Revenge

Blu-ray Review

Revenge Blu-ray Review Cover
Koch Films, 23.08.2018

OT: Revenge

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Rache-Adler

Im Debütfilm einer französischen Regisseurin gibt’s „Vergewaltigung & Rache“ mal (ein bisschen) anders.

Inhalt

Revenge Blu-ray Review Szene 2
Ein heißes Wochenende mit Jen

Es hätte ein heißes Wochenende voller Erotik und Sex werden sollen. Doch schon kurz nachdem die sexy Jennifer mit ihrem verheirateten Lover Richard in dessen luxuriöser Villa die ersten prickelnden Momente genossen haben, stehen da zwei Kerle mit Gewehren vor der Türe. Sie stellen sich als Richards Geschäfts-Teilhaber Stan und Dimitri heraus. Mit denen verläuft der erste Abend zwar noch relativ entspannt und man tanzt und feiert ausgelassen. Doch am nächsten Morgen schlägt die Stimmung um. Weil Richard offenbar in die Stadt gefahren ist, nutzt Stan die Situation schamlos aus und macht sich an Jen ran. Die Signale vom Abend zuvor missdeutend nimmt er sich, was er will. Als Richard heim kommt, reagiert er anders als Jen sich das vorstellt. Anstelle sich vor sie zu stellen, bietet er ihr Geld für ihr Schweigen an. Immerhin sind es seine Partner, die er anklagen müsste und sein Geschäft hängt davon ab. Als Jennifer droht, die Affäre an Richards Frau zu verraten, geraten die Dinge außer Kontrolle und der Playboy stößt seine Affäre von einer Klippe. Dumm, dass Jennifer den Sturz überlebt und nun auf Rache sinnt …

Revenge Blu-ray Review Szene 3
Jen hat sich vom Klippensturz erholt

Rape & Revenge mal anders – zumindest in Sachen Besetzung. Denn mit Regie-Debütantin Coralie Fargeat schwingt sich eine Dame auf den Posten der Direkteurin. Es sollte demnach doch zumindest inszenatorisch ein bisschen anders zugehen als bei den werten Herren der Schöpfung, bei denen die „Revenge“ oftmals doch eher die Entschuldigung für das vorherige „Rape“ ist. Und tatsächlich: Nicht nur ist es Richard, den Fargeat als erstes splitterfasernackt präsentiert und nicht Jennifer. Auch die Vergewaltigung selbst bleibt weitgehend im Off und wird nicht für irgendwelche Fantasien geifernder männlicher Zuschauer benutzt. Ohnehin lässt die Regisseurin kein gutes Haar an ihren karrieregeilen, fremdgehenden und skrupellosen männlichen Figuren. Der eine vergewaltigt, der andere schaut weg und der dritte greift zum Äußersten, um sein Business zu retten. Dabei nutzt die Regisseurin allerdings ab und an arg plakative Einstellungen. Wenn sie bspw. den übergewichtigen Dimitri in Zeitlupe und Großaufnahme einen Schokoriegel zwischen den dreckigen Zähnen zermantschen lässt, wusste man eigentlich schon vorher, dass der Kerl ziemlich widerwärtig ist.

Revenge Blu-ray Review Szene 1
Bereit für die Rache

Stilistisch orientiert sich Fargeat des Öfteren am Grindhouse-Kino, was man schon während der Titelsequenz sehen kann und was durch die hitzige Atmosphäre noch unterstützt wird. Spätestens wenn Jennifer aufgespießt in der Schlucht  hängt, sieht das auch optisch aus wie in einem der günstigen B-Movies, die in den 60er/70er Jahren als Double Feature in entsprechenden Kinos liefen. Zwischendurch streut sie allerdings auch etwas eigene Stilistik ein, wenn sie immer wieder Ameisen als Ankerpunkte für einen Wendepunkt nutzt. Bisweilen bekommen die Szenen dadurch einen leicht surrealistischen Anstrich, was noch vom teils bohrenden Elektro-Soundtrack verstärkt wird und in der drogengeschwängerten Szene in der Höhle seinen Höhepunkt erreicht.
Die Vergeltungsaktionen fallen im Übrigen ziemlich blutig aus, ohne jedoch auf ein simples B-Movie-Gore-Niveau abzusinken. Von Entmannungs-Szenen wird abgesehen, was meist ohnehin nicht sonderlich glaubwürdig rüberkommt. Das gilt allerdings auch ein wenig für den Realismus-Anteil in Revenge. Weder lässt sich das Messer so leicht aus dem Körper ziehen, noch der Holzpflock. Außerdem sollte es schon sehr verwundern, wenn eine Nacht ausreicht, um einen im Wasser liegenden Kopf … aber lassen wir das. Denn seine Wirkung verfehlt es nicht. Ohnehin nutzt Fargeat die unangenehmeren Qualen, wenn man sich anschaut, welche Wunden sich die Kontrahenten zufügen. Es ist also nicht nur das Blut alleine, sondern auch der Psychologie-Faktor, wenn man sich in die Situation versetzt, die gleichen Schmerzen ertragen zu müssen.
Im blutigen Finale gibt’s dann sogar noch eine äußerst spannende Sequenz, in der sich die beiden Kontrahenten ein Such-Mich-Spielchen liefern, das im Verbund mit dem enervierenden Score für echten Nervenkitzel sorgt.

Bild- und Tonqualität

Revenge Blu-ray Review Szene 4
Eben noch gemeinsam im Bett, nun im blutigen In-Fight

Revenge nutzt ausgiebig Körnung, um das heiße Wüsten-Szenario greifbar zu machen. Hauttöne sind durchweg goldgelb und deutlich überhöht. Während Close-ups noch sehr scharf sind, lässt die Auflösung in Halbtotalen nach und während einiger Naheinstellungen mit harten Kontrastübergängen setzt es leichte Quantisierungs-Artefakte. Schön kräftig sind allerdings die roten Blut-Töne, die Jen aus dem Mund laufen und aus ihren Eingeweiden quillen, nachdem sie auf dem Baumspieß wieder zu Bewusstsein kommt. Die teils überrissenen Helligkeiten sind Stilmittel und passen gut zur Atmosphäre und der Schwarzwert ist teilweise sensationell gut. Ohnehin sind die hellen Szenen in der Wüste beeindruckend knackig geraten und lassen das blutige Geschehen noch wirkungsvoller erscheinen.
Akustisch fegt der Hubschrauber zu Beginn äußerst dynamisch über die Köpfe der Zuschauer hinweg und nutzt dafür die Rears – ebenso wie die in Zeitlupe gefilmten Rotoren kurz darauf. Der rockige Score baut dazu eine breite Stereo-Bühne auf. Und wenn Jen zur Diskomusik tanzt, darf auch der Subwoofer etwas von seiner Existenz verkünden (12’30). Selbst wenn es im weiteren Verlauf eher auf die Front beschränkt bleibt, gehört der Sound zu den voluminöseren ähnlicher Genre-Beiträger der letzten Zeit. Schick gelöst hat Revenge die Vertonung, wenn Jen aufgrund eines Schusses nur noch dumpf hört und das akustisch entsprechend integriert wird.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Revenge gibt’s ein Behind the Scenes, das gut zwölf Minuten läuft, aber mehr einem unkommentierten B’Roll-Features gleicht. In „Spezialeffekte“ darf man drei Minuten lang zusehen, wie Prothesen und Blutgebilde skulpturiert und an den Körper angepasst werden. Eine sechsminütige Bildergalerie „Making-of“ komplettiert das Angebot.
Das hübsche Mediabook enthält zusätzlich noch die DVD des Films sowie den kongenialen Soundtrack auf CD.

Fazit

Revenge ist durchweg überzeugende Genrekost, die atmosphärisch überzeugt, blutig genug ist und auf die sonst übliche Frauenfeindlichkeit weitgehend verzichtet, bzw. sie eher als Mittel zum Zweck nutzt. Und das wäre, die Herren der Schöpfung ordentlich zur Ader zu lassen – trotz einiger Ungereimtheiten definitiv ein herausragender Beitrag zum Rape&Revenge-Subgenre und Fargeats blutiger Kommentar zur #MeToo-Debatte.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 85%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 40%
Film: 75%

Anbieter: Koch Films
Land/Jahr: Frankreich 2017
Regie: Coralie Fargeat
Darsteller: Matilda Anna Ingrid Lutz, Kevin Janssens, Vincent Colombe, Guillaume Bouchède
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, fr
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

Trailer zu Revenge

REVENGE – Official Trailer [HD]

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4 thoughts on “Revenge

  1. max schmidt

    wenn der Film 90min. gehabt hätte , wäre er besser .
    Sehr lange Szenen durch die Wüste und nichts passiert und meistens war es zu erahnen was kommen wird.
    Die größte Lachnummer war der Fall von der Felswand und sie überlebte .
    Also dieser Film ist nix wert

    • Filme sind natürlich immer Geschmackssache. Aber gibt’s einen Rape&Revenge-Thriller, bei dem man NICHT erahnen kann, was kommt? 😉

  2. PatrickB

    Klingt doch gut… blutig, unterhaltsam… in letzter Zeit kommen aber viele dieser John-Wick ähnlichen Filme… aber seis’s drum. 🙂 Was zum Geier sind denn Quantisierungs-Artefakte??? Muss ich mal drauf achten…

    Wann machst Du denn auf deiner Online-Plattform wieder was? Kostet aber sicher viel Zeit oder…

    Grüße!

    • Quantisierung beschreibt ja den Vorgang der Datenreduktion bei einer Komprimierung von (Bild)Daten. Und wenn es Fehler wie bspw. Blockartefakte gibt, kann man es auch als Quantisierungs-Artefakte bezeichnen. Gemeint waren in dem Fall tatsächlich eine leichte Kantenbildung an Umrissen.
      Online-Blog: Jep. Ein Zeitproblem, definitiv. Aber es wird wieder was kommen 😉

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