Papillon 2017

Blu-ray Review

papillon blu-ray review cover
Highlight Communications, 29.11.2018

OT: Papillon

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Runter von der Insel

Das Remake des 1973er Gefängnis-Klassikers ist viel besser als man denken möchte.

Inhalt

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Papillon und Nennete in glücklichen Zeiten

Safeknacker Henri Charrière, den man wegen eines tätowierten Schmetterlings auf der Brust auch Papillon, oder kurz: „Papi“ nennt, lebt ein Leben in Saus und Braus. Mit seiner Geliebten Nennete verbringt er die Zeit wahlweise im Bett oder auf Partys, in denen er das gestohlene Geld durchbringt. Doch dann dringen Polizisten in das Hotelzimmer ein und verhaften ihn wegen des Mordes an einem Zuhälter. Papi beteuert seine Unschuld und glaubt, dass man ihn reingelegt hat. Doch der Justiz ist das egal. Sie schickt ihn gemeinsam mit mehreren anderen Delinquenten nach Französisch-Guayana, wo sie lebenslang in Haft kommen. Auf der Reise knüpft er Kontakte zum introvertierten Fälscher Louis Dega. Der, so sagt man, hat eine Dose mit Geld in seinem Allerwertesten versteckt. Und Geld bräuchte Henri dringend, wenn er sein Vorhaben, aus der Gefangenschaft zu entkommen, umsetzen möchte. Also bietet er dem schmächtigen Louis Schutz an, damit dieser ihm die geplanten Fluchtversuche finanziert. Doch aus der Zweckgemeinschaft wird bald eine echte Freundschaft

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Zu Unrecht in Haft

1973 gelang Regisseur Franklin J. Schaffner (Planet der Affen) mit Papillon ein Klassiker des Gefängnisfilms. Einer, der mindestens auf gleicher Ebene mit Der Gefangene von Alcatraz anzusiedeln ist und der weit über 8,5! Millionen deutsche Kinogänger fesselte. Dustin Hoffman und Steve McQueen spielten darin die Hauptrollen. Nun, 45 Jahre später, wagte sich Michael Noer (Nordvest – Der Nordwesten) an eine Neuverfilmung. Viele (gerade die Fans des Originals) werden sich fragen oder gefragt haben, warum man von einem perfekten Film unbedingt ein Remake inszenieren muss. Und die mageren Einspielergebnisse von 50.000 Besuchern würden diese Meinung reflektieren.
Doch so einfach ist es nicht. Mal abgesehen davon, dass man guten Filmstoff auch gerne mal für eine neue, jüngere Generation aufbereiten darf, weil diese ohnehin nicht die Geduld hätte, sich einen fast 50 Jahre alten Film anzuschauen, gelingt Noer nämlich etwas, das man kaum erwarten durfte.
Seine Neuinterpretation von Papillon ist ein im besten Sinne altmodischer Abenteuerfilm geworden, der den Geist des Originals durchweg atmet.

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Auf Französisch-Guyana herrschen strenge Regeln

Was aber nicht weiter verwundert. Denn auch das Remake basiert natürlich auf dem Roman von Henri Charrières, der ihn stets als autobiografischen Tatsachen-Bericht verkaufte. Ob und wie viel an der Geschichte rund um den Häftling Charrières alias „Papillon“ wahr ist, soll allerdings nicht Gegenstand dieser Rezension sein. Vielmehr geht es um die Spannung und Atmosphäre, die schon das Original vermittelte und die auch vom Remake ausgestrahlt wird.
Schon in der Eröffnungsszene auf den Straßen vom Paris des Jahres 1931 strahlt Papillon eine authentische Stimmung aus, die von den Kostümen und Fahrzeugen sowie der beschwingten Musik des Soundtracks ausgeht. Sofort fühlt man sich in den guten alten Zeit des altmodischen Analogfilms – und das, wo man digital drehte.
Noch packender wird es allerdings nach gut 25 Minuten, wenn Henri und Louis auf Französisch-Guayana angekommen sind. Von nun an nimmt sich die Musik drastisch zurück. Den Ton bestimmen nun die Zikaden und die flirrende Hitze, während die Sonne erbarmungslos auf die schwer schuftenden Delinquenten brennt. Und spätestens nach dem ersten Fluchtversuch macht der dänische Regisseur keine Gefangenen mehr. Wenn Hunnam in Einzelhaft gesteckt wird und dort zwei Jahre zu verbringen hat, wird er an den Rande des Wahnsinns gelangen. Brechen wollen ihn die Wärter. Und der Film bleibt bei ihm. In aller Stille verfolgt die Kamera, wie er in seiner winzigen Steinzelle den Boden abtrippelt und (so ist das Geheiß) kein Wort sagt. Man hört nur das Hintergrundrauschen und die sich öffnende Essensklappe. Umso mehr löst sich diese Spannung, wenn Papi eine Botschaft von Louis bekommt und man trotz zugeschwollenem Auge das Glück in Henris Gesicht sehen kann. Spätestens jetzt ist klar, dass man auch schauspielerisch ins Schwarze traf.

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Fluchtversuch #1

Denn darstellerisch fand man in Charlie Hunnam (Sons of Anarchy, King Arthur – Legend of the Sword) als Papillon und Rami Malek als Louis Dega die perfekte Besetzung. Glücklicherweise setzte man hier nicht einfach auf junge Typen, die bar jeden Talents lediglich gut aussehen können. Wenngleich Letzteres zwar vor allem für Frauenschwarm Hunnam gelten darf, ist er eben auch ein hervorragender Darsteller. Und Rami Malek, der in der Dustin-Hoffman-Rolle agiert, passt schon rein äußerlich hervorragend zum zögerlichen und introvertierten Charakter Degas. Dass Malek im Moment einer der talentiertesten Akteure ist, beweist er aktuell noch im Queen-Biopic Bohemian Rhapsody sowie in der TV-Serie Mr. Robot. Hunnam muss man zudem Respekt zollen, dass er seinen austrainierten Körper von 90kg auf etwas über 70kg runter hungerte, um die Rolle glaubhaft darstellen zu können. Das einzige Manko in diesem so stilsicher und spannenden inszenierten Drama ist das Fehlen von Charakterisierungen der anderen Figuren. Während Charrière durchaus Hintergrund bekommt und Dega zumindest innerhalb der Inhaftierungen Tiefe erhält, bleiben alle anderen Figuren – gerade die fiesen Typen – arg gesichtslos. Hier hätte man sich ein wenig mehr Hintergründe gewünscht, damit nicht alles auf Hunnams Schultern lastet. Sieht man davon ab, gelingt Papillon aber gleichermaßen, was schon das Original auszeichnete: Eine mitreißende Geschichte von Freundschaft und dem unbändigen Willen nach Freiheit. Dazu gibt es genauso emotional aufwühlende Bilder von ungerechten Wärter-Schikanen gepaart mit nervenzerrenden Ausbruchsversuchen wie sie der 73er Film auch lieferte.
Übrigens: Wie schon während der Kinoauswertung bekannt wurde, läuft die Blu-ray 15 Minuten länger als die aus dem Kino bekannte Version. Letztere straffte man schlicht aus Zeitgründen auf 118 Minuten runter. Mehr Gewalt oder Blut gibt es indes in der Langfassung nicht zu sehen, wenngleich schon die Kinoversion mit einem offenen Bauch, herausgequollenen Darmschlingen und einem abgetrennten Kopf aufwarten konnte – nicht von schlechten Eltern für eine 12er-FSK.

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Sind sich uneins über Fluchtversuch #2: Papi und Celier

Bild- und Tonqualität

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Es geht los

Papillon wurde mit mehreren unterschiedlichen Kameras aus der ARRI-Familie komplett digital gedreht. Damit es ein wenig mehr den Anschein hat, dass der Film der Zeit, in der er spielt, gerecht wird, fügte man in einigen Szenen nachträglich ein leichtes Korn hinzu – vor allem während der Innenraum-Aufnahmen tritt das dann deutlicher hervor. Ansonsten ist das Bild sehr ruhig und laufstabil. Die Tageslichtszenen auf der Insel geraten sogar exemplarisch knackig und haben teilweise einen Schärfe, dass man jedes einzelne Detail erkennen kann. Die Farbgestaltung hat man bewusst sehr braungelb gehalten, um die Stimmung auf Französisch-Guayana und später auf der Teufelsinsel adäquat einzufangen. Einzig der Schwarzwert ist in ein paar Szenen nicht ganz perfekt und es gibt ein paar ganz vereinzelte schlechter fokussierte Momente (124’12). Doch das ist verschmerzbar bei einem ansonsten wirklich hervorragenden Bild.
Der Ton von Papillon ist zwar kein Wunderwerk an Dynamik oder Effekten, kann jedoch immer wieder Akzente setzen. Sei es die Swing-Nummer und die Pariser Stadtatmosphäre zu Beginn oder das extrem atmosphärische Zirpen der Zikaden nach der Ankunft auf Französisch-Guayana. Auch das Flattern der Fledermäuse an der Decke sorgt für dedizierte Effekte und die entfernt fallenden Schüsse, hallen räumlich nach. Richtig dynamisch wird’s an der Trasse Null, wo Sprengungen aus dem Felsmassiv für richtig Druck sorgen. Dass eine Tonspur richtig gut ist, merkt man oft in Szenen, die ruhiger gestaltet sind. Und Papillon hat davon einige. Hier wird klar, wie sauber der „nur“ in dts-HD-High-Resolution vorliegende Sound wirklich ist. Gleichzeitig kann er es aber auch krachen lassen, was man wunderbar zu spüren bekommt, wenn das Gewitter über das kleine Boot hereinbricht.

Bonusmaterial

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Scheitern ist keine Option

Neben den Originaltrailern warten noch 13 entfernte Szenen im Bonusmaterial von Papillon. Ein Making-of oder dergleichen sucht man allerdings vergeblich.

Fazit

Michael Noer versucht nicht, das Original zu kopieren und schafft es gleichzeitig, sich nicht ans moderne Kinopublikum, das rasante Schnitte und viel Action kennt, anzubiedern – vielmehr ist sein Papillon ein überraschend altmodischer und höchst atmosphärischer Gefängnis-Thriller geworden, der von zwei herausragenden Darstellern getragen wird. Sicher kein kommender Klassiker wie einst das Original, aber wesentlich besser als die Unkenrufer vermuten ließen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 85%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 20%
Film: 85%

Anbieter: Highlight Communications
Land/Jahr: USA/Serbien/Montenegro/Malta 2017
Regie: Michael Noer
Darsteller: Charlie Hunnam, Rami Malek, Eve Hewson, Tommy Flanagan, Roland Møller, Michael Socha,
Tonformate: dts HD-High-Resolution 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 134
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Constantin Film)

Trailer zu Papillon

PAPILLON – offizieller Trailer

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2 thoughts on “Papillon 2017

  1. Avatar Markus

    Es ist immer wieder schön zum ersten Morgenkaffee eine sachliche und mit vielen Hintergrundinfos gespickte Rezension von dir zu lesen! Bisher aufgrund der Unkenrufe auf dem Erstsichtungsstapel verblieben, freue ich nun auf diesen Streifen.

    Ich wünsche dir ganz erholamse Feiertage im Kreise deiner Familie und Freunde.
    Beste Grüsse
    Markus

    • Hallo Markus.
      Besten Dank für die Grüße und natürlich die gleichen Wünsche an dich zurück. 🙂

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