Rocketman 4K UHD

Blu-ray Review

rocketman 4k uhd blu-ray review cover
Paramount Pictures, 10.10.2019
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Paramount Pictures, 10.10.2019

OT: Rocketman

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Nichts für Jungs

Nach Bohemian Rhapsody das nächste Biopic über einen weltberühmten Künstler.

Inhalt

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Großmutter Ivy unterstützt Reggie in dessen Klavierunterricht

Reginald Kenneth Dwight ist kein wirklich glücklicher Junge im London der 50er Jahre. Seine Mutter hat kaum Zeit für ihn und der Vater, ein Soldat, kommt nur selten überhaupt mal nach Hause. Tut er es, kümmert er sich nicht um John und tadelt ihn, wenn er ihm (oder seiner Plattensammlung) zu nahe kommt.
Als er intuitiv ein paar Töne auf dem Klavier spielt, ist vor allem Großmutter Ivy erstaunt und schlägt vor, dass der Junge Klavierunterricht nimmt. Mutter Sheila hält das für eine großartige Idee – immerhin ist der etwas pummelige Sohnemann ihr dann aus den Füßen. Dass sich die Klavierkünste schon in Jugendjahren bewähren und Reginald, der sich fortan Elton John nennt, zunächst in einer Band und später solo auftritt, hätten sich Ivy und Sheila natürlich nicht träumen lassen. Gemeinsam mit seinem Textschreiber Bernie Taupin schafft Elton John es sogar, einen Plattenvertrag an Land zu ziehen. Und mit der Ballade „Your Song“ gelingt gar der große Durchbruch in den USA. Doch wie das so ist: Mit dem Erfolg kommt auch die Gefahr, am Showbiz zu ersticken. Elton wird drogensüchtig und hat seine Emotionen nicht mehr im Griff …

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Bernie und Elton proben und wohnen in Mamas Haus

Elton John, Paradiesvogel der Pop-/Rockmusik, Gründer der Elton John AIDS Foundation, zweifach als Ritter ausgezeichnet und Träger der unglaublichsten Brillen der Popkultur, hat weltweit über 300 Mio. Tonträger verkauft, was ihn (je nach Tabelle) zum fünfterfolgreichsten Musiker aller Zeiten macht.
Da wäre es doch gelacht, wenn man ihm nicht eine ebenso erfolgreiche Filmbiografie angedeihen lassen könnte, wie Queen ein Jahr zuvor mit Bohemian Rhapsody. Und weil man auf Nummer sicher gehen wollte, engagierte man Dexter Fletcher, um den Film zu realisieren. Fletcher ist zwar bis heute nicht der offiziell genannte Regisseur der Queen-Biografie, doch als Bryan Singer 14 Tage kurz vor Schluss die Dreharbeiten verlassen musste, übernahm Fletcher (der ohnehin zunächst vorgesehen war) und vollendete das Queen-Biopic.
Bei Rocketman konzentriert er sich nach einem Drehbuch von Lee Hall (der auch das Screenplay zur kommenden Leinwandadaption von Cats verfasst hat) auf die Kinder-/Jugendjahre und den Durchbruch Johns in den 70ern. Vom ersten richtig großen Auftritt im Troubadour über den Erfolg in den USA bis hin zu den Abstürzen im Alkohol und den Drogen reicht die Spanne.
Dabei beginnt der Film mit Elton Johns Hereinplatzen in eine Selbsthilfegruppe für Alkohol-/Drogenabhängige, was eine Art Rahmenhandlung liefert.
Zwar geschieht auch das mit dem typischen Drive und der Überdrehtheit, die den Künstler ausmacht. Doch es spart eben nicht aus, dass der Ruhm des Sängers auch mit all dem einherging, was das Rockbiz so bot: Alkohol, Drogen, Sex und Überkonsum aller drei Dinge.

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Ray Williams sorgt dafür, dass Elton einen Plattenvertrag bekommt

Verstehen kann man’s, wenn man sich das Porträt von Reginalds Vater anschaut. Der verbietet dem eher ungeliebten Sohnemann nicht nur das Blättern in Frauenzeitschriften, sondern auch jeden physischen Kontakt zu seinen Jazz-Schallplatten. Rocketman ist gerade in den kritischen, dramatischen Momenten gut. Dann, wenn John in manisch-depressiven Anfällen seine Wut auf alles herausbrüllt. Dann, wenn er authentisch und ehrlich die Homosexualität des Sängers vermittelt. Eine Homosexualität, die hier nicht mal im Ansatz verschwiegen wird. Ganz im Gegenteil: Wo sich Bohemian Rhapsody an die Verträglichkeit gegenüber den Massen anbiederte (und völlig jugendfrei blieb), zeigen Fletcher und seine beiden Darsteller Taron Egerton und Richard Madden die wohl bisher offensivste Männer-Sexszene in einem Big-Budget-Film.
Dass die amerikanischen Jugendschützer das nicht mochten, war klar. Sie stuften Rocketman tatsächlich als R-Rated ein (was nach dem NC-17 die härteste Freigabe in den USA ist und schon vielen Filmen den finanziellen Ruin bescherte). Ja, die Amerikaner in der MPAA mögen Homosex nur ungerne ihren Kindern ab 13 Jahren zeigen. Was im Übrigen auch für die russischen Verleihe gilt, die entsprechende Szenen gleich komplett aus dem fertigen Film tilgten oder drastisch kürzten (und den verbliebenen Rest ab 18 Jahren freigaben). Manchmal muss man sich hierzulande schon wundern, wie anderswo mit dem Thema umgegangen wird.

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Erster Erfolg im Troubadour

Filmisch gesehen ist die Ehrlichkeit, mit der Fletcher inszeniert aber ein Glücksfall und erhielt von Sir Elton John freilich seinen Segen.
Den gab er aber vor allem auch Taron Egerton. Denn während der großartige Rami Malek in Bohemian Rhapsody zwar sensationell den Freddie Mercury gab, so griff man ihm für die Gesangsszenen dann doch professionell unter die Arme und fügte die Stimme des Mercury-Imitators Mart Matel hinzu. Für Taron Egerton allerdings stand von vornherein fest, dass er sämtliche Songs selbst einsingen UND während des Drehs auch performen würde. Nichts mit bloßen Lippenbekenntnissen. Alles, was man hier hört, kommt von Egerton, der eigens Gesangsunterricht nahm und am Ende von Elton John ausdrücklich gelobt wurde.
Und so kommen neben ein paar unbekannteren Songs hier wirklich die riesigen Hits des Künstlers in einer neuartigen Interpretation zum Betrachter. Keine Sorge: Egerton macht das hervorragend und dürfte die perfekteste Wahl gewesen sein, die man sich für die Rolle vorstellen kann.
Aber nicht nur gesangstechnisch ist hier einiges geboten. Auch darstellerisch überzeugt Egerton mit Mut für die homoerotischen Szenen und den mehr als extrovertierten Look. An seiner Seite gibt Jamie Bell außerdem einen souveränen Songwriter Bernie Taupin und sorgt für den gefestigten Anker in Eltons Leben. Auch der Zuschauer kann sich an seiner Figur festhalten, während John immer wieder depressive oder verrückte Verhaltensweisen an den Tag legt.
Dass die meisten der Musikstücke eher wie ein Musical inszeniert wurden und nicht – wie bei Bohemian Rhapsody – als geerdete Show-Auftritte, bringt Rocketman eine gewisse Leichtigkeit, wenngleich man so etwas dann auch mögen muss.
In der letzten halben Stunde tritt der Film allerdings arg auf die Bremse und legt etwas zu lange den Fokus auf den mentalen und physischen Zusammenbruch. Das Ganze kumuliert dann in einer Familien-Aufstellung, die arg dick aufgetragen rüberkommt und ein bisschen sehr psychologisiert. Glücklicherweise findet der Film über ein grandioses „I’m Still Standing“ (was auch sonst) wieder in die Spur.

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50 Jahre und kein Streit: Elton und Bernie

Bild- und Tonqualität BD

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Der Erfolg in den USA stellt sich ein

Rocketman liefert im Verlauf der Geschichte unterschiedliche Looks. Während die Szenen, in denen Reginald heranwächst, eine eher entsättigte Farbdarstellung haben und mit Vintage-Objektiven für einen gewissen Streulicht-Effekt gesorgt wurde, wird es mit Elton Johns Durchbruch dann knalliger, bunter und klarer.
Ab und an visualisierte man bewusst künstlich entsprechende Szenen, um den Paradiesvogel und sein jüngeres Alter Ego aus der „grauen“ Masse abzuheben (5’00). Was leider durch den gesamten Film immer mal wieder zu sehen ist, sind (teils heftige) Unschärfen in Randbereichen (2’18, 11’29, 94’07). Das ist schade und stört bisweilen den Eindruck – zumal der zentrale Bereich sehr gut fokussiert und scharf ist. Ebenfalls klasse sind die Kontraste, die vor allem Schwarztöne sehr satt präsentieren. Herausragend ist außerdem die Bildruhe, die kaum ein Körnchen offenbart.
Qualitativ schwächer sind nur die finalen Bilder, bei denen man Egerton nachträglich in das I’m-Still-Standing-Video von Russell Mulcahy eingefügt hat – was natürlich auch nicht besser hinzubekommen war.

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Die Bühnen-Outfits werden gewagter

Nicht ganz unüblich für Anbieter Paramount liefert Rocketman für die deutsche Blu-ray leider nur eine Dolby-Digital-Spur. Der O-Ton darf hingegen in unkomprimiertem Dolby Atmos aufspielen.
Lassen wir die englische Fassung aber mal beiseite, so tönt die DD-Synchro doch sehr annehmbar. Für sich und innerhalb eines Dolby-Digital-Universums klingt sie klar, relativ fein aufgelöst und vor allem dynamisch. Das ist kein Vergleich mit den schrecklichen Dynamikkompressionen des Disney-Konzerns – und die liefern (zuletzt meist) immerhin Dolby Digital Plus. Die Musiknummern geraten druckvoll und bauen eine erstaunlich breite Bühne auf. Zwar mag es keine echten direktionalen Surroundeffekte geben, aber hier ballert ja auch niemand wild durch die Gegend. Die rückwärtigen Lautsprecher werden also zumeist dazu genutzt, die Musik- und Umgebungsatmosphäre zu erweitern. Dialoge gelangen klar zum Ohr, könnten insgesamt aber ein wenig lauter eingepegelt sein.
Hört man sich dann die Atmos-Fassung des O-Tons an, muss man allerdings konstatieren, dass der nicht nur lauter, sondern tatsächlich auch hörbar freier und offener aufspielt. Er trifft die Töne noch besser und erlaubt sich mehr Feinzeichnung in den Nuancen. Außerdem sind die Stimmen etwas besser eingepegelt. Zur Qualität der 3D-Soundeffekte im nächsten Kapitel mehr. Denn die UHD erhält auch fürs Deutsche eine Atmos-Fassung.

Bild- und Tonqualität UHD

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Missinterpretierte Liebe: Elton John und John Reid

Rocketman wurde durchweg mit ARRI Alexa Minis aufgenommen, die am Ausgang 3.4K oder 2.8K lieferte – je nachdem, ob open gate für die VFX-Shots oder anamorph für die regulären Aufnahmen gefilmt wurde. Ausgehend davon hat man allerdings nur ein 2K-Digital-Intermediate angefertigt, von dem aus für die UHD dann wieder hochskaliert wurde. Paramount hat zudem natürlich einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum integriert und die beiden HDR-Formate HDR10 und Dolby Vision integriert.
Im laufenden Bild darf zunächst Entwarnung gegeben werden: Auch Nutzer, die nur über eine HDR10-Kette verfügen, müssen nicht mit flacheren Schwarzwerten leben, wie zuletzt bei einigen HDR10-Titeln der Fall. Gut zu sehen beim Anfang von Kapitel vier nach 18’43. Die Szene bei dunklem Nachthimmel versumpft nicht und wirkt auch nicht wesentlich matter als über die Blu-ray. Im Gegenteil sorgt sie mit dieser HDR-Stimmung für den authentischeren Look, da die farblich etwas kräftigere und hellere Blu-ray hier deutlicher zu erkennen gibt, dass es eine Studio-Aufnahme ist. Zumal die UHD in diesen Szenen die wesentlich bessere Kontrolle über punktuelle Lichtquellen hat. Nimmt man die Straßenlaterne bei 50’40, reißt diese über die Blu-ray sichtbar aus, während die UHD noch in der Lage ist, zwischen Lichtquelle (unten) und Kappe (oben) zu differenzieren. Dolby Vision kann zwar noch eine Spur tiefer ins Schwarz und wirkt noch etwas kontrastreicher, doch die Unterschiede sind geringer als zuletzt.
Auch in Sachen Color Grading hat man es nicht übertrieben. Die UHD ist über beide HDR-Varianten dunkler abgestimmt, was schon mal durchweg für etwas kräftigere sorgt. Violette und rote Pailletten an Johns Bühnen-Outfit strahlen etwas mehr und sind satter im Ton. Aber Welten liegen hier nicht dazwischen.
Ganz anders bei der Auflösung. Denn es ist durchaus erstaunlich, was von der UHD trotz des nur hochskalierten Bildes in Sachen Schärfe/Detaildarstellung ermöglicht wird. Nimmt man sich die Aufnahme der goldenen Schallplatte von „Goodbye Yellow Brick Road“, dann lässt sich über die 4K-Disk noch recht gut die „33“ oben rechts sowie vor allem das „Produced“ im unteren Bereich des Labels lesen. Wo die BD das Wort nicht mal mehr erahnen lässt, kann man es über die UHD lesen, wenn man nahe an den Bildschirm rückt (64’06).
Was die UHD zudem auch besser liefert (unabhängig von HDR10 oder Dolby Vision), ist das noch ruhigere Bild. Ist die BD schon rauscharm, kann sie es auf dunklem Nachthimmel nicht komplett verschweigen (18’45). In der gleichen Szene sieht man über die Ultra HD keinerlei Bewegung mehr auf dem Himmels-Ausschnitt.

Blu-ray (57’30): (Slider ganz nach rechts): In Sachen Farbgestaltung und Kontrastierung ist schon die Blu-ray ziemlich gut.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD ist etwas dunkler, wirkt dadurch ein wenig kontrastreicher und lässt bspw. die orange Farbe der Hose der Dame in der linken Bildhäfte satter erscheinen.

UHD HDR10 (57’30): (Slider ganz nach rechts): Das gleiche Bild im Vergleich zwischen HDR10 und Dolby Vision.

UHD Dolby Vision (Slider ganz nach links): Während HDR10 etwas flacher erscheint, hebt Dolby Vision die hellen Bildanteile ein wenig an, was subjektiv für die größere Bilddynamik sorgt.

Blu-ray (76’10): (Slider ganz nach rechts): Hauttöne kommen schon über die Blu-ray warm rüber.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD wirkt dennoch kräftiger, natürlicher und im Weiß besser durchzeichnet. Außerdem tauscht sie das Lindgrün gegen ein dunkleres ein (Büsche und Pflanzen im Hintergrund).

Blu-ray (74’45): (Slider ganz nach rechts): Die Paradiesvogel-Outfits gelangen auch per Blu-ray kraftvoll zum Auge.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD gibt Rot, Gelb und Violett mit dezent anderem Color Grading wieder und ist noch etwas satter.

Blu-ray (64’06): (Slider ganz nach rechts): Eine der deutlicher unterschiedlichen Bildvergleiche. Die Blu-ray gibt Holz und Schallplatte gelblicher wieder und ist weniger kontraststark.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD liefert die wärmere, angenehmere und eindringlichere Farbgebung ab, erhöht insgesamt auch die Kontrastdynamik und wirkt weniger trüb.

UHD HDR10 (64’06): (Slider ganz nach rechts): Das gleiche Bild im Vergleich zwischen HDR10 und Dolby Vision.

UHD Dolby Vision (Slider ganz nach links): Dolby Vision setzt die Kontrastflanken noch etwas steiler, was vor allem im Holz links und rechts kräftiger erscheint. Auch die Schallplatte selbst scheint strahlender zu sein.

Blu-ray (64’06): (Slider ganz nach rechts): Schauen wir näher hin, ist erkennbar, dass die BD in Sachen Auflösung dann doch zurück bleibt. Kann jemand das Wort „Produced“ oder „England“ erkenne, wenn man es nicht weiß?

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD lässt es dann doch deutlich erahnen. Der Unterschied ist trotz nur hochskalierter Scheibe erkennbar und spätestens auf Bildbreiten über 1,5m dann auch sichtbar.

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Der Rocketman hebt ab

Wie oben bereits angekündigt, liefert Anbieter Paramount löblicherweise für die UHD eine Dolby-Atmos-Fassung für beide Tonspuren. Das bedeutet nicht nur, dass es auch fürs Deutsche die Einbindung der Höhen-Informationen gibt, sondern auch, dass die etwas geringere Dynamik und Feinzeichnung der Dolby-Digital-Fassung der BD Geschichte ist. Denn die beiden Atmos-Spuren (jeweils True-HD-kodiert) sind in puncto Dynamik und Detaildarstellung auf einem Level. Songs kommen nun auch im Deutschen richtig fetzig rüber und die Instrumentierung ist differenzierter. Anspieltipp ist hier ganz klar „Pinball Wizard“, der so intensiv alle Lautsprecher bedient, dass er fast auf dem akustischen Niveau von Greatest Showman spielt. Geblieben sind die im Vergleich zur englischen Tonspur etwas leiseren Dialoge.
Wechseln wir auf die Höhen-Ebene, hört man erstmalig Musik und das Klirren der Sterne direkt zu Beginn, bevor Elton in die Selbsthilfegruppe kommt. Beim Song kurz darauf auf den Straßen gibt es Jubel von oben und eine einzelne Gitarre zu hören (5’30). Nach 20 Minuten gibt’s dann ein kurzes Gelächter auf dem Jahrmarkt aus den Heights (20’30) und kurz darauf öffnet sich die Höhen-Ebene für eine zunächst komplette und dann isolierte Orchestrierung. Trotzdem hier nicht sonderlich viel von oben passiert, merkt man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat, welche Geräusche/Instrumente er mit auf die Heights addiert – und vor allem wann. Ähnliches auch nach gut 63 Minuten, wenn eher asiatisch anmutenden Klänge von dern Heights kommen.

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Eltons Mutter Sheila schnorrt sich beim Sohnemann durch

Was man sich allerdings wünschen würde, wäre mehr Club-Atmosphäre. Beispielsweise während Crocodile Rock im Troubadour nach 48 Minuten. Etwas Jubel, ein wenig Klatschen – mehr kommt dann doch nicht von oben. Jedenfalls nicht, bis das Publikum zu schweben beginnt und von oben die Engelschöre erklingen. Im Sinne einer stärkeren Atmosphäre wäre aber der typische Hall in solch kleinen Clubs schön gewesen.
Richtig offensiv werden die Höhenspeaker dann beim Zeitraffer-Pinball-Wizard genutzt, wenn Egerton lauthals auch von oben den Text zum Besten gibt und dazu ein Feuerwerk loskracht. Letzteres ist so perfekt umgesetzt, dass es von Lautsprecher zu Lautsprecher wandert und fast schwerelos wirkt – klasse (75’00). Noch mal sehr intensiv schlägt die Höhen-Ebene zu, wenn der Chor das „I think it’s gonna be a long, long time“ von Rocketman singt (84’00). Drei Minuten später kommen die elektronischen Disko-Sounds so dediziert von oben, dass man ungläubig den Kopf in Richtung der Heights schwenkt. Auch die Stimmen kurz darauf ertönen direktional von der Decke.

Bonusmaterial

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Schriller Paradiesvogel

Das Bonusmaterial von Rocketman wurde auf der Blu-ray abgelegt und enthält zunächst einmal vier erweiterte Musical-Nummern, die von Dexter Fletcher kommentierend eingeleitet werden. Zehn entfernte und erweiterte Szenen kommen ergänzend hinzu und es gibt insgesamt fünf Featurettes.
In „Das wird ’ne wilde Fahrt“ resümieren Produzenten und Filmemacher, wie es zur Idee des Films kam. Man sieht auch Elton John und Taron Egerton im Zwiegespräch.
„Wie man zu Elton John wird“ beschreibt, wie sich Taron Egerton optisch und innerlich in Elton John verwandelt hat. Egerton spart nicht aus, welche Ängste ihn dabei begleiteten. „Einfach Legendär“ kümmert sich um das Produktionsdesign und die grandiosen Kostüme. „Mit Volldampf voraus“ hingegen schildert, wie Fletcher die Musical-Szenen inszenierte und damit den Film auch erzählerisch voran brachte. „Musik neu erfunden“ wirft dann einen Blick ins Studio, in dem Egerton Erstaunliches leistete und Elton John sich auf eigenen Wunsch sehr zurückhielt, damit die Neuinterpretationen ihr eigenes Flair entwickeln konnten. Ergänzend gibt es eine Funktion, mit der man direkt zu den Musiktiteln des Films springen kann sowie Mitsingversionen einiger ausgewählter Songs.

Fazit

Rocketman ist intimer und geht tiefer als Bohemian Rhapsody. Während die ersten 90 Minuten mitreißen, wird es danach für 20 Minuten ein wenig düster. Hier hätte man vielleicht etwas entdramatisieren können. Doch Schauspieler, Neuinterpretation der Songs und Kostüm- sowie Setdesign entschädigen für ein paar Mankos.
Die UHD liefert dazu das ausgewogen dynamischere, schärfere und noch ruhigere Bild mit einem tollen Atmos-Sound, der auf der regulären Ebenen richtig toll ist und obenrum in ausgewählten Szenen unterstützt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 80%
Bildqualität UHD (HDR10 & Dolby Vision): 85%

Tonqualität BD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 80%

Tonqualität UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 85%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 80%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 85%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 50%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 80%

Bonusmaterial: 60%
Film: 80%

Anbieter: Paramount Home Media Deutschland
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Dexter Fletcher
Darsteller: Taron Egerton, Jamie Bell, Bryce Dallas Howard, Richard Madden, Stephen Graham, Tate Donovan
Tonformate BD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // Dolby Digital 5.1: de
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 121
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 1000
FSK: 12

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: © Paramount Pictures)

Trailer zu Rocketman

ROCKETMAN | OFFIZIELLER TRAILER 2 | Paramount Pictures Germany

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5 thoughts on “Rocketman 4K UHD

  1. Avatar Florian

    Dank deines ausführlichen Reviews, kann ich nun bedenkenlos zur UHD greifen. Gerade bei Filmen die mir persönlich wichtig sind (Rocketman habe ich im Kino gesehen und gleich gewusst, dass ich ihn auch für Zuhause kaufen werde) ist es eine große Hilfe, zu wissen ob sich die UHD im Vergleich zur Blu-ray lohnt. Daher warte ich vor einem UHD-Kauf immer erst deine Rezensionen ab, denn kein anderer Test kann mir so genau vermitteln, ob die UHD sich lohnt oder nicht. Hiermit nochmal vielen Dank dafür und mach so weiter.

  2. Avatar Rüdiger Petersen

    Wieder mal eine Glanzleistung vom Anbieter die Deutsche Tonspur nur mit einer 5.1 Spur zu versehen. Wird nicht gekauft.

    • Avatar René

      Wieso? Die 4k hat doch Atmos in Deutsch. Die BD , da geb ich Dir recht, natürlich nicht. Traurig für einen Major. Sollten sich mal ein Beispiel an Warner & Universal nehmen und nicht im Fahrwasser von Fox & Mickey Mouse schwimmen 😉

      Vielen Dank mal wieder an Timo für’s feine Review. Thumbs up.

      • Avatar Rüdiger Petersen

        Ja , das stimmt aber UHD Scheiben sind mir persönlich einfach noch zu teuer. Es wäre für den Anbieter gar kein Problem gewesen eine hochwertige Tonspur aufzuspielen. Andere schaffen das ja auch. Ich habe mich vor kurzem entschlossen solche Scheiben nicht mehr zu kaufen. Ich finde das nur konsequent. Willkommen in der Steinzeit.

  3. Avatar Stefan

    Schön zu sehen das bei dieser VÖ und vielen anderen UHD’s der letzten Zeit der Unterschied DV zu HDR 10 immer kleiner wird. Die Content Ersteller lernen immer mehr dazu und DV kann im UHD BD Bereich immer weniger zum Kaufkriterium werden. Das war vor 2-3 Jahren noch anders.

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