Rambo: Last Blood 4K UHD

Blu-ray Review

Universum Film, 31.01.2020
Universum Film, 31.01.2020

OT: Rambo: Last Blood

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Welt des Todes

Ein letztes Mal muss John den Rambo geben.

Inhalt

Zu Gabrielle hat er ein väterliches Verhältnis

Zehn Jahre ist es her, dass John Rambo in Burma zuletzt zu schwerem Geschütz greifen musste, weil er die Mitglieder einer US-Delegation für humanitäre Hilfe vor burmesischen Soldaten rettete. Seitdem lebt er auf der Farm seiner verstorbenen Eltern in Arizona. Deren langjährige Haushaltshilfe Maria hat er der Einfachheit und Freundschaft halber übernommen und kümmert sich zudem wie ein Vater um deren Enkelin Gabrielle. Das Mädchen wuchs ohne Mutter auf, die vor einiger Zeit an Krebs gestorben war. Nun möchte sie allerdings gerne ihren Vater kennen lernen, obwohl dieser die Mutter verlassen hatte. Als sie erfährt, dass er in Mexiko sein könnte, reist sie über die Grenze. Dort allerdings wird sie von Menschenhändlern entführt. Als sie nicht nach Hause zurück kehrt, macht sich John auf den Weg. Er spürt die Verantwortlichen auf und findet schließlich auch Gabrielle. Doch die Rückkehr in die USA endet dramatisch und Rambo startet in der Reaktion einen gnadenlosen Rachefeldzug …

Rambo mag’s kernig

Sylvester Stallone ist nicht nur ein guter Schauspieler (manchmal, nicht immer), sondern auch ein guter Drehbuchautor (ebenso manchmal, aber nicht immer). Es gibt neben einigem Schatten bei seinen Arbeiten auch einiges an Licht.
Rocky, von ihm selbst geschrieben, ist eine großartige Underdog-Story vom kleinen Mann, der sich nach oben kämpft. Der kurz darauf folgende F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg ist zwar nicht von ihm geschrieben, aber am Screenplay war er dennoch beteiligt. Heraus kam eine mitreißende Geschichte über einen Gewerkschaftler, der seinen Weg geht, aber von seiner kriminellen Vergangenheit eingeholt wird.
In Rambo letztlich schrieb er sich (nach der Buchvorlage von David Morrell) die Geschichte eines Kriegsveteranen, der nach der Heimkehr aus Vietnam von den Verantwortlichen für den Krieg allein gelassen und der Gesellschaft ausgestoßen wird, auf den Leib. Und das lange bevor Tom Cruise in Born on the 4th of July genau dieses Thema noch einmal etwas größer aufzog.
Rocky, F.I.S.T. und Rambo – alle drei Filme sind kleine Meisterwerke innerhalb ihres Genres.
Leider aber hält Stallone die Qualität seiner Skripts nicht konstant auf hohem Niveau.
Rambo II machte aus dem verdienten Kriegsveteran mit nachvollziehbarer posttraumatischer Belastungsstörung plötzlich eine Ein-Mann-Kampfmaschine, die im Alleingang doch noch den Vietnamkrieg gewinnt. Als hätte es Apocalypse Now nie gegeben, betreiben Stallone und Drehbuch-Ko-Autor James Cameron mit dem zweiten Part historischen Revisionismus erster Güte. Anstelle der militärischen Übermacht der USA (die im Dschungel von Vietnam gegen die unterbewaffneten Vietcong unterging) ist es nun eine militärische Übermacht der Nord-Vietnamesen, die gegen den Einzelkämpfer Rambo kein Land sieht. Schon hier reflektierte die Rambo-Reihe den Wechsel in der US-Politik, die mit der Präsidentschaft Ronald Reagans einen deutlich aggressiveren Kurs fuhr und vor allem gegen die damalige UdSSR die Säbel rasselte.

Gabrielle wird nach Mexiko fahren

Exakt diese Tatsache spiegelte dann Rambo III wider. Der liefert zwar immerhin noch einen der (wenn nicht DEN) coolsten Spruch der Filmgeschichte (ihr wisst schon, den mit dem blauen Licht), ist ansonsten aber ein bisweilen ärgerlich reaktionärer Film, der in Klischees badet.
Begann die Reihe mit dem phänomenalen ersten Teil, in dem man reflektierte, welche Dämonen der Vietnamkrieg bei den Soldaten hinterließ, erlaubte man sich in Rambo III einen Kommentar auf das „russische Vietnam“ in Afghanistan.
Voller Häme machte sich der Film über Russland lustig, bediente jedes Taliban-Klischee und kam mit der Story auch noch viel zu spät. Denn wo im Kino Rambo den Kalten Krieg vorwärts trieb, waren Gorbatschow und Reagan in der realen Welt schon längst auf Deeskalationskurs. Von Glasnost hatte John Rambo zu dem Zeitpunkt offenbar noch nichts gehört. Selbst als Actionfilm darf man heute mit dem dritten Teil so seine Schwierigkeiten haben, weil es doch arg albern und lächerlich wirkt, wenn unser Titelheld mit wallender Mähne, freiem Oberkörper und Stirnband die Helikopter per Pfeil und Bogen vom Himmel holt – man hört förmlich Atze Schröders Stimme: „Ja nee, is klar“.
Nicht verwunderlich, dass selbst die Rambo-Fans das im Kino nicht mehr wirklich sehen wollten und Stallone daraufhin die Goldene Himbeere als schlechtester Darsteller des Jahres gewann. „Genießen“ kann man Teil III heute nur noch in feuchtfröhlicher Runde und wenn man das Ganze keinesfalls ernst nimmt. Hatte Stallone mit dem ersten Teil noch einen nachvollziehbar-systemkritischen Film geschrieben, der die Politik der USA und den Umgang mit den Kriegsheimkehrern zu Recht kritisierte, mutierte Sly mit dem Skript zum dritten Teil zum verlängerten Arm der Reagan-Doktrin (vgl).

John kämpft immer noch mit den Dämonen aus dem Krieg

Auf den finanziell eher mauen Erfolg von Rambo III folgte dann bis zum Jahr 2008 eine 20-jährige Pause. Zeit genug, dass der Titelheld der Serie der Gewalt abschwört und sich an einem schönen Fleck der Erde friedlich niederlässt. Als Zivilist lebt er in Thailand, wird aber durch eine humanitäre Mission einer US-Gruppe in Burma wieder von der Vergangenheit eingeholt.
Für das Skript zu John Rambo hatte Stallone sich Hilfe von Art Monterastelli geholt und wandelte damit auf sicheren Pfaden. Auch wenn hier Gewalt erneut auf Gegengewalt trifft, war der vierte Teil viel mehr Actionfilm als politischer Kommentar.
Und brutal war er, der gute John Rambo. Nicht ganz umsonst liegen die Heimkino-Veröffentlichungen der ungeschnittenen Fassungen seit September 2008 auf der Liste A der indizierten Filme. Auch wenn die Reihe allgemein nie zimperlich gewesen ist, nahm das Finale des vierten Teils mit platzenden Köpfen und abreißenden Gliedmaßen doch neue Formen an.
Nun dachte man eigentlich, dass Rambo nach den Erlebnissen in Burma tatsächlich genug von all der Gewalt hat. Zumal Stallone im Jahr 2010 wirklich mit der Figur fertig war und ausgeschlossen hatte, dass noch ein fünfter Teil kommen würde (Quelle).
Doch die Fans waren beharrlich und Stallone immer noch in guter physischer Form. Warum also nicht den Kosmos mit einem (nun wirklich) letzten Abenteuer zu Ende bringen? Schon rein vom Titel her war früh klar, dass man nun den Bogen von Teil I, Rambo: First Blood zu Teil V, Rambo: Last Blood spannen wollte.
David Morrell, der Autor der Buchvorlage des ersten Films, war ab 2015 zunächst mit von der Partie. Doch als man die gemeinsam mit Stallone entwickelte Idee dem Studio vorlag, lehnte es ab. Morrell war von diesem Moment an raus.

Bastelt immer noch gerne an Waffen herum

Dennoch sollte es eine ganz persönliche Geschichte werden. Wieder eine, die eher auf einen kleinen Kosmos reduziert wird und keine groß angelegte Hatz auf das Welten-Unrecht zelebriert. Deutlich wird das schon in den ersten Minuten von Rambo: Last Blood, wenn man John Rambo als gebrochenen Charakter sieht. Als einen, der seine Dämonen dadurch zu vertreiben sucht, dass er sich um Gabrielle, die Tochter seiner Haushälterin Maria, wie ein Vater kümmert, gleichzeitig die physischen und psychischen Leiden aber mit starken Medikamenten in den Griff zu kriegen sucht. Traumatisiert ist er, dieser John Rambo, was auch dadurch symbolisiert wird, dass er sich ein unterirdisches Höhlensystem baut – das Erlebte gibt keine Ruhe und die Erinnerungen lassen ihn ständig auf der Hut sein.
Für John Rambo scheint der Krieg – zumindest im Kopf – einfach noch nicht vorbei zu sein.
Doch auch die Welt hat noch nicht mit ihm abgeschlossen. Und so werden seine außerordentlichen Fähigkeiten noch einmal gebraucht, wenn er seine Ziehtochter aus den Händen von brutalen Mädchenhändlern befreien muss. Dieses Mal bekommen also die Mexikaner ihr Fett weg – ein Punkt, der Last Blood weltweit den Vorwurf der Xenophobie einbrachte. Und tatsächlich könnte man dem Film Böses, wenn man das transportierte Bild der Mexikaner betrachtet. Offenbar gibt es jenseits der Grenze zu Mexiko nur kriminelle Vergewaltiger, Drogendealer und Menschenhändler – selbstredend sind sie noch korrupt und verräterisch dazu.
in Zeiten, in denen der US-Präsident eine Mauer an der Grenze zu Mexiko ziehen möchte, ist das zumindest keine Story, die sich um die Aussöhnung der beiden Länder bemüht – um es mal milde auszudrücken.

Szenen, die der US-Fassung fehlen

Doch am Ende ist Rambo: Last Blood vielleicht einfach nur ein Rachedrama – ein passables, aber leider nicht wirklich sonderlich originelles Rachedrama.
Das hat man in Taken – 96 Hours schon zackiger gesehen. Zumal Stallone dann doch seinem Alter etwas Tribut zollen muss. Seine Gegner jedenfalls schaltet er fast ausnahmslos lieber aus der Distanz und nicht im Zweikampf aus. Das allerdings durchweg brutal – wenn es denn zu Auseinandersetzungen kommt.
Denn abgesehen von zwei kurzen Szenen konzentrieren sich Action und Handgreiflichkeiten komplett auf die abschließenden knapp zehn Minuten. Die fallen zwar durchweg blutrünstig aus (leider nicht ganz ohne den Einsatz von CGI) und geraten aufgrund der Tunnel-Atmosphäre packend, doch zwischendurch gibt’s eben auch eine ganze Menge Leerlauf. Zu nennen sind da beispielsweise die Szenen mit dem mexikanischen „Engel“ Carmen Delgado. Die lässt das Drehbuch völlig aus dem Nichts auftauchen und sie lediglich als notwendigen Story-Haken ohne jeden Hintergrund fungieren.
An der zwischenzeitlichen Langatmigkeit ist übrigens nicht die ungekürzte Fassung schuld, die bereits im Kino lief und zehn Minuten länger andauert als die US-Fassung. Der größte Anteil konzentriert sich auf die komplette Anfangssequenz und ein paar wenige, hinzugefügte Momente (die meist wiederum auf den Anfang des Unwetters Bezug nehmen). Mehr Gewalt bekommt man in der längeren Fassung indes auch nicht zu sehen und ob es die anfängliche Sequenz wirklich gebraucht hätte, sei mal dahingestellt.
Schade, dass man sich doch für eine so einfache Geschichte entschieden hat, die noch dazu von Get-the-Gringo-Regisseur Adrian Grunberg nicht wirklich gelungen umgesetzt wurde. Gerade während der Anfangsszenen zwischen Rambo und Gabrielle lässt Last Blood ja durchaus aufblitzen, was man aus dem Grundgerüst des traumatisierten Vietnam-Veteranen hätte machen können, wenn man sich mehr mit seinen Dämonen und denjenigen befasst hätte, die ihm Ausgleich bieten.
Es bleibt ein halbwegs kurzweiliges Action-Drama, das aber auch unabhängig von John Rambo auf ähnliche Weise funktioniert hätte. Der Original-Spirit fehlt dem Film leider über weite Strecken.

Auch sein letzter Kampf fordert Opfer

Bild- und Tonqualität BD

Die beiden Martinez-Brüder: Noch lachen sie

Rambo: Last Blood ist komplett digital gefilmt und basiert auf einem 4K-Master (siehe nächstes Kapitel). Allerdings ist das Bild nicht durchgängig konsistent. Zum einen ist es in den dunklen Szenen mal mehr, mal weniger körnig, zum anderen flachen Vordergründe schon mal etwas ab und wirken arg soft (Gabrielle 11’30, Gizelle 38’00). Farblich gelingen die Szenen auf der Farm hervorragend. Mit angenehm warmen Brauntönen und überraschend scharfen Einstellungen aus der Vogelperspektive (John reitet den Hengst ein) gefällt die BD mit sehr plastischen Momenten. Auch der Flug über die mexikanische Stadt während des Tages zeigt eine beeindruckende Vorstellung – zumindest für eine Blu-ray.
Das stark ins Gelbliche driftende Color Grading während der nächtlichen Szenen in Mexiko ist sicherlich gewöhnungsbedürftig, offensichtlich aber so gewollt. Ab und an fehlt es hier allerdings wirklich an Plastizität, wenn Unschärfen, Körnung und gelber Look aufeinander treffen. Der Fall ist das bspw. bei Johns erster Begegnung mit den Martinez-Brüdern über den Dächern der Stadt – eine der schwächsten Einstellungen des ganzen Films.
Ebenfalls nicht wirklich gut ist die Durchzeichnung im Schwarz, bzw. auf den dunklen Flächen. Mehrfach hat man das Gefühl, dass noch Details zu sehen sein sollte, wo die BD sie verschweigt. Ob das Schattenbereiche auf Gesichtern sind oder dunklere Randumgebung von besser ausgeleuchteten zentralen Elementen.
Aufgrund des etwas schwankenden Looks ist hier leider nicht mehr drin (siehe Wertung unten), obwohl einige Szenen wirklich knackscharf und plastisch sind.

In den Bildern unten gibt’s mal einen (hier bisher unüblichen) Vergleich zwischen der iTunes-Fassung (HD) und der Blu-ray.

iTunes HD (53’24): (Slider ganz nach rechts): Hier einmal ein Vergleich zwischen der iTunes HD-Version und der Blu-ray. Beide haben eine sehr ähnliche Farbgebung.

Blu-ray (Slider ganz nach links): Die Blu-ray wirkt etwas dynamischer, aber das sind Nuancen.

iTunes HD (53’24): (Slider ganz nach rechts): Gehen wir näher ran, darf man der Blu-ray zwar bescheinigen, dass sie mehr Körnung zeigt und etwas unruhiger um Objekte ist, die iTunes-Fassung ist aber fast wachsweich gefiltert (siehe das zart rosafarbene Haus im oberen linken Bildbereich).

Blu-ray (Slider ganz nach links): Die Blu-ray offenbart die Körnung zwar stärker und ist etwas unruhiger, wirkt aber im laufenden Bild lebendiger und nicht so plattgefiltert.

Zielen kann er noch gut, der gute John Rambo

Bereits die Blu-ray kommt mit Dolby-Atmos-Sound fürs Deutsche und Englische. Beide Sprachfassungen sind hier bereits verlustfrei True-HD-kodiert. Das ist umso löblicher, da Anbieter Universum nicht zwingend die Lizenzen für die Atmos-Abmischungen von den US-Disks übernimmt (zuletzt bspw. bei Angel Has Fallen) und hierzulande dann nur mit dts-HD-Master abliefert.
Rambo: Last Blood macht hier eine rühmliche Ausnahme. Und die klingt schon auf der regulären Ebene während des anfänglichen Sturms halbwegs wuchtig. Die Wassermassen kommen rauschen druckvoll ins Tal und beliefern die Surroundspeaker mit reichlich Effekten. Stimmen sind in der Folge wirklich gut eingebettet (ja, es ist erneut Stallones ursprünglicher Sprecher, Jürgen Prochnow, der hier für die Synchro sorgt, nicht sein Langzeit-Synchron-Mann Thomas Danneberg) und haben ein sehr warmes Timbre.
Was der Atmos-Spur jedoch ein wenig fehlt, ist der Druck im Tiefbassbereich. Hier könnte und dürfte der Subwoofer noch ein bisschen kräftiger zupacken, wenn John nach knapp einer Stunde den ersten Gegnern beibringt, wo der Hammer hängt.
Erst während der Explosionen vor dem Finale setzt es richtig was über die LFE-Kanäle – was aber auch sein muss, wenn man die Wucht des Feuerwerks sieht (ab 77’40).
Doch auch hier hätte es etwas kräftiger zulangen können – ungefähr so wie nach 86 Minuten, bevor es Hugo an die Oberfläche spült. Hier rumpelt es dann endlich mal richtig ordentlich. Davor gibt’s im Finale in den Höhlen wenigstens reichlich Surroundeffekte, wenn Johns Fallen zuschnappen.

Die Figur der Carmen Delgado bleibt unterbelichtet

Wechseln wir auf die Atmos-Ebene, bzw. nehmen wir die 3D-Sound-Ebene hinzu, melden sich die Heights erstmalig direkt zu Beginn. Das Gewitter kommt nicht nur vom regulären 5.1-Setup, sondern auch (dezent) von oben hinzu. Der Hubschrauber ist kurz zu hören und wandert sogar effektiv über alle vier Speaker. Der Score gesellt sich leise hinzu und Wind ist zu hören. Gut, dass man den Regen nur kurz hört, wenn er auf Rambos Hutkrempe prasselt und ihn ansonsten auslässt. Denn: Regen hört man eben nicht fallen, es sei denn man steht unter etwas, worauf das Wasser auftrifft.
Während der Score immer mal wieder von oben mit hinein spielt, gibt’s Geräuscheffekte auch stets dann, wenn John seine Flashbacks ins ehemalige Kriegsgeschehen hat. Nach ein paar leise kreischenden Möwen kurz vor der 30-Minuten-Marke hört man dann einen kurzen Dialog zwischen Gabrielle und John, der in Rambos Kopf stattfindet, auch über die Heights (33’28). Wirklich dedizierte 3D-Sounds sind nach dem geräuschvollen Intro aber sehr rar gesät, weil es die Story und das Geschehen einfach nicht hergeben. Die Höhen-Speaker bleiben weitgehend dafür da, mit dem Score gemeinsam die Dramatik etwas zu intensivieren und das generelle Rundumgeschehen noch etwas griffiger zu gestalten.
Die ersten echten 3D-Sounds, die unabhängig vom effektvollen Intro zum Ohr gelangen, gibt’s, wenn John seine Höhlen auf die Gangster vorbereitet und zum Schluss ein paar mal seinen Bogen abfeuert. Hier zischen die Pfeile dann effektvoll durch den Raum (60’53). Richtig klasse ist dann der Hall der Schüsse in den Höhlen, der lange und in Wellen über die Lautsprecher zurück gegeben wird. Zwar übernehmen die Heights hier nicht die Hauptarbeit, arbeiten aber den sehr gut beschäftigten Surrounds sehr effektiv zu. Wenn John dann den Song abspielt, wird das Untergrund-Szenario zum Rundumerlebnis wie ein Konzert. Da man sich in einer Höhle befindet, macht das akustisch auch durchaus Sinn.

Bild- und Tonqualität UHD

Wehe, er nimmt dich ins Visier

Rambo: Last Blood wurde mit Kameras vom Typ Red DSMC2 Gemini S35 aufgenommen, die am Ausgang 5K liefern. Ausgehend von diesem Material wurde nicht (wie so oft) nur ein 2K DI erstellt, sondern ein natives 4K Digital Intermediate. Wir haben es also mit einer echten 4K-Scheibe zu tun. Zusätzlich gelangte noch ein im Rahmen von Rec.2020 erweiterter Farbraum sowie die höhere Kontrastdynamik nach dem statischen Verfahren HDR10 sowie dem dynamischen Dolby Vision auf die Disk. Das ist löblich, da Anbieter Universum, der in Deutschland den Vertrieb für den Film hat, auch hier (wie beim Atmos-Ton) die Vorlage aus den USA (dort Lionsgate Films) übernommen hat – das war in der Vergangenheit leider auch schon anders.
Schaut man sich das Bild der UHD von Rambo: Last Blood in den entsprechenden Szenen an, wird vor allem eins deutlich: Der teils sichtbare Auflösungsvorsprung. Die native 4K-Scheibe erweist ihrem Namen in den Close-ups, beim Anflug auf die mexikanische Stadt oder auch in den Aufnahmen der Wiese aus der Froschperspektive alle Ehre. Schon Stallones Antlitz sieht so viel feiner aufgelöst und dreidimensionaler aus, dass es eine Freude ist.
Disteln, die auf der Wiese stehen (kurz bevor John und Gabrielle aus dem Bunker kommen) sind bis auf die letzten Härchen zu erkennen, wo die (wirklich nicht schlechte) BD sie komplett undifferenziert lässt. Und was in der Vogelperspektive auf die bunte Stadt bei Minute 53’24 noch erkennbar ist, verschweigt die BD ebenfalls. Wellblechdächer werden so über die Blu-ray zum plattgeklopften Irgendwas. Ebenfalls auffällig ist die wesentlich bessere Durchzeichnung auf dunklen Flächen. Wo die Blu-ray auf Schattenbereichen keine Differenzierung mehr zulässt, erkennt man über die UHD noch Stallones Ohr (46’36) oder auch die Bewaldung im nächtlichen Anflug auf die Stadt (54’08). Letztere differenziert Dolby Vision noch besser heraus, ohne den Schwarzwert maßgeblich aufzuhellen. In den Tageslichtszenen punktet Dolby Vision mit den etwas kräftigeren Farben. Was die UHD leider ähnlich zurückwirft, sind die teils arg grobkörnigen Sequenzen – vor allem bei Rambos erstem Aufeinandertreffen mit den Martinez-Brüdern wird das deutlich. Der UHD kann man hier unterstellen, dass sie die Körnung noch etwas deutlicher herausarbeitet, was für den Moment auffälliger ist. Ebenso leidet sie wie die BD unter den brutal abgesofteten Einstellungen von Gizelle. Ob das „nur“ eine Mischung aus krassem Make-up und gewollter Objektiv-Unschärfe ist oder ob auch noch gefiltert wurde, lässt sich schwer sagen. Schon aussehen tut’s jedenfalls nicht. Dennoch ist die UHD in Summe die deutlich bessere Wahl, weil ihre Auflösung einfach um so viel besser ist. Fans von großem Bild und Beamer-Nutzer dürfen sich also freuen.

Blu-ray (11’49): (Slider ganz nach rechts): Die Blu-ray ist in den Tageslichtszenen etwas zu hell.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD punktet mit dem sichtbar dynamischeren Kontrast und (bei genauem Hinsehen) mit einer phänomenal guten 4K-Auflösung. Die Distel oberhalb vom blauen Rohr bleibt bis auf ihre einzelnen Härchen definiert. Da kann die BD nicht mithalten.

UHD HDR10 (20’53): (Slider ganz nach rechts): Ein Vergleich zwischen HDR10 und Dolby Vision.

UHD Dolby Vision (Slider ganz nach links): Das dynamische Dolby Vision ist etwas kräftiger in den Farben und arbeitet die Gebirgskette im Hintergrund besser heraus.

Blu-ray (20’19): (Slider ganz nach rechts): Die Blu-ray sieht in Close-ups schon sehr gut aus.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Etwas mehr Glanz, etwas mehr Bräune – die UHD kann alles ein wenig besser und ist viel besser aufgelöst.

Blu-ray (20’19): (Slider ganz nach rechts): Das Ganze mal als Ausschnitt.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Trotz Überlagerung des Pixelrasters gut zu erkennen: Die feiner herausgearbeiteten Furchen und Fältchen sowie die Bartstoppeln der nachlässigen Rasur. Letztere lassen sich über die BD gar nicht vom Rest differenzieren.

Blu-ray (53’24): (Slider ganz nach rechts): Auch hier ist die BD gar nicht mal so übel.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Dennoch sieht man auf den ersten Blick, wie die UHD hier ihre Farbkraft, ihre Auflösung und den Kontrastvorsprung spielen lässt.

Blu-ray (53’24): (Slider ganz nach rechts): Zwei Close-ups aus dem Bild. Kann jemand die Beschriftung auf dem Busdach lesen?

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD macht’s möglich.

Blu-ray (53’24): (Slider ganz nach rechts): Noch deutlicher wird es hier. Was über die BD (fast) ein Flachdach ist …

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … wird über die UHD zum Wellblechdach.

Die Kehrseite beider Disks (BD und UHD): Teils extrem softe Einstellungen, die (vielleicht absichtlich) aussehen wie ein schlechter Selfie-Filter aus dem Mobiltelefon. Einzig auf Make-up und genutzte Kameraoptik ist das wohl nicht zurück zu führen.
Beim Ton nichts Neues: Die UHD kommt mit den gleichen Atmos-Fassungen wie die Blu-ray.

Bonusmaterial

Job Done!

Im Bonusmaterial von Rambo: Last Blood finden sich zwei Featurettes. Zunächst ist da „Drawing Last Blood“, ein fünfteiliges Production Diary, das insgesamt gut 50 Minuten läuft. In diesem dürfen sowohl Stallone als auch Regisseur Grünberg ausgiebig Kommentare abgeben, während man viele interessante Bilder aus der Behind-the-Scenes-Perspektive zu Gesicht bekommt. Stallone betont die Emotionen, die das Franchise immer noch in ihm auslöst. Außerdem ist ihm wichtig zu sagen, dass er Rambo 5 nicht für einen „Action“film hält, sondern für ein Drama. Außerdem hält er sich vornehmlich für einen Filmemacher und Geschichtenerzähler – Schauspielen hält er nicht für sein Steckenpferd. Gleichzeitig kritisiert er moderne Genrefilme, die er für seelenlos und techniklastig hält. Ihm fehlen die „echten“ Figuren, die charismatischen Charaktere.
Das zweite Featurette „From First Note to Last Blood: Music for the Massacres“ läuft etwas über 17 Minuten und stellt Brian Tyler, den Komponisten des Films in den Mittelpunkt. Tyler erzählt davon, dass es nicht so einfach war, gleichzeitig der Originalmusik von Jerry Goldsmith, die er verehrt, Tribut zu zollen, aber auch etwas Eigenes zu kreieren.
Leider, wie bei Universum üblich, gibt’s keine Untertitel zu den Extras.

Fazit

Rambo: Last Blood zeigt in der ersten halben Stunde, welches Potenzial in ihm gesteckt hätte, einen wehmütigen Abgesang auf den traumatisierten Vietnamkriegs-Veteranen abzuhalten. Leider verschenkt er dies auf Kosten einer arg simplen und Vorurteile schürenden Rachestory. Offenbar war das für David Morrell, den Schöpfer Rambos so ärgerlich, dass er ihn via Twitter als „schlampig“ bezeichnete und sich „schäme mit dem Film verknüpft zu sein“ (Quelle). Er warf ihm gar vor, seelenlos zu sein (Quelle).
Selbst wenn man den fünften Film des legendäre Franchise aber als reines Actiondrama sieht, kommt er nicht ohne Kritik aus. Zu abgehangen wirkt die simple Rachestory und zu viel Leerlauf gibt’s zwischendurch. Der Actionfan indes darf sich immerhin über das zünftige Finale freuen, das wirklich atmosphärisch und packend geraten ist.
Wer sich auf den Film freut, dem sei die UHD ans Herz gelegt. Sie hat zwar in ein paar Momenten die gleichen Probleme wie die Blu-ray, ist aber ansonsten um Längen besser aufgelöst und schärfer. Dazu zeichnet sie in dunklen Szenen besser durch. Der Atmos-Sound kann über die reguläre Ebene mit zahlreichen Effekten punkten, hat auf der Höhen-Ebene allerdings thematisch bedingt nur wenig zu tun.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 80%
Bildqualität UHD: 85%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 80%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 75%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 80%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 50%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 75%

Bonusmaterial: 70%
Film: 60%

Anbieter: Universum Film
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Adrian Grunberg
Darsteller: Sylvester Stallone, Paz Vega, Sergio Peris-Mencheta, Adriana Barraza, Yvette Monreal, Genie Kim, Joaquín Cosio, Óscar Jaenada, Louis Mandylor
Tonformate BD/UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 101
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 2808
FSK: 18 (uncut)

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Universum Film)

Trailer zu Rambo: Last Blood

Rambo: Last Blood - Trailer (deutsch/ german; FSK 12)
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13 thoughts on “Rambo: Last Blood 4K UHD

  1. Avatar Rüdiger Petersen

    Halte gerade die Blu-ray in Händen und lasse mich überraschen. Habe den Film absichtlich nicht im Kino geschaut und lieber auf die Heimkinoauswertung gewartet. Die Bild und vor allem die Tonwerte sind stimmig. Ich mag alle Teile dieser Reihe und denke mal das Last Blood ganz gut anzuschauen ist.

  2. Avatar Sascha

    Hervorragend – vielen Dank Timo! Auf dieses Review habe ich tatsächlich mit großer Vorfreude gewartet. 🙂 Ich hoffe, dass in „zeitnaher“ Zukunft auch die UHD von „Gemini Man“ auf Deiner Agenda steht?! 😉

  3. Timo Wolters Timo Wolters

    Moin Sascha.
    Aber klar kommt „Gemini Man“. 😉
    Kommt man technisch ja auch nicht drum herum.

    • Avatar Sascha

      Absolut! 😀 Der reizt mich – gerade aus technischer Sicht – weit mehr als Rambo. Und selbst bei Rambo bin ich über die technische Umsetzung doch sehr positiv überrascht. Ich mein, Sly ist nun einmal ein Actioner der „alten Garde“ und daher hätte es mich überhaupt nicht überrascht, wenn der Workflow durchweg analog oder maximal mit „einfachen“ ARRI-ALEXA Kameras abgelaufen wäre. Umso „hellhöriger“ wurde ich heute früh, als ich „Red“ gelesen habe 😉
      Bei „Gemini Man“ erhoffe/erwarte ich (mir), dass Ang Lee zumindest die schnellen Action Szenen in 60fps gedreht gedreht hat?!…komplett in 60fps, nativ 4K (wie Billy Lynn) und DV obendrauf wäre natürlich…für mich…ein Traum! 🙂 und als Sahnehäubchen 7.1 (natürlich unkomprimiert) 😉

  4. Avatar Pascal P.

    Weiß gar nicht wo ich anfangen soll.
    Technisch:
    Teilweise ist das Bild eine Referenz, so geile CloseUps selbst im dunklen sind einfach fantastisch. Dazu die Überflüge auf der Ranch oder in Mexiko City sind grandios.
    Wenig unnötige Cuts, keine Shagy Cam, stabil!
    Sound:
    Habe es richtig eskalieren lassen +7,5dB – hatte immer bedenken in den + Bereich zu gehen, saugeil! – Über machen Abmischung kann man sicher streiten, trotzdem solide und gut.
    Inhalt:
    Soviel Emotionen, soviele Parallelen zum ersten Teil, das war ein Fest für Fans!
    Saugeiler Action Film von einer Ikonen unserer Zeit! – Das Ende! – Für immer. – John Rambo ist vorbei!

  5. Avatar Michael

    Technisch wieder eine sehr feine Review. Die teilweise etwas harsche Kritik an der mangelnden political correctness des Franchises halte ich jedoch für überzogen und unnötig. Natürlich braucht ein Stoff wie dieser Feindbilder. Es ist Cowboy gegen Indianer, Gut gegen Böse. Und natürlich mussten dann je nach Produktionszeitraum die jeweils aktuellen Kriegsschauplätze herhalten. Niemand erwartet bei den Power Rangers eine differenzierte Charakterzeichnung der Gummimonster, aber wenn ein Mann allein ganze Truppenverbände aufmischt, kritisiert man, daß beispielsweise der Russe schlecht weg kommt dabei? Es sind Actionfilme in der Cannon-Tradition, nur eben mit mehr Geld. Es ist Unterhaltung, mit einem körperlich beeindruckenden Star, der seinen damaligen Kinokontrahenten Schwarzenegger im Schlaf an die Wand spielen konnte und immer noch kann. Und tatsächlich fand ich den neuen und letzten Teil erstaunlich mutig, denn ich hatte das Gefühl, dass weniger die Mexikaner schlecht dargestellt wurden, sondern man klar machte, dass RAMBO nun der Aggressor ist, der nach Rache dürstet, und sich bewusst ist, dass er unverhältnismäßig Rache üben will, weil er sonst nichts anderes kennt und kann. Wunderlich, dass John Wick nicht dem Vorwurf ausgesetzt ist, ein zu einseitiges Bild der Russenmafia beispielsweise zu zeigen Diese Filme waren nie als Ersatz für eine funktionierende Außenpolitik gedacht und sollten auch nicht so behandelt werden. Es ist (auch wenn das komisch klingen mag) eine Kunstform, in der bestimmte Regeln gelten müssen, weil die Kunstform sonst nicht mehr funktioniert. Falls bis jetzt noch nicht deutlich geworden sein sollte, dass ich jeden einzelnen Rambo-Film liebe, möchte ich das hier abschließend noch erwähnen.

    • Besten Dank für deine etwas andere Sichtweise. Interessanter Ansatz, dass du JR im fünften Teil als den Aggressor empfindest oder es auch so deuten könntest. In der Tat ist hier die Kritik ja weltweit relativ einhellig der Meinung, dass es sehr stereotyp auf die Mexikaner geht. Deine Interpretation war mir bis dato gar nicht so untergekommen.
      Ich bin ja durchaus auch ein Kind der 80er und habe Rambo II und III seinerzeit „live“ erlebt. Schon damals fiel mir aber als Teenager die einseitige Verhaltensweise dieser beiden Teile auf.
      Ich betrachte das im Review aber natürlich retrospektiv, nicht kontemporär. Aus heutiger Sicht gehen Teil II und III für mich persönlich nicht mehr – gerade eben im Verhältnis zum sehr differenzierten und kritischen ersten Teil stoßen mir II und III sauer auf. Und die Rambo-Filme versuchen in diesen beiden Teilen eben auch politisch zu sein. Das ist ja nicht nur irgendein fiktiv erdachter Gegner, sondern ein seinerzeit real existierender. Und die Geschehnisse in Afghanistan werden halt aufgegriffen und aus US-Sicht interpretiert. Meines Erachtens hätte sich Rambo vor diesen Karren erst gar nicht spannen lassen sollen.
      Klar ist Kino Kunst. Aber man darf Inhalte (selbst eines Actionfilms) auch kritisieren, wenn diese sich so ernst nehmen wie in Teil II und III und nun mal eine sehr deutliche Sprache sprechen.
      Auf der anderen Seite wäre ich der Letzte, der jemandem vorschreiben würde/wollte, was er gut zu finden hat. Ich habe gute Freunde, mit denen ich teilweise ziemlich NICHT einer Meinung bin über das, was der eine oder andere Film so darstellt und wie er sich positioniert. Das führt immer wieder zu spannenden Diskussionen und auch zum Zulassen von anderen Sichtweisen – wenn man offen dafür ist. Deine Sichtweise Rambo V betreffend nehme ich jedenfalls gerne in meine Betrachtung auf.
      Ich sehe es im aktuellen Teil nicht mal so arg kritisch wie es viele andere renommierte Kritiker tun/taten als der Film im Kino anlief. Die Kollegen der CINEMA waren da bspw. lesbar erschrockener. Auch viele US-Kritiken haben da kein gutes Haar an Rambo V gelassen. Und eben auch nicht zuletzt der Erfinder der Figur – und dessen Wort hat ja durchaus etwas Gewicht.
      Du hast aber durchaus Recht, dass man es einem John Wick vielleicht nicht so übel nimmt, wenn er diese Stereotypen bedient. Gerade der erste Teil hält dafür ja durchaus entsprechende Argumente parat, das stimmt. Vielleicht liegt’s auch an der für die USA gerade sehr sensiblen Mauerbau-Thematik, dass hier gerade in Amerika auch kritischer geschrieben wurde.
      Was mich viel mehr als die Mexikaner-Thematik am aktuellen Rambo stört: Er ist (die erste halbe Stunde ausgenommen) austauschbar und beliebig. Die gleiche Story hätte auch irgendein anderer US-Actionstar als Held durchspielen können. Eben eine simple Rachestory. Hier finde ich einfach, dass das Drehbuch eine Menge des möglichen Potenzials eines gealterten und traumatisierten Vietnam-Veteranen zugunsten einer herkömmlichen Revenge-Geschichte ungenutzt liegen ließ. Und das finde ich ehrlich und ernst gemeint schade. Denn im vierten Teil ging es für mich erzählerisch spürbar aufwärts und der Charakter des JR gibt mehr her als dieses abgedroschene Szenario ihm bietet.

      • Avatar Michael

        Oh, ich wollte auch gar nicht den Eindruck erwecken, dass ich generell ein Problem mit einer kritischen Betrachtung der RAMBO-Filme oder abweichenden Meinungen habe, im Gegenteil. Ich bin ein Kind der DDR und habe damals gerade über den dritten Teil viel Schimpf und Schande gehört, weil man es wagte, die lieben Russen da derart vorzuführen. Ich bin auch absolut dafür, dass Kino zu realen Entwicklungen in der Welt Stellung bezieht, und teilweise passiert das ja auch in Actionfilmen, aber gerade die RAMBO-Filme sind für mich eben eher Abenteuerfilme, die gefühlt in einer Parallelwelt spielen – ich meine, John Rambo schießt einen Armeehubschrauber mit Pfeil und Bogen ab (was später sehr dankbar als Kernelement der FarCry-Spiele aufgegriffen wurde)! Und ich liebe diese Szene noch immer, auch wenn es Quark ist. Aber das gilt auch für in die Luft fliegende Autos, unendlich Munition in Waffen und und und. Es ist halt eben Fantasy, und ich denke mir immer, man sollte seine Energien vielleicht lieber in die Beseitigung echter Gräuel und Probleme stecken als sich an mangelnder politischer Korrektheit der goldenen Achtzigerjahre abarbeiten. Denn (so klingt es ja bei dir durch) es steht ja jedem frei, diese Filme zu schauen oder eben nicht zu schauen.
        Ich gebe dir aber Recht … der Plot des aktuellen Rambo-Teils wirkt tatsächlich nicht wie ein Skript, das ihm auf den Leib geschrieben wurde, sondern eher wie ein generisches Drehbuch nach Schema F, welches auch der nächste TAKEN oder (mit weniger Budget) irgendwas mit Seagal hätte werden können. Etwas Rachedrama mit A-Team-Bastelei, und dann hat Stallone den Gore-Gehalt raufgeschraubt. Aber was soll ich sagen … ich bin eben einfach gestrickt, mag Stallone und seine Actionfilme, ich halte ihn tatsächlich für einen sehr passablen Mimen und beileibe keinen dummen Menschen und sehe mir das irgendwie immer wieder gerne an. Und kann noch zwischen den realen Geschehnissen in Vietnam und Rambos Vietnam unterscheiden. NOCH! 😉

  6. Avatar Sascha

    Sehr interessante Statements, Jungs! Dieser unmittelbare Vergleich zwischen JW (1) und Rambo 2 beispielsweise hatte ich so tatsächlich auch noch nie explizit auf dem Schirm – und regt mich gerade schon sehr zum Nachdenken an. Aber ich schließe mich der Argumentation an bzgl. aktueller Geschehnisse, Stichwort „Mauerbau“ und dass aus diesem Grund viele Kritiker gegenüber dem aktuellen Rambo arg „sensibilisiert“ auftreten. Auf der anderen Seite sehe ich die Thematik in JW1 nicht ganz so (über)kritisch…weil dies in meinen Augen ein purer „Auf-die-Fresse“ Actioner ist, der ganz einfach…unterhalten möchte. 😉 Das jetzt mal mein Statement. 🙂

  7. Avatar Horst_M

    Lese Deine Reviews gerne nehme sie auch des öfteren als Kaufempfehlung.
    Aber ich finde du hast Sound und Bild etwas zu schlecht bewertet.
    Ich fand Bild und Ton richtig Klasse .

  8. Avatar Ronny

    Danke Jungs! Die Statements hier zu verfolgen macht mal richtig Spaß. Auch ich bin ein Gewächs der DDR und ganz bei Michael. Ich mag Stallone und seine Filme auch sehr. Das Lachen über Sly (so schön sichtbar vor dem Rambo Plakat im Film Twins) dürfte Arni wohl vergangen sein. Sind seine Filme schon lange nicht mehr so unterhaltsam wie die von Sly. Nicht umsonst hat er wohl sein großes Ego etwas zurück geschraubt und spielt in den Expendables Filmen neben Sly.
    …“man sollte seine Energien vielleicht lieber in die Beseitigung echter Gräuel und Probleme stecken“… Und genau das bringt es dann auf den Punkt!

    • Avatar Ronny

      Nachdem ich den Film nun gesehen habe muss ich allerdings hinzufügen, dass dieser nicht ansatzweise an den 4. Teil heran reicht. Schade.

  9. @Ronny & @Sascha & @Michael
    Und ich danke euch allen Dreien, dass wir hier so freundlich und sachbezogen diskutieren können.
    In Kommentaren ja leider nicht immer üblich. *Top*

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