Son 4K UHD

Blu-ray Review

Capelight Pictures, 24.09.2021

OT: Son

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Acht Arme

Wie weit geht man als Mutter, um sein böses Kind zu beschützen?

Inhalt

Laura und David haben ein tolles Verhältnis

Sieben Jahre ist es her, dass Laura den Fängen einer üblen Sekte entkommen konnte und über eine Therapie langsam ins Leben zurück fand. Heute ist sie Mutter vom kleinen David und mächtig stolz auf dessen frühreifes Verhalten. Als sie eines Abends Geräusche aus seinem Zimmer hört und dort nachschaut, steht ihr eine ganze Reihe von Menschen gegenüber, die aus ihrer alten Sekte kommen müssen. Als Laura daraufhin panisch Hilfe bei der Nachbarin holt, sind die Menschen beim Eintreffen der Polizei wieder fort. Officer Paul, der mit dem Fall betreut wurde, glaubt Laura dennoch und bietet ihr seine Hilfe an. David beginnt von dem Moment an seltsame Verhaltensweisen zu zeigen. Bisweilen windet er sich in Spasmen und scheint Höllenqualen zu leiden. Während die Ärzte keinen Rat und keine Antwort wissen, ist sich Laura sicher: Die okkulte Gemeinschaft hat David verflucht. Und was dieser Fluch mit dem kleinen Jungen anrichtet, übersteigt bald Lauras Vorstellungskraft …

Laura hört seltsame Geräusche aus dem Kinderzimmer

Regisseur Ivan Kavanagh war vor ziemlich genau zwei Jahren mit dem revisionistischen Western Never Grow Old ein ziemlich düsteres Werk abgeliefert, das neben John Cusack vor allem Emile Hirsch eine Plattform für eine außergewöhnliche Leistung bot. Hirsch scheint sich gut mit Kavanagh zu verstehen, denn auch in dessen jüngstem Werk ist der aus Girl Next Door bekannte Darsteller wieder dabei. Kavanagh inszenierte Son basierend auf einem von ihm selbst geschriebenen Drehbuch, was einen erstaunlich realen Hintergrund hat. Denn die Idee kam dem Regisseur kurz nach der Geburt seines eigenen Sohnes. Offenbar lief dessen Geburt unter Komplikationen ab und fordert auch in der Folge Tribut in Form von schlaflosen Nächten und ängstigenden Alpträumen. Um sich den Stress von der Seele zu schreiben, nutzte Kavanagh diese kurzen Nächte und schrieb die Grundidee zu seinem neuesten Film.
Keine schlechte Idee für einen Horrorfilm, so viel ist klar. Denn immer, wenn’s den lieben Kleinen an den Kragen geht oder man um ihr Leben fürchten muss, hat man den Horrorfilmfan an einer sensiblen Stelle erwischt. Spätestens jeder, der selbst bereits Kinder hat, wird nachempfinden können, dass der größte Horror jener ist, wenn dem Nachwuchs etwas geschieht.

Was passiert nur mit David?

Aber auch für Nicht-Horror-Allesgucker und Nicht-Eltern ist Son ein lohnenswerter Alptraum. Denn wo thematisch ähnlich gelagerte Filme gerne hektisch und überbetont laut werden, nimmt sich Kavanagh mitunter die Zeit für eine bewusst konzentrierte und subtile Kameraführung fernab von Schnitteskapaden. Inhaltlich passt das viel besser zu dem Film, weil es zu vermitteln weiß, wie Laura nach und nach von den Ereignissen geschockt wird und es nicht für möglich halten kann. Mit ihr gemeinsam geht der Zuschauer behutsam vor, weil er selbst nur eingeschränkt sicher ist, ob er sehen will, was er zu sehen bekommt.
Wenn man dann noch einmal den Schritt zu einer möglichen eigenen Elternschaft wagt, so stellt Son bald die Frage, wie weit man als Mutter oder Vater gehen würde, um sein Kind zu beschützen. Selbst dann, wenn das Böse in ihm steckt. Ein zentrales Motiv, das dem Film innewohnt und das, wenn man es an sich ran lässt, sehr unbequem wird. Begrüßenswert ist, dass hier zwar ein Kind von etwas Bestimmtem befallen wird, man aber nicht den üblichen (und ziemlich ausgetretenen) Exorzismus-Pfad betritt. Es kommt also nicht die Gottesfurcht als Thema hinzu. Laura bemüht sich vielmehr, selbst mit den Dingen und Entwicklungen fertig zu werden. Dass das kein Zuckerschlecken ist, lässt die FSK-18-Freigabe erahnen. Denn spätestens nach etwas über einer Stunde wird’s ziemlich grafisch.

Officer Paul hat Verständnis für Lauras Ängste

Dabei kann Son auch anders: Wenn man mal wissen möchte, wie die bloße Anwesenheit von Allerweltsmenschen Grusel erzeugen kann, der warte auf Minute acht. Zwar kündigt sich dieser Schockeffekt lange genug an, dennoch wirkt diese Szene seltsam unbehaglich. Das trifft im Übrigen auch auf den Score von Aza Hand zu. Der kann zwar in den Jumpscares auch mal klischeehafte Sounds auffahren, bemüht sich aber ansonsten um eine sehr eigene Note. Manchmal erinnert diese an die Industrial-Sounds, die ein David Lynch in Eraserhead nutzte. Manchmal sind es melancholisch-schwebende Klänge. Oft arbeitet er dabei unterschwellig und sehr dezent, lässt den Dialogen und Umgebungsgeräuschen entsprechenden Raum. Gerade während der letzten halben Stunde nimmt die Atmosphäre ein kleines bisschen jene von Hereditary an, ohne dass Son zwingend dessen Innovation oder Qualität erreicht. Allerdings muss ja nicht jeder Film gleich ein “Gamechanger” sein, sodass Freunde von langsam erzähltem Horror mit Überraschungseffekt durchaus auf ihre Kosten kommen.

Preis: 17,99 €
(Stand von: 2021/10/24 6:08 am - Details
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2 neu von 17,99 €0 gebraucht
Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Fri, 24 Sep 2021
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Bild- und Tonqualität UHD

Laura haut mit David ab

Son gehört zu den Titeln, die von Anbieter Capelight als Single-Disk UHD Blu-ray veröffentlicht werden. Da mir lediglich die 4K-Scheibe zur Verfügung stand, entfällt der ansonsten übliche Bildvergleich mit der BD an dieser Stelle. Ebenfalls entfallen muss der Nachweis der verwendeten Kameras sowie die Antwort auf die Frage, ob ein 2K-Upscale oder ein natives 4K-DI zum Einsatz kam, um die UHD Blu-ray zu mastern. Fakt hingegen ist, dass Son mit HDR10 und HDR10+ gegradet wurde, was für 4K-Scheiben von Capelight nicht ungewöhnlich, sondern seit Titeln wie Showgirls eigentlich die Regel ist. Der Look bleibt trotz recht hoher Mastering-Helligkeiten (ablesbar an den Metadaten) grundsätzlich eher düster und etwas schmuddelig. Das passt optisch natürlich zum düsteren Horrorthema und wird auch von den erdigen Braun- und Grüntönen des Films unterstützt. Leichte Unschärfen in manchen Close-ups (3’00) oder im unteren Bildbereich könnten kamera- und/oder fokusbedingt sein und sind offenbar nicht dem Filmmaterial selbst anzulasten. Denn wo Son scharf sein soll, ist er das auch. Vor allem Halbtotale sind wunderbar aufgelöst. Die Kontrastierung gelingt grundsätzlich gut und zeichnet in hellen Szenen sehr gut durch. Wird’s arg düster, werden schon mal ein paar Details verschluckt und das Rauschverhalten nimmt etwas zu, was in gut ausgeleuchteten Momenten wiederum kein Thema ist. Ab und an schlägt HDR dann richtig zu, wenn Szenen betont hell und dynamisch gestaltet sind. So ist beispielsweise der blutüberströmte David vor den türkisfarbenen Fliesen technisch ein echter Hingucker (35’04).

Laura versucht dem Geheimnis auf die Spur zu kommen

Son erscheint mit DTS-HD-Master-Spuren für beide Sprachen. Eine Dolby-Atmos-Vertonung gibt’s hier nicht. Muss aber ja auch nicht immer. Schön auf jeden Fall, dass man immerhin auf verlustfreie Datenströme setzt. Und beginnen tut’s räumlich und durchaus dynamisch. Wenn Laura bei strömendem Regen und hochschwanger mit ihrem Sohn auf den Straßen unterwegs ist, prasselt der Regen dauerhaft effektvoll über die Speaker und wenn ein Auto hupend an ihr vorbeizieht, sitzt man schon mal für den Moment aufrecht im Sessel. In der Folge konzentriert sich die Dynamik des Soundsektors allerdings vornehmlich auf die Jumpscares, die mit entsprechenden Geräuschen und/oder dem dynamischen Score einhergehen. So vorhersehbar wie die Schockmomente des Films vertont wurden, so schön ist es, dass der Score auch die leisen Töne beherrscht und für unterschwellige Spannung sorgt – beispielsweise bei Minute 28. Und das funktioniert mindestens genauso gut wie die lautstarken Attacken während der offensiv-schaurigen Szenen. Und dann gibt’s auch noch was dazwischen – beispielsweise nach gut 86 Minuten, wenn es rund um den Zuschauer herum knarzt und knistert. Die Dialoge sind sehr gut eingebettet und bleiben stets verständlich. Etwas mehr Volumen hätten sie aber vertragen können.

Preis: 17,99 €
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Format: Blu-ray
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Bonusmaterial

Das Bonusmaterial wird vom Kinotrailer, einigen Filmtipps des Anbieters sowie einem knapp fünfminütigen Hinter den Kulissen bestritten. Letzteres ist untertitelt und lässt sowohl die drei Hauptdarsteller als auch den Regisseur zu Wort kommen. Kavanagh darf noch einmal erzählen, aus welchen persönlichen Erlebnissen heraus er das Skript schrieb und der junge Luke David Blumm outet sich als echter Horrorfilmfan.

Fazit

Son ist nichts für actionverwöhnte Horror-Sehgewohnheiten. Dazu nimmt sich Kavanagh zu viel Zeit, um Atmosphäre zu erzeugen und ungewohnte Genre-Wege zu gehen. Wer abseits des Standard-Gruslers sucht, kann hier aber auf seine Kosten kommen – auch deshalb, weil’s am Ende doch noch eine ganz nette Überraschung zu sehen gibt. Zu sehen gibt’s außerdem eine annehmbare UHD Blu-ray, die mit dynamischen Kontrasten punktet, sobald die Ausleuchtung entsprechend hell ist. Der Ton begleitet das Geschehen räumlich, bleibt aber in der Tiefbassunterstützung etwas schwach.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: keine Wertung möglich
Bildqualität UHD: 75%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 75%
Tonqualität BD/UHD (Originalversion): 75%

Bonusmaterial: 30%
Film: 60%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Ivan Kavanagh
Darsteller: Andi Matichak, Luke David Blumm, Emile Hirsch, Cranston Johnson, Blaine Maye, Rocco Sisto
Tonformate BD/UHD: dts-HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 98
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-66/BD-100
Real 4K: Ja/Nein (xx DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 896 Nit
FSK: 16

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Capelight Pictures)
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Trailer zu Son


So testet Blu-ray-rezensionen.net

Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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