Playmobil – Der Film

Blu-ray Review

Concorde Home, 27.12.2019

OT: Playmobil: The Movie

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Mit dem Foodtruck durchs Playmobil-Land

Der Playmobil-Film schickt sich an, die ganze Familie zu unterhalten.

Inhalt

Marla fühlt sich plötzlich in ihren Bewegungen etwas eingeschränkt

Marla und Charlie sind nach einem Unfall, bei dem die Eltern starben, seit vier Jahren alleine mit sich. Die 22-jährige Marla kümmert sich zwar so gut sie kann um Charlie, doch der Junge pubertiert derzeit schwer. Nachdem er Abends ausgebüchst ist, findet sie ihn auf einer Playmobil-Ausstellung. Als sie sich dort streiten, passiert etwas, worauf sie nicht vorbereitet waren: Sie werden in die Spielzeugwelt hineingezogen und finden sich als Figuren aus Plastik mit Betonfrisur wieder. Während Charlie zum Wikinger mutiert, wird Marla über Umwege zur Ritterin. Sie besteht Abenteuer in einer Westernstadt, lernt den Foodtruck-Fahrer Del kken und macht sich auf die Suche nach Charlie, der von Imperator Maximus entführt wurde. Neben zahlreichen anderen tapferen Kriegern aus den restlichen Welten will er sie zu seinem Spaß in seiner Arena gegeneinander antreten lassen. Marla muss all ihre Cleverness zusammen nehmen, um ihren Bruder aus der Situation zu befreien …

Foodtruck-Fahrer hilft Del … und hält Burritos parat

Was LEGO® kann, kann Playmobil schon lange. Das jedenfalls dachte sich das französische Independent-Animationsstudio „On Animations Studio“, das nach Der kleine Prinz nun keine Märchengeschichte auf die große Leinwand bringt, sondern eine Adaption des deutschen Systemspielzeugs. Allerdings richtet man den Tenor weniger selbstironisch aus und zielt deutlich stärker auf eine ausschließlich junge Zielgruppe. Während die Kollegen mit den Steckbausteinen durch zahlreiche Popkulturzitate und eine Vielzahl an gewonnenen Rechten bestimmter Figuren (Batman &Co.) locken konnten, schlägt Playmobil: Der Film eher einen etwas ernsteren Ton an. Schon der viertelstündige Einstieg ist für die erwachsenen Zuseher etwas altbacken und hakelig, wenn die menschlichen Protagonisten musicalartig zu singen beginnen. Den Figuren selbst mag man das ja noch abnehmen – zumal die Kollegen von LEGO® hier ein paar zünftige Hits hervorbrachten. Aber singende Kids sind dann doch eher was für … naja, Kids eben.
Sobald das Szenario ins Reich von Playmobil wechselt, wird’s aber auch für die älteren Zuschauer ganz charmant. Das beginnt mit den staksigen Bewegungen, die natürlich vor allem für die soeben zur Plastikfigur mutierte Marla ziemliche Gewöhnungssache sind.
Weiter geht es zu den bekannten Figuren der Welt, den Wikingern und Piraten oder auch den Helden der Westernstadt.
Um Action ist der Film zudem nicht verlegen. Es beginnt schon mit einer zünftigen Keilerei der Wikinger und geht über rasante Szenen auf einem Highway hin zur rasanten Verfolgungsjagd mit Rex Dasher.
Tatsächlich wirkt das anfänglich sogar etwas arg hektisch und schnell, sodass die kleineren Kids schon mal den Überblick verlieren könnten. Außerdem hat man leider das Gefühl, dass Playmobil – Der Film zu einer Nummernrevue verkommt. Es scheint, als wolle man unbedingt alle unterschiedlichen Playmobil-Welten einmal abgeklappert haben – sinnvoll zusammenhängend wirkt das nicht.

Maximus will Brot und Spiele – vor allem für sich

In puncto Animation ist es natürlich systembedingt etwas glatt. Sonderlich viele Details haben die Figuren des Herstellers nun mal nicht. Und um das authentisch darzustellen sind Frisuren natürlich betonhaft festgemeißelt und rote Bäckchen sind aufgemalt. Anders wäre es aber auch eher ablenkend gewesen.
Wirklich gut funktionieren die Synchronsprecher. In Disney-Filmen wirkt es manchmal gezwungen, wenn unbedingt deutsche (Schauspiel)Prominenz für bestimmte Stimmen gebucht werden. Hier jedoch macht ein Christian Ulmen als sich maßlos überschätzender Del wirklich richtig Spaß und sogar ein Matthias Schweighöfer nimmt sich im Sinne seiner Figur etwas zurück und passt seine Stimme dem coolen Agentenmodus an.
Ohnehin sind die Agentenszenen, die schon mal lustvoll Mission: Impossible zitieren, die gelungensten Teile des Films. Hier hat man es auch mal mit einer etwas länger zusammen hängenden Szene zu tun, die man durchaus noch weiter hätte ausbauen können. Eigentlich ist es schade, dass man hier so episodenhaft vorgeht und die Rahmengeschichte, die natürlich die Realfilmhandlung über das Zusammenfinden von Marla und Charlie widerspiegelt, nicht sonderlich tiefgründig ist.
Wenn man sich EINS der vielen Abenteuer rausgepickt und eine zusammenhängende Story draus gemacht hätte, wäre es für die älteren Zuschauer insgesamt unterhaltsamer gewesen.
Für die Kids geht das kunterbunte Treiben mit dem hohen Wiedererkennungswert aber in Ordnung.

Bild- und Tonqualität

Rex Dasher ist der coolste Agent im Playmobil-Land

Als (größtenteils) vollanimierter Film hat Playmobil – Der Film natürlich ein digital entstandenes Bild, das in seinen Szenen in der Spielwelt absolut laufruhig und nahezu rauschfrei erscheint. Allerdings ist es dennoch nicht frei von Artefakten. Der blaue Himmel (bspw. während der Wikingerszene zu Beginn) offenbart doch deutliche Banding-Probleme. Auch später sieht man diese immer wieder mal auf den Gesichtern der Figuren oder beim Sonnenuntergang nach Rex Dashers Einsatz. Ganz übel gar auf der Gefängniswand bei 51’30. Der etwas softe Look rund um die Figuren ist sicherlich bewusst gewählt, um der Spielwelt etwas filmischer wirken zu lassen. Etwas mehr Kontrastumfang wäre allerdings schön gewesen – insgesamt geht es doch etwas zu hell zu, was so richtig satte Farben oder entsprechend knackiges Schwarz weitgehend verhindert.
Playmobil – Der Film bietet einen durchweg lebhaften dts-HD-Master-Sound, der wirklich räumlich ins Heimkino gelangt. Schon die Wikinger-Schlacht macht richtig Spaß und wenn die Autos auf dem Highway vorbeiflitzen, tun sie das sehr effektvoll auf den Rears. Die Stimmen sind derweil absolut klar und gut verständlich. Geht es anch 53 Minuten in die Disko bekommt sogar der Subwoofer ein wenig zu tun und darf etwas Volumen zum Betrachter schicken. Immer wieder sind es aber die räumlichen Effekte, wenn Figuren von einem zum anderen Speaker rennen oder die Delinquenten am Pranger von links nach rechts trippeln. Druckvoll wird es auch noch mal, wenn der T-Rex die Arena betritt und gewaltig auf die Erde stapft.

Bonusmaterial

Del hat die coolsten Badelatschen im ganzen Land

Im Bonusmaterial von Playmobil – Der Film warten insgesamt sechs Interviews mit den prominenten Synchronsprechern Schweighöfer, Ulmen, Egli, Neureuther, Michael Patrick Kelly und Ralf Schmitz.
Dazu gibt’s ein kurzes Making-of Live-Action (eher ein unkommentierter Blick hinter die Kamera) und ein Making-of der Animation, das noch kürzer läuft und ein paar Previsualisierungen zeigt. Die Playlist fasst dann noch mal die Songs des Films zusammen.

Fazit

Playmobil – Der Film richtet sich merklich an ein jüngeres Publikum, nicht im gleichen Maße ausgewogen an Jung und Alt wie es der erste LEGO®-Film tat. Es fehlt ein wenig die selbstironische Ader, die in Teilen nur bei Del und Rex zum Tragen kommt. Dazu ist die Rahmenhandlung ziemlich dünn und altbacken. Dennoch: Für Kids sicher ein unterhaltsames Wiedersehen mit den Spielfiguren aus der Playmobil-Kiste.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 40%
Film: 65%

Anbieter: Concorde Home Entertainment GmbH
Land/Jahr: USA/Frankreich/Deutschland 2019
Regie: Lino DiSalvo
Darsteller: Lina Rabeam Mohr, Matthias Schweighöfer, Christian Ulmen, Beatrice Egli, Regina Halmich, Ralf Schmitz, Michael Patrick Kelly, Oliver Kalkofe
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 100
Codec: AVC
FSK: 0

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Concorde Home)

Trailer zu Playmobil – The Movie

PLAYMOBIL: DER FILM | Trailer 2 | HD | Offiziell | Kinostart: 29. August 2019

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