Scary Stories to Tell in the Dark

Blu-ray Review

Universal Pictures Home Entertainment, 12.03.2020

OT: Scary Stories to Tell in the Dark

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Erzähl‘ mir eine Geschichte

Guillermo del Toro übernimmt mal wieder die Patenschaft für einen Gruselfilm – gelungen oder nicht?

Inhalt

Stella ist ein ganz gewöhnliches Mädchen – noch

Halloween 1968: Die liberalen Amerikaner hassen Nixon und den Krieg, die coolen Halbstarken vom College schreiben sich für die Front in Vietnam ein. Und Stella trifft sich mit ihren Freunden Chuck und Auggie zum Trick or Treat. Es könnte eine coole Nacht werden, wenn nicht der ätzende Tommy Jagd auf das Trio machen würde. Nachdem der junge Ramon den drei Freunden geholfen hat, erkunden sie kurz darauf das Geisterhaus auf dem Anwesen der Bellows. Dort soll sich dereinst die Hausherrin umgebracht haben. In dem alten Gemäuer findet Stella ein Buch mit Horror-Storys. Und nachdem sie dies mit nach Hause genommen hat, schreibt es plötzlich von selbst Geschichten. Und es dauert nicht lange, bis Stella und ihre Freunde merken, dass sie darin die Hauptfiguren spielen. Dumm, dass es den Protagonisten in dern Storys an den Kragen geht …

Das Anwesen der Bellows kann einschüchternd sein

Die Gruselbücher von Alvin Schwartz kennt in den USA jedes Kind – und jeder Elternteil. Für nicht wenige Erziehungsberechtigte sind die Geschichten, die man sich im Dunkeln erzählt, viel zu schaurig für die Kids. Nicht wenige kritisierten das öffentlich.
Kein Wunder also, dass Guillermo del Toro Schwartz‘ Trilogie aus Sammelbänden von insgesamt 82 Kurzgeschichten verschlungen und geliebt hat. Vor allem die Illustrationen von Stephen Gammell hatten es ihm angetan. Als 2016 bekannt wurde, dass del Toro mit dem Projekt einer Verfilmung der Vorlagen betraut wurde, horchten Fans auf. Wenn einer die visuelle Einzigartigkeit der Gammell-Illustrationen in einem Film verwandeln könnte, dann doch wohl der mexikanische Regisseur.
Zwar fungierte er am Ende doch nur als Produzent und Co-Autor, doch mit André Øvredal fand man einen sehr passenden Ersatz.
Øvredal hatte vor drei Jahren den großartigen Indie-Horror The Autopsy of Jane Doe inszeniert, dessen Überraschungs- und Schockpotenzial lange nachwirkte und der zu den besten Horrorfilmen des Jahres 2017 gehörte.
Die Kooperation aus feurigem Mexiko und kühlem Norwegen funktionierte dann sogar im Kino. Denn gut 100 Mio. Dollar Einspiel bei knapp 28 Mio. Dollar Produktionskosten sind aller Ehren wert. Und es ist ein Zeichen dafür, dass es die richtige Entscheidung war, den Film nicht als Anthologie inszenieren. Del Toro meint dazu, dass Anthologien immer so schlecht sind wie die schlechteste Story und nie so gut wie die beste Story (Quelle).

Ein Eintopf mit besonderer Einlage

Im Falle von Scary Stories to Tell in the Dark verwendete er deshalb den Kniff, einen übergeordneten Storybogen zu entwickeln und ihn mit der Idee des Buchs zu kombinieren, das seine eigenen Geschichten schreibt. Das hält dann zwar einzelne Kurzgeschichten aus den Büchern parat, doch diese widerfahren eben den vier Hauptdarstellern.
Wie eine Gruselmischung aus Stand by me und den Figuren des H. P. Lovecraft kommt das finale Ergebnis daher und ist nicht ohne Grund hierzulande ab 16 freigegeben. Denn die fantastischen Monster, die (man kennt es von del Toro) größtenteils mit praktischen Masken und Make-up und nicht per CGI entstanden (nicht wahr, ES Kapitel II?) sind wirklich gruselig. Vor allem die bleiche weiße Frau ohne Zeh gerät schrecklich-schaurig.
Dass es aber nicht nur schaurig zugeht, sondern durchaus auch emotional packt, liegt an der hervorragenden Charakterisierung der Kids.
Nicht nur die Tatsache, dass mit Stella ein weiblicher „Leader of the Pack“ das Quartett der Guten anführt, fügen sich auch die anderen drei hervorragend ein. Neben der wunderbar natürlich aufspielenden Zoe Margaret Colletti (Skin) ist auch Austin Zajur richtig klasse. Der in vielen Momenten an den grandiosen Jeremy „Lip Gallagher“ Allen White aus Shameless erinnernde Darsteller sorgt als Chuck für die humorvollen Momente – ohne jedoch zum albernen Sidekick zu verkommen.

Geschickt nutzt Scary Stories to Tell in the Dark die Kameraeinstellungen klassischer Gruselfilme und begibt sich mit den potenziellen Opfern auf eine Ebene. Aus subjektiver Sicht schaut man gemeinsam um die Ecke oder taucht unter dem Bett ab, während das Monster draußen lauert.
Und wenn dann die Räume in den rot ausgeleuchteten Hallen und Fluren nach gut einer Stunde immer enger und bedrohlicher werden, setzt es gar richtige Panik beim Zuschauer.
Lediglich das arg konventionelle und auf Action setzende Finale fällt gegenüber den spannenden Momenten zuvor etwas ab.
Ramon hilft dem Trio

Bild- und Tonqualität

Das Buch führt ein Eigenleben

Scary Stories to Tell in the Dark spielt in den 60ern. Um das adäquat und atmosphärisch wiederzugeben, hat man die Farben etwas weniger kontraststark umgesetzt und sie entlang einer gedeckten Braun- und Graupalette implementiert. Außerdem haben helle Sequenzen schon mal einen Weichzeichner rund um Objekte. Die digitale Herkunft kann der Film nicht verleugnen, da er zumeist erfreulich rauscharm und stabil bleibt. Abhängig von den verwendeten Kameraoptiken gibt’s schon mal leichte Randunschärfen, was insgesamt aber im Rahmen und nicht negativ auffällig bleibt. Die Schärfe dürfte in den allermeisten Einstellungen etwas knackiger sein. Außerdem versumpfen Details in dunklen Bereichen leider regelmäßig. Außerdem gibt’s bei Nacht und Nebel oder später in den roten Räumen auch schon mal leichtes Banding.
Scary Stories to Tell in the Dark kommt mit verlustfreien dts-HD-Master-Spuren für beide Sprachen und lebt durchweg von seiner Räumlichkeit. Weht der Wind durchs Maisfeld oder zirpen die Zikaden, wird das stimmungsvoll und über alle Speaker ins Heimkino transportiert. Ebenso gut funktionieren Jumpscares: Wenn nach 19’45 eine große Doppel-Holztür aufschwingt, fährt es einem unwillkürlich durchs Gebein. Und die kribbelige Räumlichkeit beim Ausbruch der Spinnen nach 56 Minuten erzeugt unweigerlich Gänsehaut. Wenn Harold dann Jagd auf Tommy macht, stapfen seine Füße erstaunlich druckvoll auf den Boden. Einzig die Stimmen dürften etwas offener und freier klingen. Bisweilen ist die deutsche Synchro etwas muffig.

Bonusmaterial

Chief Turner glaubt den Kids nicht

Insgesamt sechs Featurettes und zusätzliche Interviews warten auf den Zuschauer. In „Die Transformation eines Bestsellers“ geht’s ca. zwei Minuten um die Basis des Films, also die Bücher von Schwartz. In „Kreatur-Vignetten“ bekommen wir fünf kurze Episoden über die einzelnen Monster. „Dunkle Geschichten“ läuft ebenfalls nur kurze zwei Minuten und erzählt ein wenig von den Ängsten und den Charakteren an sich. „Make-up-Zeitraffer“ zeigt am Beispiel von der Frau ohne Zeh, wie die Maske angefertigt wurde. „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ läuft so kurz, dass man nicht mal weiß, worum es wirklich darin geht. „Der rote Fleck Clip“ letztlich zeigt nur noch mal die Szene des Films, in der aus Ruth‘ Wange die Kreaturen schlüpfen. Insgesamt sehr enttäuschende, da viel zu kurze Featurettes. Die insgesamt 23 Minuten an Interviews sind da schon das interessantere Futter.

Fazit

Scary Stories to Tell in the Dark lebt von seinen authentischen Darstellern, einer extrem spannenden ersten Stunde und den handgemachten Effekten. Die Handschrift del Toros ist unverkennbar und in puncto Jugendgrusel hat man schon weitaus schwächere Filme gesehen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 40%
Film: 70%

Anbieter: Universal Pictures Home Entertainment
Land/Jahr: USA/Kanada/China 2019
Regie: André Øvredal
Darsteller: Zoe Margaret Colletti, Michael Garza, Dean Norris, Gil Bellows, Lorraine Toussaint
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder: ©2019 Entertainment One Films Germany Inc. Alle Rechte vorbehalten)

Trailer zu Scary Stories to Tell in the Dark

Scary Stories To Tell In The Dark | Offizieller HD Trailer| Deutsch German | (2019)

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