Pandemie

Blu-ray Review

Busch Media Group, 02.10.2020

OT: Gamgi

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Virusalarm

Sechs Jahre vor Corona produzierte man diesen südkoreanischen Epidemie-Thriller, der vor dem Covid-19-Hintergrund nun seine Heimkinopremiere feiert.

Inhalt

Die Politiker und Wissenschaftler diskutieren über die Entscheidungsgewalt

Hongkong 2014. Ein Container wird nach Südkorea verfrachtet. Im Inneren: Flüchtlinge aus Vietnam. Einer von ihnen hustet. In Südkorea angekommen sind alle Menschen im Container tot. Alle bis auf einen. Und der entflieht seinen beiden Abholern. Dass der Kranke in der Folge Kontakt zu anderen hat und diese mit seiner Infektion ansteckt, ist vermutlich sein letzter Gedanke. Immerhin ist er illegal im Land. Doch das, womit er die Menschen infiziert, die mit ihm zusammen treffen, breitet sich dermaßen schnell aus, dass vier Tage später das Land im Ausnahmezustand ist. Die Stadt wird zwar abgeriegelt, aber von den über 400.000 Menschen in Bundang könnten in kürzester Zeit die Hälfte tot sein …

Das Chaos bricht aus

Bilder von Menschenmengen auf den Straßen, zusammen gepferchte Flüchtlinge in einem Schiffscontainer, erste Hustenanfälle, eine sich ausbreitende Virenerkrankung und Panik auf den Straßen – Pandemie [original: Gamgi] wirkt wie die Verfilmung der Covid-19-Pandemie. Dass der deutsche Titel nur zu gerne die Nähe zur Corona-Situation sucht, ist aus marketingtechnischen Gründen nachvollziehbar. Aber um eine Pandemie handelt es sich im Film tatsächlich nicht, sondern um eine Epidemie. Okay, Spitzfindigkeit mal beiseite.
Beim Schauen werden dennoch ein paar Parallelen zur Serie My Secret, Terrius offenbar, die während der ersten Corona-Hoch-Phase im März/April 2020 Verschwörungstheorien provozierte. Menschen, die über soziale Netzwerke gewisse Szenen rausfilterten und sie so interpretierten, als wüsste der Film bereits alles über Covid-19 gab es damals einige. Man verschwörungstheorisierte, dass alles von langer Hand geplant ist und die Episode zehn der Serie dafür den Nachweis liefere.
Pandemie hat ähnliche Szenen, die (wenn man denn will) als prophetisch angesehen werden könnten, dramatisiert inszenatorisch allerdings deutlich und macht immer mal wieder eher den Eindruck, man wohne einem Zombiefilm bei.
Dennoch: Es gibt interessante Parallelen zur Handhabung der Covid-19-Pandemie. So gibt es natürlich auch Leute, die das ganze von Beginn an verharmlosen. Während die Mediziner frühzeitig davon sprechen, die Stadt abzuriegeln, reden die Politiker die Gefahr herunter und sprechen davon, dass auch die letzte angekündigte Pandemie nicht schlimmer als eine gewöhnliche Grippe gewesen sei – also ein 1:1-Verhalten, wie man es auch hierzulande zu Beginn wahrnehmen konnte.

Hoffnung aufgeben?

Gerade diese Szenen sind dann aber die wahrhaftigen Momente des Films. Wenn Verantwortungen abgegeben, nicht übernommen oder rumgeschoben werden und keiner sich dazu äußern möchte, was zu tun ist. Hier übt der Film unverhohlen Kritik an der zögerlichen Politik. Und auch die privilegierten Reichen bekommen ihr Fett weg, wenn Sie versuchen, im Angesicht der Pandemie ihren Status durchzusetzen und gleicher behandelt werden wollen als die anderen.
Leider gibt es aber – gerade zu Beginn – einige völlig unpassende Szenen: Die sexuell fragwürdigen Situationen und Anzüglichkeiten während und nach der Rettung des abgestürtzten Autos zu hätte man sich absolut sparen können. Das Verhalten des Retters und der jungen Frau (unsere späteren Hauptdarsteller) entbehrt jeder Rationalität. Und der Humor zwischen den beiden Rettungskräften funktioniert fürs deutsche Publikum und Humorverständnis ebenfalls nicht. Teils mag das auch an der etwas ungelenken Synchronisation liegen, aber das ist sicher nur ein kleiner Faktor am Rande.
Viel ärgerlicher noch ist das unglaublich dämliche Verhalten von Angehörigen der Opfer sowie einem von einem Teil der Wissenschaftler. Da werden dann auch gerne mal die Atemschutzmasken ausgezogen, wenn man für den Moment besonders kumpelhaft sein möchte – unwissend, ob der gegenüber infiziert ist oder nicht. Ebenso ärgerlich ist das Klischee, dass das Virus natürlich über illegale Einwanderer ins „saubere“ Südkorea eindringt.

Nicht über die orangefarbene Linie laufen!

Das ist vor allem deshalb schade, weil der Film diese ärgerlichen Patzer gar nicht nötig hat. Auch der anfänglich bemüht wirkende humoristische Faktor legt sich Gott sei Dank, wenn die Pandemie erst einmal ihren Lauf nimmt. Dann überwiegen die dramatischen Momente, die durchaus fesselnd und hochwertig inszeniert wurden. Das hohe „production value“ sieht man an den großen Massenszenen, Autounfällen, oder Hubschraubereinsätzen. Auch die Visualisierung der Aerosole, die das Virus lustig weiter verbreiten, ist gelungen und visualisiert wunderbar, wie hoch ansteckend ein Virus ist, das über die Luft übertragen wird. Ob es unbedingt eine Lovestory gebraucht hätte, sei dahingestellt. Sie funktioniert im späteren Verlauf aber vor dem Hintergrund der Katastrophe ganz gut und wird ausreichend mit nachvollziehbarem Verhalten unterfüttert. Schade, dass man im letzten Drittel das eigentliche Virus und seine Ursache und Bekämpfung praktisch komplett hinten rüber fallen lässt und Pandemie mehr und mehr in einen (überraschend bitteren) Actionfilm mutiert. Die arg spontane Findung eines Gegenmittels wirkt wissenschaftlich doch sehr fragwürdig und wenn am Ende der Kitsch überwiegt, muss man schon mal ein Auge zudrücken.
Vor dem Hintergrund von Covid-19 ist Pandemie aber durchaus unangenehm zu schauen, man sollte nur eine gewisse kritische Distanz zum Gezeigten wahren.

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Bild- und Tonqualität

Gibt’s doch noch Hoffnung

Pandemie kommt mit einem sehr ruhigen, rauscharmen Bild, das sichtlich digitaler Herkunft ist. Etwas weich wirkt es bisweilen, ein wenig zweidimensional. Aber eben extrem ruhig und rauscharm. Leichte Bewegungen verwischen schon mal etwas und die Schärfe könnte ein wenig besser sein. Dafür knallen Farben um die Wette. Die orangefarbenen Anzüge des Rettungsdienstes stechen äußerst kräftig aus dem Bild hervor – ebenso die farbigen Sitzgelegenheiten im Schnellrestaurant bei 33’30. Auch wenn die Schärfe in Close-ups nur mittelmäßig ist, gefällt die Detailauflösung bei der Totalen auf Bundang wirklich gut (67’00). Auch der Kontrastumfang weiß zu gefallen, allerdings überstrahlen helle Flächen schon mal etwas.
Respekt verdient auf jeden Fall der Ton von Pandemie. Schon die Eröffnungsszene im eingestürzten Straßenabschnitt wimmelt nur so vor direktionalen Effekten. Überall rumort, spratzelt, kracht und quietscht es. Wenn das Fahrzeug dann in die Tiefe kracht, unterstützt auch der Subwoofer ordentlich. Abgesehen von den wenig überzeugenden Synchronsprechern (die aber immerhin verständlich und laut genug eingebettet wurden), ist der Sound wirklich hervorragend gelungen.
Und das wird dann noch mal deutlich, wenn in der letzten halben Stunde öfter mal die Schusswaffen sprechen. Mit direktionalen Sounds ballert es um den Zuschauer herum und die Panik der Menschen überträgt sich auch akustisch ins Heimkino.

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Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Pandemie gibt’s lediglich die Trailer zum Film.

Fazit

Pandemie ist ein durchaus spannender Virus-Thriller, der wissenschaftliches Tun allerdings ebenso fragwürdig abhandelt wie das Verhalten diverser Einzelcharaktere. Kann man allerdings über ein paar Klischees hinwegsehen und will nicht unbedingt die Frage stellen, was hinter der Epidemie in der südkoreanischen Stadt steckt, bietet der Film vor allem vor dem Covid-19-Hintergrund angemessen spannende Unterhaltung.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 10%
Film: 60%

Anbieter: Busch Media Group
Land/Jahr: Südkorea 2013
Regie: Sung-su Kim
Darsteller: Hyuk Jang, Soo Ae, Roxanne Aparicio, In-Pyo Cha, Byung Mo Choi,
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, südkor
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 122
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Busch Media Group)

Trailer zu Pandemie

PANDEMIE - Offizieller deutscher Trailer

 

2 thoughts on “Pandemie

  1. Avatar Mark

    Das Problem mit den ständig vom Gesicht gerissenen Masken gibt es leider auch in dem ansonsten recht gut gemachten Pandemie-Thriller: „Carriers“ (https://www.imdb.com/title/tt0806203).
    Meine Vermutung ist, dass die Manager von Piper Perabo, Chris Pine und Lou Taylor Pucci einfach nicht verantworten konnten, dass die hübschen Gesichter ihrer Schützlinge auf Dauer nicht in ihrer ganzen Schönheit vom Publikum bewundert werden können.

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