert und findet nahezu vollständig auf der Front statt. Das einzige, das den Raum nach hinten öffnet, ist die Filmmusik. Die Mischung aus jüngeren und älteren Popsongs darf bisweilen die Rearspeaker bedienen. Auch der leise Regen und das im Hintergrund grollende Gewitter bei Addisons Besuch eines Verdächtigen liefert ein paar direktionale Signale auf die hinteren Lautsprecher (66’02).

Bonusmaterial

In „Fürsorge“, dem Making-of von November Criminals umreißen die Macher und Darsteller in zirka sieben Minuten die Story und den Look des Films. Ansonsten hält sich das Bonusmaterial bedeckt und liefert nichts weiter.

Fazit

November Criminals zeigt zwei gut aufgelegte Jungdarsteller, die prächtig miteinander harmonieren. Ihre Coming-of-Age-Geschichte bewegt und berührt. Die Krimistory im Film fügt sich nicht immer glücklich ein, auch wenn die Motivation Addisons verständlich ist.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 20%
Film: 60%

Anbieter: Sony Pictures
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Sacha Gervasi
Darsteller: Chloe Grace Moretz, Ansel Elgort, Catherine Keener, David Strathairn, Terry Kinney, Cory Hardrict
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 86
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu November Criminals

November Criminals Trailer – On Digital 11/7 & In Theaters 12/8

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