Silent War – Der Gejagte

Blu-ray Review

Koch Films, 26.03.2020

OT: Sordo

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Operación Reconquista

Interessantes Survival- und Kriegsdrama vor historischem Hintergrund.

Inhalt

Die Exil-Republikaner haben Großes vor

Frankreich im Jahr 1944: Die Besetzung des Landes durch Deutschland wurde beendet. Spanische Republikaner, die in Frankreich im Exil waren, formen dadurch angespornt eine Bewegung, um mit einem Heer von 1000 Soldaten das Franco-Regime zu stürzen. In kleinen Guerilla-Gruppen sollten zunächst Sabotage-Akte durchgeführt werden. Vincente und Anselmo gehören zu so einer Gruppe. Beim Versuch, eine Versorgungsbrücke zu sprengen, geht allerdings etwas schief. Die meisten der Guerillas werden von Soldaten erschossen und die Sprengung führt bei Anselmo zu Taubheit. Vincente wird gefangen genommen und sieht sich grausamer Folter gegenüber. Anselmo gelingt die Flucht. Doch wie weit kommt man schon, wenn man seine Verfolger nicht hört …?

Wer schießt zuerst?

Spanien hat sich während des Franco-Regimes fast vierzig Jahre lang durch eine diktatorische Herrschaft einen mehr als unrühmlichen Namen gemacht. Unter Francisco Franco wurden hunderttausende politische Gegner wahlweise als politische Häftlinge in Konzentrationslagern inhaftiert oder gleich exekutiert.
Doch wie im Vorfeld jeder Diktatur, so gab es auch vor Francos Machtergreifung eine Widerstandsbewegung. Vornehmlich rekrutierten sich diese aus Anarchosyndikalisten, Kommunisten und zum Teil auch Sozialisten. Darauf hoffend, dass die Alliierten in den Spanischen Bürgerkrieg eingreifen und dem Widerstand unter die Arme greifen würden. Vor diesem Hintergrund entwickelten David Muñoz und Rayco Pulido ihren Comic „Sordo“. Der Film von Langfilm-Debütant Alfonso Cortés-Cavanillas basiert aber nicht nur auf diesem Comic, sondern bezieht sich fast noch mehr auf Ernest Hemingways 1940er Kult-Novelle „Wem die Stunde schlägt“. Auch dort agiert ein Guerillakämpfer im Spanischen Bürgerkrieg und auch dort geht’s um die Sprengung einer Brücke.
The Silent War macht daraus einen Western vor der Kulisse des 20. Jahrhundert – und zwar in aller Konsequenz was die Fotografie, den Score und die Kostüme angeht.

Was will die Scharfschützin von Rosa?

Inszenatorisch braucht The Silent War allerdings etwas zu lange, um dem Zuschauer klar zu machen, dass Anselmo wirklich taub ist. Oder, in anderen Worten: Der Film nutzt diese Eigenheit etwas spät aus. Erst nach gut 45 Minuten, wenn sich eine Situation mit spanischen Soldaten zuspitzt, kommt seine Taubheit dramatisch zum Tragen. Von da an wird’s jedoch spannender und spannender. Nach einem ruppigen Feuergefecht kann Anselmo erneut fliehen. Im Nebel verliert sich dann seine Spur – intensiv und visuell atmosphärisch umgesetzt. Zwischendurch nimmt sich Cortés-Cavanillas allerdings auch etwas zu viel Zeit, um seine Geschichte zu erzählen, die sich im Übrigen ziemlich weit von der politischen Grundlage entfernt und zum individuellen Survival-Drama wird. Das dann aber durchaus zwischendurch sehr intensiv gerät, wenn Anselmo zwischen Freund und Feind nicht mehr unterscheiden, keinem mehr trauen kann, weil man ihn über das Gehör nicht mehr erreicht.
Abwechslung zwischen den spannenden, aber auch zwischenzeitlich mal etwas zähen Szenen bieten die Shoot-outs. Und die geraten erstaunlich blutig. Die 16er Freigabe ist hier schon grenzwertig, wenn einem spanischen Soldaten das halbe Gesicht in Großaufnahme weg geschossen wird. Entsprechend kommen hier also auch Gorehounds auf ihre Kosten.

Wem kann Anselmo noch vertrauen?

Bild- und Tonqualität

Es wird viel geschossen, in Silent War

The Silent War ist nicht nur ein Kriegsfilm, er sieht auch so aus. Mit deutlicher Filterung ins Grün-Bräunliche und Gelbe versucht man, die Stimmung der 40er Jahre und das Kriegsgeschehen authentisch rüber zu bringen. Seine digitale Herkunft kann der Film dennoch nicht verleugnen, denn für einen Genrefilm ist die Körnung erstaunlich zurückhaltend. Viele Einstellungen sind gar blitzsauber und extrem ruhig – sieht man von der teils arg aktiven Wackelkamera ab.
Der Kontrastumfang ist recht hoch und sorgt durch teils steile Kontrastflanken schon mal für ein leichtes Absaufen in dunklen Bereichen. Dort setzt es dann auch schon mal leichte Banding-Artefakte (59’20, 59’33).
Kommen mal andere Farben als die Erd-Töne ins Spiel, lebt das Bild sogar farbdynamisch auf (45’55). Außerdem ist in dieser Szene auch sehr schön die Detailtiefe zu bewundern, die in den ganz weit hinten liegenden Hintergründen nur leichte Unruhen offenbart. Während Close-ups meist ansprechend scharf geraten, verliert der Fokus in Halbtotalen schon mal etwas die Übersicht. Ansonsten ist das ein wirklich gutes und thematisch zum Film passendes Bild.
Heissassa: The Silent War lässt sich etwas über acht Minuten Zeit, um überhaut eine akustische Note zu setzen. Dann aber drückt die ausgiebige Detonation der Brückensprengung überraschend heftig in den Sitz. Auch die Räumlichkeit während dieser Szene passt, wenn Staub, Dreck und Asche rund um den Zuschauer fetzen. Gleich darauf gibt’s einen sehr dynamischen, akustisch effektvollen Titel-Vorspann, der die Explosion zu Zeitlupenbildern noch einmal aufgreift. Während die ruhigeren Szenen eher unauffällig bleiben und etwas von Naturgeräuschen begleitet werden, setzt es später auch mal ausgiebige Schießereien, die fetzig geraten sowie zahlreiche Querschläger und eine sehr gute Räumlichkeit liefern. Ebenfalls authentisch geraten die dumpf vertonten Szenen, die Anselmos Taubheit vermitteln sollen.

Bonusmaterial

Neben den Trailern zum Film gibt’s noch vier kurze Storyboard-Film-Vergleiche, die auf animierten Comicszenen basieren.

Fazit

The Silent War ist ein zwischendurch sehr packendes Survival-Drama mit harten Shoot-outs und etwas politischem Hintergrund. Die Westernoptik bietet eine willkommene Abwechslung zum Einerlei und das Ende gerät erstaunlich konsequent.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 20%
Film: 60%

Anbieter: Koch Films
Land/Jahr: Spanien 2019
Regie: Alfonso Cortés-Cavanillas
Darsteller: Asier Etxeandia, Marian Álvarez, Hugo Silva, Aitor Luna, Imanol Arias
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, sp
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 127
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Koch Films)

Trailer zu Silent War – Der Gejagte

The (Silent) War (Deutscher Trailer) - Asier Etxeandía, Marian Álvarez, Hugo Silva
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