Referenz-Setup

So testet blu-ray-rezensionen.net
die Bildqualität

9 - Pre Calibration
Zur Kalibrierung der visuellen Kette wurde das Programm CalMAN von SpectraCal verwendet. (Copyright Bild: SpectraCal)

 


Referenz-Geräte

LG D55B7D 3
Übernimmt die Wiedergabe von BD- und UHD-Inhalten in SD, HDR10 und Dolby Vision: Der LG D55B7D (Copyright Bild: LG Consumer Electronics Deutschland)

Um die Rezensionen der Blu-rays und natürlich vor allem der 4K-Disks/UHDs (sowohl bei HDR10 als auch bei Dolby Vision) mit möglichst repräsentativer und hochwertiger Hardware vorzunehmen, kommt bei den Reviews für den Bildbereich eine Kombination aus zwei unterschiedlichen UHD-Playern und einem OLED-TV zum Einsatz.
Aus folgenden Geräten besteht derzeit die visuelle Wiedergabe-Kette:

Panasonic UB900 4
Der Panasonic UB900 sieht nicht nur hübsch aus, sondern spielt extrem saubere UHD-Signale zu – liegt hier auf absolutem Spitzenklasse-Niveau (Copyright Bild: Panasonic)

Während der Kalibrierung der Geräte (siehe weiter unten) stellte sich heraus, dass der LG OLED sowohl bei SD-, HDR10- als auch Dolby-Vision-Signalen sehr sauber arbeitet und vor allem nahezu perfekt auf die Graustufen- und Farbpunkte zu bringen ist.
Die beiden UHD-Player befüttern ihn während der Tests mit den entsprechenden HDR10- und DV-Signalen – ohne an den Playern irgendwelche Korrekturen vorgenommen zu haben. Beide Abspielgeräte verhalten sich hier nach allen visuellen Tests vorbildlich neutral.
Für die Wiedergabe von regulären Blu-rays wird der Panasonic DMP-UB900 verwendet – schlicht weil er den größeren Bedienkomfort hat und wesentlich mehr Informationen über verwendete Codecs und Datenraten liefert als der LG UP970. Selbstverständlich bleiben Bild-Verschlimmbesserer vollständig deaktiviert, um möglichst nahe am eigentlich Bildsignal zu bleiben, das die jeweilige Disk liefert.

Auf dem Weg zum perfekten Bild: Die Kalibrierung

Bild Kalibrierung LG OLED
Work in Progress: Einstellungsarbeiten am LG OLED TV mit modernstem Equipment

Aufgrund meiner gut 15-jährigen Erfahrung (unter anderem isf-zertifiziert) im Bereich der Kalibrierung von Displays und Beamern ist mir die Theorie und Praxis des Einstellens von möglichst exakten Werten für die Graustufen bei 6500 Kelvin sowie für die Position und Farbabweichungen der Primär- und Sekundärfarben bestens geläufig. Die Beurteilung von korrekten Farben, neutralen Grauwerten sowie der grundsätzlichen Bilddynamik mit all ihren Schwächen und möglichen digitalen Artefakten ist mir im Laufe der Kalibrierung und Bewertung von ~200 Beamern und zahlreichen TVs ins Blut übergegangen.
Dennoch sehen vier Augen mehr als zwei. Und, ganz nebenbei, verfüge ich nicht über die notwendige Mess-Technik. Um den LG OLED deshalb so normgerecht und „studiolike“ wie nur möglich zu kalibrieren, führte mich mein Weg zum geschätzten Kollegen Raphael Vogt, dessen fachliche Expertise deutschlandweit ihresgleichen sucht. Wer sich näher über Raphael und seine Dienstleistung im Bereich der Videokalibrierung informieren möchte, der wirft mal einen Blick auf seine Seite av-consultant.de.
Mit Raphael habe ich mir gemeinsam einen Tag Zeit genommen, den LG OLED aufs Bestmögliche zu trimmen, was er in den folgenden Zeilen als Gastautor dieser Seite schildert:

Raphael vogt
In den heiligen Hallen von Raphael Vogt wurde der LG OLED kalibriert (Foto: R. Vogt)

Für die Kalibrierung kam als Signalquelle ein Murideo SIX-G Generator zum Einsatz (ISF & THX zertifiziert). Dieser kann alle Auflösungen mit bitgenau produzierten Testbildern zeigen und die passenden Metadaten für alle HDR-Formate und Variationen ausgeben. Als Mess-System verwende ich ein SpectraCal CalMAN Ultimate V5.9. Zum Messen kam ein Klein Instruments K-10A Tristimulis-Sensor zum Einsatz, der vor allem auch empfindlich genug ist, OLED-Displays nahe Schwarz zuverlässig zu erfassen. Seine Messempfindlichkeit liegt hier bei 0,00006Nit!
Um für den Referenzmonitor von blu-ray-rezensionen.net auch die Farben absolut perfekt zu erfassen, haben wir das K-10A zu Beginn mit einem Highend-Spektrometer individuell auf dieses Display profiliert. Dazu verwende ich ein Jeti SpectraVal 1501.
Dann konnte es losgehen. Ein erster Versuch mit der Auto-Kalibrierung-Funktion von CalMAN & LG führte nicht zum gewünschten Ergebnis, sah aber schon gut aus.
Die Kalibrierung von Hand zeigte allerdings schnellere und gleichzeitig bessere Ergebnisse, die dem LG 55B7 Qualitäten eines guten Studio-Monitors attestieren konnten. Farbbalance (Farbtemperatur) und Gamma (EOTF) für Standard- und HDR-Formate landeten nach Handanlegen praktisch exakt auf Norm.

Klein K10A
Mit dem hochsensiblen K10A von Klein Instruments wurde der OLED eingemessen. Seine Sensorik reicht hinunter bis zu unglaublichen 0.00006 cd/m² (Copyright Bild: Klein Instruments)

Durch ein Nachtrimmen der Farbmischung (CMS) mit Primär- und Sekundärfarben konnte dann auch die Farbwiedergabe für ein Consumer-Gerät praktisch fantastisch genau passend kalibriert werden. Für Dolby Vision sind – naturgemäß durch die Vorgaben – die Einflussnahmen beschränkt, aber auch hier ließ sich ein sehr exaktes Ergebnis, fast auf dem Niveau eines Studio-Monitors erreichen.
Ein Check mit verschiedenen Filmen unterschiedlicher Formate sowie einigen Testbildern (gerade für den Abgleich von Durchzeichnung im Schwarz und Weiß) konnte die gemessenen Ergebnisse bestätigen.
Kein Wunder, denn für solche Fälle kontrolliere ich die rein technischen Stichproben, mit denen man kalibriert, auch mit einem so genannten ColorChecker. Das kennt man auch aus der Fotografie zum Kalibrieren von Kameras. Dazu werden neben einer Grautreppe die in der Natur statistisch häufigsten Farben, somit auch jene, auf die unser Auge am sensibelsten reagiert (etwa Hauttöne) in ihren exakten Farbtönen und Tonwerten (Helligkeit im korrekt belichteten Bild) geprüft. Wenn im ColorChecker alles stimmt, sehen auch komplexe, natürliche Bilder top aus. Wie auf Timos Display.
(Text: Raphael Vogt. av-consultant.de // lowbeats.de)

Mess-/Kalibrierungs-Ergebnisse Blu-ray

LG 55B7 ColorSweeps BT709
ColorSweeps BT709 (konventionelles Video): Das fertig kalibrierte Farbmanagement trifft alle Targets aller Farbsättigungsgrade perfekt, nur 100% Grün driftet minimal. Im Film praktisch nicht relevant.
LG 55B7 Greyscale BT709
Die Graustufendarstellung des LG trifft nach der Kalibrierung für den Eingang bei herkömmlichem Video (bspw. von Blu-rays) bis auf minimale und in der Praxis nicht sichtbare Abweichungen im 1%-Bereich die Norm.

 

LG 55B7 DeltaE Greyscale BT709
Die DeltaE-2000 Werte für konventionelles Video liegen alle unter oder um „1“ und damit auf dem Niveau guter Studiomonitore.
Für BT.709 hält der LG das seit seit 2011 geltende Gamma BT.1886 bis auf leichte Startschwierigkeiten im tiefen Schwarz genau ein, das bei nahezu perfektem Schwarz des OELDs fast einem logarithmischen 2.4 entspricht.

Mess-/Kalibrierungs-Ergebnisse HDR10

LG 55B7 ColorChecker HDR10
HDR10 mit DCI-P3-Farbkoordinaten zeigt einzig bei satten Orange-Tönen (Gold etc.) eine minimale Rotverschiebung und ansonsten sehr präzise natürliche Farben.
LG 55B7 DeltaE2 ColorChecker HDR10
Auch die Farbabweichungen bei HDR10 liegen auf einem hervorragenden Niveau weit unter eins oder nur knapp darüber
LG 55B7 Color5050 HDR10
Quasi perfekte Farborte für HDR10 mit DCI-P3-Farben im BT.2020 Farbraum und Bestätitung für gut abgestimmte Farbmischung (CMS). Einzig absolutes Schwarz zeigt eine leichte Grün-Färbung.
LG 55B7 EOTF HDR10
Das „Gamma“ ST.2084, auch PQ (Perceptual Quantizer) von HDR10 wird praktisch perfekt eingehalten, es gibt einzig eine unbedeutende Senke zwischen 20%-40% Eingangssignal und einen späten, gewollten Rolloff nahe Maximalpegel.

Mess-/Kalibrierungs-Ergebnisse Dolby Vision

LG 55B7 ColorChecker Dolby Vision
Dolby Vision zeigt im Colorchecker einzig bei sattem Blau eine leichte Drift und ein ansonsten quasi perfekt natürliches Bild.
Auch bei Dolby Vision liegen die Werte für Delta E bis auf wenige Ausnahmen unterhalb von eins und damit im nicht wahrgenommenen Bereich.
LG 55B7 Greyscale Dolby Vision
Die Farbbalance von Dolby Vision ist nach der Kalibrierung mit durchgängig Abweichungen unter 1% quasi perfekt auf der farbneutralen D65-Referenz.

Fazit

Das Referenz Set-up zeigt sich nach der Kalibrierung mit bestmöglichen Werten für ein Consumer-Gerät. Die Voraussetzungen für die möglichst neutrale Bewertung der Bildqualität von Blu-rays und UHDs (in HDR10 UND Dolby Vision) sind damit gegeben und repräsentieren vor allem sehr gut, was sich an Technologie bei den Verbrauchern in Wohnzimmern und Heimkinos wiederfindet.
Mein Dank geht an Raphael Vogt, dessen Expertise und Gerätschaften ich nur jedem ans Herz legen kann, der seine Wiedergabe-Kette möglichst genau eingemessen haben möchte.
Timo Wolters/Raphael Vogt


(Copyright der Produktbilder liegen bei LG Consumer Electronics Deutschland, Panasonic, Audioquest, Klein Instruments und SpectraCal)
(Die Rechte für die Screenshots der Kalibrierung liegen bei Raphael Vogt)