Scars of Xavier Uncut Rawside Edition Mediabook

Blu-ray Review

Wicked Vision, 20.04.2020

OT: Scars of Xavier

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Harte Kost

Wicked-Vision hält den Stab fürs Untergrund-Kino erneut hoch.

Inhalt

Der picklige Nachbar weiß nicht, was er von Xavier halten soll

Xavier wäscht tagsüber Autos. Er lebt alleine und ist scheinbar ein ganz normaler Typ von nebenan. Doch die „ganz normalen“ Typen sind es ja meist, die ein Doppelleben führen. „Er war so ein netter Nachbar“ heißt es dann.
Und Xavier passt in dieses Klischee. Als Kind von der Mutter missbraucht, fallen seinem psychopathischen Wesen immer wieder junge Frauen zum Opfer. Ob er diese einfach auf der Straße kidnappt oder in Diskotheken kennen lernt – um seinem Drang zu Töten nachzukommen, ist ihm jede Art der Beschaffung nur recht und billig.
Doch eines Tages lernt er Karolina kennen, die neue Bedienung einer lokalen Bar. Plötzlich scheint sich etwas zu verändern. Verliebt sich Xavier gerade etwa …?

Xavier hat ein weitere Opfer gefunden

Das Serienkiller-Thema steht aktuell hoch im Kurs. Vor allem Streaming-Anbieter wie Netflix, die mit True-Crime-Dokus wie Ted Bundy Tapes erfolgreich sind, haben ein neues Interesse an den Geschichten über Mörder und deren Hintergründe entfacht. Scars of Xavier betritt hier also bekannte Pfade. Zumal der Serienmörder vom Amateurschmuddel- () bis ins Hochglanz-Blockbuster-Kino (Das Schweigen der Lämmer) anzutreffen ist. In der Blütezeit entsprechender Genrefilme entstand auch ein nciht ganz unbekannter und später berüchtigter Vertreter: Maniac. Darin begeht ein Killer Morde an jungen Frauen, deren Skalp er im Anschluss als Trophäe mitnimmt. Erklärt werden seine Taten (wie in vielen ähnlichen Filmen) durch die Kindheit, in der er massivem Missbrauch ausgesetzt gewesen ist. 2012 inszenierte Alexandre Aja ein Remake mit Elijah Wood. Beide Filme waren lange Zeit nicht nur indiziert, sondern sogar beschlagnahmt. Das 1980er Original war gar der erste nach §131 StGB beschlagnahmte Heimkino-Film überhaupt. Die Gewaltdarstellungen sowie die Beschreibung des Täters wurden als gewaltverherrlichend eingestuft und entsprechend bewertet.

Und weil Serienkiller-Filme nun mal vom Töten handeln, geht’s auch in Scars of Xavier um dieses Sujet.
Und weil auch heute noch kein Film davor gefeit ist, indiziert oder sogar beschlagnahmt zu werden, hat man es oft mit sehr limitierten Fassungen ähnlicher Titel zu tun – frei nach dem Motto: Wenn weg, dann weg. Und wenn weg, dann kümmert die Beschlagnahmung auch niemanden mehr.
Zur Not tötet er auch vor Publikum

Einer dieser kleineren, aber umso leidenschaftlicher arbeitenden Anbieter (un)vergessener Genreperlen ist die Wicked Vision Distribution GmbH. In beständiger Regelmäßigkeit veröffentlicht man Kult-Horrorfilme, limitierte Editionen, erstmalig in HD abgetastete Undergrundfilme und vieles mehr.
Scars of Xavier kommt in insgesamt drei Mediabooks als fünfter Film in der „Uncut Rawside Edition“, aus der auch schon Pitchfork stammte. Jedes Mediabook ist auf 222 Stück limitiert und deshalb vermutlich relativ zügig ausverkauft.
Dem Film, der schon 2017 entstand, feierte seine Premiere auf dem US-Nightmares Film Festival im Oktober des gleichen Jahres und erschien im April 2020 nun erstmals fürs Heimkino. Dort ist er vor allem dann gut aufgehoben, wenn der geneigte Zuschauer eher ein Psychogramm mit Gewalteruptionen erwartet, denn pure Gore-Exzesse am laufenden Band.
Regisseur Kai E. Bogatzki (Cutter von Blood Feast) gibt mit Scars of Xavier sein Langfilmdebüt und lotet nach und nach die Hintergründe und Motive einer geschundenen Seele aus, deren aggressive Anlage (natürlich) in der Kindheit zu suchen ist. Die Story ist papierdünn, so viel ist klar. Und sie ist altbekannt. Auch die Motive hinter dem psychopathischen Verhalten des Protagonisten sind nichts Neues. Bogatzki schafft es aber einerseits, die bekannten Motive in atmosphärisch-stimmige und manchmal sogar überraschende Bilder zu kleiden. Andererseits kann er auf einen Hauptdarsteller vertrauen, der weit über dem üblichen Amateur-Niveau agiert.
Da der Film oftmals ohne große Dialoge auskommt, entwickelt sich eine bedrohliche und ungewisse Atmosphäre, die dann mitunter eruptiv in offensive Gewaltdarstellungen kumuliert. Dass die praktische Effekte dabei von Phillip Rathgeber umgesetzt wurden, ist alles andere als ein Schaden. Denn der kommt aus dem Umfeld eines gewissen Olaf Ittenbach. Kein Wunder, dass man hier durchaus Zünftiges zu Gesicht bekommt und das auch noch sehr überzeugend.

Meist allerdings trägt er Maske

Wie erwähnt, nimmt sich der Film seine Zeit, um hinter die Fassade des Killers zu blicken. Teils sogar in der Ego-Optik. Nämlich dann, wenn es in die Vergangenheit des Mörders geht und der Zuschauer praktisch die Position des kleinen Xavier einnimmt. Das ist ein Stück weit gemein, denn eigentlich möchte man sich nicht in die Haut eines Killers versetzen. Doch weil Serienkiller-Filme natürlich keine Wohlfühlfilme sein wollen, ist das nur konsequent umgesetzt. Schade, dass ausgerechnet Xaviers Mutter etwas überdramatisch agiert, sodass den Szenen etwas die Glaubwürdigkeit fehlt.
Glaubwürdigkeit, die Marc Engel in der Titelrolle durchweg liefert. Ihm ist es zu verdanken, dass die geschundene Seele des Xavier und seine Taten emotional nicht kalt lassen. Er agiert souverän, ohne es zu übertreiben und ist neben den praktischen Maskeneffekten und dem unheilvollen Score die dritte Bank des Films.
Wo wir gerade noch mal bei den Maskeneffekten sind. Wirklich sensationell gut ist eine rückwärts und in Zeitlupe ablaufende Tötungssequenz nach 50 Minuten gelungen. Hier lässt Scars of Xavier Innovation aufblitzen, die ihm aufgrund der austauschbaren Story leider fehlt. Schade ist vor allem auch, dass die Story zwischen Xavier und der Kellnerin kaum in Fahrt kommt. Hier liegt im Prinzip das Potenzial für eine unbequeme Auseinandersetzung mit psychopathischem Trieb und tief verborgenem Wunsch nach Geborgenheit.

(1 Kundenrezensionen)
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Bild- und Tonqualität

Xavier lässt die Opfer manchmal einige Zeit bei sich liegen

Die Blu-ray von Scars of Xavier ist bildtechnisch leider nur durchschnittlich. Die Schärfe ist durchweg auf einem eher mittleren bis schwächeren Niveau (und damit sind nicht die bewusst eingesetzten Unschärfen gemeint) und der Kontrastumfang lässt ebenso zu wünschen übrig. Das Rauschen nimmt in dunkleren Szenen zu und während der farblich kritischeren Momente setzt es auch deutliche Banding-Artefakte (23’15, 28’06). Allerdings nimmt das kaum Wunder, bei einer Datenrate, die selten über 15 Mbps hinaus kommt. Die Farben selbst bleiben erdig und ohne große Akzente, was dem schmuddeligen Image des Films ganz gut passt. Die Versumpfungen im Schwarz sind allerdings weniger schön.
Akustisch warten zwei dts-HD-Masterspuren, die im Falle der deutschen Synchro (der Film wurde auf Englisch gedreht) etwas zu leise Dialoge präsentiert. Die Räumlichkeit gerät allerdings recht ansprechend. Gerade die Filmmusik wurde sehr raumfüllend abgelegt. Aber auch vorbeifahrende Autos oder die anfängliche Schießerei klingen recht effektvoll und beschäftigen die Rears. Druck oder Dynamik wird allerdings kaum erzeugt. Alles in allem bleibt das Geschehen aber eher unspektakulär.

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Bonusmaterial

Wird man ihn jemals schnappen?

Das Bonusmaterial von Scars of Xavier enthält knapp drei Minuten entfernter Szenen sowie ein Making-of, das mit 45 Minuten sehr ausführlich ausgefallen ist. Da die Produktion deutsch ist, bleibt das Ganze auch deutschsprachig. Tatsächlich gibt es wirklich interessante und hautnahe Infos und Interviews zur Entwicklung des Films. Fünf Interviews mit den Machern und Darstellern sowie ein Making-of der Synchro des in Englisch gedrehten Films schließen sich an. Neben Teasern und Trailern gibt’s dann noch das Musikvideo zu „Disruption“ von Backfired.Hate und den Kurzfilm „Treshold“. Das 24-seitige Booklet mit einem Text von Dead-Ends-Chefredakteur Mike Blankenburg rundet die Mediabooks ab, die es in drei unterschiedlichen Cover-Varianten gibt.

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Fazit

Vom üblichen Genre-Untergrund unterscheidet sich Bogatzkis Serienkiller-Horrorthriller schon alleine durch seine professionelle Inszenierung und den überzeugenden Hauptdarsteller. Marc Engel überspielt die Lücken im zähen Skript eindrucksvoll und die praktischen Masken sind wirklich hervorragend.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 50%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 80%
Film: 60%

Anbieter: Wicked Vision Distribution GmbH
Land/Jahr: Deutschland 2017
Regie: Kai E. Bogatzki
Darsteller: Marc Engel, Isabelle Aring, Thomas Binder, Frank Freitag, Jelly Francis Gaviria, Lamacra
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 90
Codec: AVC
FSK: ungeprüft

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Redscreen / Rawside Entertainment)

Trailer zu Scars of Xavier

Scars of Xavier: Official Trailer
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