Schindlers Liste 4K UHD

Blu-ray Review

schindlers liste 4k uhd blu-ray review cover
Universal Pictures, 28.03.2019

OT: Schindler’s List

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Von Menschlichkeit

Steven Spielbergs Meisterwerk erhält eine 4K-Auffrischung zum 25. Jubiläum.

Inhalt

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Oksar Schindler sucht in Polen sein finanzielles Glück

Krakau 1939: Nachdem die deutsche Wehrmacht Polens Armee besiegt und das Land besetzt hat, werden die dort lebenden Juden nach und nach in Ghettos übersiedelt. Zur gleichen Zeit kommt der sudetendeutsche Oskar Schindler in der Stadt an, um dort Wirtschaftsprofiteur zu werden. Als Mitglied der NSDAP hält er gute Kontakte zu einflussreichen Funktionären, ist aber finanziell bisher eher unglücklich aufgetreten. Als er auf gut Glück eine Firma erwirbt, um dort Emaille-Produkte anzufertigen und von deren Erlös als Kriegsprofitler zu Geld zu kommen, ist es Itzhak Stern, der dabei hilft, die Firma aufzubauen. Der Funktionär des lokalen Judenrats unterhält gute Beziehung zur jüdischen Geschäftswelt, die in den Untergrund gedrängt wurde. Während die Produktion startet, beschäftigt Stern, der die Firmengeschicke leitet, zunächst heimlich vor allem jüdische Arbeiter. So bewahrt er diese als „wichtige Personen“ vor dem Zugriff der Gestapo. Schindler unternimmt nichts dagegen, als er davon erfährt und ist weiterhin das Gesicht der Firma nach Außen. Durch seine Zuwendungen an Funktionäre der Nazis stellen diese keine Fragen.
Als SS-Untersturmführer Amon Göth in Krakau erscheint, ändern sich die Verhältnisse jedoch. Unter seiner Leitung soll das Ghetto geräumt und das Zwangsarbeitslager Plaszow errichtet werden. Auch die Fabrikarbeiter Schindlers sind unter den Abtransportierten. Nicht nur steht er von nun an ohne Arbeitskräfte da, sieht er auch aus erster Hand erstmals, wie brutal die Nazis bei ihren Räumungen vorgehen. Während er mit Bestechungsgeldern erreicht, dass Göth ihm Arbeiter aus dem Lager für seine Emaille-Herstellung überlässt, arbeitet er parallel mit Stern an einer Liste. Auf dieser sollen alle Namen stehen, die er in eine neu errichtete Fabrik in Brünnlitz bringen und dort vor dem sicheren Tod in Auschwitz bewahren will …

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Schindler ist Lebemann und geschickter Händler

Ausgerechnet Steven Spielberg? 1993 schauten nicht Wenige skeptisch aus der Wäsche, als bekannt wurde, dass der Kassenmagnet- und Spezialeffekte-Filmemacher sich eines des größten und schwierigsten Themas menschlicher Historie annehmen würde. Gerade mal ein halbes Jahr vorher hatte Spielberg mit Jurassic Park das moderne Blockbusterkino neu definiert, als sogar in Deutschland die Zuschauerschlangen von den Kinos raus auf die Straßen reichten – immerhin lief der Dino-Thriller praktisch zeitgleich mit dem Hype moderner Kino-Komplexe an. Nicht weniger als sieben Säle zeigten den Film seinerzeit bspw. im Essener Cinemaxx. Und jetzt sollte dieser Spielberg also eine Geschichte erzählen, die so fernab von Kinospektakel ist, wie sie nur sein kann?
Die Fach- und Zuschauerwelt sollte sich täuschen – zumindest jene Skeptiker.
Denn wer dieses 195 Minuten auf Zelluloid gebannte Meisterwerk gesehen hatte, konnte nicht umhin sämtliche vorhandenen Hüte vor dem Mann zu ziehen, aus dessen ukrainischen Familienwurzeln mehrere Mitglieder in Konzentrationslagern ermordet wurden. Dabei hatte Spielberg schon 1983 beschlossen, den Film zu machen. Leopold Pfefferberg, einer der von Schindler geretteten Juden, hatte Zeit seines Lebens nach den Geschehnissen im Zweiten Weltkrieg vorgehabt, die Geschichte seines Retters zu erzählen. 1983 kam er dann mit Spielberg zusammen, der ihm versprach, den Film in zehn Jahren zu drehen. ERST in zehn Jahren, da sich der Regisseur (damals) 36 noch nicht reif genug fühlte, den Stoff angemessen auf Film zu bannen.

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Stern und Schindler bauen ein großes Vertrauensverhältnis auf

Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Konnte er doch Mitte der 80er zunächst Anlauf nehmen und sich seine Sporen im Drama-Fach kurz darauf mit Die Farbe Lila verdienen – mehr als nur einen kleinen Achtungserfolg in Sachen gesellschaftspolitischer Genrefilme.
Um dem Thema der Judenverfolgung und -vernichtung in den Konzentrationslagern des Zweiten Weltkriegs angemessen zu begegnen, engagierte man später dann Autor Steven Zaillian, dessen armenische Herkunft ebenfalls mit dem Zweiten Weltkrieg verknüpft war (nicht weniger als 250.000 Mitglieder der armenischen Armee verloren – integriert in die Rote Armee – in den Kriegshandlungen ihr Leben).
Zaillian hatte zuvor mit den Drehbüchern zu Der Falke und der Schneemann sowie jenem zu Zeit des Erwachens bewiesen, dass er schwierige und auch historisch belegte Geschichten mit Tiefe und Sensibilität umsetzen kann. Dass er für seine Vorlage zum Holocaust-Drama einen Oscar bekommen sollte, damit hätte er aber vermutlich doch nicht gerechnet.
Zaillian erzählt die Geschichte aus der Sicht Schindlers. Eine Wahl, die ihm nicht nur Lob einbrachte. Gerade jene Zeitzeugen und Überlebende der Konzentrationslager, bei denen die Geschehnisse zu einer (nachvollziehbar) sehr pessimistischen Sicht auf die Welt führten, warfen Schindlers Liste diese Erzählweise als zu heroisch vor.
Sich der Tatsache bewusst zu sein, dass man mit einem Kinofilm über den Holocaust niemals alle Kritiker und Zeitzeugen unter einen Hut bekommen würde, ihn aber dennoch zu machen – das ist die „Reife“, von der Spielberg sprach, dass er sie vor Drehstart brauchte.

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Schindler weiß, wen er schmieren und bestechen muss

Und er musste gedanklich flexibel sein. Denn die zeitliche Nähe zu Jurassic Park war drastischer als man glauben mag. So wollte er unbedingt den Winter ausnutzen, um die harsche Witterung in Polen atmosphärisch für seinen Film zu verwenden. Gleichzeitig war der Dinosaurier-Film aber noch in der Post-Produktion. Dies führte dann zu bizarren Satelliten-Konferenzen mit den Tricktechnikern von ILM, in denen der Regisseur die finalen T-Rex-Shots abnehmen wusste, während er tagsüber dramatische und bewegende Szenen für Schindlers Liste einfing.
Was für alle Beteiligten von Beginn an klar war: Man wollte an Originalschauplätzen drehen – zumindest so weit es ging. Im polnischen Krakau musste man zwar einige Schauplätze neu errichten, viele Außenaufnahmen fanden jedoch an den tatsächlichen Orten statt. Da man nicht auf dem Gelände der Gedenkstätte von Auschwitz drehen durfte, baute man die Kulissen für das Konzentrationslager in unmittelbarer Nähe des eigentlichen Bereichs.
Für größtmögliche Authentizität und die Betonung eines dokumentarischen Stils entschloss man sich zudem, in Schwarz-Weiß zu drehen – immerhin sind reale Dokumentar-Aufnahmen aus dieser Zeit ebenfalls in aller Regel nicht in Farbe. Spielberg symbolisierte damit zudem die Abwesenheit von „echtem“ Leben und Vitalität während des Holocaust.

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Amon Göth – Bestie in Menschengestalt

Außerdem war Schindlers Liste der Beginn der Zusammenarbeit mit dem polnischen Kameramann Janusz Kamiński. Bis heute weicht dieser Spielberg nicht mehr von der Seite (insgesamt 18! Filme haben die beiden seitdem zusammen abgedreht). Die Entscheidung, fast die Hälfte der Laufzeit mit handgehaltenen Kameras (und ohne Steadycam) zu drehen, sorgte für die unmittelbare Erzeugung einer (bisweilen unerträglichen) Nähe. Jene Technik, die Kamiński dann in Der Soldat James Ryan perfektionierte.
In Sachen Besetzung wollte Spielberg von Beginn an, dass man mit einem (zu diesem Zeitpunkt) relativ unbekannten Darsteller für Schindler arbeitet. Kein Star sollte die Kraft des Filmcharakters überstrahlen. Ohnehin nicht auszudenken, wenn ein Kevin Costner oder Mel Gibson (die beide Interesse an der Rolle bekundeten) gewählt worden wären. Liam Neeson hat zwar vielleicht die undankbarste Rolle in einem Trio von Hauptfiguren, kann aber aufgrund seiner freundlichen Ausstrahlung und der beeindruckenden Physis (Neeson ist 1,93m groß) dennoch diesen überlebensgroßen Schindler (mit den noch größeren Schulterpolster-Anzügen) geben. Vor allem in den Casanova-Momenten sowie in den gemeinsamen Szenen mit Ben Kingsley überzeugt der nordirische Schauspieler.
Während Neeson als Lebensretter dem Film seine unabdingbar gute Seite gibt, ist es an Ralph Fiennes, den Gegenpol zu geben. Seine Schauspielleistung als Amon Göth ist auch heute noch dermaßen beeindruckend, dass einem beim Zuschauen immer wieder ein kalter Schauer über den Rücken läuft – nachvollziehbar durchaus, wenn man nach drei Stunden Laufzeit einen gewissen Hass auf Fiennes entwickelt, weil dessen Darbietung so extrem überzeugend geriet. Ein Skandal übrigens, dass die Academy zwar den Film, seinen Regisseur und zahlreiche technische Sparten mit dem Oscar bedachte, nicht aber Fiennes als Nebendarsteller – selbst wenn der Gewinner, Tommy Lee Jones, in Auf der Flucht durchaus herausragend agierte.

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Ansprache an die Arbeiter

Vielleicht hat Spielberg Oskar Schindler etwas zu positiv dargestellt und dessen Lebemann-Eigenschaften und Überheblichkeiten abgesoftet. Aber selbst wenn es so ist, war es gut so. Es war gut so, weil es dem Film die Balance gibt, die er braucht, um den Schrecken auf der anderen Seite ertragen zu können. Schindlers Figur – und vor allem dessen fast schon zärtlich beschriebenes Verhältnis zu Itzhak Stern ist der Ankerpunkt für den Zuschauer, um die unmenschlichen und brutalen Mechanismen der nationalsozialistischen Tötungsmaschinerie überstehen zu können.
Und Stern, der von Sir Ben Kingsley (Ghandi) großartig gespielt wird, ist das Gewissen des Films (und seines Arbeitgebers). Als Analyst und Zahlenkenner gibt er Schindler die relevanten Tipps, um die Emaille-Firma zu übernehmen und ans Laufen zu bekommen. Pfiffig empfiehlt er, nicht die polnischen Zwangsarbeiter als Angestellte zu nutzen, sondern die „noch billigeren“ Juden Krakaus. Kingsley gibt Stern dabei eine Menschlichkeit, die als Vorbild für Schindler gedient haben dürfte.
Ein Menschlichkeit, die am Ende Schindlers Liste ausmacht. Eine Menschlichkeit, die man trotz (vielleicht) berechtigter Kritik an den Details, nicht kleinreden darf und sollte. Es zeigt, dass Menschen auch unter den schrecklichsten Umständen fähig sind, Großes – ja Heldenhaftes zu leisten.
Und weil Spielberg 1993 auch deshalb die Zeit für den Film gekommen sah, da sich in Europa eine neue antisemtische Stimmung breitmachte (Ralph Fiennes begegnete während der Dreharbeiten gar eine Frau mit den Worten „… die Deutschen wären charmante Menschen gewesen, die niemanden umgebracht hätten, der es nicht auch verdient gehabt hätte“), kann es nur gut sein, nun eine technisch aktualisierte Fassung zu veröffentlichen.
Denn während immer weniger Zeitzeugen am Leben sind, die von den Geschehnissen berichten können, kann Film eben auch ein Element für Erinnerung sein. Und da Schindlers Liste den Geist des Humanismus beschwört und sich nicht in Pessimismus oder Menschenfeindlichkeit suhlt, ist er sogar ein ganz universelles und wichtiges Werk.
Zum 25. Jubiläum wird es Ende Januar/Anfang Februar übrigens zahlreiche Wiederaufführungen des Films in deutschen Kinos geben – teilweise zu vergünstigten oder freiwilligen Eintrittspreisen.

Bild- und Tonqualität BD

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Das Ghetto wird geräumt

HINWEIS:
Zunächst bezieht sich dieses Review auf die US-UHD, deren enthaltene Blu-ray mit der bisherigen BD identisch ist. Dies wird bei der deutschen Disk anders sein. Denn diese basiert laut Universal Pictures ebenfalls auf der von Spielberg beaufsichtigten 4K-Fassung, die der UHD zugrunde liegt. Bis diese zum Test vorliegt, gibt es an dieser Stelle noch die Beschreibung zur bisherigen Blu-ray.

Schon die bisher bekannte BD (die aktuell immer noch käuflich zu erwerben ist) lieferte ein exzellentes und gut kontrastiertes Bild. Auch hier war die Schärfe schon sehr gut und abgesehen von einigen weicheren Shots, die kamera-/objektivbedingt nicht ganz Spitzen-Niveau erreichen, gab es hier wenig zu meckern. Was gegenüber der UHD im direkten Vergleich sichtbar unterschiedlich ist, ist die Auflösung des Korns. Zwar wirkt auch die BD schon analog und filmisch, aber wenn man es mit der 4K-Fassung abgleicht, sieht man doch, dass es über die Blu-ray etwas artifizieller wirkt.
Die wenigen Farbszenen – gerade jene zum Schluss – hatten aber auch über die bekannte Blu-ray schon eine gute Wirkung und zeigten die teils sehr bunten Kleider und Lippenstifte der Holocaust-Überlebenden ziemlich prägnant.
Akustisch lag die bisherige Blu-ray in dts-HD-Master fürs Englische und in regulärem dts fürs Deutsche vor.
Zum Jubiläum hat man Schindler’s Liste für beide Tonspuren schon für die Blu-ray Dolby-Atmos-Spuren geschenkt. Jetzt darf man sich sicherlich fragen, ob es Sinn macht, einem derart dialoglastigen Drama, das so fern von Action-Unterhaltung ist, wie man nur sein kann, eine weitere Sound-Ebene zu spendieren. Während diese Frage sicherlich nicht ganz unberechtigt ist, hat man aber zumindest nicht den Fauxpas begangen, einfach alles mit auf die Höhen-Ebene zu mischen. Weder hört man hier den Score von John Williams, noch hochgemischte Dialoge oder ähnliches – zumindest ist dies über die US-Fassung so. Und es sollte bei der kommenden dt. Veröffentlichung analog sein. Bis es soweit ist, dass diese getestet werden kann, beziehen sich die Angaben über die Atmos-Qualität auf die US-UHD.
Nimmt man zunächst den alten dts-Ton der bisherigen Blu-ray, so klingt dieser durchweg sehr gut. Gerade die feinen Töne wie das Anzünden der Kerze zu Beginn oder auch der Anschlag der Schreibmaschine gelingen sehr gut aufgelöst, ohne jedes Hintergrundrauschen und extrem sauber. Während in Situationen wie dem Ablassen des Dampfes der Lok eine schöne Räumlichkeit erzielt wird, geht es hier natürlich nicht um hohe Dynamiksprünge, Bassattacken oder eine Fülle an dedizierten Surround-Effekten. Vielmehr ist größtmögliche Authentizität das Thema. Die Musikaufnahmen in den Vergnügungs-Etablissements oder auch bei Schindler zuhause haben dieses typisch blecherne Scheppern und die Geräusche auf den Straßen nehmen den Zuschauer in ihre Mitte. Während der Szenen mit den marschierenden Soldaten kitzelt der Ton sogar etwas den Bassbereich und Stimmen gelangen jederzeit sehr gut verständlich und sauber zum Ohr. Fällt dann ein isolierter Schuss aus Göths Waffe, kracht dieser zwar zu Beginn etwas dünn, verhallt aber sehr realistisch über der weiten Anlage (75’39).

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Das Krakauer Ghetto

Wechseln wir nun auf die Höhen-Ebene der US-UHD (der auf der kommenden Blu-ray in jedem Fall enthalten sein wird), bleiben die Heights einzig und allein den (wenigen) echten 3D-Toneffekten vorbehalten. Tatsächlich gibt’s davon (erwarteterweise) nicht sonderlich viel.
Es beginnt mit aufstiebendem Dampf der Lok nach etwa zwei Minuten an (1’52) und offenbart nach weiteren 20 Minuten ein paar schnarrende Produktionslinien-Geräusche in der Fabrik (23’40). Nach gut einer Stunde hört man dann die Soldaten auf den Außentreppen entlang rennen, während in der Wohnung darunter die Menschen in Angst ausharren. Die bis dato deutlichsten Effekte aus der Höhe gibt’s dann kurz darauf, wenn die Koffer von oben ausgeleert werden (60’05). Etwas über eine Stunde dauert es, bis der nächste Heights-Sound ertönt – und zwar, wenn die Insassen in den Wagons von außen mit Wasser besprüht werden und dieses im Inneren plätschernd zu hören ist (128’40). Der Lokomotiven-Dampf und die Schritte im Wagon über der Kamera stellen die nächste Unterstützung aus der Höhe dar, wobei das Trampeln der Füße vielleicht der auffälligste 3D-Sound des ganzen Films ist (ab 152’24). Abschließend hört man noch das Wasser von oben, wenn sich die versammelten Frauen und Männer endlich mal wieder unter eine Dusche stellen können (156’40).
Da die Atmos-Unterstützung schon reich quantitativ auf die Gesamtlaufzeit eher zu vernachlässigen ist, hätte man sie vielleicht besser ganz weg gelassen. Denn die paar kurzen Szenen stören in diesen Momenten eher die intime Atmosphäre und erweitern sie nicht. Vielleicht ist Schindlers Liste einfach der falsche Film für solche Spielereien und der deutsche dts-Ton wäre die authentischere Wahl gewesen.
Die Kodierung des Subwoofers hätte man sich im Übrigen praktisch sparen können. Dessen Aktivität beschränkt sich über den ganzen Film auf ein paar wenige Szenen – und dort auch nur dezent.

Bild- und Tonqualität UHD

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Schindler holt die Insassen des fehlgeleiteten Waggons zurück

Schindlers Liste wurde 1993 von Janusz Kaminski seinerzeit natürlich analog gefilmt. Zum Einsatz kamen hier Kameras vom Typ Arriflex 35 und 535. Aufgezeichnet wurde also auf 35mm Filmmaterial – und zwar in 4:3. Das 1,85:1-Bildformat, das wir kennen, wurde durch einen Bildbeschnitt erreicht. Von diesem Original-Material wurde für die limitierte Kino-Wiederaufführung sowie für diese UHD ein taufrischer 4K-Scan angefertigt, den Spielberg final höchstselbst abgenommen hat. Wir haben es also mit einer Real-4K-Disk zu tun. Ebenfalls integriert hat man den im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum, was augenfällig natürlich nur in den wenigen Farbszenen zur Geltung kommt. Auch mit an Bord: HDR in beiden Varianten (HDR10 und Dolby Vision).
Im laufenden Bild fallen gegenüber der alten Blu-ray dann sofort die verbesserten Kontrast- und Schwarzwerte auf. Gerade in den besser ausgeleuchteten Szenen und jenen Momenten, in denen das Tageslicht bei Außenaufnahmen gut war. Das wirkt insgesamt einfach noch satter und in den Naheinstellungen ist die Schärfe tatsächlich sichtbar besser. Das Fischgrätmuster im Mantel nach 25 Minuten ist für die Kamera in jedem Fall eine Herausforderung gewesen und das wird hier noch besser deutlich (25’00). Die aus Totalen aufgenommenen Außenaufnahmen bei diesigem Wetter sind allerdings durch die grundsätzliche Abdunklung des Bildes noch etwas grauer geworden. Die Stimmung ist deshalb häufig noch düsterer, das Bild wirkt in diesen Szenen etwas schmuddeliger. Nicht beseitigen konnte man natürlich jene unscharfen Aufnahmen, die aufgrund der jeweiligen Objektiv-Unschärfen ins Auge fallen.
Zwischen HDR10 und Dolby Vision tun sich an den Kontrastflanken leichte Unterschiede auf. So lässt Dolby Vision die hellen Bereiche noch etwas deutlicher strahlen und die Schattenanteile werden noch schwärzer dargestellt. Bisweilen ist das eine Spur zu harsch, wobei es aber nie zu unschönen Überstrahlungen kommt.
Ebenfalls auffallend ist das noch feinere Korn. Hier lässt sich dann in vielen Szenen durchaus auch der Auflösungsunterschied erkennen, weil die Körnung nicht so matschig sondern einfach noch filmischer wirkt. Natürlich ist das Korn aber auch der Grund, warum die allerletzte Schärfe aus dem Bild nicht herausgeholt wird. Es sollte auch niemand hoffen/vermuten, dass Spielberg beim 4K-Remaster auf die Idee kam, einen Rauschfilter übers Bild zu schicken. Nein, das hier sieht noch genauso analog aus wie seinerzeit im Kino – und so gehört das für Schindlers Liste eben auch. Ein glattgebügelter Wachslook würde den Film in seiner Stimmung komplett zerstören. Und weil die ruhigen Aufnahmen in Innenräumen bisweilen trotz der Körnung (und gerade bei einem bestimmten Sitzabstand) eine tolle Auflösung haben (Schreibmaschine 29’30), darf das Bild der UHD sich wirklich einreihen in die besten 4K-Scheiben von entsprechend älterem und bewusst körnigem Material. Kinohafter sah eine UHD bisher jedenfalls noch nicht aus – was hier absolut als Kompliment gemeint ist.

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(21’42) Blu-ray alt: Die bisherige Blu-ray zeigt sich auf Flächen etwas heller und die Körnung war nicht ganz so fein. Die neutralgrauen Flächen tendieren einen Hauch ins Rötliche.
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HDR 10: Die UHD ist grundsätzlich dunkler gestimmt, dafür auf den Flächen mit feinerem Korn und schönerer Textur.
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(55’09) Blu-ray alt: Konzentrieren wir uns bei diesem Bild auf den Bereich von Schindler. Das Handtuch hätte noch etwas mehr Zeichnung haben dürfen und auch hier wirkt das Korn auf dem Gesicht etwas weniger filmisch. Solche Dinge lassen sich jedoch schlecht über einen Still-Shot darstellen. Sie fallen weit bedeutender im laufenden Bild auf.
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(Dolby Vision): Die UHD zeichnet die Struktur auf dem Hand besser durch und die Körnung wirkt abermals greifbarer.
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(73’44) Blu-ray alt: In großen Übersichtsszenen flacht die bisherige Blu-ray sichtbar ab und wirkt teils trüb.
Dolby Vision: Während die grundsätzliche Kontrastschwäche in solchen Szenen filmbedingt ist, holt die UHD (hier Dolby Vision) durchaus mehr Dynamik aus dem Bild heraus.
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(77’05) Blu-ray alt: Der schwarze Lack könnte bei der bisherigen Blu-ray noch etwas mehr Kraft bieten. Das Gras am Wegesrand wirkt relativ undifferenziert.
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HDR 10: Die UHD intensiviert per HDR10 bereits die Lackoberflächen und auch das Gras wirkt besser aufgelöst.
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Dolby Vision: Per DV wird Schwarz noch schwärzer, was dem Fahrzeug noch mehr Dynamik verleiht.
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(188’23) Blu-ray alt: Kommt zum Ende hin Farbe ins Spiel, werden die Unterschiede zwischen der Blu-ray und der UHD deutlicher erkennbar. Während die Blu-ray hier doch etwas zu hell ist, die Steine auf dem Grab nicht sonderlich gut differenziert und das Gras etwas farblos erscheint …
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(HDR10): Hier ist die UHD klar besser und zeigt wesentlich mehr Nuancen im Gras, dazu das kräftigere Grün und den wesentlich besseren Kontrast bei den Steinen auf dem Grab.
Der Ton unterscheidet sich nicht. Auch hier kommen die beiden Dolby-Atmos-Fassungen zum Einsatz, die schon die Blu-ray zu bieten hat.

Bonusmaterial

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Nach der Befreiung

Das Bonusmaterial von Schindlers Liste setzt sich aus bereits bekanntem, aber auch neuem Material zusammen. Das komplett neue Featurette „Schindler’s List: 25 Years Later“ zeigt Spielberg, Neeson, Kingsley, Caroline Goodall und Embeth Davidtz bei einer Frage-Antwort-Runde nach einer Sonderführung des Films während des Tribeca Festival 2018. Mit fast genau 40 Minuten Lauflänge nimmt man sich Zeit, den Film und die Dreharbeiten noch einmal Revue passieren zu lassen. Dabei werden zahlreiche Momente eingeblendet, die zeigen, was hinter den Kulissen passierte und wie man sich der Geschichte näherte. Spannend bspw., wenn Leopold Pfefferberg, einer der Schindler-Juden, ein Fotoalbum mit Bildern von seinem „Retter“ öffnet, der ihn in den 60ern in Malibu besuchte. Bewegend, wenn Neeson davon erzählt, dass sein erster Drehtag ihn direkt mit einem der (an der Produktion beteiligten) Überlebenden konfrontierte und dieser ihm zeigte, in welcher der Hütten von Auschwitz er einkaserniert war.
„Voices from the List“ wird von Spielberg eingeführt und liefert danach gut 80 Minuten an Interviews mit den Überlebenden selbst.
Die „Usc Shoah Foundation Story“ gibt preis, welche Motive man bei der Gründung der Stiftung hatte und was sie heute zu bewirken versucht. „Let their Testamonies speak“ betont, dass Liebe immer stärker sein wird als Hass. und „About IWitness“ ist ein kleiner Werbefilm über das gleichnamige Programm.

Fazit

6,5 Mio. Zuschauer sahen Schindlers Liste seinerzeit in den deutschen Kinos. Zahlen, die für ein dreieinviertelstündiges Epos in Schwarz-Weiß geradezu sensationell sind und heute nur noch von Klamauk-Komödien oder Harry-Potter-Fantasy erreicht werden. Auch 25 Jahre später hat Spielbergs Film nichts von seiner Kraft verloren. Sicher kein Werk, das man sich „mal eben“ nebenbei zu Gemüte führt. Dazu sollte sich auch niemand genötigt fühlen. Es muss schon der richtige Moment sein, zu dem man sich dieses 195-minütige Epos anschaut. Dann aber wird man – bei aller Tragik – mit einer Botschaft belohnt, die vollkommen zeitlos ist.
Die UHD, die nun mit einer nativen 4K-Auflösung erscheint, präsentiert das Bild durchweg in seiner bestmöglichen, kinohaftesten Form – es sollte nur niemand einen glatten Digital-Look erwarten.
Ob es den Atmos-Sound wirklich gebraucht hätte, sei dahingestellt. Er funktioniert zwar auf der regulären Ebene ähnlich gut wie seine bisherigen dts- und dts-HD-MA-Pendants (englische Fassung), fügte den wenigen Szenen aber eher ein bisschen Schaden zu als dass er sie authentischer werden lässt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 85%
Bildqualität UHD: 90%

Tonqualität BD/UHD (bisherige dt. dts-Fassung): 80%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 80%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 10%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 60%

Bonusmaterial: 80%
Film: 100%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 1993
Regie: Steven Spielberg
Darsteller: Liam Neeson, Sir Ben Kingsley, Ralph Fiennes, Caroline Goodall, Jonathan Sagall, Embeth Davidtz, Malgoscha Gebel, Shmulik Levy, Mark Ivanir, Martin Semmelrogge, Götz Otto
Tonformate BD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 195
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
FSK: 12

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Universal Pictures und Amblin)

Trailer zu Schindlers Liste

Schindlers Liste – 25th Anniversary Edition – Trailer HD deutsch / german – Trailer FSK 12

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