Piercing

Blu-ray Review

Busch Media Group, 28.06.2019

OT: Piercing

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Überraschung

S&M-Psychospiele zwischen Mia Wasikowska und Christopher Abbott.

Inhalt

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Jackie gibt Entwarnung bei ihrem Zuhälter

Reed ist gerade Papa geworden, sieht sich in der Rolle aber seltsam überfordert. Außerdem überkommt ihn urplötzlich der Drang, jemanden töten zu wollen. Während er sein neu geborenes Kind gerade noch verschont, übt er dafür schon mal an sich selbst. Gleichzeitig beginnt er, sich im Kopf auszumalen, wie er vorgehen müsste, um den Mord möglichst perfekt zu gestalten. Eine auf SM spezialisierte Prostituierte scheint ihm das perfekte Opfer. Sie würde zunächst keinen Verdacht schöpfen. Minutiös beginnt er zu planen, probiert Chloroform an sich selbst aus und studiert jeden Handlungsablauf perfekt ein. Seiner Frau sagt er, dass er auf Dienstreise geht und mietet für sein Vorhaben ein Hotelzimmer an. Seine Wahl fällt auf Jackie, eine junge Prostituierte mit Erfahrung auf dem Gebiet von S & M. Sein Vorhaben wird jedoch torpediert, als sich Jackie vollkommen unerwartet verhält und nach einem kurzen Missverständnis beginnt, sich selbst zu verletzten.

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Reed hat seine Mordabsichten minutiös geplant

Regisseur Nicolas Pesce war 2016 mit The Eyes of My Mother auf der Bildfläche erschienen, einem schwarz-weißen Horror-Kunstwerk mit surrealer Bildsprache im Stile eines frühen David Lynch und selbst for Gorehounds schwer erträglichen Szenen. Nun knöpft er sich eine Vorlage von Ryû Murakami vor – jenem Autor, der auch schon Miikes Audition verantworte und den von ihm verfassten Tokyo Dekadenz gleich selbst verfilmte.
Schon die Titelmelodie Too Risky a Day for a Regatta nutzt Pesce für filmhistorisches Zitatraten und entnimmt sie einem italienischen Trashfilm aus dem Jahre 1977. Aber auch ohne diese musikalischen Querverweise standen Subgenres wie der Giallo oder das US-Grindhouse-Kino Pate für Piercing. Split-Screens, Großaufnahmen von gelben Telefonen, Vogelperspektiven auf künstliche Kulissen – Pesces Film ist voll von Stilmitteln der diversen Subgenres des Horrorfilms. Allerdings übt er sich schon mal etwas im Mainstream. Denn gegenüber seinem Erstling ist Piercing geradezu massentauglich. Und da der Regisseur gerade das Reboot von The Grudge inszeniert hat, ist er vollends im kommerziellen Kino angekommen.
Nichtsdestotrotz sind SM-Thematik, visueller Stil, Score und Gewaltdarstellung hier nichts für den regulären Blockbuster-Fan – obwohl mit Mia Wasikowska (Alice im Wunderland) und Christopher Abbott (Aufbruch zum Mond) zwei Darsteller aus der A-Riege für die beiden Hauptfiguren gewonnen werden konnten.

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Regisseur Pesce nutzt die Stilistiken bekannter Vorbilder

Und die reiten gemeinsam durch eine erstaunliche Tour de Force. Schon nach gut 26 Minuten wird klar, dass Mia Wasikowska absolut keine Gefangenen macht und mit ihrem unschuldigen Alice-Image gründlich aufräumt. Und das, obwohl (oder trotzdem) Piercing gründlich mit der Erwartungshaltung des Zuschauers spielt. Denn immer wieder teasert der Film die Wunschtaten des Reed an (in einer besonders eindrücklichen Szene hört man bereits die Geräusche, die Messer und Knochensäge verursachen werden, während Reed seine Taten einstudiert), nur um dann ganz anders zu verfahren als man erwarten würde. Und während Reed von seinem Vorhaben immer weiter abkommt, gesellt sich eine erotische Komponente hinzu – nur um kurz danach von einer psychosexuellen abgelöst zu werden. Man braucht zwar etwas Geduld mit dem Film (trotz der gerade mal 83 Minuten Spielzeit), wird aber spätestens nach einer Stunde mit einem Mix aus surrealen, blutigen und unerwarteten Bildern konfrontiert, die Piercing zu etwas Besonderem werden lassen – bis zum ebenso überraschenden Ende.

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Das hatte sich Reed anders vorgestellt

Bild- und Tonqualität

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Ein weiteres Filmzitat

Piercing liegt im Vollbild-Format von 1,78:1 vor und beginnt mit schmuddeligen Grindhouse-Titeln. Im Nachgang wird das Bild ruhiger und rauschärmer, könnte allerdings besser und dynamischer kontrastiert sein. Schwarz ist in der Regel eher gräulich und die Schärfe liegt nur auf mittlerem Niveau. Farben werden indes natürlich wiedergegeben, sodass der rote Lebenssaft ziemlich eindrücklich eingefangen wird.
Akustisch liegen beide Tonspuren in dts-HD-Master vor. Während die englische Fassung zunächst nur mit eingeblendeten Untertiteln wählbar ist, kann man diese aber bei bestimmten Playern manuell deaktivieren.
Grundsätzlich spielt sich das meiste Geschehen dann aber auf der Front ab. Die Surrounds werden nur extrem selten einbezogen (bspw. bei kurzen surrealen Bildeffekten) und der Center dominiert mit guter Sprachverständlichkeit den Film. Allerdings sind die Synchronstimmen nicht die von den Darstellern bekannten und auch nicht sonderlich professionell geraten.

Bonusmaterial

Im Bonusbereich gibt’s lediglich acht Trailer zum Programm des Anbieters.

Fazit

Piercing ist unerwartet, überraschend und intensiv gespielt. Nichts für Mainstream-Gucker und auch nicht wirklich was für Gorehounds. Aber sehr wohl etwas für aufgeschlossene Filmfreunde.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 5%
Film: 70%

Anbieter: Busch Media Group
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Nicolas Pesce
Darsteller: Christopher Abbott, Mia Wasikowska, Laia Costa
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 82
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Busch Media)

Trailer zu Piercing

PIERCING offizieller deutscher Trailer (2019)

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