Silk Road – Gebieter des Darknets

Blu-ray Review

Ascot Elite Home Entertainment, 23.04.2021

OT: Silk Road

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„Lassen sie mir das Alter“

Filmische Aufarbeitung eines berühmten Darknet-Kriminalfalls.

Inhalt

Ross hat da eine Idee

Austin (Texas) im Jahr 2010: Ross Ulbricht ist so etwas wie ein Genie. Den Rubik’s Cube schafft er in 6,8 Sekunden und sein Gehirn funktioniert um einiges schneller als das von anderen seiner Generation. Doch anstelle mit seiner Fähigkeit etwas anzufangen, philosophiert er lieber über die Veränderung der Welt – als der Veränderung, die er gerne selbst bewirken würde. Sehr zum Leidwesen seines Vaters, durchaus aber zur Bewunderung seiner neuen Freundin Julia. Nachdem er ein kleines Business gerade in den Sand gesetzt hat, kommt ihm die zündende Idee: Er will  Drogen verkaufen. Und weil das für sich genommen nicht wirklich innovativ ist, will er sie online verkaufen – über ein Tor-Netzwerk. Und damit die Zahlungen nicht nachverfolgt werden können, wird per Bitcoin abgerechnet – frei nach seinem Motto: „Jede Aktion, die wir außerhalb der Kontrolle der Regierung tun, stärkt den Markt und schwächt den Staat“. Schon kurz nach der Freischaltung der Seite floriert das Geschäft. Zwar nicht ganz ohne die Hilfe eines Journalisten, aber was soll’s. Natürlich ruft das auch die Abteilung für Cybercrime bei der Polizei auf den Plan. Dort nimmt ein abgerockter Ex-DEA-Agent die Spur auf, der zwar von Technik und Internet keine Ahnung hat, dafür aber ein echter Wadenbeißer ist, sobald er mal Blut geleckt hat …

Julia ist zunächst begeistert von Ross‘ Tatendrang

Die Seidenstraße verband den Mittelmeerraum auf dem Landweg über Zentralasien mit Ostasien – eine wichtige, fast 6500 Kilometer lange Handelsroute, die Seide, Gold oder Wolle in die jeweiligen Richtungen transportierte. Unter der englischen Bezeichnung „Silk Road“ rief ein gewisser Ross Ulbricht ab 2011 einen Kanal im Internet ins Leben, der auch Waren handelte – illegale Waren. Damit eroberten sich die Betreiber zwar wieder ein Stück der Freiheit des Internets zurück, das einmal die Prämisse des WWW gewesen sein mag, öffneten jedoch gleichzeitig auch die Büchse der Pandora. Denn Silk Road darf als prominentester Baustein des Darknet gesehen werden – jenem virtuellen Marktplatz, der als Hidden Service ausgeführt wird und zum Umschlagplatz für Drogen, Waffen, Kinderpornografie und ähnlich üble Dinge genutzt wird.
Der Film von Tiller Russell (Der letzte Ritt des Ransom Pride) zeichnet nun die Geschichte von Ulbricht und „Silk Road“ nach, wobei sich der Film durchaus Zeit lässt und man ihm als Zuschauer auch Zeit geben muss. Mit knapp zwei Stunden Runtime ohnehin schon kein Kurzfilm, nimmt sich der Regisseur die Freiheit, seine Figuren erst einmal vorzustellen. Wer ohne jede Information über den Film und seinen Inhalt Silk Road startet, wird erst einmal im Dunkeln gelassen, worum es überhaupt geht. Allerdings fällt dann das Wort „Cybercrime“ und man bekommt eine gewisse Ahnung. Außerdem weiß man durch die zeitlich später stattfindende Intro-Sequenz, dass man den Zugriff auf Ulbricht plant. Nach einem Sprung von drei Jahren in die Vergangenheit rollt Russell die Ereignisse dann von hinten auf und etabliert seine beiden Kontrahenten.

Oldschool-Cop Bowden macht es auf seine Weise

Nick Robinson (Jurassic World, Shadow in the Cloud) gibt den Ross, dessen Freigeistigkeit von einer anarchischen Auflehnung gegen staatliche Normen  geprägt ist. Jason Clarke spielt seinen Kontrahenten, den Ex-DEA-Agenten Rick Bowden. Clarkes Figur ist es auch, die dem Zuschauer mehr Hintergründe und mehr emotionale Motivation liefert. Der Cop ist erst kürzlich selbst aus dem Entzug entlassen worden und bekommt sein Leben nur mühsam auf die Reihe. Dass er, der technisch eher untalentierte, Mittvierziger dann ausgerechnet in die Cybercrime-Abteilung (straf)versetzt wird, ist ein nettes Details des Drehbuchs. Auf diese Weise bekommt der Zuschauer, der möglicherweise von der Materie auch wenig Ahnung hat, immer wieder einen „Leidensgenossen“. Und es ist charmant gefilmt, wenn man Bowden dabei beobachtet, wie er ein YouTube-Tutorial anschaut, um die Bedienung des Internets zu lernen, während Ulbricht sich parallel eine Anleitung für die Nutzung von Netzwerken mit anonymen Verbindungsdaten reinzieht. Für etwas Humor ist also nebenher auch gesorgt – vor allem in der Beziehung zwischen Bowden und seinem ehemaligen Informanten Rayford, der ihm erst Mal sagen muss, dass man Drogen nicht auf YouTube kaufen kann. Die Dynamik aus hippem Anarchokapitalisten und oldschool Ermittler sorgt für den größten Unterhaltungswert in Silk Road. Dass die Figurentiefe dabei gerade im Falle von Ulbricht zu wünschen übrig lässt, muss man allerdings akzeptieren. Mehr erfährt man, wie erwähnt, nur über Bowden, der mitsamt seiner Familie und der lernschwachen Tochter versucht, wieder ein normales Leben aufzubauen. So abgerockt wie seine Figur ist, sieht Clarke tatsächlich aus. Mit schmierigen Haaren, tiefen Augenringen und Fünftagebart wirkt er selbst fast wie ein Verbrecher.

Und das schließt eine härtere Gangart mit ein

Dass Silk Road inhaltlich wenig komplex gerät und die Hintergründe von Darkweb und Co. nur ankratzt, ist sicherlich auch der Tatsache geschuldet, dass man einen unterhaltsamen Film drehen wollte, den möglichst viele verstehen. Wer sich hier tiefer in die Figur von Ulbricht und seinem „Silk Road“ einfinden möchte, der schaue sich die Dokumentation von Alex Winter (ja, der aus Bill & Teds verrückte Reise durch die Zeit) mit dem Titel Deep Web an, die bspw. Amazon im Prime-Programm hat. Dennoch gerät Russells Film trotz der zweistündigen Laufzeit erstaunlich kurzweilig. Die Ermittlungen und das Katz- und Mausspielt zwischen Bowden und Ulbricht forcieren das Tempo beständig. Und weil Jason Clarke hier wirklich abliefert, bleibt man auch gefesselt dran. Was deutlich zu kurz kommt, ist das Leid, das Ulbricht mit seiner „Idee“ verursacht hat. Bei seinem Gedanken, dem Markt die Macht zurück zu geben, ist er letztlich über Leichen gegangen. Selbst wenn ihn sein „Projekt“ letztlich übermannt hat und ihm die Kontrolle verloren gegangen ist, trägt er die Verantwortung dafür, dass Silk Road Menschen Drogen (und nicht nur die vermeintlich harmlosen) über seine Plattform erwerben konnten, die zu Leid und Tod führten – und Kapital aus dem Elend und der Sucht anderer Menschen zu schlagen, ist letztlich keine „Hilfe für die Menschen“ (die Ulbricht eigentlich im Sinn hatte), sondern das moralisch verwerfliche Gegenteil.

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(Stand von: 2021/05/12 8:29 pm - Details
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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Fri, 23 Apr 2021
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Bild- und Tonqualität

Bowden nimmt’s mit dem Gesetz selbst nicht so genau

Die Blu-ray kommt mit einem recht natürlichen Bild, das in puncto Auflösung nicht immer das Maximum rausholt. Viele Halbtotale sind eher von mittelmäßiger Schärfe. Was allerdings auch daraus resultiert, dass die Kamera oft mit Schärfenuntiefen spielt. Close-ups gelingen meist gut, das leicht vorhandene Rauschen ist meist kein Problem und taucht vor allem in dunkleren Szenen und auf Hintergründen auf. Farben sind recht kräftig, Hauttöne vielleicht etwas rot-/rosabetont. Schwarzwerte gehen in Ordnung.
Akustisch bleibt Silk Road aufgrund fehlender Actionanteile komplett unspektakulär. Allerdings schafft er eine sehr räumliche Atmosphäre während der offenen Straßenszenen. Die Dialoge stehen sehr deutlich im Raum und kommen stets greifbar aus den entsprechenden Richtungen. Highlight ist der (meist) elektronische Score, der in Clubsituationen auch mal etwas Bass ins Spiel bringt (74’20).

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Bonusmaterial

Im Bonusbereich finden sich lediglich die Trailer in Englisch und Deutsch.

Fazit

Silk Road arbeitet einen der ersten Fälle auf, bei dem der Zugriff auf Betreiber von Darknet-Plattformen gelang. Filmisch und darstellerisch wird das spannend und sehr unterhaltsam zugespitzt. Die moralische Problematik bleibt allerdings etwas unterbelichtet. Ulbrichts Darstellung erlaubt hier (zu) wenig Kritik an dessen Handeln und idealisiert die Figur teilweise etwas zu sehr. Er mag ein weitgehend harmloser Kerl gewesen sein, doch seine Taten und die Auswirkungen derer waren das nicht.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 5%
Film: 65%

Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Tiller Russell
Darsteller: Jason Clarke, Nick Robinson, Jennifer Yun, Jimmi Simpson
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 117
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Ascot Elite Home Entertainment)
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Trailer zu Silk Road

Silk Road - Gebieter des Darknets Trailer Deutsch


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