Onward – Keine halben Sachen 3D

Blu-ray Review

The Walt Disney Company (Germany), 23.07.2020

OT: Onward

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Sein wie Dad

Pixar #22 entfaltet seine Magie im Heimkino

Inhalt

Ian Lightfood hat’s nicht so mit dem sicheren Auftreten  © 2019 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Ian Lightfoot hat Geburtstag. 16 Jahre wird er alt. Eigentlich ein Tag, an dem man sich freut. Doch Ian vermisst seinen Vater, der verstarb als er noch ganz jung war. Deshalb steht auf seinem Wunschzettel neben wichtigen Teenager-Dingen wie „eine Party feiern“ auch: „Sein wie Dad“.
Doch schon Punkt eins scheitert an Ians unbeholfener Schüchternheit gegenüber seinen Mitschülern und potenziellen Feiergästen. Naja, auch ein bisschen daran, dass sein etwas älterer Bruder, der polternde Barley, auftaucht. Barley meint es gut und ist für Ian so etwas wie der Ersatzvater. Aber manchmal schlägt er halt über die Strenge. Die Nähe zum Papa holt sich Ian dann schon mal über eine Cassette mit der Stimme seines Dads. Als die Mutter jedoch das angedachte Geschenk vom Speicher holt, könnte Ian seinem Vater noch etwas näher kommen. Denn versteckt in einer Decke findet sich ein Zauberstab. Kein Wunder, denn Ian und Barley leben in Newmushroomton, einer Welt voller Elfen (wie sie selbst), Trollen, Einhörnern und anderen bunten Bewohnern. Eine Welt, die mal voller Magie steckte, bevor man sich entschloss, der Zauberei den Rücken zu kehren. Mit dem Zauberstab haben Ian und Barley nun die Möglichkeit, sich ihren Dad für einen Tag wieder herbei zu zaubern. Weil das nicht so ganz funktioniert und sie nur seine Beine materialisieren, machen sie sich auf den Weg durch die magische Welt, um den Papa zu vervollständigen …

Kann man den Vater wirklich mit einem Zauberspruch wieder ins Leben zurück holen?  © 2020 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Onward ist der Film mit dem geringsten Einspiel aller Pixar-Filme und damit Opfer der Corona-Krise. Mit seinem Kinostart Anfang März konnte er seine Zugkraft weltweit nicht ansatzweise ausspielen und landete final bei gerade einmal knapp über 100 Mio. Dollar. Selbst der bis dato schwächste Pixar, Arlo & Spot, spielte das Dreifache ein und ein Cars 3 (künstlerisch sicher einer der schwächsten Pixar-Filme) kam noch auf 380 Mio. Dollar. Was unfair ist. Denn Onward – Keine halben Sachen beschreibt nicht nur eine fantastisch detaillierte Welt, sondern erzählt auch eine sehr berührende und in der Realität verwurzelte Geschichte. Regisseur Dan Scanlon (der mit Produzentin Korie Rae schon für die Monster-Uni zusammenarbeitete) erinnerte sich seiner eigenen Kindheit und Jugend. Früh verlor er den Vater und entwickelte eine starke Bindung zum zwei Jahre älteren Bruder. Dieser wurde für ihn Freund und Vaterersatz. Ganz so, wie es Barley für Ian ist – und zwar mit allen Konsequenzen wie bspw. dem Versuch des Abwischens von Tinte im Gesicht durch den alten (igitt) Spucke-Einsatz.
Das ist für den etwas unbeholfen wirkenden Teenager, der oftmals peinlich berührt ist, weil er nicht so cool und souverän agiert wie andere, natürlich ein Affront gegen sein Erwachsenwerden. Dennoch wird stets deutlich, wie verbunden die beiden Brüder miteinander sind.

Es scheint zu klappen …  © 2020 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Es wird aber auch deutlich, dass sie ihren Vater vermissen. Und das nicht nur, weil der neue Mann an Mutters Seite ein ziemlicher Trampel ist. Es gibt unerfüllte Sehnsüchte und Wünsche, die vor allem Ian hat. Sehnsüchte, die ihn auf eine Reise schicken, auf der er (ohne es zu merken) seine Wunschliste abarbeitet.
Und das begleitet Onward mit ein paar wirklich tollen und fast poetischen Szenen. Der Kniff, den Papa zunächst nur als Unterkörper in die Welt zu setzen, reduziert die Verbindung auf jene aus der Baby- und Kinderzeit Ians und Barleys. Auf jene Phase, in der sie auf dem Boden krabbelten und dem Papa gerade mal bis zu den Knien gingen. Auf diese Weise wird direkt eine Verbindung zu der Zeit hergestellt, als die Jungs von ihrem Vater getrennt wurden. Auch die gemeinsame Tanzszene berührt und zeigt, dass gemeinsame Erfahrungen auch ohne den gesuchten Oberkörper gemacht werden können.
Natürlich ist Onward auch witzig. Wenn beispielsweise Zauber schief gehen und Barley plötzlich als kleinere Version seiner Selbst rematerialsiert. Auch die Dynamik zwischen Manticor und Mama Lightfoot sorgt für amüsante Szenen. Dennoch ist der aktuellste Pixar-Film eher ein etwas zurückgenommenes Werk geworden. Eines, das Actionszenen wie die Verfolgungsjagd mit den Biker-Feen oder die finale Kampfszene auf ein geringes Maß reduziert, gleichsam aber sehr versöhnlich-melancholische Töne anschlägt.

… naja, zumindest zur Hälfte  © 2020 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Ein wenig Gleichnis auf das technologisierte und bequeme Leben der heutigen Generation gibt’s als Zuckerguss obendrauf. Wenn Onward beschreibt, wie durch die Erfindung von Strom, Technik und Bequemlichkeitsfirlefanz die „Magie“ verloren ging, darf man das durchaus mal in Anbetracht unserer heutigen Welt reflektieren. Da sind Einhörner plötzlich fette, müllfressende und zahnlose Rumstreuner und keine kunterbunten und friedlichen Fabelwesen mehr.
Und es versteckt sich noch eine Liebeserklärung an Rollenspielfans im Film – gerade an jene, die in ihrem Hobby mehr als nur ein simples „Spiel“ sehen. Ihnen hat Regisseur Scanlon den älteren Bruder Barley geschenkt, der fest daran glaubt, dass die Rollenspiel-Karten auf dem echten Leben basieren.
Schade, dass neben den wirklich bewegenden Momenten und den sympathischen Figuren und trotz der eigentlich kunterbunten Fantasiewelt nur wenig Eigenständiges produziert wird. Sowohl die Optik der Fabelwesen als auch die generelle Atmosphäre des Films wandelt etwas unentschlossen zwischen Herr der Ringe, Harry Potter und (später) Indiana Jones. Immer wieder fühlt man sich an diese filmischen Vorbilder erinnert, ohne dass ein echter roter Pixar-Faden erkennbar wird.
Natürlich ist es aber immer noch besser, auf bewegende Art und Weise andere Franchises zu zitieren als es ungelenk mit einem eigenständigen Uníversum zu versuchen. Aber so ein bisschen fehlt dann doch das typische Pixar-Flair.

Allesamt keine guten Tänzer  © 2019 Disney/Pixar. All Rights Reserved.
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Bild- und Tonqualität

Von „The Manticor“ erhoffen sich Ian und Barley wichtige Hinweise  © 2019 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Pixarfilme sind prinzipiell immer perfekt oder ganz nahe dran. Was soll auch passieren, wenn das tonangebende und (vermutlich) best ausgestattete Animationsstudio seine Rechenkapazitäten zusammen schließt und eine bunte Fantasywelt erschafft? Das gilt fast ohne Einschränkung auch für die Blu-ray von Onward. „Fast“ lässt Schlüsse darauf zu, dass es nicht GANZ so ist. Und das liegt ein wenig an der Art, wie man Farbkontraste hier gemastert hat. Sicherlich intendiert (ähnlich bspw. wie beim etwas softeren Look von Ratatouille) kommen Die Farben und Kontraste teils etwas arg dynamisch rüber. Das führt schon mal zu dezentem Überstrahlen.
Außerdem ist die BD tatsächlich nicht ganz frei von Unruhen um Objekte herum. Da wuselt es zum Beispiel in der Bewegung um den großen grünen Zeh von Gorgamon (9’17). Solche leichteren Unruhen sind allerdings selten und die etwas herben Kontraste letztlich Stilmittel. Davon abgesehen überzeugt auch Onward mit einem tollen Bild. Die Detailauflösung in Naheinstellungen lässt praktisch noch jedes Härchen oder Baumwollfädchen erkennen. Die Struktur auf den Gesichtern wirkt fast dreidimensional und der Schmutz auf Krimhild wirkt echt und lebhaft. Dazu ist die große Stadt hell erleuchtet und hat prägnante Lichter. Die Farbvielfalt ist mal wieder fantastisch und ganz nach dem, was man von Pixar kennt.

Man muss nur dran glauben  © 2019 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Wie bei Disney leider mittlerweile Usus, kommen die deutschen Tonspuren für die Filme aus dem Maus-Konzern nunmehr flächendeckend nur noch mit Dolby Digital Plus. Früher gab’s hier in der Regel dts-HD-High-Resolution, der mit der Komprimierung weniger drastisch umgeht. Es gab zwar zuletzt einige DD+-Tonkodierungen, die erstaunlich gut funktionierten (siehe Star Wars Episode I-VI), insgesamt ist es aber immer noch ärgerlich.
Der englische Sound kommt demgegenüber mit unkomprimiertem dts-HD-Master. Für sich genommen beginnt Onward allerdings hübsch räumlich, während die anfänglichen Magie-Momente ins Heimkino transportiert werden. Auch der Tiefbass meldet sich hier immer mal wieder hinzu. Man sollte allerdings ein wenig höher einpegeln (was für Disney-Spuren ebenfalls nicht unüblich ist). Tut man’s, bekommt man nach 32’00 durchaus eindrucksvolles Mantikor-Gebrüll und recht dynamisches Feuer im Anschluss. Auch die Szene in der Höhle nach 74 Minuten gelingt durchaus griffig. Die gallertartige Masse bewegt sich druckvoll durch den Raum und die Steinmauer schließt sich mit schönem Nachhall. Grundsätzlich dürfte zwar noch mehr Dynamikspreizung vorhanden sein, aber wenn man auf den englischen Ton wechselt, bekommt man diese dort auch nicht. Wenn man ganz genau hinhört, klingt der teilweise sogar etwas belegter als die deutsche Fassung. Beide erreichen aber keine Höchstwertung, was der grundsätzlichen Dynamik-Beschränkung entspricht, die Disney seit einigen Jahren schleichend in die Film-Tonspuren hat einfließen lassen.

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3D-Effekt

Die zweieinhalb Lightfoots müssen gefährliche Abenteuer überstehen  © 2020 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Als digital am Rechner erstellter Film hat Onward natürlich alle Möglichkeiten, für eine hochwertige 3D-Umsetzung.
Im laufenden Bild erweist sich Onward als sehr homogen umgesetzter 3D-Streifen, der sich die anfänglichen Magie-Sequenzen zu Nutze macht, um eine schöne Tiefenstaffelung zu erzeugen. Die Feen flattern greifbar in der Luft herum und die Zauberstäbe ragen schon mal aus dem Bild heraus. Die gesprochenen Zauber erwirken bunte Lichteffekte, die auch mal auf die Kamera zufliegen. Staub, der in Zimmern umherfliegt, stellt einen sehr hübschen 3D-Effekt dar und Figuren sind griffig. Glücklicherweise übertreibt es der Film aber nicht mit allzu drastischen Pop-Out-Effekten. Wirklich cool ist allerdings der Abgrund an der Vertrauensbrücke, der so gar nichts für Höhen-Ängstliche ist. Denn beim Blick nach unten wird hier deutlich, wie weit der Sturz gehen würde.

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Bonusmaterial

Was würde Ian seinem Vater nicht alles sagen wollen  © 2019 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

Die Film-Blu-ray von Onward enthält bereits einen Audiokommentar von Regisseur und Drehbuchautor Dan Scanlon und Produzentin Kori Rae. Dazu gibt’s die zwei Featurettes „Wie alles begann“ und „Die Einwohner von New Mushroomton“. Ersteres erklärt, wie Regisseur Dan Scanlon autobiografische Einflüsse in den Film integrierte, da nach dem frühen Tod sein älterer Bruder der Vaterersatz war. Erstaunliche private Einblicke aus der Vergangenheit der beiden Scanlon-Brüder gibt’s hier zu sehen. „Die Einwohner“ beschäftigt sich dann mit der Entwicklung der einzelnen Fantasy-Figuren sowie ihren Originalsprechern.
Die zusätzliche Bonus-Disk enthält neben sieben zusätzlichen Szenen noch vier weitere Featurettes. „Mit Herzblut“ kümmert sich um die Magie im Film, während „Die Entstehung des Drachens“ den finalen Kampf und seine aufwändige Erstellung beschreibt. „Wizard Rock“ gibt ein wenig Einblick in die Arbeiten am rockigen Soundtrack des Films und „Fantasymania“ lässt einige der Filmbeteiligten zu Wort kommen, was für sie Fantasyfilme sind. Alle Extras sind deutsch untertitelt, insgesamt fällt der Informationsgehalt aber etwas mager aus.

Fazit

Onward – keine halben Sachen ist ein guter Pixar geworden – ein rührender Pixar, dessen zugrunde liegende Story bewegt und der mit leisen Untertönen ebenso gekonnt umgeht wie mit vordergründiger Komik. Letztere kommt kürzer als in anderen Filmen des Studios und die aus unterschiedlichen Filmen entnommenen Bestandteile wirken nicht immer ganz glücklich harmonierend. Wer auf solche Eigenschaften aber keine große Analyse verschwendet, wird 100 Minuten lang sehr gut unterhalten.
Das Bild der Blu-ray ist bis auf ganz leichte Unruhen um einige Objekte herum und ein gewisses Überkontrastieren hervorragend. Der Ton hätte etwas mehr Dynamik vertragen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 90%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 60%
Film: 80%
3D-Effekt: 85%

Anbieter: The Walt Disney Company (Germany)
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Dan Scanlon
Sprecher: Annette Frier, Christian Zeiger, Leonhard Mahlich, Sascha Rotermund, Lutz Schnell
Tonformate: dts HD-Master 7.1: en // Dolby Digital Plus 7.1: de
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 102
Codec: AVC
Real 3D: Ja (gerendert)
FSK: 6

(Copyright der Cover und Szenenbilder: The Walt Disney Company (Germany) // Pixar)

Trailer zu Onward

ONWARD: KEINE HALBEN SACHEN – Teaser Trailer (deutsch/german) | Disney•Pixar HD

 

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