Showgirls 4K UHD

Blu-ray Review

Capelight, 30.10.2020
Capelight, 30.10.2020

OT: Showgirls

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Titten, Theken und Temperamente

Paul Verhoevens abgewatschtes Erotik-Musical bekommt seine 4K-Veröffentlichung.

Inhalt

Nomi findet schnell einen Job in einer Tabledance-Bar

Nomi Malone möchte in Vegas Karriere als Showgirl machen. Während die Anreise in die Glitzerstadt eher unglücklkich verläuft, schafft sie es, eine Bleibe bei Molly Abrams zu finden. Auch eine Anstellung im „Cheetah’s“ folgt, wo sie ihr Tanztalent im Table Dance zur Schau stellen kann. Dennoch träumt sie von etwas Größerem, als allnächtlich den Betrunkenen Typen der Stadt dienlich zu sein. Das Größere scheint in greifbarer Nähe, als sie Cristal, die Startänzerin im berühmten Stardust-Casino kennen lernt. Tatsächlich erreicht Nomi, dass sie dort vortanzen darf und wird sogar engagiert. Doch der Konkurrenzkampf und der Druck seitens des Regisseurs der Show ist immens. Nomi verstrickt sich immer mehr in einem Netz aus Lügen, Intrigen und Gewalt …

Cristal und der Showproduzent Zack schauen sich Nomis Show an

Eieiei – was musste sich Paul Verhoeven nach dem Kinostart seines Showgirls nicht alles anhören: Vulgär sei der Film. Widerlich, sexistisch und eine peinliche Masturbationsvorlage. Auch die Sadomaso-Fantasie wurde in den Raum geworfen und überhaupt sei er absolut nicht sexy und noch dazu schlecht gespielt.
Ja, Verhoeven ist ein oft missverstandener Regisseur. Das musste er auch mit seinem Folgefilm Starship Troopers erleben.
Doch was sich an Kritik für Showgirls übergoss, damit hatten wohl weder er noch sein Autor Joe Eszterhas gerechnet, die ein paar Jahre zuvor gemeinsam noch mit Basic Instinct einen hoch gelobten Erotikthriller realisiert hatten.
In der Folge der Kritikerschelte schmierte der Film an den Kinokassen völlig ab. Bei 45 Mio. Dollar Budget erntete er weltweit nur 37 Mio. Dollar wieder ein. Zieht man Werbemaßnahmen und Kinobeteiligungen ab, war das ein Flop sondergleichen. Showgirls „gewann“ daraufhin sieben Goldene Himbeeren. Der Anti-Oscar ging unter anderem an Darstellerin Berkley, Autor Eszterhas und Regisseur Verhoeven. Dass der immerhin ein bisschen Humor versteht, bewies er, indem er seine Preise tatsächlich selbst abholte. Doch das Publikum (und auch die Kritiker) gaben ihm zum Teil in der Folge Recht. Denn Showgirls mauserte sich zum Langzeiterfolg und entwickelte einen kleinen Kult.

Nomi heizt dem Publikum ein

Das ist sicher auch auf die äußerst freizügigen Sexszenen zurückzuführen, die auf Video dann auch von denen gesehen werden konnten, die den Gang ins Kino peinlich gefunden hätten. Aber es liegt vor allem auch daran, dass sich um Showgirls im Nachhinein ein kleiner Kult entwickelt hat. Man musste ja wissen, welches Machwerk da als schlechtester Film aller Zeiten betitelt wurde.
Aus heutiger Sicht betrachtet kann man Showgirls indes fast eine prophetische Voraussagung unterstellen. Denn was vor drei Jahren zur MeToo-Bewegung führte, ist nichts anders als genau die Ausbeutung und der Machtmissbrauch, den Showgirls mit seiner offenen, etwas provokanten Art anprangert. Gleich mehrere Harvey Weinsteins hält Verhoevens Film parat – und einer ist ekliger als der andere. Showgirls entlarvt die Glitzerwelt Las Vegas als einen Moloch voller machthungriger Männer, die ihr Geld auf dem Rücken von Frauen verdienen, welche wiederum aufgrund eines geträumten Traumes jede Erniedrigung mitzumachen scheinen. Immer mit der Verlockung, eventuell doch mal eine große Tänzerin oder Schauspielerin zu werden, lassen Sie sich auf den Tabledance-Bühnen verheizen und von sabbernden Männern angaffen und anmachen. Gleichzeitig locken die Männer, die im Hintergrund die Strippen halten, mit Geld, schicken Autos und prunkvollen Villen. Der Sex wird sich durch diese Machtposition erkauft und Rücksichtnahme ist ein Fremdwort.

Im Cheetah’s geht es heiß her

Umso erstaunlicher, dass sowohl Verhoeven als auch Eszterhas im Nachhinein ziemlich selbstkritisch mit dem Film umgingen. Verhoeven bezeichnete ihn in der Doku Meister der Provokation als relativ inhaltsleer und sagte, dass es vielleicht gar nicht um die Story, sondern nur um die Bilder ginge. Der Autor Eszterhas hingegen bezeichnete die Vergewaltigungsszene als großen Fehler und gab selbstkritisch zu, dass er und Verhoeven nach dem Erfolg von Basic Instinct vielleicht ein bisschen das Gefühl hatten, dass sie nun machen konnten, was sie wollten; soweit gehen konnten, wie sie meinen, gehen zu wollen.
Vielleicht ist es aber auch so, wie Kyle MacLachlan sagt: Der Darsteller, der sich nach Veröffentlichung des Films zunächst von ihm distanzierte, erkennt mittlerweile an, das vom Showgirls eine gewisse Faszination, ein gewisser Unterhaltungswert ausgeht und er mittlerweile seinen Platz in der Filmgeschichte gefunden hat.
Allerdings muss man auch aus heutiger Sicht sagen, dass gerade die Darstellerleistungen alles andere als berauschend sind. MacLachlan agiert dermaßen peinlich, dass man ihm sofort das Zwangs-Schauen aller folgen von Twin Peaks aufbrummen möchte, damit er sieht, wie gut er mal war. Und Elizabeth Berkley erfindet impulsives Schauspiel neu. Immer wieder reagiert sie dermaßen überzogen und aus heiterem Himmel, dass man sich fragt, was sie sich dabei gedacht hat. Die Kopulationsszene im Swimmingpool gehört vermutlich zu den albernsten Darstellungen von Leinwand-Sex überhaupt. Kein Wunder, dass Kyle MacLachlan kaum noch die Augen aufhalten kann, bei so viel Rumspritzerei. Gina Gershon bekleckert sich ebenfalls nicht mit Ruhm. Während des kompletten Films wartet sie mit exakt einem Gesichtsausdruck auf und man fragt sich, ob sie den Mund auch irgendwann mal zu bekommt. Großartig auch die impulsiv hektische Handbewegung von Robert Davi, wenn er als Al seinen Mädels bei der Vorstellung von Hope, Entschuldigung Penny, zur Ruhe bittet. Was man Showgirls allerdings nicht vorwerfen kann, ist, dass er grundsätzlich unerotisch wäre. Der private Lapdance, den Nomi Zack teilhaben lässt, ist durchaus nicht frei von aufgeheizter Erotik. Außerdem muss man den Darstellerinnen zugutehalten, dass sie sich tänzerisch ganz schön was drauf geschafft haben.
Wie man Verhoevens Film auch immer interpretieren und lesen mag, MacLachlan hat Recht, wenn er sagt, dass Showgirls auch heute noch einen hohen Unterhaltungswert hat.

Bild- und Tonqualität BD

Nomi muss gegen Cristal antanzen

Die bisherige Blu-ray stammt aus dem Jahr 2011 und ist hierzulande von Anbieter Universum veröffentlicht worden. Die BD war vor allem eins: kunterbunt. Der eigentlich goldbraune Filme präsentierte Hautfarben mit starkem Magenta-Einschlag, ultrapinken Lippenstift und selbst Al Torres‘ Lippen wirkten arg rosafarben. Während der roten/pinken Beleuchtung vor der Bühne des Cheetahs matschen Hautfarben dann völlig zu, was man an Gershons und MacLachlans Gesicht ablesen kann. Immerhin hatte man sich allerdings bemüht, die Original-Filmkörnung nicht kompromisslos wegzufiltern. Der Transfer scheint prinzipiell nicht rauschgefiltert worden zu sein und etwaige Nachschärfungen fallen (wenn überhaupt) nur sehr geringfügig auf. Durchweg besser könnte der Schwarzwert sein. Viele Einstellungen wirken etwas trübe.
Die neue Blu-ray basiert auf demselben Transfer, der auch für die UHD-BD verwendet wurde – und zwar jenem, den der französische Anbieter Pathé 2015 zum 20. Jubiläum hat anfertigen lassen. Ausgehend von einem damals brandneuen 4K-Scan hat man hier massiv Hand angelegt und das Color Grading komplett verändert. Weg von den neonbunten Farben und hin zu seinem deutlich weniger gesättigten und natürlicherem Look mit Betonung auf den Braun-, vor allem aber den Gelbtönen. Die Reduktion von Farben und Kontrast sorgt direkt mal wieder für Zeichnung auf den Gesichtern von Gershon und MacLachlan, wenn sie Nomi beim Tanzen zusehen und vom roten/pinken Bühnenlicht angestrahlt werden (23’56). Keine Spur mehr vom Matsch der alten Blu-ray. Die Hauttöne erhalten nun diesen goldgelben Ton, den sie im Kino aufwiesen, was das Master authentischer werden lässt. Der Schwarzwert ist allerdings immer noch ziemlich mau und das Bild ist durchweg wesentlich heller als über die alte Blu-ray. Außerdem ist das Encoding der Körnung nicht immer sauber. Dennoch schlägt sie die alte Blu-ray sichtbar.
Übrigens: Das Bildformat wechselt von 2,39:1 bei der alten BD auf 2,35:1 für die neue. Eine Open-Matte-Fassung (wie man sich vielleicht aufgrund des MEHR an sichtbarer nackter Haut gewünscht haben) gibt es nicht.

Blu-ray (alt) (0’56): (Slider ganz nach rechts): Zu bunt, zu krass kontrastiert: Die alte BD.

Blu-ray (neu) (Slider ganz nach links): In Summe zu hell, aber wesentlich natürlicher und zum Film passender in Sachen Color Grading: Die neue BD.

Blu-ray (alt) (20’35): (Slider ganz nach rechts): Harsche Kontraste, magentafarbene Haut. Alles andere als natürlich.

Blu-ray (neu) (Slider ganz nach links): Die neue BD driftet etwas ins Grünliche, zeigt die Kontraste aber ausgewogener und die Hautfarben weniger überzogen.

Blu-ray (alt) (19’46): (Slider ganz nach rechts): Was auf dem Screenshot an sich nicht mal so stark auffällt wie im laufenden Bild sind die stark magentafarbenen Hauttöne.

Blu-ray (neu) (Slider ganz nach links): Die neue Blu-ray versucht, den goldgelben Look des Films zurück zu holen, wie er im Kino zu sehen war.

Blu-ray (alt) (38’14): (Slider ganz nach rechts): Eine der krassesten Farbüberzogenheiten der alten Blu-ray. Natürlich ist hier gar nichts mehr und die Kontraste überdramatisieren bis an die Grenzen der Regler.

Blu-ray (neu) (Slider ganz nach links): Die neue Blu-ray stellt das zwar nicht mit dem tollsten Schwarzwert, aber immerhin wesentlich natürlicher und weniger dramatisiert dar.

Blu-ray (alt) (88’11): (Slider ganz nach rechts): Auch helle Außenszenen stellt die alte BD mit stärkeren Farben und steilen Kontrasten dar. Im Schwarz versumpfen deshalb allerdings viele Anteile (siehe Autotür vorne).

Blu-ray (neu) (Slider ganz nach links): Die neue Blu-ray mag etwas kraftlos wirken, im direkten Vergleich ist das Bild aber stimmiger und besser durchzeichnet.

Blu-ray (alt) (88’11): (Slider ganz nach rechts): Im Close-up wird dann deutlich, wie sehr die alte BD ins Hintertreffen gerät, wenn man die Detailtiefe anschaut.

Blu-ray (neu) (Slider ganz nach links): Das sind in allen Belangen keine Nuancen mehr, sondern eher Auflösungs-Welten.

Cristal kennt das Showbiz

Die alte BD hatte bereits eine verlustfreie Tonspur für beide Sprachen. DTS-HD-Master liegt nun auch bei der neuen BD sowie auch bei der UHD-BD an. Und es sollte der identische Mix sein, der auch vor neun Jahren bereits verwendet wurde. Was grundsätzlich nicht schlimm ist, denn dieser klingt räumlich, in Maßen dynamisch und liefert gut verständliche Dialoge, die ausgewogen einbettet sind und nicht unter Schwankungen leiden. Ein bisschen dünn klingen sie vielleicht, aber das hält sich noch im Rahmen. Während einiger der Auftritte kommt die Filmmusik sehr räumlich und sogar mit ein wenig Tiefbassunterstützung ins Heimkino (60’00). Klar, da wird bei aktuellen Filmen noch druckvoller vertont, aber für ein mittlerweile 25 Jahre altes Werk ist das aller Ehren wert – zumal es hier ja nicht um einen Action-Blockbuster geht.

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Format: Blu-ray
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Bild- und Tonqualität UHD

UPDATE: 31.10.2020:
Nach mittlerweile einigen Gesprächen zwischen blu-ray-rezensionen.net und dem fürs Color Grading zuständigen Coloristen (vielen Dank an dieser Stelle für die konstruktive und offene Diskussion) sowie einem Abgleich zwischen dem ursprünglichen unkomprimiertem Master und dem fertig encodierten Produkt aus dem Authoring-Studio kann für Showgirls eine Mischung aus drei Aspekten angegeben werden:
1. Gegenüber den meisten UHD-BDs der großen Filmstudios, deren HDR eher konservativ gehalten wurde, ging man bei Showgirls bilddynamisch merklich weiter und reizte die vorhandene Dynamik stärker aus. Dies kann auf gewissen Displays der älteren Generationen schon alleine dazu führen, dass es zu leichten Überstrahlungen kommt, weil die Displays nicht in der Lage sind, das Ganze sauber zu reproduzieren. Ich schließe nicht aus, dass der Panasonic TX-55GZW954 OLED in meinem Testraum zu diesen Geräten gehört. Auch kann ein leichtes Überstrahlen in den hellen Bildbereichen das Bild entsprechend weicher erscheinen lassen.
2. Es wurde tatsächlich eine leichte Rauschfilterung im oberen Helligkeitsbereich betrieben. Dies wurde getan, um etwaige Artefakte (Farbrauschen o.ä.) in den hellen Bildbereichen zu vermeiden, die aufgrund des HDR-Gradings durchaus mal entstehen können und im Inverse Tonemapping dann sichtbar zu Tage treten. Das lässt sich bei den technischen Prozessen während des HDR-Gradings nicht unbedingt vermeiden und sähe am Ende deutlich unschöner aus als der Einsatz einer leichten Filterung an diesen Stellen. Diese hellen Bildbereiche sind nun aber jene, die mir beim Test entsprechend unangehnem soft aufgefallen sind.
3. Ganz offensichtlich ist das unkomprimierte Master, das nach dem Grading vorlag, noch etwas körniger und filmischer als das finale Produkt. Entsprechend ging durch das Encoding hier auch noch mal etwas verloren.

Am Ende also ein Zusammentreffen dreier Faktoren, die (zumindest auf meinem Display) für den entsprechenden Look gesorgt haben, der in hellen Szenen oder auf hellen Bildbereichen sichtbar softer aussieht als die 4K-Remastered Blu-ray.
Fakt ist: Die Farben sind besser und deutlich hübscher als bei der sehr gelben Remastered Blu-ray.

 

Nomi darf dem berühmten Tony Moss etwas vortanzen

Showgirls wurde 1995 hauptsächlich mit Arriflex-35-Kameras auf 35-mm-Filmmaterial aufgenommen. Davon ausgehend hat man, wie oben erwähnt, 2015 einen neuen 4K-Scan vorgenommen und Anbieter Capelight veröffentlicht nun (zunächst) weltexklusiv eine UHD-Blu-ray. Der spendierte man zusätzlich noch einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum und die höhere Kontrastdynamiken HDR10 und HDR10+.
Jetzt hat man mit der Wahl des 4K-Remasters von Pathé eine gute Grundvoraussetzung gehabt, um darauf aufbauend die bereits authentischeren Farben (ausgehend vom damaligen Kinobild) noch mal dynamischer/kräftiger zu gestalten und über die UHD-BD die 4K-Auflösung vollkommen auszukosten. Außerdem sollte das originale Filmkorn dann noch feiner reproduzierbar sein.
Leider hat man von diesen Möglichkeiten nicht alle genutzt. Von Beginn an ist auffällig, dass gerade in den hellen Szenen entweder ein eingesetzter Rauschfilter oder aber ein Problem beim Encoding viel Lebendigkeit aus dem Bild entfernt hat. Viele Gesichter in diesen Tageslichtaufnahmen sind gerade in Halbtotalen ziemlich weich. Die Totale der Stadt bei 88’11 ist so soft, dass Oberflächen einen leicht aquarellartigen Eindruck hinterlassen. Allerdings sieht man darunter in der Tat noch eine bessere Auflösung in den Schriften auf den Gewerbehäusern in der Mitte des Bildes. Close-ups gelingen oft besser und auch Abendszenen sind authentischer. So ist das Antlitz von Tony Moss nach knapp 43 Minuten filmischer und offenbart durchaus etwas Korn. Ebenso wie der Himmel bei 94’16. Doch dann kommen wieder Szenen wie bei 33’00, die viel zu weich und gefiltert aussehen.
Was die Farben angeht, hat man das Bild in der Tat intensiviert und rausgeholt, was der etwas hellen, ziemlich gelben und wenig kontrastdynamischen (neuen) Blu-ray fehlte – selbst wenn bei Gershons und MacLachlans Gesicht in der oben bereits angesprochenen Szene wieder ein leichtes Überkontrastieren sichtbar ist (23’56). Nicht ganz so schlimm wie bei der alten BD, aber eben sichtbar anders als bei der im Set enthaltenen Blu-ray. Durch die per HDR erreichte, sichtbar höheren Helligkeits- und Kontrastwerte überstrahlen Farben schon mal und neutrale Oberflächen fallen leicht ins Bläuliche. Dafür sind Farben nun wieder satter und die Szenen, in denen Haut goldbraun sein sollte, sind auch tatsächlich goldbraun. Offenbar hat man HDR hier etwas mehr ausgereizt als es bei vielen Filmen ansonsten der Fall ist, was für den einen oder anderen Fernseher ein Darstellungsproblem werden könnte.

Blu-ray (0’56): (Slider ganz nach rechts): Gegenüber der etwas blassen neuen BD …

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … holt die UHD-BD wieder den besseren Kontrast raus.

Blu-ray (20’35): (Slider ganz nach rechts): Noch dramatischer ist der Unterschied in diesem Screenshot. Die BD zeigt Körnung und recht natürliche Farben.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD-BD tilgt die Körnung per DNR und Farben überstrahlen wieder.

Blu-ray (19’46): (Slider ganz nach rechts): Hier wird es dann besonders auffällig. Die neue BD zeigt das Korn natürlich und die Haut ebenso.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD-BD wirkt hier deutlich softer.

Blu-ray (38’14): (Slider ganz nach rechts): Ein weiteres Beispiel für die dramatische Farbgebung der UHD. Während die BD ausgewogen, aber etwas hell erscheint…

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … holt die UHD-BD hier alles raus, was an Kontrast und bunten Farben möglich war.

Blu-ray (88’11): (Slider ganz nach rechts): Bei diesem Screenshot wirkt die BD etwas lebendiger.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD-BD kommt hier im Detail zwar schärfer, aber ebenfalls etwas ärmer an Körnung.

Blu-ray (88’11): (Slider ganz nach rechts): Das Close-up zeigt die BD filmisch.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Während die UHD-BD die Oberflächen weicher erscheinen lässt. Allerdings offenbart die UHD-BD sichtbar mehr Details in der Tiefe – trotz der etwas softeren Oberfläche.

Blu-ray (88’11): (Slider ganz nach rechts): Ja, das Encoding der neuen BD könnte noch besser sein.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD-BD ist besser aufgelöst, wie man an den besser lesbaren Schriften sieht, doch die Körnung fehlt leider an diesen Stellen.

Preis: 29,19 €
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Format: Blu-ray
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Bonusmaterial

Verhoevens Bilder haben die konservativen US-Kritiker seinerzeit in eine tiefe Verstörung getrieben

Das Bonusmaterial enthält auf der Filmdisk den Audiokommentar „The Greatest Movie Ever Made“ von Autor David Schmader, der den Film für einen der missverstandensten Filmen aller Zeiten hält und erklärt, welche Verbindung er zu Verhoevens Film entwickelt hat. Hinzu gesellen sich „A Showgirls Diary“, das uns zurück ins Jahr 1995 führt. Ebenso das fünfminütige Featurette, das eine Art kommentierter Teaser zum Film ist. Interviews mit Regisseur, Drehbuchautor und Darstellern schließen sich an und ein Dance Tutorial beschließt mit einer B’Roll das Material auf der Filmdisk. Die dritte Silberscheibe des Mediabooks enthält dann die Dokumentation „You Don’t Nomi“, der im englischen Original mit deutschen Untertiteln vorliegt und 91 Minuten läuft. Inhaltlich geht’s darum, das Phänomen rund um Verhoevens missverstandenen Film zu erklären. Und das ist fast spannender als der Film selbst.

Fazit

Paul Verhoevens Showgirls ist nach wie vor ein missverstandener Film. Für die einen eine treffende Satire auf die Unmenschlichkeit im Showbizz, für die anderen billiger Schund mit miesen Darstellern. Auf welche Seite auch immer man sich schlägt – ein bemerkenswert Film ist es auf jeden Fall. Und er hat gerade heute nichts von seiner Kontroversität verloren.
Die neue BD zeigt ihn in verbesserter, aber auf andere Weise sehr gewöhnungsbedürftiger, weil sehr gelber und blasser Form. Die UHD ist leider auf hellen Bildbereichen arg soft (Erklärung siehe oben), das von einem natürlich filmischem Bild in diesen Szenen nur noch wenig übrig ist. Gegenüber den beiden Blu-rays wirkt sie aber immer noch als bessere Alternative – vor allem weil (abgesehen von teils sehr weichen Einstellungen) die Farben das bisher Beste darstellen, was dem Film zuteil wurde.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD (2011): 60%
Bildqualität BD (2020): 65%
Bildqualität UHD: 60%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 70%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 75%

Bonusmaterial: 90%
Film: 60%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: USA 1995
Regie: Paul Verhoeven
Darsteller: Elizabeth Berkley, Kyle MacLachlan, Gina Gershon, Glenn Plummer, Robert Davi
Tonformate BD: dts-HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 131
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66/BD-100
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10, HDR10+
Maximale Lichtstärke:
FSK: 16

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Capelight Pictures)

Trailer zu Showgirls

Showgirls - Bande-annonce officielle HD

 

16 thoughts on “Showgirls 4K UHD

  1. Avatar Klaus

    Ist das deren Ernst? Premiumprodukt zum Premiumpreis im verschi…nen Mediabook und dann ist das Hauptmedium mal wieder komplett vermurkst …

  2. Avatar Hans-Ingo Trompeter

    Glück oder Pech? Meine bereits versendete Amazon Bestellung ist plötzlich als „Nicht zustellbar“ deklariert und man will den Betrag erstatten, obohl die Disc noch vorbestellbar ist. Ich glaube, ich nehme das Geld….

    Nach dem ZidZ Desaster (habe meine Amazon Vorbestellung nebenbei immer noch nicht) unun die nächste Pleite. Man fasst es kaum.

  3. Avatar Hans Ingo Trompeter

    Ich konnte den Damen nun doch nicht widerstehen, muss aber feststellen, dass mein Panasonic 9004 die beiliegende Blu Ray verweigert. Mein Oppo 205 tut einwandfrei. Hachje, wieder so was unnötiges.

    • Avatar Marcus Schneider

      Mein Panasonic 9004 spielt die UHD-Disc einwandfrei ab. Die beiliegende Blu-ray habe ich nicht ausprobiert, aber warum sollte ich auch… Wenn man einen UHD-Player hat, sollte man die passende Disc auch nutzen. 🙂

  4. Avatar hurz

    zu erwähnen sei noch, dass es von showgirls ein open matte webstream gibt, wo dann doch deutlich mehr zu sehen ist. ^^

  5. Avatar Das Lamm

    Es wird hier vom Coloristen gesprochen, darf man erfahren wer es war?

    • Im Moment macht das Studio die genauen Arbeitsabläufe und involvierten Personen nicht öffentlich. Eben auch, weil nicht nur der Colorist involviert ist, sondern noch mehrere Personen, die Entscheidungen treffen. Verantwortlich ist Capelight und wie die das jetzt und in Zukunft machen, ist auch aufgrund der Wettbewerbssituation im Bereich HDR intern. Ich denke, dass es bereits eine Ausnahmesituation war, dass man mir den Kontakt gegeben hat. Ein Fakt, für den ich sehr dankbar war. Denn auch das ist bei anderen Labels durchaus nicht üblich.

  6. Avatar Stefan

    Überstrahlungen auf älteren Displays wie dem GZW954…………Echt jetzt ? Das Geräte steht nach wie vor bei vielen Elektronik Händlern im Regal.
    Eine aktuelle UHD sollte schon perfekt auf einem aktuellen Display dargestellt werden. Kommt mir eher so vor als wenn das ein oder andere Label noch viel in Sachen HDR lernen muss, was nicht böse gemeint sein soll.
    Einfach mal drüber nachdenken.

    • Ich kann zumindest insofern darauf antworten, dass das Grading unter modernster und progressivster Technik entstanden ist.

  7. Avatar DaniSelk

    Geht’s nur mir so, oder sieht die alte Blu-Ray besser aus als die neue UHD Version? ^^ lach

    Hier ist tatsächlich die neue SDR Version am besten.

    Die verantwortlichen der UHD Version bekommen von mir ne glatte 6er Schulnote.
    In deiner Bewertungsskala wäre es vermutlich unter 40%.

    • Die alte BD gefällt mir persönlich überhaupt nicht, weil sie unglaublich pink- und magentafarben ist.
      Rein farblich und von der Kontrastierung her ist die UHD besser als beide Blu-rays. Eben mit den genannten Einschränkungen, die sich mir so entsprechend offenbart haben.
      Die neue SDR-Version ist schon sehr gelb. Das muss man dann wirklich mögen.

    • Avatar Klaus

      In HD/SDR ist die neue französische bzw. koreanische BD vom Pathe-Master am besten. Die Capelight-BD ist dagegen stark entsättigt und das schlechteste, was mit dem neuen Master angestellt wurde.

  8. Avatar dirk

    ähh…das blasse helle bild der neuen BD ist super unpassend! die knalligen übertriebenen farben waren gewollt und stilmittel. nur schade, dass bei der UHD gefiltert und das korn und somit auch schärfe entfernt wurden. also bleibt die alte BD.

  9. Avatar Pirmin

    Hallo Timo,

    vielen Dank für deine super Rezensionen die mir schon bei vielen Kaufentscheidungen geholfen haben.

    Ich habe einen Samsung Q9FN 65 Zoll mit einem Panasonic 9000 Player und kann bestätigen, dass das Bild der UHD auch auf diesem Soft wirkt und fast genauso aussieht wie die Bilder des OLED Panels.

    Desweiteren konnte ich auch keinen Unterschied zwischen HDR10 und HDR 10+ feststellen.

  10. Avatar Hubert

    Hallo Timo,
    wenn man die beiliegende Doku „You don’t Nomi“ anschaut, sieht man sehr gut bei den Filmausschnitten, dass der Film deutlich farbiger rüberkommt als über die neue blasse Blu-ray. Hier muss etwas schiefgelaufen sein, dieser entsättigte Look passt einfach nicht zu dem bunten Treiben und liegen auch sicher nicht im Sinne der Erfinder. Capelight sollte hier nachkorrigieren bzw. mindestens wie die französische Scheibe abliefern, deren Master man eigentlich nicht hätte verändern müssen.

    • Das Interessante ist, dass die deutsche Blu-ray nicht durch die gleichen Hände ging wie die UHD-BD. Eigentlich ist aber auch die französische Fassung nicht das Gelbe vom Ei.
      Idealerweise wäre es schön gewesen, wenn man von der HDR-UHD eine SDR-BD gezogen hätte – minus die weiche Optik 😉

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