Romans – Dämonen der Vergangenheit

Blu-ray Review

romans - daemonen der vergangenheit blu-ray review cover
Koch Films/OFDB Filmworks, 27.06.2019

OT: Romans

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Der zornige Hammer

Unbequemer Film, der sich unbedingt lohnt.

Inhalt

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Malky und seine Kollegen reißen gerne ab

Malky ist im besten Alter und körperlich fit – dank seiner Arbeit als Abriss-Spezialist. Auch sexuell steht er voll im Saft und hat ein Team von loyalen Kollegen. Seine Beziehung zur lokalen Schönheit Emma läuft gut – sieht man davon ab, dass er zu Gewaltausbrüchen neigt. Denn was keiner weiß: Malky wurde als Junge vom Priester seines Heimatdorfs missbraucht. Als er beim Abriss einer örtlichen Kirche eingesetzt wird, passiert das Unvorhergesehene: Malky begegnet seinem damaligen Schinder auf der Toilette einer Bar. Malky, nun im erwachsenen Alter, könnte sich für das, was man ihm damals angetan hat, rächen. Er könnte die Wehrhaftigkeit unter Beweis stellen, die er als kleiner Junge noch nicht hatte. Er könnte …

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Holt das Kreuz von der Wand: Malky

Ein Jesus am Kreuz im Fokus. Das Bild wackelt, donnerndes Dröhnen ist zu hören. Ein Mann, der mit Atemschutz und Staubmaske über dem christlichen Symbol steht und mit einem Vorschlaghammer darauf eindrischt. Dazu ein Prediger, der im Hintergrund seine religiöse Weltsicht in das Volk brüllt. Die nächste Szene: Der gleiche Mann, der zuvor auf das Kreuz einschlug hat leidenschaftlichen Sex mit einer Frau.
Symbolträchtiger könnte ein Film kaum anfangen. Romans, das neue Werk der Shammasian-Brüder, die mit The Pyramid Texts ein intimes und fesselndes Ein-Mann-Vergebungs-Szenario in kammerspielartiger Szenerie Langfilmdebüt gaben, konfrontiert den Zuschauer mit unbequemen Fragen. Mit unangenehmen Gefühlen und wenig angenehmen Bildern. Vielen (vor allem männlichen Zuschauern) wird es schwer fallen, zuzusehen, wenn der Protagonist aus dem damaligen Leid und dem Trauma eine Selbstgeißelung formt, die ihn auf schmerzhafte Weise immer wieder mit dem Erlebten konfrontiert.
Malky ist ein zutiefst gespaltener Mensch, der seine Aggression an Fremden blitzartig abreagiert, während er jeden Konflikt mit seiner alleinstehenden Mutter scheut und zu vermeiden sucht – und das, obwohl sie ihn nicht sonderlich liebenswürdig behandelt.

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Malkys Freundin weiß nicht, was sie von seinen Launen halten soll

Romans kleidet das Geschehen zur atmosphärischen Unterstützung in schmuddelige und körnige Bilder mit eher geringem Kontrastumfang. Dazu wird nur selten Musik eingespielt, sodass man als Zuschauer mit dem Film und den Gefühlen seiner Protagonisten intensiv konfrontiert wird. Findet Filmmusik statt, wird auch sie zum Symbol. Wenn Malky seinem Peiniger begegnet, grummelt sie bedrohlich und wie in Zeitlupe, fährt dabei tief ins Mark. Dem Zuschauer wird es auch dann schon unwohl und nicht jeder wird Thematik und Art der Umsetzung mögen. Die Regie von Ludwig & Paul Shammasian bleibt indes ihrem einmal eingeschlagenen Weg treu.
Wenn Malky den Jesus vom Kreuz schraubt, hat man das Gefühl, er erlöse Gottes Sohn von seinem Leid. Sein Gesichtsausdruck spricht dabei aber Bände und macht deutlich, wie groß der Unterschied zwischen ihm und Jesus in dem Moment ist. Denn niemand holt Malky die Nägel aus seiner missbrauchten Seele.
Ein Coup gelang dem Regie-Duo mit der Besetzung der Hauptfigur. Orlando Bloom, der nach seinen Mega-Erfolgen als Legolas und Will Turner schon in Filmen wie Zulu oder zuletzt Shanghai-Job zeigte, dass er auch anders kann, fesselt hier von Anfang bis Ende.
Mit strubbeliger Frisur und moderat-ungepflegtem Erscheinungsbild porträtiert er den psychisch geschundenen Marty mit der vollen Bandbreite an Emotionen. Von sanfmütig (gegenüber der Mutter) über dominant (gegenüber der Freundin) bis gequält-masochistisch und selbstzerstörerisch (gegenüber sich selbst) – was der einstige Teenie-Schwarm hier abliefert, ist großes Kino.

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Versöhnung nur für kurze Zeit

Umso herausragender ist die Tatsache, dass sich Romans auf das konzentriert, was sonst zu kurz kommt. In all den Diskussionen um missbrauchende Geistliche und sexuelle Nötigung innerhalb der Glaubens-Institutionen, geht es meist nur um ein bestimmtes Strafmaß und die Reaktionen der Kirchen-Oberhäupter. Das ist sicherlich wichtig, von gesellschaftlichem Interesse und damit gut so.
Was aber (verständlicherweise) in der Regel unbeleuchtet bleibt, ist das Schicksal der Opfer. Die Traumata, die sich entwickeln und die Auswirkungen der Ursache. Romans fokussiert sich genau auf diesen Aspekt – selbstverständlich ohne einen Allgemein-Anspruch auf das Schicksal eines jeden Opfers dieser Art von Gewalt stellen zu wollen. Vielmehr liefert der Film eine mögliche Art des Umgangs mit einem derartigen Erlebnis und beschreibt die Seele eines Menschen, der mit seinem Leid eben nicht aus sich heraus kann; der nicht in therapeutische Behandlung geht oder sich den Schmerz sonstwie von der Seele redet. Malky kanalisiert seine Gefühle in Gewalt und Frustration – bis zum überraschend-unkonventionellen und sehr mächtigen Ende. Dass es sich dabei um die quasi-autobiografische Geschichte von Drehbuchautor Geoff Thompson handelt, macht das Erlebte umso intensiver und heftiger. Eine simple Rachestory sollte man hier indes nicht erwarten.
Einzig das Schlussbild nach dem Zitat aus Römer 12,20 wirkt deplatziert und unnötig.

Bild- und Tonqualität

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Der Feind im Priestergewand

Romans wurde zwar digital gedreht, nutzt aber diverse, in der Postproduktion hinzugefügte Stilmittel. Von der teils deutlichen Körnung über die Farbreduktion bis hin zu einem gewissen Unschärfe-Filter. So passt sich das Bild dem Geschehen perfekt an, sieht aber aus technischer Sicht nicht wirklich gut aus. Auch die Randunschärfen im unteren Bereich fallen negativ auf. Relativ gut sind Close-ups von Gesichtern, die schon mal sehr knackig aussehen.
Sehr reduziert gibt sich der Ton von Romans. Während die Stimmen etwas zu leise im Gesamtgeschehen eingebettet sind, hört man aus den Rears nur äußerst selten überhaupt etwas (Kantinen-Atmosphäre 52’00). Brandet der Filmscore auf, werden die Surrounds und der Sub allerdings mit einbezogen. Ansonsten bleibt das sehr ruhige Geschehen komplett auf die Front beschränkt.

Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von Romans besteht aus den beiden Originaltrailern zum Film.

Fazit

Romans mag lange nicht für jeden Filmfan geeignet sein. Schon das Thema an sich ist schwer genug. Wer aber intensives Schauspielkino und tiefgreifende Emotionen erleben möchte, der kann sich von einem Orlando Bloom fesseln lassen, der hier eine oscarreife Vorstellung ablegt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 10%
Film: 80%

Anbieter: Koch Films / OFDB Filmworks
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Ludwig & Paul Shammasian
Darsteller: Orlando Bloom, Janet Montgomery, Alex Ferns, Anne Reid, Charlie Creed-Miles, Jo Wheatley
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 95
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Koch Films)

Trailer zu Romans

Romans – Dämonen der Vergangenheit (deutscher Trailer)

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