See For Me

Blu-ray Review

Atlas Film, 20.05.2022

OT: See For Me

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Komplizen

Spannender Home-Invasion-Thriller mit herausragender Hauptdarstellerin.

Inhalt

Für Sophie ist es ein entspannter Catsitting-Job – eigentlich

Sophie Scott war bis vor Kurzem eine vielversprechende Skiläuferin mit Olympia-Ambitionen. Doch dann wird bei ihr Retinitis pigmentosa diagnostiziert, eine degenerative Augenkrankheit. Fast von einem Moment auf den anderen wird sie nahezu vollständig blind und kann nur noch Helligkeitsunterschiede wahrnehmen. Obwohl sie von ihrem Freund das Angebot bekommt, dass er ihr beim Training für die Paralympics hilft und als ihr sehender Führer arbeitet, lehnt sie ab und gibt die Träume mit dem Skifahren auf. Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, nimmt Sophie fortan Gelegenheitsjobs als Haushälterin oder ähnlichem an. Ihr jüngster Auftrag hat mit einer Katze zu tun, die sie im Auftrag einer reichen Dame in einem schönen Haus beaufsichtigen soll, nachdem die Hausherrin sich vor Kurzem vom Partner getrennt hatte. Ein leichter Job für Sophie, bei dem sie vielleicht auch mal eine teure Flasche Wein als „Sonderzahlung“ einstecken kann. Das wiederum findet ihr Skifahrer-Freund Cam überhaupt nicht witzig. Doch was weiß Cam schon. Als sich Sophie unfreiwillig aussperrt, erinnert sie sich an die Werbung für eine App, bei der man sich mit einem Kontakt verbindet, der über die Handykamera das Sehen für sie übernimmt. Der Zufall will es, dass sie mit Kelly zusammengeschaltet wird. Kelly ist Ex-Soldatin, jetzt Gamerin und geht die Suche nach einem alternativen Eingang strategisch an. Zunächst sind sich die beiden nicht ganz grün, doch spätestens als Sophie entdeckt, dass Einbrecher ins Haus eingedrungen sind, ist Kelly Sophies einzige Hoffnung, lebend aus der Situation herauszukommen …

Kann die Polizei ihr helfen?

Regisseur Randall Okita ist ein kanadischer Filmemacher, der bisher vor allem mit zahlreichen Kurzfilmen aufgefallen war. In seiner Heimat wurden diese gerne und oft prämiert, bis er 2016 mit The Lockpicker sein Langfilm-Debüt gab. Nun, sechs Jahre später lässt er mit See For Me seinen zweiten Film folgen und wechselt ins Genre des Psychothrillers. Die während der Covid-19-Pandemie für einige Zeit unterbrochene Produktion kann vor allem mit einem Pfund wuchern, seiner Hauptdarstellerin: Skyler Davenport gehört zu einer talentierte Riege von Nachwuchs-Voice-Akteuren, die trotz des jungen Alters von 27 Jahren bereits eine stattliche Vita von Synchronrollen aufweisen können. So sprach sie beispielsweise schon Pokémon-Figuren oder solche aus dem Final-Fantasy- und Resident-Evil-Videospiel-Franchise ein. Skyler, die früher Kathrin hieß, hat eine non-binäre Geschlechtsidentität und wurde in ihrer Jugend oft gemobbt. Seit ihrem 18. Lebensjahr sorgte sie mit einer Operation dafür, dass sie ihrer Identität ein Stück näher kommt und bietet Menschen mit ähnlicher Erfahrung an, ihnen zur Seite zu stehen. 2012 sorgte außerdem ein Schlaganfall dafür, dass sie einen großen Teil ihrer Sehkraft verlor und die Texte, die sie für Sprech-/Filmrollen einstudieren muss, möglichst zügig auswendig lernt, da ein schnelles Fokussieren kleiner Buchstaben auf Blättern nicht möglich ist. Für die Rolle der Sophie war sie damit natürlich eine perfekte, weil größtmöglich authentische Wahl – zumal es außergewöhnlich ist, dass eine sehbehinderte Figur in einem Film nicht völlig blind ist und durchaus noch eine gewisse optische Wahrnehmung hat. Das verhindert das klischeehafte Herumtasten sonstiger nicht sehbeeinträchtigter Schauspieler und Schauspielerinnen in derartigen Rollen. Und das tut dem Film unglaublich gut, da er klischeehafte Momente in dieser Richtung effektiv vermeidet.

Kelly versucht am anderen Ende der App, Sophie durch das Haus zu leiten

Was See For Me – abgesehen von der Grundidee, dass eine Blinde sich vor Einbrechern in Schutz bringen muss – so unterhaltsam macht, ist auch die Dynamik zwischen den beiden Frauen. Ist Sophie zu Beginn noch spröde, dickköpfig und schroff, merkt sie schnell, dass ihre aufgrund der Erkrankung errichtete Schutzmauer aus Härte und Ablehnung bei Kelly keinen Sinn macht. Kelly hingegen wird über den Kontakt und die Hilfe, die sie Sophie gibt, den einen oder anderen Dämon aus der Vergangenheit los. Zu Beginn nervt es allerdings ein wenig, dass man Sophie so ablehnend charakterisiert hat, weil man als Zuschauer zunächst nur ungerne eine Bindung zu ihr eingeht. Es ist sicher nachvollziehbar, dass man hier schildern wollte, dass Sophie von ihrer Erkrankung genervt und gestresst ist, aber ein wenig übertrieben ist ihre schroffe Darstellung schon. Der Film spielt mit dieser Prämisse im Verlauf noch ein wenig weiter, wenn sich nicht nur einmal ein kleiner Storytwist einschleicht, der es dem Zuschauer immer mal etwas erschwert, sich auf Sophies Seite zu stellen. Inszenatorisch könnte man See For Me indes vorwerfen, dass er sich ein wenig ins Gewässer von Videospielen aus der Ego-Perspektive begibt, weil das Handy als verlängerter Arm und optische Spielerei genutzt wird. Doch gerade die Tatsache, dass das Smartphone für Sophie der einzige Kontakt zur Außenwelt und der Ersatz für ihr fehlendes Augenlicht ist, macht die Spannung des Films aus. Und es ist durchaus auch als Kommentar auf die heutige Nutzung des Smartphones zu verstehen, das für viele ja auch eine Art verlängerter Arm und Auge in eine andere Welt zu sein scheint. Etwas unrealistisch wirkt die Entwicklung, die ab der 64. Minute stattfindet. Zum einen geht es hier ein bisschen hopplahopp zu und zum anderen wirkt es dann doch ein wenig martialisch. Außerdem dürften sich die Spezialisten hier nicht zu Unrecht fragen, wie viele Patronen im Magazin solch einer Knarre denn sein sollten. Wer Wert auf den absoluten Realismus und hundertprozentige Logik legt, der wird sich daran möglicherweise aufhängen – und das durchaus zu Recht. Weil Davenport in ihrem Schauspieldebüt aber so überzeugend zwischen unterschiedlichen Gefühlsregungen und Verhaltensweisen wechselt, darf man auch mal ein Auge zudrücken. Spätestens die letzten zehn Minuten sind dann wirklich nervenzerrend, wenn noch ein weiteres bekanntes Schauspielgesicht auf der Bildfläche erscheint.

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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Fri, 20 May 2022
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Bild- und Tonqualität

Die Lage eskaliert

See For Me wurde digital gefilmt, was man aufgrund der hohen Laufruhe durchweg erkennen kann. Leider war nicht in Erfahrung zu bringen, welche Kameras verwendet wurden und ob das Ganze über ein 2K-DI oder 4K-DI gemastert wurde. Die hohe Laufruhe bleibt indes auch dann bestehen, wenn die Szenerie ins Dunkle wechselt. Rauschmomente bleiben fast durchweg komplett aus. Nicht nur deshalb hat man schon mal den Eindruck, dass hier etwas rauschgefiltert wurde. Gerade Nachtszenen erscheinen verdächtig ruhig, wo Digitalkameras in der Regel durch eine höhere ISO-Einstellung ohne ein gewisses Digitalrauschen nicht auskommen. Da Gesichter zwar viele Details offenbaren, bei näherem Hinsehen aber auch etwas wachsig erscheinen, verhärtet sich der Verdacht etwas. Allerdings könnte es auch daran liegen, weil das Make-up eher etwas schwächer geraten ist. Letztlich gesichert kann man nicht sagen, ob hier gefiltert wurde. Bandingartefakte zeigen sich trotz der vielen Szenen mit Handylicht oder Taschenlampe nur sehr vereinzelt und wenig ausgeprägt (66’05) – ein Zeichen für eine gute Datenrate und ein ebensolches Encoding. Letzteres geht souverän auch mit den uniformen Oberflächen um, was noch lange keine Selbstverständlichkeit bei Blu-rays ist. Was wirklich gut gelingt, sind die Schwarzwerte, die sehr souverän mit Jacken und dunklen Details umgehen. Versumpfungen gibt’s hier zu keiner Zeit und Details bilden sich vor dunklen Oberflächen immer noch sehr knackig ab. Auf der anderen Seite des Kontrastumfangs werden helle Oberflächen schon mal etwas zu hell wiedergegeben, was aber ein generelles Problem von Blu-rays ist. Während der gut ausgeleuchteten Szenen sind Farben zwar etwas kühl abgestimmt, was dem Setting aber gut steht – zumal es vor Ort winterlich ist. Während der Szenen in Innenräumen geht es etwas wärmer zu – beide unterschiedlichen Stimmungen werden von der Blu-ray souverän wiedergegeben. Beim Ton nutzt See For Me zwei DTS-HD-Master-Tonspuren für beide Sprachen, Deutsch und Englisch. Die Tonspuren sind verlustfrei komprimiert und arbeiten souverän. Selbst wenn wir es nicht mit einem Dauer-Action-Thriller zu tun haben, ist die Räumlichkeit während des Titel-Vorspanns bereits sehr nett. Der Score erklingt dort bereits sehr griffig von den Rearspeakern, sodass man frühzeitig in die Mitte genommen wird. Allerdings dürften die Subs dort schon ein wenig kräftiger zupacken – immerhin handelt es sich um einen elektronischen Score, der durchaus Fundament hätte. In den später folgenden Spannungsmomenten kann der Score dann für etwas mehr Druck sorgen – beispielsweise bei 34’50. Hier drückt es dann ganz ordentlich ins Heimkino. Stimmen kommen durchweg sehr klar und deutlich rüber. Man hat keinerlei Schwierigkeiten, die Sprache der Protagonisten zu verstehen – selbst dann, wenn geflüstert wird. In den wenigen Actionszenen, die zu Beginn des letzten Drittels erstmals eingestreut werden, gelingen Schüsse prägnant und der Score sorgt dann noch einmal für etwas mehr Dynamik als zuvor. Auch wenn es nicht dauerhaft krachwummt, knallt und pengt, kann man mit diesem Tonsektor seinen Spaß haben.

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Bonusmaterial

Sophie geht’s an den Kragen

Im Bonusmaterial von See For Me wartet lediglich der Originaltrailer zum Film. Bei Filmen, denen man aus thematischer Sicht etwas mehr Hintergrund hätte geben können (wie hier die Tatsache der Darstellung der Hauptfigur durch eine ebenfalls Sehbeeinträchtigte Akteurin), ist das ganz besonders schade. Man hätte gerne mehr darüber erfahren, wie Darstellerin Skyler Davenport mit ihrem Schicksal zurechtkommt und wie sie das in Schauspielrollen integriert.

Fazit

See For Me lebt von seiner spannenden Prämisse und der erstaunlich souveränen Hauptdarstellerin. Skyler Davenport empfiehlt sich für weitere Rollen abseits der ansonsten von ihr wahrgenommenen Synchronjobs. Schade, dass der Film in Teilen etwas unglaubwürdig und martialisch wird, was der Story nicht gut steht. Hier hätte man Abhilfe schaffen können, wenn man das Konstrukt etwas anders aufgebaut hätte. Die Blu-ray hat ein sehr ruhiges und kontraststarkes Bild, das allerdings etwas gefiltert wirkt sowie einen im Score effektvollen und mitunter druckvollen Sound.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 5%
Film: 70%

Anbieter: Atlas Film
Land/Jahr: CA 2021
Regie: Randall Okita
Darsteller: Skyler Davenport, Jessica Parker Kennedy, Kim Coates, Laura Vandervoort, Matthew Gouveia, Keaton Kaplan
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 93
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Atlas Film)
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Trailer zu See For Me

See For Me - Deutscher Trailer


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Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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