Sobibor

Blu-ray Review

sobibor blu-ray review cover
KSM Films, 25.04.2019

OT: Sobibor

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„Herzlich Willkommen in Sobibor“

Packendes Weltkriegsdrama aus russischer Produktion, basierend auf wahren Begebenheiten.

Inhalt

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Neuankömmlinge in Sobibor

September 1943: Soeben ist ein ganzer Zug mit russischen Kriegsgefangenen in Sobibor angekommen. Eigentlich fürchten die jüdischen Russen nichts. Doch sie werden eines Grausameren belehrt. Denn aus der Dusche, die sie nehmen „dürfen“, kommt kein Wasser. Unter den zufriedenen, aber müden Augen des unerbittlichen Kommandanten Karl Frenzel sterben die nackten Frauen allesamt. Aber auch den Männern ergeht es nicht besser. Sie werden von Frenzel und seinen Schergen gequält und gedemütigt. Jeder Versuch der Flucht wird mit dem Tod bestraft – und zwar nicht nur für die Flüchtenden. Dennoch regt sich Widerstand. Unter den im September angekommenen Insassen ist auch der sowjetische Leutnant Alexander Petschjorsky. Der verfügt über strategisches Geschick und plant mit ein paar weiteren eine konzertierte Aktion zur Massenflucht …

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Das Leben im Lager wird Opfer kosten

Konstantin Khabenskiy kennt man eigentlich als Schauspieler (Wächter der Nacht). Mit Sobibor gibt er nun sein viel beachtetes Regie-Debüt, das als russischer Betirag für den besten Auslandsfilm 2019 eingereicht wurde. Schonungslos beginnt Khabenskiy mit den Bildern unter den Gasduschen und sieht auch in der Folge gar nicht ein, den Schrecken zu verharmlosen. Wenn nach knapp 25 Minuten nach einem Ausbruchsversuch jeder Zehnte erschossen wird, ist das Kommando des deutschen Offiziers ebenso zynisch wie die Bilder eindringlich. Und auch eine Szene, in der ein jüdischer Häftling immer wieder neu die Gürtelschläge zu zählen beginnen muss, während der dt. Offizier ihn nicht nur durch das Auspeitschen demütigt, gerät intensiv.
Dabei ist es nicht das erste Mal, dass man die Geschichte um einen Aufstand im Vernichtungslager Sobibor auf Zelluloid (bzw. Digital-Chip) bannte. Bekannt ist vor allem der 1987er Flucht aus Sobibor mit Rutger Hauer in der Rolle des Alexander Petschjorsky. Den spielt hier im Übrigen Khabenskiy selbst. Und ebenso wenig wie er bei der Verkörperung der Hauptfigur nichts dem Zufall überlassen wollte, handelt er auch bei der Sprache von Sobibor. Denn die Originalfassung mixt deutsche, russische und jiddische Sprache zu einem authentischen Ganzen. Lediglich Christopher Lambert hat man ins Deutsche synchronisiert, damit er nicht klingt wie ein Nazi mit französisch-amerikanischen Wurzeln.

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Frenzel führt das Lager mit unerbittlicher Härte

Lambert ist es, der Khabenskiy gegenüber steht. Sein SS-Oberscharführer Karl Frenzel stand der industriellen Vernichtung von Juden in Sobibor vor und hat gut 150.000 ermordete Kriegsgefangene zu verantworten. Dennoch bemüht sich Sobibor darum, ihn nicht nur zu verdammen und reißt beispielsweise kurz an, welche Verbitterung ihm eine harte Entscheidung seines Vaters beibrachte. Auch andere deutsche Soldaten bekommen bisweilen ein Gesicht – manchmal nur jenes eines geifernden Unterscharführers, manchmal aber auch das sichtlich erschütterte Antlitz eines Soldaten beim Anblick aufgetürmter Leichen in einem Zug.
Das Kernthema selbst, der Aufstand bzw. die Flucht nimmt sich zur Entwicklung indes ein wenig Zeit. Lange deutet nicht wirklich etwas darauf hin, dass es einen Aufstand geben wird, dass eine Flucht geplant wird. Vielmehr konzentriert sich der Film auf die Dynamiken zwischen den Gefangenen, die sich weiß Gott nicht alle grün waren.
Spätestens, wenn nach 70 Minuten ein rauschendes Fest gefeiert wird, bei dem die Insassen wie die Tiere in Roms Zirkus zur Belustigung der immer betrunkener werdenden deutschen Soldaten dienen müssen, ist aber klar, dass der Aufstand nicht mehr weit ist. Was Frenzel hier mit den Gefangenen veranstaltet, ist schwer erträglich und vermittelt vielleicht einen kleinen Eindruck, wie es in den Lagern zuging. Selbst wenn sich die Bilder in ähnlich gelagerten Filmen auch immer wieder gleichen und auf Dauer leider etwas abstumpfen.
Doch das lässt sich angesichts der letzten halben Stunde verschmerzen, in denen Dramatik und vor allem Spannung massiv zunehmen. Ebenso übrigens wie die Intensität der gezeigten grafischen Gewalt, die dann schon mal an krasse Splatterfilme heran reicht.

Bild- und Tonqualität

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An Flucht ist nicht zu denken, oder?

Sobibor wurde digital gefilmt und liefert ein erstaunlicherweise nicht nachträglich gekörntes Bild. Im Gegenteil: Die Bildruhe ist hoch und selbst in dunklen Szenen gesellt sich kaum Korn hinzu. Die Schärfe gelingt in einigen Close-ups ansprechend – gerade auf Lamberts Antlitz ist sie wirklich gut (77’05). Halbtotale kommen allerdings schon mal etwas soft und weicher daher. Auch wirken die Kontraste dort dann nicht mehr so überzeugend. Die Farbgebung ist dem Thema angepasst und hangelt sich an einer Grün- und Braunpalette entlang. Während der Schwarzwert etwas mehr Punch haben könnte, ist der Hell-Dunkel-Kontrast durchaus sehr gut.
Die dts-HD-Master-Spur fängt den Zuschauer durchweg räumlich im Geschehen ein. Wenn der Zug dampfend in den Bahnhof einfährt, rauscht und zischt es aus allen Speakern und auch der Herzlich-Willkommen-Spruch über die Lautsprecher ertönt mit dem entsprechend realistischen Hall von den Rears. Die Filmmusik legt sich dazu warm und sanft über alle Lautsprecher und kitzelt auch den Subwoofer ein kleines bisschen. Der bekommt allerdings noch mehr zu tun, wenn kleinere Bomben explodieren und die Maschinengewehre das Zepter übernehmen (ab 23’55). Auch die dumpfen Einschläge im Zeitlupen-Finale gelangen drückend zum Zuschauer – ein rundum gelungener Tonsektor.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Sobibor finden sich neben drei Original-Teasern und Trailern noch ein paar Bilder in einer Galerie.

Fazit

Sobibor hätte in den ersten 80 Minuten etwas mehr Charaktertiefe haben können, damit man Figuren und Beziehungen noch besser hätte differenzieren können. Emotional ist das Regiedebüt von Khabenskij dennoch geworden – vor allem während der fesselnden letzten halben Stunde.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 20%
Film: 75%

Anbieter: KSM Film
Land/Jahr: Russland 2018
Regie: Konstantin Khabenskij
Darsteller: Konstantin Khabenskij, Christopher Lambert, Maria Kozhewnikowa
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, ru/dt/jid
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 117
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter KSM Film)

Trailer zu Sobibor

Sobibor (Deutscher Trailer) | Christopher Lambert| HD | KSM

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