Smallfoot – Ein eisigartiges Abenteuer

Blu-ray Review

smallfoot - ein eisigartiges Abenteuer blu-ray review cover
Warner Home Video, 07.03.2019

OT: Smallfoot

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In Stein gemeißelt

Rundum vergnüglicher Familienspaß mit unaufdringlicher Botschaft.

Inhalt

Nur sooooo klein sind die Füße der Smallfoots

Yetis existieren. Ist ja klar. Immerhin ist Migo einer von ihnen. Woran die Yetis allerdings nicht glauben, ist, dass es außer Yaks auch noch andere – und schon gar keine zweibeinigen – Lebewesen gibt. Die „Smalfoots“, kleine Zweibeiner ohne Fellbewuchs gehören für sie ins Reich der Legende. Immerhin wurde ihre Welt (eine Insel in den Wolken) doch aus dem Po des Himmel-Yaks ausgeschieden. Doch dann entdeckt Migo genau so einen Kerl, der plötzlich durch die Wolkendecke nach unten segelt. Weil man ihm im Dorf nicht glaubt, verbannt ihn der Steinbewahrer aus der Gemeinschaft. Außerhalb der heimischen Siedlung trifft Migo auf Meechee, die Tochter des Steinhüters. Von ihr erfährt er, dass sie einer Geheimorganisation angehört, die die Existenz der Kleinfüßler beweisen möchte. Um das zu tun, beschließen sie, sich durch die Wolkendecke nach unten abzuseilen. Den Gesetzten der Yeti nach ist dort unten nichts. Doch zu Migos Verwunderung findet er eine blühende Landschaft vor. Und einen weiteren Smallfoot. Percy ist Dokumentarfilmer und will die Existenz von Yetis beweisen. Dass aus seiner geplanten Schwindelei mit Yetikostüm plötzlich Wahrheit wird, zieht ihm jedoch die Socken aus. Percy wird ohnmächtig und Migo nimmt ihn als Beweis mit und Yeti-Dorf. Dort glaubt man ihm aber trotzdem nicht, was einen bitteren Ursprung hat …

Legenden, die beim Yeti-Nachwuchs für Schauer sorgen

Warum nicht mal die Legende des Yeti komplett auf den Kopf stellen? Das muss sich wohl Kinderbuch-Autor Sergio Pablos bei seiner Geschichte „Yeti-Tracks“ gedacht haben. Karey Kirkpatrick (Drehbuch zu Chicken Run) adaptierte die Geschichte zu einem wunderbaren Animationsspaß, der natürlich von seiner originellen Prämisse sowie dem amüsanten Culture-Clash zwischen Mensch und Schneeriese lebt. Alleine die Sprachproblematik sorgt für zahlreiche Lacher. Natürlich kommt auch die physische Komik, der Slapstick, nicht zu kurz. Immerhin sind wir in einem Animationsfilm. Und da kann man mit seinen Protagonisten machen, was innerhalb der Fantasie des Regisseurs liegt. Schon das Treiben im Dorf ist unglaublich detailliert und witzig beschrieben. Wenn sich der Alltag praktisch nur um Eis, Schnee und das Läuten eines Gongs dreht, die Yetis das aber gleichzeitig vollkommen dufte und ausreichend finden, ist das schon witzig. Und wenn Migo in einer sensationellen Kettenreaktions-Sequenz zuerst mit dem Flugzeugrumpf umherfliegt, über Bäume rattert und dann eine Brücke ruiniert, erreicht das schon fast das Format der kurzen Zwischensequenzen mit Scrat in Ice Age. Ebenfalls großartig ist die angesprochene „Sprachbarriere“: Wenn Migo Percy sprechen hört, gleicht das einer unverständlich piepsenden Mickey-Mouse-Stimme, während Percy Migos Organ als grunzendes Gebrüll wahrnimmt. Gerade das Piepsige des Menschen ist so niedlich, dass man gar nicht anders kann als schmunzeln. Diese Art von sprachlichem Dauer-Missverständnis kumuliert dann in einer sensationell witzigen Szene zwischen Yeti, Mensch und Bär.

Gwangi wird noch ungeahntes Talent zeigen

Natürlich gibt es überdies eine unterschwellige Botschaft – auch dafür sind animierte Filme bekannt und beliebt. Die Message von Toleranz, Freundschaft und der Neugierde/Aufgeschlossenheit dem Unbekannten gegenüber (was im Grunde sogar eine Religionskritik enthält) wird dabei allerdings nie aufdringlich oder mit dem moralischen Zeigefinger wedelnd rüber gebracht. Man soll seine Wissbegierigkeit und seine Fragen bewahren, sie nicht vergessen oder gar leugnen. Denn sonst kann’s einem so gehen wie hier: Der eine hat vor’m anderen Angst, weil der andere Angst vor dem einen hat. Und so ist die Ökobotschaft vom Leben im Einklang unter den verschiedenen Arten aktuell und genauso wichtig.
Es ist das Verdienst der guten Animationsfilme, dass sie dennoch die Figuren nicht zu kurz kommen lassen. Und auch das gelingt Smallfoot hervorragend. Sowohl Migo als auch Percy und Meerchee haben eine gewisse Tiefe – zumal die bewegenden Vater-Sohn-Momente sogar für Rührung sorgen.
Von der Animation selbst her ist Smallfoot eine sichtbare Referenz an die ikonischen Charaktere aus der Looney-Tunes-Zeit von Warner Bros. Von den pyramidenartigen Gesichtern bis hin zu den Referenzen bei den Augenpartien. Vielleicht kann der Film in puncto Detailgrad nicht ganz mit der Pixar-Konkurrenz mithalten. Aber dafür ist das Ganze unglaublich charmant realisiert.
Erstaunlich ist außerdem, dass Songs gar nicht so arg schlimm sind, durchaus hochwertig produziert sind und selbst in der deutschen Übersetzung Hitpotenzial liefern. Zudem passen sie oft sehr gut zur Situation – beispielsweise beim angerappten Song des Steinbehüters.

Grimmige Kerle oder liebenswertes Volk? Der Film hält eine überraschende Idee parat

Bild- und Tonqualität

Da staunt er, der Pilot

Als 3D-Animationsfilm geht Smallfoot nach einem von der Bildqualität her nicht ganz optimalen Spider-Man: A new Universe wieder den gewohnten Weg. Soll heißen: Extrem ruhige Bilder ohne Körnung, eine dauerhaft gleichbleibenden Schärfe und wunderbar knallige Farben. Zwei kleine Mankos gibt es aber doch: Hin und wieder überstrahlen die weißen Oberflächen ein wenig, was aber aufgrund der Sonneneinstrahlung auch gewollt sein kann. Dazu sind die Animationen eher etwas softer und nicht übermäßig detailliert und scharf. Ansonsten gibt’s hier nichts zu meckern. Gerade die Kontrastierung der Farben und die Differenzierung der Töne in den unterschiedlichen Yeti-Fellen kommen prächtig rüber.
Auch beim Ton gibt sich Smallfoot keine Blöße. Während der erste Song schon räumlich rüberkommt, ist die Direktionalität beim Absturz des Fliegers nach etwas über sieben Minuten vorzüglich. Man hört es spratzeln und klappern und kann genau den Weg beschreiben, denn das Flugzeug für den Betrachter (zunächst) unsichtbar beschreibt. Wenn die Propellermaschine dann notlandet, bekommt auch der Sub schon mal ein bisschen was zu tun. Auch die Stimme des Steinbewahrers (Ingo Albrecht, die Stimme von Dwayne Johnson) klingt sonor und griffig aus dem Center. Besonders gut gelungen sind die feineren und differenzierten Geräusche wie das Knirschen des Schnees, wenn Migo seine riesigen Füße in das weiße Pulver stapft.

Bonusmaterial

Passt nicht mal den kleinsten Schneeriesen

Im Bonusmaterial von Smallfoot gibt es noch einen Kurzfilm namens „Super Soozie“ sowie einen weiteren mit Migo unter dem Titel „Das Geheimnis der Yeti-Steine“ – Letzterer ist allerdings im Rohstadium der Animation. Neben drei Musikvideos wartet dann ein sechsminütiges Featurette, das die Idee hinter dem Film etwas erklärt und auch die Orginalstimmen zu Wort kommen lässt. Ein paar Promo-Clips und Trailer runden das Angebot ab.

Fazit

Smallfoot liefert 95 Minuten durchweg gute Unterhaltung mit liebenswerten Figuren, teils rasanter Action, witzigem Clash der Kulturen Spezies und relevanter Botschaft. Dazu sind Bild und Ton auf hohem Niveau. Viel mehr muss ein Unterhaltungsfilm für die Familie kaum bieten.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 90%
Tonqualität (dt. Fassung): 85%
Tonqualität (Originalversion): 85%
Bonusmaterial: 60%
Film: 80%

Anbieter: Warner Home Video
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Karey Kirkpatrick, Jason Reisig
Sprecher: Kostja Ullmann, Aylin Tezel, Luise Befort, Chris Tall, Ingo Albrecht
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 96
Codec: AVC
FSK: 0

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Warner Home Video)

Trailer zu Smallfoot

SMALLFOOT – EIN EISIGARTIGES ABENTEUER – Trailer #3 Deutsch HD German (2018)

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3 thoughts on “Smallfoot – Ein eisigartiges Abenteuer

  1. Avatar Daniel S.

    „Wäre mir fast durchgegangen – was schade gewesen wäre“, da sonst die Lieder an mir vorbei gegangen wären und ich nicht hätte mitsingen dürfen
    Spaß beiseite, wie immer sehr gut rezensiert.
    VG Daniel

    • Wobei die Songs gar nicht mal so übel sind. Gut, mitsingen würde ich jetzt auch nicht 😀

  2. Avatar ck

    Hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Klingt witzig, gleich auf den Wunschzettel gewandert.

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