Prestige – Meister der Magie 4K UHD

Blu-ray Review

The Prestige 4K UHD Blu-ray Review Cover
Warner Home, 04.01.2018

OT: The Prestige


Vorhang auf!

Mit The Prestige folgt der letzte Film, den es in der Nolan-Box als UHD-Neuveröffentlichung gibt. Wie gut geht die Ultra-HD mit dem verhältnismäßig alten Ausgangsmaterial um?

Inhalt

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Angier führt einen „neuen“ Trick vor

London im ausgehenden 19. Jahrhundert: Robert Angier und Alfred Borden sind Magier – sehr gute ihres Fachs sogar. Sie schätzen sich und betreiben so etwas wie einen Wettstreit und vertrauen dem altehrwürdigen Cutter, der als begnadeter Erfinder von Illusionen gilt. Als jedoch während einer Vorstellung Angiers Ehefrau in einem Wasserbehälter ertrinkt, weil sie den Knoten, den Borden gemacht hat, nicht aufbekommt, kommt es zum Bruch der Männerfreundschaft. Als Borden auch noch einen scheinbar perfekten Zaubertrick entwickelt und vorführt, ist Angier noch frustrierter als ohnehin schon. Er setzt alles daran, hinter das Geheimnis zu kommen, wie sich Borden vor Publikum vom einen zum anderen Ende des Saales zu teleportieren scheint. Um ihm etwas entgegen zu setzen, wandelt er den Trick ab, nutzt einen Doppelgänger und führt seinerseits das Publikum an der Nase herum. Doch der Erfolg reicht ihm nicht. Er will wissen, was hinter Bordens Illusion steckt – koste es, was es wolle …

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Borden ist zwischendurch ziemlich weit unten angekommen

Eigentlich ist Christopher Nolan ja der Magier, der es immer wieder schafft, sein Publikum zu verzaubern. In The Prestige – Meister der Magie nutzte er die Zeit zwischen seinem Einstand ins Batman-Universum mit Batman Begins und dessen Fortsetzung The Dark Knight, um mit den schon angestammt wirkenden Schauspielern Christian Bale und Sir Michael Caine eine Geschichte zu erzählen, die nicht nur über einen doppelten Boden verfügt. Im Verlaufe der 130 Minuten wird der Zuschauer gleich mehrfach hinters Licht geführt, was sich bis zur finalen Szene nicht ändern wird und immer wieder für unterhaltsame Verwirrung sorgt. Natürlich muss gerade ein Film, der mit Magie umgeht und zahlreiche Hinweise streut, besonders sorgfältig inszeniert und durchdacht sein. Und genau das ist es, was The Prestige ausmacht: Von der Ausstattung über das Setting bis hin zu den Fingerfertigkeiten der beiden Hauptdarsteller, welche vom echten Illusionisten Ricky Jay angelernt wurden – Nolan überlässt hier nichts dem Zufall. Gleichzeitig integriert er Motive wie Eifersucht, Betrug und berufliche Obsession, zitiert scheinbar locker aus dem Ärmel zahlreiche Filme aus der Historie und nimmt auch Bezug auf tatsächlich stattgefundene Konkurrenzkämpfe zwischen Magiern.

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Trauert um seine Frau: Robert

Zwar konnte The Prestige nicht so viel Geld in die Kassen spülen wie die Batman-Filme oder Inception, den Nolan als ersten Film mit originärer Geschichte nach Prestige inszenierte – das macht ihn aber nicht minder sehenswert. Das Duell zwischen Hugh Jackman und Christian Bale muss man einfach gesehen haben und der gnadenlos geniale Coup, David Bowie als Nicola Tesla zu besetzen (übrigens einer, der ebenfalls im Wettstreit lag und sich gegenüber Thomas Edison behaupten musste), sorgt nicht nur bei Fans des viel zu früh verstorbenen Sängers für Freudentränen. Klar ist: Man muss bei der Stange bleiben. Schon einen Moment lang nicht aufgepasst und man hat ein Detail nicht mitbekommen, das nach der finalen Auflösung Ungereimtheiten hätte auflösen können. Die vielen Kleinigkeiten und Storywendungen machen es auch fast unmöglich, ein umfassendes Review zu The Prestige zu schreiben. Denn wenn man eins nicht tun sollte, dann ist das, an dieser Stelle auch nur einen Hauch der Geschichte zu spoilern.

Bild- und Tonqualität BD

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Cutter: Meister der Trickerfindungen

Wie auch bei Batman Begins, so erfährt schon die Blu-ray von Prestige – Meister der Magie ein Upgrade gegenüber der bisherigen Single-Disk-Veröffentlichtung. Zum einen entfernte man das Bonusmaterial und separierte es auf die dritte Disk der 4K-Veröffentlichung. Dann änderte man den Codec und wechselte vom früher fast ausschließlich von Warner genutzten VC-1 auf das modernere AVC. Das führte zu einer höheren Datenrate, was dem Bild der Blu-ray in Bewegungen durchaus gut tut. Der generelle Look der BD ist etwas abhängig von den jeweiligen Szenen. Dunklere Innenraumszenen wie jene während der Vorstellungen sind grundsätzlich etwas wärmer. Außenaufnahmen bei Tageslicht wirken hingegen bisweilen überraschend kühl und grau. Dadurch wirkt die Szenerie etwas schmuddelig. Die Schärfe geht in Ordnung, reißt aber durchweg keine Bäume aus. Bisweilen sind Close-ups aber durchaus knackig.
Während das Bild schon eine kleine Änderung erfuhr, betrifft die Hauptänderung den Ton, der dieser „neuen“ Blu-ray mitgegeben wurde. Lag dieser bei der bisherigen BD noch ausschließlich in Dolby Digital 5.1 vor (Deutsch und Englisch), kommen BEIDE Sprachen nun schon auf der Blu-ray mit dts-HD-Master-Kodierung.
Vorbei ist es dann auch mit der leidlich effektvollen, aber undynamischen DD-Spur, die nun von einem um Längen offeneren und räumlicheren dts-HD abgelöst wird. Zwar ist Prestige ein hauptsächlich dialogbasierter Film, doch das heißt nicht, dass es hier nicht auch dynamische und sehr fein differenzierte Szenen gibt. Herausragend ist sicherlich das Spratzeln der Elektrizität in Teslas Labor, das sich von leichtem Knistern bis in gewitterartige Sounds steigert (ab 49’35, 63’30). Außerdem ist die Bühne während der Zaubershows wunderbar breit, der Hall des Klatschens in den großen Theatern kommt authentisch rüber und lässt den Zuschauer mitten im Geschehen sitzen. Die Dialoge kommen dabei sehr gut verständlich und voluminös aus dem Center. Ebenfalls sehr realistisch wirkt das Geschehen auf den Straßen Londons: Leise Stimmen im Hintergrund, murmelnde Passanten und dazu der sanfte Score – das passt wirklich gut zusammen und klingt absolut zeitgemäß.

Bild- und Tonqualität UHD

The Prestige wurde, wie sämtliche Filme von Christopher Nolan mit analogen Kameras aufgenommen. Allerdings in diesem Fall ohne Anteil von 70mm- oder gar IMAX-Sequenzen. Es blieb bei herkömmlichen 35mm Film. Für die UHD wurde das Material in 4K neu gescannt und über ein 4K Digital Intermediate auf die UHD gebracht.
Das liefert in der Tat eine bessere Auflösung als jene der Blu-ray, wie man bei den Beispielbildern unten gut sehen kann. Bäume reißen allerdings beide Disks nicht aus, da sie in Sachen Detailtiefe nicht zu den besten Filmen Nolans gehören. Hat man allerdings einen gewissen Abstand zur Leinwand, gefällt die UHD durchaus. Und das, obwohl auch sie dazu tendiert, dunkle Bereiche sichtbar aufzuhellen. Die stärkere Braunfärbung wirkt hier allerdings absolut passend und trägt zur Atmosphäre des Films und der Zeit, in der er spielt, bei. Im Gegensatz zu Inception bleiben hier auch Kontrastprobleme auf Gesichtern aus – sie wirken nie wachsartig oder puppenhaft, sondern stets lebendig. Lediglich beim Dinner nach gut 77 Minuten übertreiben es die Hauttöne mit deutlicher Orangefärbung in den Spitzlichtern.
Dennoch. Wer mit dem neuen Farblook leben kann, ihn vielleicht sogar passender findet, der bekommt mit The Prestige zwar kein perfektes Bild, aber eine der besten UHD-Umsetzungen der Nolan-Box.
Prestige BD vs UHD Bildvergleich 1
(11’30): Die Blu-ray hat das sattere Schwarz. Zwar verschluckt es ein paar Details, insgesamt wirkt es aber stimmiger und sorgt für die harmonischeren Szenen im Dunkeln
Prestige BD vs UHD Bildvergleich 2
Die UHD hellt hier sichtbar auf und färbt das Bild im Schwarz auch noch ein bisschen anders. Fernseher, die unter unausgewogener Helligkeitsverteilung leiden, zeigen hier  dann durchaus leichte Wolken
Prestige BD vs UHD Bildvergleich 5
(27’16): Gut sichtbar ist die komplett andere Farbgebung bei mittleren Helligkeiten. Während die Blu-ray wesentlich kühler und blauer daherkommt …
Prestige BD vs UHD Bildvergleich 6
… nutzt die UHD einen wesentlich wärmeren, brauneren Look. Das ist sicher Geschmacksache, wirkt im Falle von „The Prestige“ aber tatsächlich etwas atmosphärischer
Prestige BD vs UHD Bildvergleich 7
(51’13): Das Close-up offenbart: Die Blu-ray ist dann doch nicht so gut aufgelöst wie die UHD. Gerade das feine Muster in der Weste Jackmans ist verschwommen und undefiniert.
Prestige BD vs UHD Bildvergleich 8
Die UHD zeigt hier deutlich mehr Feinzeichnung und das viel klarer abgegrenzte Muster in der Weste. Auch das Halstuch wirkt dreidimensionaler
Prestige BD vs UHD Bildvergleich 9
Hier das Gesamtbild der obigen Detailszene
Beim Ton zeigt sich The Prestige – Meister der Magie unverändert. Die UHD liefert dieselben dts-HD-Master-Spuren wie die Blu-ray.

Bonusmaterial

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Nikola Tesla hat vielleicht die Lösung für Robert

Das Bonusmaterial von Prestige unterscheidet sich inhaltlich nicht von jenem der bisherigen Blu-ray und liegt komplett auf der dritten Disk der UHD vor. BD und UHD-Filmscheibe selbst sind frei von Extras. Die Blu-ray, die man bis dato kannte, hatte das Bonusmaterial allerdings zusätzlich auf der eigentlichen Filmdisk.
Enthalten ist ein sechsteiliges Featurette, das auf den Titel: „The Director’s Notebook“ hört und insgesamt rund 20 Minuten läuft. Dabei geht Nolan auf die Story selbst ein sowie auf das Produktionsdesign. Natürlich gibt’s auch Einblicke in ein paar der (Film)Tricks und ein eigener kleiner Beitrag gebührt Nikola Tesla. Dazu gibt’s diverse Fotogalerien, die unter dem Part „The Art of …“ zusammengefasst sind.

Fazit

Prestige – Meister der Magie hat zwar grundsätzlich von allen Nolan-Filmen aus der Box das schwächste Bild, punktet aber mit einer vergleichsweise guten Ultra-HD. Ohnehin macht die Anschaffung dieser 4K-Fassung Sinn, da schon die enthaltene Blu-ray einen dts-HD-Master-Ton liefert, der bisher überhaupt noch nicht zur Verfügung stand.
Filmisch ist das Zauberwerk ohnehin Pflicht, denn kaum ein Film der letzten 15 Jahre liefert eine derart trickreiche Handlung und ist gleichzeitig liebenswerte Hommage an die Zauberei und das Kino an sich.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 70%
Bildqualität UHD: 75%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 80%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 50%
Film: 90%

Anbieter: Warner Home
Land/Jahr: USA 2006
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Hugh Jackman, Christian Bale, Sir Michael Caine, Rebecca Hall, Piper Perabo, Scarlett Johansson, David Bowie, Andy Serkis
Tonformate Blu-ray/UHD: dts HD-Master: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 130
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10
FSK: 12

Trailer zu Prestige – Meister der Magie

Christopher Nolan 4K Ultra HD – Trailer – Warner Bros. UK

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One thought on “Prestige – Meister der Magie 4K UHD

  1. Armin

    Servus,

    Danke für das Review. Wo findet man die Infos mit welchem Equipment du testest. Ist ja auch nicht ganz unerheblich 😉

    LG

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