Slender Man

Blu-ray Review

Sony Pictures, 28.12.2019

OT: Slender Man

slender man blu-ray review cover
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Drei Glocken

Horrorfilm, der auf einem Internet-Phänomen beruht.

Inhalt

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Vier Freundinnen beim Schulausflug – noch ist alles in Butter

Bei einer gemeinsamen Mädels-entdecken-Pornofilme-im-Internet-Nacht stolpern die vier Freundinnen Katie, Chloe, Hallie und Wren über das Internet-Phänomen des Slender Man. Den ruft man über ein bestimmtes Video, in dem die Glocken dreimal schlagen. Und weil die vier Damen nicht ängstlich sind, probieren sie’s gleich aus. Kann ja nix passieren. Dachten sie. War nur falsch, der Gedanke. Denn schon eine Woche später verschwindet Katie, die sich schon die ganze Zeit über seltsam verhalten hatte. Als die verbliebenen Drei selbst Nachforschungen anstellen, merken sie bald, dass sie den Slender Man tatsächlich gerufen haben. Und der versteht so gar keinen Spaß mit den Kiddies …

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Doch dann taucht dieser schlanke Herr auf

Der Slender Man basiert auf einem Internet-Phänomen, nachdem ein paar abgeänderte Bilder eines gewissen Eric Knudsen 2009 für Furore sorgten. Diese lud er auf der Homepage „Something Awful“ hoch, auf der zu einem Contest aufgerufen wurde, manipulierte Bilder zu posten, die einen paranormalen Kontext aufwiesen. Die beiden Fotos von Knudsen bekamen zahlreiche Nachahmer, bis sogar ein YouTube-Kanal in einer Webserie die Motive aufgriff.
Es folgte das 2012 publizierte und kostenfreie Horrorgame für die Konsole: Slender – The Eight Pages. Hier muss der Spieler dem schlanken Mann vornehmlich ausweichen. Denn kämpfen kann man nicht und die Nähe zum Slender Man wäre der sofortige Tod.
Nun folgt also der erste Spielfilm auf Basis des Phänomens und fährt dabei ein bisschen im Fahrwasser von Blair Witch Project und ähnlichen Vertretern. So weit, so bekannt.

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Und versetzt die Mädels in Schrecken

Erfrischend ist dabei, dass Jungs hier ausnahmsweise mal nur Randerscheinungen sind und sich die Handlung komplett auf die vier Mädels konzentriert. Joey King (Wish I was Here) als Wren trägt dabei die Hauptlast auf ihren Schultern und meistert das gut. Ihr charakterstarkes und unverwechselbares Gesicht transportiert die Panik glaubwürdig und sie ist authentisch genug, dass der Zuschauer sich mit ihr identifiziert.
Außerdem schafft es TV-Regisseur Sylvain White ab und an durchaus, Grusel zu erzeugen – selbst wenn man diese Art Szenen, in denen eine creepy Erscheinung irgendwo als Schatten im Hintergrund lauert oder plötzlich im Bild auftaucht, schon gefühlt hundert Mal gesehen hat. Weil der Slender Man aber aufgrund seiner Erscheinung (erneut agiert hier Mama-/Keyface-/Hobo-Darsteller Javier Botet mit seiner außerordentlichen Körperstatur) an sich schon schaurig ist, funktionieren diese Momente alleine dadurch ganz gut.
Was hingegen nicht so gut klappt, ist die Story an sich.
Das Ganze basiert, wie erwähnt, auf Internet-Fake-Fotos. Die Grundlage des Spiels war, vor einem Bösewicht weg zu rennen und füllte bei zügigem Durchzocken etwa drei Stunden (was nicht eben viel ist für ein Konsolengame). Das Drehbuch zum Film hatte dementsprechend vermutlich 20 Seiten – und die sind dann auch noch zur Hälfte aus anderen Filmen abgeschrieben. Am Ende reicht das einfach nicht aus, um über 90 Minuten Spannung zu erzeugen. Außerdem bleibt sowohl der titelgebende Bösewicht als auch  doch zu oberflächlich, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben.
Auf das ursprüngliche Internet-Phänomen nimmt Slender Man indes ausgiebig Bezug. Nicht nur aufgrund des Herbeirufens des Wesens durch die vier Mädels, sondern auch durch die vielen Videos, die sie auf Katies Rechner finden sowie über die tatsächlichen Bilder von Knudsen, die Wren irgendwann am PC der Bibliothek abruft. Außerdem ist Hallies Familienname (wie man später erfährt) Knudsen.
Wer also das Game gedaddelt hat und empfänglich ist für den Grusel, der durch Internet-Fake-Stories entsteht, der darf hier gerne einen Blick wagen.

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Komm ihm nicht zu nahe …

Bild- und Tonqualität

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… sonst kriegt er dich

Slender Man nutzt bewusst relativ reduzierte Farben und Innenräume werden meist in warmen Brauntönen wiedergegeben. Die Schärfe ist durchweg eher auf einem durchschnittlichen Niveau, dafür aber bis in die Randbereiche homogen verteilt. Ganz leichte Körnung lässt sich auf Hintergründen wahrnehmen, was aber ganz gut zum Film passt. Wer das Konsolenspiel gezockt hat, weiß, wie körnig und neblig es dort zugeht. Dagegen hinterlässt der Film fast einen lupenreinen Referenz-Eindruck. Allerdings auch einen ziemlich dunklen. Denn während der nächtlichen Szenen in Räumen und Außenbereichen lässt sich nur bedingt Durchzeichnung ausmachen. Das ist insgesamt schon deutlich so angelegt, dass man den Film Abends und nicht am hellichten Tag schauen sollte. Tut man Letzteres und kann den Raum nicht verdunkeln, sieht man praktisch nur noch Highlights/Spitzlichter.
Slender Man liegt für beide Sprachen in dts-HD-Master vor. Beginnend mit räumlich verteiltem Zikaden-Geräusch und sich leise ankündigendem Score nutzt der Film nicht (wie viele Genre-Kollegen) die Chance, mit einem Knalleffekt Einstand zu feiern. Also konzentriert sich der Ton zunächst mal auf die gut verständlichen Dialoge. Doch spätestens mit dem Video, das die vier Mädels sich anschauen, um auf die schlagenden Glocken zu warten, nimmt der Soundtrack an Fahrt auf. Das Knacken im Wald, die drei wimmernden Gong-Schläge und die abschließende Geräusch-Anhäufung gelangen effektvoll und gruselig ans Ohr. Auch das Trampeln im ersten Stock wird authentisch wiedergegeben – und das ganz ohne Atmos-Fassung. Dynamik kommt dann erstmals auf, wenn Hallie erste Alpträume hat. Das sind aber nur Nuancen davon, was die sechs Lautsprechern leisten müssen, sobald der Slender Man in den entsprechenden Szenen auftaucht und die Jumpscares für effektive Schocks sorgen. Zu weiten Teilen erzeugt der Film seine Gruselwirkung durch Sounds, Geräusche und die akustische Vertonung. Das ist schon in der ersten Waldszene unglaublich räumlich, wird aber in der Bibliothekt nach etwa 48 Minuten auf die Spitze getrieben. Wenn Wren dort die Bücherregale knacksen hört und später die Elektrizität zusammen bricht, fühlte man sich seit The Grudge nicht mehr so umgeben von Gruselgeräuschen (ab 48’00).

Bonusmaterial

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Wren will das Geheimnis des Slender Man ergründen

Im Bonusmaterial von Slender Man wartet ein Feature, das auf den Namen „Treffen sie die Besetzung“ hört. Es läuft neun Minuten und lässt die jungen Mädels-Darstellerinnen zu Wort kommen. Sie erzählen von ihren ersten Berührungen mit dem Slender Man und wie sie dem Mythos dieser Figur gegenüber stehen. Auch der Slender Man selbst – also dessen Darsteller – plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen.

Fazit

Slender Man erfindet das Rad ähnlicher Horror-Geschichten nicht neu – ganz im Gegenteil. Praktisch jede Szene scheint man so oder so ähnlich schon mal gesehen zu haben. Sylvain White gelingt es auch nicht dauerhaft für Spannung zu sorgen. Dafür muss dann der extrem räumliche, atmosphärische und bedrohliche Soundtrack herhalten, der den Schrecken ebenso verbreitet wie einige der Szenen mit dem Slender Man selbst.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 40%
Film: 60%

Anbieter: Sony Pictures Entertainment Deutschland
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Sylvain White
Darsteller: Joey King, Javier Botet, Julia Goldani Telles, Annalise Basso, Jaz Sinclair, Kevin Chapman,
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 94
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Sony Pictures Entertainment Deutschland)

Trailer zu Slender Man

SLENDER MAN – Official Trailer 2 (HD)

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