Shadow

Blu-ray Review

Highlight Communications, 06.02.2020

OT: Ying

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Schattenkämpfer

Endlich: Zhang Yimou kehrt zu seinen Wurzeln zurück.

Inhalt

Shadow nutzt eine ganz eigene Bildersprache

China im dritten Jahrhundert nach Christus: Pei Liang ist der König des Reiches Pei. Er – und vor allem sein General Yu – unterlagen gegen General Yang im Kampf um die ummauerte Stadt Jingzhou. Während Pei den darauf folgenden Frieden um alles in der Welt bewahren möchte, kann Yu die Schmach nicht verkraften. Er will erneut gegen Yang in den Krieg ziehen. Dafür geht er so weit, sich degradieren zu lassen, um dann nicht mehr im Namen des Königs Pei, sondern in seinem eigenen gegen Yang anzutreten. Was jedoch keiner weiß: Yu ist gesundheitlich schwer angeschlagen und lebt verborgen im Untergrund. Er hat einen Doppelgänger eingesetzt, der als „Schatten“ vor Pei tritt und sein Begehr vorträgt. Die Einzige, die davon weiß, ist Yus Frau Ai Xiao. Doch die verliebt sich nach und nach in den Doppelgänger …

König Pei Liang ist in den Augen seines Gefolges ein Feigling

Zhang Yimou setzte mit Hero und House of Flying Daggers 2002 und 2004 den Maßstab für das moderne Kampfkunstkino fernöstlicher Herkunft – auch Wuxia-Filme genannt. Schon rein optisch unterschied sich sein in unterschiedlichen Farben gehaltener Hero von allem, was man bis dato gesehen hatte. In House of the Flying Daggers perfektionierte er dann, was er zwei Jahre zuvor begonnen hatte und lieferte den vielleicht perfekten Mix aus Kampfkunst, Tradition und Philosophie ab.
Dass er sich dann 2016 von Hollywood buchen ließ und mit The Great Wall einen zwar optisch opulenten, aber gleichzeitig seelenlosen Film zu realisieren, nahmen seine Fans ihm reichlich übel.
Nun ist er aber zurück – sowohl im Land als auch im Thema des philosophisch angehauchten Kampfkunstfilms Ganz ohne US-Einflüsse ist sein Shadow aber nicht. Denn ein bisschen amerikanischen Humor hat er mitgebracht. Wenn sein König Pei immer wieder selbst vorgeführt bekommt, wie unfähig er eigentlich ist und das mit fast schon selbstironischem Seufzen kommentiert, hat das mit dem sonst so typischen chinesischen Komik wenig zu tun.
Ansonsten ist sein jüngster Film aber vor allem ein High-Concept-Movie.

Ai Xiao hat eine Idee, wie man General Yang bekämpfen kann

Yimou baut seinen Shadow konsequent auf das Motiv des Tai-Chi-Symbols auf, das man besser unter dem Namen Yin/Yang kennt. Steht das Symbol ursprünglich für die Gegensätze, die sich vereinen/ergänzen, läuft es im Film selbst ebenfalls auf eine Dualität hinaus. Visualisiert über Quasi-Schwarz-Weiß-Bilder, in denen nur die Gesichter (und fließendes Blut) aus dem Monochromen herausstechen, stehen sich Figuren und Motive ebenfalls gegenüber: Yu und sein Doppelgänger Jing, Jing und General Yang, Quing Ping und Yang Ping, der männliche Kampfstil mit dem Schwert und der feminine mit dem Schirm – die Dualität ist überall zu erkennen.
Auch filmisch nutzt Yimou dieses Motiv. Teilweise teilt Kameramann Xiaoding Zhao die Bilder absolut geometrisch auf, teilt sie in links und rechts, um Kontrahenten auflaufen zu lassen oder die Boote der eintreffenden Minister optisch voneinander zu trennen.
In einer exemplarisch grandiosen Szene aus der Vogelperspektive wird die Bildsprache besonders deutlich: Yu steht in seinem schwarzen Umhang innerhalb des geschwungenen weißen Kreises, während sein Schatten mit einem weißen Umhang auf dem schwarzen Kreis steht (32’22). Es regnet und die zwei stehen sich im Yin und Yang gegenüber – fantastisch.
Ohnehin ist das eine famos choreografierte Kampfübungs-Szene, die von der Super-Slowmotion zwischendurch noch intensiviert wird, während die zwei ihren Stöcken ausweichen. Außerdem hat sie auch für die Figuren eine hohe Symbolkraft. Denn dass sich Ai Xiao und Jing näher kommen, symbolisiert Shadow hier über die Kampfkunst. Wenn Ai Xiao während der Übung mit Yu ihre Taktik demonstriert und Jing ihre Bewegungen perfekt adaptiert, muss selbst Yu feststellen, dass aus den beiden eine Einheit geworden ist.

Nur wenige Szenen sind so „bunt“

Einzig eine pausenlose Actionorgie sollte man nicht erwarten. Yimou nimmt sich ausgiebig Zeit, seine Figuren und Vorhaben einzuführen. Was auch nötig ist, denn bei den ganzen Intrigen und Verstrickungen, der Heimlichtuerei und der Aktion mit Doppelgängern verliert man schon mal die Übersicht. Vor allem als Europäer hat man zusätzlich noch mit den Schwierigkeiten beim Wiedererkennungswert der Schauspieler zu kämpfen.
Das Drama, das Shadow aufbaut, hat aber Prinzip. Denn jede Bewegung und Regung einer der Figuren könnte für eine überraschende Wendung sorgen.
Wenn die Action dann aber losbricht, zelebriert Zhang Yimou sie wie eh und je. Brillant choreografiert und durchgestylt kämpfen Jing Zhou und Yang Cang auf einem Bambus-Schiff (das dem Trojanischen Pferd eine neue Bedeutung gibt) gegeneinander, während die geschulten Regenschirmkämpfer es in der Stadt mit der Armee aufnehmen. Gerade der klingenbewehrte Regenschirm hält einige visuelle Überraschungen parat und wird inszenatorisch spektakulär integriert.
Die monochrome Optik spielt dem Film dabei in die Hände, wenngleich es schade ist, dass Blut weitgehend digital erzeugt wurde.

Bild- und Tonqualität

Ist er wirklich unbesiegbar?

Shadow besteht, wie oben erwähnt, praktisch nur aus Schwarz-Weiß-Aufnahmen, in denen nur die Gesichter mit dezenten Hautfarben belegt wurden und das Blut heraus sticht. Basierend auf 8K-Aufnahmen einer Red Weapon Helium sowie 4K-Aufnahmen während der Superzeitlupen aus der Hochgeschwindigkeitskamera Phantom Flex wurde ein echtes 4K DI angefertigt, das auch für die Blu-ray genutzt wurde. Das sollte entsprechend für sehr scharfe Bilder sorgen – sollte.
Wenn da nicht dieser teils krasse Filter über dem Bild liegen würde. Ob das für die Monochromisierung notwendig war oder schlicht ein softer Look bevorzugt wurde, ist letztlich nicht zu analysieren. Aber davon ab, dass fernöstliche Filme oftmals etwas weicher aussehen, hat man es hier bisweilen bis zur Wachsigkeit von Gesichtern übertrieben (57’40). Zusätzlich könnte Schwarz knackiger sein und der Kontrast bricht in dunkleren Teilbereichen schon mal zusammen.
Wie bei Anbieter Highlight üblich, kommt die Blu-ray von Shadow mit einem dts-HD-High-Resolution-Master – also einer leicht datenreduzierten Tonspur, die auf 2 Mbps festgesetzt ist. Eine Einschränkung in der Dynamik oder eine gewisse Kompression ist dennoch nicht zu befürchten. Feine Geräusche wie die für Yimou-Filme unvermeidliche Zitter zu Beginn werden sauber herausgearbeitet, die Synchronisation ist klar und Regen fällt sehr räumlich. Dynamisch wird’s, wenn die schweren Waffen nach 41 Minuten sprechen. Sobald diese aufeinander treffen, meldet sich trotz des metallischen Klangs auch der Subwoofer eindrucksvoll. Das Gleiche gilt für die Kämpfe zwischen Stab und Schirm kurz darauf, die vor allem dann Dynamik erzeugen, wenn die Superzeitlupen aktiv werden (46’30).

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Shadow befindet sich lediglich eine Trailershow des Anbieters.

Fazit

Shadow ist visuell trotz (oder gerade wegen) seiner Reduktion auf einen monochromen Look ein optischer Leckerbissen sondergleichen. Mit perfekt durchkomponierten Bildern setzt er dem Yin und Yang ein Denkmal und verwurzelt die Geschichte von den sich vereinenden Gegensätzen vor der Kulisse des Chinas der drei Königreiche.
Ergänzt um grandiose Kampfkunsteinlagen ist das ein Film für all jene, die dem Regisseur nach The Great Wall den Rücken gekehrt haben.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 5%
Film: 80%

Anbieter: Highlight Communications (Deutschland)
Land/Jahr: Hongkong/China 2018
Regie: Zhang Yimou
Darsteller: Deng Chao, Sun Li, Ryan Zheng, Wang Qianyuan
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, man
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 117
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Highlight Communications (Deutschland))

Trailer zu Shadow

Shadow - Offizieller Trailer

 

6 thoughts on “Shadow

  1. Avatar Kisi

    Ich liebe solche Filme aber gibt es diesen nicht in 4k auf Deutsch? Ich meine in England gesehen zu haben.
    Wenn ja geht mein Geld nach drüben mit hoffe besseren Ton und Bild.

  2. Avatar Jochen

    Kleiner Tipp: einfach mal die Eröffnungssequenz auf Mandarin in TrueHD Atmos 7.1 reinziehen. Richtig krass abgemischt und kommt bestimmt auf eine der nächsten Dolby Atmos Demo Discs

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