Schweinskopf al dente

Blu-ray Review

EuroVideo, 16.02.2017

OT: –

 


Alles Roger in Kambodscha?

Teil III der Rita-Falk-Verfilmungen lässt die Sau raus.

Inhalt

Schweinskopf al dente Blu-ray Review Szenenbild 5
Die Susi hat die Nase von Eberharters zögerndem Verhalten gestrichen voll

Er hat’s aber auch nicht leicht, der Eberharter Franz. Zuerst lässt ihn seine Susi für den windigen Luca sitzen, der eine Pizzeria am Gardasee betreibt. Und das nur, weil Franz sich seit sechs Monaten ziert, mit ihr zusammen zu ziehen. Dann allerdings kommt’s noch dicker, als Dienststellenleiter Moratschek Eberharter zu sich ruft, um ihm ein Schwein zu präsentieren. Ein körperloses Schwein, um genau zu sein. Irgendein Psycho hat den Saukopf auf die Bettstätte Moratscheks gelegt, was schon alleine deshalb bizarr ist, weil das Tier zu lächeln scheint. Weil der Chef unter diesem Umständen nicht in seinem Haus bleiben kann, zieht er kurzerhand bei Franz ein und freundet sich prompt mit dessen Vater an. Während Eberharter nun zwei Nervensägen zuhause hat, fällt der Schweinskopfverdacht auf Mörder Küstner. Dem gelang soeben während eines Krankentransports die Flucht und nun scheint er sich an allen rächen zu wollen, die ihn seinerzeit überführt haben. Franz, der es nun auch noch mit einem rätselhaften Geheimnis seines Dorfkneipenkumpels Flötzinger zu tun bekommt, sieht sich zu seiner Entlastung gezwungen, Hilfe bei Privatermittler Birkenberger zu holen. Denn auch der könnte Ziel eines Angriffs durch Küstner werden. Die gemeinsame Idee ist aber eine andere: Der Dienststellenleiter Moratschek soll als Köder dienen …

Schweinskopf al dente Blu-ray Review Szenenbild 6
Recht schmückend, so ein Schweinskopf

Nach Dampfnudelblues und Winterkartoffelknödel tischt uns Rita Falk mit Schweinskopf al dente erneut ganz dick auf. Und das betrifft nicht nur den bajuvarischen Slang, sondern auch den Humor. Denn wenn die Eberharter-Krimis eins können, dann ganz fett im Sumpf aus Stereotypen waten, um sie genüsslich ad absurdum zu führen. Der dritte Teil der Romanverfilmungen folgt ein knappes Jahr nach dem großartigen Winterkartoffelknödel, mit dem selbst solche Filmzuschauer warm wurden, die mit bayerischer Mundart eigentlich gar nichts anfangen können. Es ist aber auch einfach zu köstlich (um im Jargon der Film- und Romantitel zu bleiben), wenn Franz sich mal wieder wie ein Elefant im Beziehungs-Porzellanladen benimmt und die halbe Belegschaft zuhört. Oder wenn Dienststellenleiter Moratschek mit Franz‘ Hippievater auf einen Marihuana- inkl. Platten-rückwärts-Drehen-und-nach-Geheimbotschaften-suchen-Trip geht. Oder wenn Oma Eberharter aus vollem Lauf die Handbremse zieht, damit der Enkel mit der Susi redet. Zum Schießen gerät auch Flötzingers Besuch im Swinger-Club, der sich genüsslich in jedem bekannten Klischee wälzt und köstliche Details wie den quietschenden Boden oder das Entweichen der Luft aus dem Barhocker bereithält. Wie in den vorangegangenen Geschichten auch, geht es in Schweinskopf al dente nicht vordergründig um den Kriminalfall, sondern um die Charaktere. Und die sind immer noch liebenswürdig-schrullig gezeichnet und glänzen teils durch ihren staubtrockenen Humor.

Schweinskopf al dente Blu-ray Review Szenenbild 1
Vater Eberhofer und Dienststellenleiter Moratschek gäben auch gute DJs ab

Verstärkt wird die besondere Charakterisierung der Figuren noch durch die sehr nahen Kameraeinstellungen mit Weitwinkeloptik. Köpfe wirken dadurch immer ein wenig übergroß und verzerrt, was den skurrilen Humor noch intensiviert. War allerdings im direkten Vorgänger der Ausflug nach Teneriffa schon etwas unnötig, ist es dieses Mal der Subplot um die verloren geglaubte Liebe zu Susi. Der Erzählstrang tut einfach nichts zur Sache. Glänzend funktioniert dieses Mal die Killergeschichte. Auch und gerade deshalb, weil der Mörder schon früh bekannt ist und es die Story keinem „Wer-war-es“-Prinzip folgt. Da man dem von Sebastian Bezzel erneut großartig dargestellten Eberharter dieses Mal aber einen waschechten Psychopathen gegenüberstellt (dessen Auftritte gar für Gänsehaut sorgen), hält die Jagd nach ihm einige ziemlich düstere und atmosphärische Momente bereit. Tatsächlich ist Gregor Bloéb mit zurückgegelten Haaren, grauer Strickweste und riesigem Kassengestell auf der Nase ein für einen bayerischen Heimatkrimi ziemlich fieser Killer. Nicht nur zu ihm, sondern generell zum Film passt die kongeniale Musik, die dieses Mal nicht aus einem Folklore-Polka-Musik-Mix besteht, sondern Anleihen beim Mafia- und Gangsterfilm sucht. Nicht ganz so passend ist, wie bereits erwähnt, der Trip nach Italien zur Pizzeria Potenza, um dort das Herz von Susi zurückzugewinnen, auch wenn der von einem augenzwinkernden Zitat an Little Miss Sunshine eingeleitet wird. Bleibt am Ende zu sagen: Wo ist eigentlich dieser Kreisverkehr, der in den Filmen eine wegweisende Rolle spielt?

Schweinskopf al dente Blu-ray Review Szenenbild 7
Der Flözinger probiert mal was Neues

Bild- und Tonqualität

Schweinskopf al dente Blu-ray Review Szenenbild 3
Küstner schleicht sich an Moratscheks Frau ran

Das Bild von Schweinskopf al dente liegt im Format 1,85:1 vor und dürfte durchweg kontraststärker sein. Es wirkt stets ein wenig milchig und vernebelt. Farben hätten etwas mehr Kraft verdient gehabt, während Gesichtstöne schon bei Tageslicht etwas seltsam rosig aussehen. In dunklen Bereichen färben sie sich zudem etwas grünlich ein. Sehr gut ist die Bildruhe, die sogar während der Nachtszenen erhaben bleibt und keinerlei Rauschen oder Körnung offenbart.
Für eine deutsche Komödie schlägt sich der Ton beachtlich, der schon die Titel ziemlich effektvoll und mit Nachdruck einblendet. Gleiches gilt für den Unfall des Rettungswagens oder das Z’sammschießen des Plattenspielers. Dialoge kommen dabei stets verständlich (also mal abgesehen vom Dialekt) ans Ohr und die erneut perfekt passende Filmmusik ist ebenfalls räumlich. Und wenn der neue Plattenspieler Jamaica-Rhythmen loslässt, rumpelt’s ordentlich im Gebälk (28’10).

Bonusmaterial

Schweinskopf al dente Blu-ray Review Szenenbild 4
Was so ein bisschen Cannabis anrichten kann

Im Bonusmaterial von Schweinskopf al dente gibt’s ein kurzweiliges, 17 Minuten langes Making-of, das sich mit dem Flair des Films und der Vorlage sowie mit den Figuren beschäftigt. Das „Hinter den Kulissen“ besteht aus sieben Teilen und zeigt Improvisationen/Interviewschnipsel der Schauspieler. „Rita Falk liest“ schließlich zeigt einen kurzen Ausschnitt des Films, den die Autorin der Vorlage im Hintergrund aus ihrem Buch vorliest.

Fazit

Die Gagdichte in Schweinskopf al dente ist zwar nicht mehr ganz so hoch wie in Winterkartoffelknödel, was das Flair des Bayern-Krimis aber nur bedingt schwächt. Die Figuren sind nach wie vor großartig überzeichnet und mit Killer Küstner gibt’s den bisher diabolischsten Mörder der Filme. Ach ja, Teil vier, „Grießnockerlaffäre“ ist schon abgedreht.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 40%
Film: 75%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: Deutschland 2015
Regie: Ed Herzog
Darsteller: Sebastian Bezzel, Gregor Bloéb, Simon Schwarz, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs, Eisi Gulp, Sigi Zimmerschied, Daniel Christensen, Stephan Zinner, Max Schmidt, Gerhard Wittmann
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de // Hörfilmfassung: de
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 95
Codec: AVC
FSK: 12

Trailer zu Schweinskopf al dente

SCHWEINSKOPF AL DENTE – offizieller Trailer

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