Spartacus 4K UHD

Blu-ray Review

Universal Pictures, 23.07.2020

OT: Spartacus

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Ich bin Spartacus

Einer der epischsten Filme aller Zeiten erhält seine wohlverdiente 4K-Scheibe.

Inhalt

Kurz vor der Hinrichtung …

Spartacus ist Sklave der Römer, seit er denken kann. Als er während der Arbeit in den Felsen eines Bergmassivs einem kollabierenden anderen Sklaven helfen will, sanktioniert man ihn. Allerdings wehrt sich Spartacus und wird deshalb zum Tode verurteilt. Es wäre so gekommen, wenn nicht Lentulus Batiatus, der Inhaber einer Gladiatorenschule, vorbei käme. Batiatus ist von Spartacus angetan und nimmt ihn mit anderen Sklaven in seiner Schule auf. Getrennt voneinander werden sie eingesperrt und nur zum Training raus gelassen. Unter dem Drill des gnadenlosen Marcellus sollen sie für die Arena fit gemacht werden. Fit für einen Kampf auf Leben und Tod zur Belustigung des römischen Pöbels. Als Belohnung dienen ihnen Frauen. Spartacus wird Varinia übergeben, die er jedoch mit den Worten „Ich bin kein Tier“ ablehnt. Nach einem Vorfall während des Besuchs von Feldherr Marcus Crassus und der Tatsache, dass man Varinia an Crassus verkauft, tötet Spartacus den Ausbilder Marcellus und probt den Aufstand. Nach der Flucht aus Batiatus‘ Gladiatorenschule formt Spartacus mit einigen anderen Ex-Gladiatoren eine Revolte gegen Rom. Und während seine Mannen immer mehr werden, wird die Nervosität in Rom größer. In die Hand spielt Spartacus und seinen Kämpfern die Zerstrittenheit der römischen Feldherren, die sich über die Art und Weise einer Antwort auf den Aufstand uneins sind. Doch wie lange wird das für Spartacus gut gehen …?

… wird Spartacus von Batiatus gekauft

Spartacus. S-P-A-R-T-A-C-U-S – ein Name wie Donnerhall. Was ranken sich um diesen Mann, der als Sklave der Römer in den Arenen Gladiatorenkämpfe ausfechten musste, nicht alles für Legenden. Viel weiß man nicht, über diesen Mann. Nicht einmal genau, woher er stammt. Wohl aber, dass er 73 v. Chr. seinem Sklaventum gemeinsam mit einigen Leidensgenossen entfloh und daraufhin eine Art Sklavenaufstand anführte. Zwei Jahre lang fügte man den Römischen Legionen empfindliche Niederlagen bei. Bis ein Versuch, die von Marcus Licinius Crassus um die zurück gezogenen Aufständigen gebauten Mauern zu durchbrechen, zum Tod des Spartacus führte. Seither ist der Ex-Gladiator ein Sinnbild für den Kampf des kleinen Mannes gegen die knechtende Obrigkeit. Eine Geschichte, die wie geschaffen ist für das große epische Kino. Und tatsächlich war es Hauptdarsteller Kirk Douglas selbst, der sich als großen Freiheitskämpfer inszenieren wollte – war er doch reichlich unglücklich darüber, die Titelrolle in Wylers Ben Hur nicht ergattern zu können. Mit seiner fünf Jahre zuvor gegründeten Filmproduktionsfirma „Bryna Productions“ wollte Douglas das Projekt ins Rollen bringen, nachdem die Vorlage (eine Novelle von Howard Fast) ihn überzeugt hatte.
Douglas wiederum organisierte mit Peter Ustinov, Charles Laughton und Laurence Olivier drei Hochkaräter und überzeugte damit Universal Pictures, den Film zu finanzieren. Analog zum Mut des Spartacus zeigte sich auch Kirk Douglas bei der „Besetzung“ des Drehbuchs: Mit Dalton Trumbo (wer Metallicas Musikvideo zu ONE kennt, der kennt Bilder aus der Verfilmung seines „Johnny zieht in den Krieg“) wählte er einen jener Kulturschaffenden, die zu den „Hollywood Ten“ gehörten – jenen, die (wie Trumbo) die Aussage vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe verweigerten. Faktisch standen diese Frauen und Männer auf einer schwarzen Liste, die ihnen die Arbeit meist nur unter Pseudonym ermöglichte. Douglas indes bestand darauf, Trumbo namentlich zu führen, was in der Folge als Anfang vom Ende des „Blacklisting“ galt.

Lange vor „Die Zwei“: Ein blutjunger Tony Curtis

Western-Regisseur Anthony Mann (Winchester ’73) sollte die Regie übernehmen (nachdem David Lean abgewunken hatte), was sich allerdings nach wenigen Drehtagen schon als Fehler darstellte. Am Ende der ersten Drehwoche übernahm dann Stanley Kubrick, mit dem Douglas schon bei Wege zum Ruhm zusammen gearbeitet hatte. Ein weiteres riskantes Unterfangen, da Kubrick seinerzeit noch sehr jung war und nie in dieser Größenordnung gearbeitet hatte. Der junge Brite jedoch überzeugte nicht nur Douglas, sondern auch den Rest der Filmwelt. Und das trotz massiver Querelen zwischen ihm und Trumbo (über den Charakter von Spartacus), zwischen ihm und Universal (über die Anzahl der täglichen Dreheinstellungen) oder zwischen ihm und Kameramann Russell Metty (wegen Kubricks überpräzisen Anweisungen). Es stellte sich damals bereits heraus, dass Kubrick kein sonderlich einfacher Regisseur war. Einer, der am liebsten über alles und jeden Kontrolle ausübte, um SEINE Vision des Films fertig zu stellen. Und wenn er eine einzige Szene (wie in Shining) gleich 127 mal drehen ließ und dabei Darstellerin Shelley Duval in den psychischen und physischen Wahnsinn trieb. Nichtsdestotrotz wurde Spartacus ein großer Erfolg – und zwar sowohl an den Kassen als auch beim Publikum. Vier Oscars (männlicher Nebendarsteller, Kamera, Kostüme und Szenenbild) waren der Lohn für die anstrengenden Dreharbeiten mit teilweise über 10.000 Statisten. Noch heute kann man Bücher über die Entstehung dieses monumentalen Film schreiben.

Wie man’s von Ehrenleuten kennt: Sie debattieren

Und noch heute funktioniert das über drei Stunden lange Werk als mitreißender Film über eine Widerstandsbewegung. Noch heute kann man mitfiebern, wenn die Sklaven/Gladiatoren von ihren römischen Herren wie ein Stück Vieh behandelt werden. Spartacus kommentierte dabei unverhohlen das damalige politische Zeitgeschehen in den USA. Einer Zeit, in welcher der Kalte Krieg seinem Höhepunkt entgegen steuerte und die Auswirkungen der McCarthy-Ära noch immer zu spüren waren. So ist die Szene, in der Crassus von den Aufständischen verlangt, den Anführer preis zu geben, ein direkter Verweis auf die Anhörungen vor dem Ausschuss für unamerikanische Triebe. Dort sollten unter anderem Kommunisten (oder solche, die dafür gehalten wurden) entsprechende Gesinnungsfreunde denunzieren und offenbaren.
Die Mannen um ihren Anführer nehmen Crassus‘ Aufforderung zum Anlass, einer nach dem anderen aufzustehen und mit „Ich bin Spartacus“ zu antworten – sicher bis heute eine der legendärsten und ergreifendsten Szenen eines Hollywoodklassikers.
Neben seinem gesellschaftspolitischen Kommentar war Spartacus aber auch ein episches Schlachtengemälde. Eines, das sich vor expliziter Gewaltdarstellung nicht scheute … die seinerzeit aber größtenteils der Schere zum Opfer fiel, nachdem Testvorführungen negative Publikumsreaktionen auf die blutigen Szenen offenbarten.
Die ’91er Restaurierung brachte diese dann wieder zurück. Und wenn nahezu 10.000 Statisten (übrigens Mitglieder der spanischen Armee) als römische Soldaten auf die Gladiatoren um Spartacus losgehen, ist das schon episch. Unterstützt natürlich auch durch die extrem breit angelegten Bilder, die durch das Technirama ermöglicht wurden. Was Kameramann Metty hier (zu Recht oscarprämiert) ablieferte, ist auch heute noch ganz großes Kino und einem Ben Hur durchaus ebenbürtig. Unterstützt vom kongenialen Score sowie bestens aufgelegten (teils blutjungen) Co-Stars wie Tony Curtis kämpft sich Kirk Douglas auch 60 Jahre später noch in die Herzen der Filmfans.

Crassus blickt selbstzufrieden drein

Historiker drücken allerdings besser ein Auge zu. Denn geschichtlich akkurat ist Spartacus nur in wenigen Details. Viele Figuren wurden hinzu geschrieben, lebten zu anderen Zeiten oder verhielten sich ganz anders. Authentisch hingegen (weil in Rom unter den Führern und ihrem Gefolge, bzw. den Sklaven alles andere als unüblich) war ein Unterton, den man für die damalige Kino-Auswertung besser aus dem Film schnitt:
Denn die 1991 in der Restaurierung hinzugefügte Badehaus-Szene (Timecode: ab 80’20) wurde seinerzeit entfernt, weil man die homoerotischen Aspekte offenbar nicht in einem Film duldete. Gut, dass wir ein paar Jahrzehnte weiter sind und uns an solch‘ (wahrlich harmlosen) Szenen nicht mehr stören müssen. Hätten die Verantwortlichen seinerzeit schon gewusst, was 50 Jahre später in einer gleichnamigen Serie des US-Kabelsenders Starz inszeniert würde, hätten sie sich die Zensur vielleicht noch einmal überlegt.
Übrigens: für die 91er Restaurierung dieser Szene mussten wieder eingefügten Szenen neu synchronisiert werden. Selbst im englischen Original, da man den Ton dort offenbar aus weiser Voraussicht schon vor der Zensur entfernt hatte. Im Deutschen hatten sich die beiden Synchronsprecher von Curtis und Olivier (die drei, bzw. acht Jahre später verstarben) vermutlich schon aus dem Synchrongeschäft zurückgezogen.

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Bild- und Tonqualität BD

Die alte Blu-ray sah bisweilen tatsächlich so rot aus wie auf diesem Szenenfoto

Die erste Blu-ray, die man Spartacus „gönnte“, datiert aus dem Jahr 2010. Und sie war grausam. Frozen Grain allüberall. Ein brutaler Rauschfilter, der sämtliche Gesichter wachsig werden ließ. Dazu gesellten sich Doppelkonturen aufgrund einer nachträglichen Schärfung. Farben ersoffen in dunklen Szenen zum Teil in einem undefinierten Matsch aus Rot, Rot und … Rot.
Gut, dass Universal fünf Jahre später nachbesserte und zum 55. Jubiläum eine dringend notwendige, frische Abtastung spendierte. Diese basierte auf eben jenem 4K-Remastering, das nun auch für die UHD (siehe unten) genutzt wurde. Enthalten ist also in der UHD eben jene Blu-ray, die 2015 erschien. Und daran gibt’s auch gar nichts zu mäkeln. Denn praktisch alles, was die 2010er BD falsch machte, wurde mit der remasterten Fassung revidiert. Angefangen von der ersten Szene nach der Ouvertüre (nach respektablen 7’40, übrigens), die eine fantastische Detailtiefe und satte Farben präsentiert und bei der man sogar in Entfernung noch lose Steine auszumachen scheint, bis hin zu den finalen Einstellungen von Spartacus stellt die Blu-ray eine absolute Referenzscheibe für Filmklassiker dar. Sieht man von ein paar softeren Hintergründen (meist ohnehin Matte Paintings) oder den bewusst weicheren Aufnahmen von Jean Simmons ab, ist die Schärfe exemplarisch gut. Man sieht, wie viel Auflösung in 35mm-Filmmaterial stecken kann, wenn man es richtig macht. In Douglas‘ Gesicht lässt sich praktisch jeder Bartstoppel ausmachen und sein markantes Kinn war wohl noch nie dreidimensionaler auf der Leinwand. Selbst Aufnahmen von Massenszenen und hunderten von Statisten bleiben phänomenal aufgelöst und lassen die Figuren selbst in der Entfernung noch hervorragend erkennbar auftreten. Farben sind zudem durchweg prächtig, Kontraste hervorragend und das Filmkorn wirkt stets authentisch. Da durch die Technirama-Aufnahmen eine Körnung eher geringer ausfiel, gehört Spartacus zudem zu den Klassikern mit einem der ruhigsten und rauschärmsten Bildern – und das (jetzt endlich) ganz ohne Rauschfilterei. Manchmal ist das Bild wirklich so gut, dass man kaum glauben mag, es mit 60 Jahre altem Material zu tun zu haben.

Fürs Foto legen sie das Kriegsbeil beiseite

Beim Sound muss man (gegenüber dem Bild) leichte Abstriche machen. Zwar klingt der dts-5.1-Mix nicht schlecht, aber man hört ihm sein Alter dann doch an. Für den englischen Ton wurde 2015 ebenfalls eine neue Abmischung geliefert, die (gegenüber der 2010er BD) nun in 7.1 vorliegt – nach wie vor verlustfrei in dts-HD-Master kodiert. Allzu schlecht klingt die deutsche Tonspur allerdings nicht. Die Ouvertüre wird klar reproduziert und die Front baut eine ansprechende Bühne auf. Lediglich die Rears werden nur dezent einbezogen, während die englische Fassung hörbar offener und weiter klingt.
Etwas dünn hingegen tönt der Erzähler aus dem Center, was allerdings Zeitgeist ist. Andere Filme aus dieser Ära klingen auch nicht voluminöser. Die Charaktere selbst haben ein wenig mehr Volumen. Zudem sind die Stimmen absolut klar und Schwankungen oder Knackser bleiben komplett aus. Pferdegetrampel oder dynamischere Momente der Filmmusik gelangen ebenfalls angenehm zu Gehör – freilich praktisch ohne echte Subwoofer-Aktivität. Nur der O-Ton spricht diesen hin und wieder etwas an. Wenn im letzten Drittel dann die brennenden Strohwalzen rollen, wird es mal etwas druckvoller. Aber so richtig in den Tiefbass geht’s hier nicht. Die Betonung der Rüstungen der marschierenden Römer ist ein wenig unangenehm-spitz geraten.

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Bild- und Tonqualität UHD

Spartacus wird zum geachteten Führer der Revolte

Spartacus wurde in 35mm Technirama aufgenommen. Einem Format, das nicht sonderlich lange existierte. Der Clou am Technirama war, dass man anamorphe Vorsatzlinsen mit einem Faktor von 1,5 vor das horizontal durch die Kamera geführte Negativ setzte und so das vertikal Bild strecken konnte (bei Cinemacope stauchten Anamorphoten das Bild hingegen horizontal). Das Ergebnis war ein sehr breites Bild mit einer Fülle an Informationen. Das Problem war (wie bei vielen anderen älteren Filmen), dass das vorhandene Original-Negativ erst einmal für sich restauriert werden musste. Dazu führte man es über einen Northlight-Scanner, der in 6K scannte und ein 4K-Signal ausgab. Von dort aus wurde dann Schmutz entfernt, Schäden wurden behoben und das so bearbeitete Material gelangte ins Color Grading. Unter dem Rat von Filmhistoriker und -Restaurator Robert Harris, der schon die 1991er Restaurierung von Spartacus vornahm, versuchte man, so nahe am Gedanken von Kubrick zu bleiben wie möglich. Für die Farbrekonstruktion nutzte man die damals als „Backup“ erstellten Schwarz-Weiß-Farb-Separations-Negative, Duplikate vom Original, die mit Schwarz-Weiß-Filmmaterial unter der Verwendung von roten, blauen und grünen Filtern erstellt wurden. Der Vorteil: Schwarz-Weiß-Film leidet nicht unter dem Fading, das Farbfilme betrifft, die Informationen bleiben vollständig erhalten. Das Original-Negativ von Spartacus litt unter deutlichem Blauverlust. Diese drei gefilterten Schwarz-Weiß-Negative mussten dann wieder korrekt übereinander gelegt und von chromatischen Aberrationen befreit werden. Ein wirklich aufwändiger Prozess, der das Studio einige Monate beschäftigt hat.

An Statisten war der Film satt

Fünf Jahre nach dieser Arbeit nutzt man das erstellte Master nun, um eine native 4K-Scheibe daraus zu erstellen. Es ist natürlich immer noch dasselbe Master wie für die 55th-Anniversary-Blu-ray-Edition angefertigt wurde. Es ist ja auch so gut, dass daran eigentlich keine Verbesserung mehr möglich war. Allerdings nutzt man über die UHD nun auch auf einem End-Medium die maximal mögliche Auflösung und kann die bereits hervorragende Blu-ray vielleicht noch einmal übertreffen?
Nun, zunächst mal gelangte neben statischem HDR10 auch noch das dynamische Dolby Vision mit an Bord. Dazu gibt’s einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum, der möglicherweise für noch kräftigere Roben sorgen könnte. In der Praxis toppt die UHD das bereits hervorragende Bild der Blu-ray noch einmal. Die Körnung wirkt noch etwas feiner und die Close-ups von Kirks Gesicht sind wirklich abnormal scharf und detailliert. Unfassbar, wie detailreich auch Sand unter den Sandalen aussieht. Immer wieder muss man sich dran erinnern, dass wir es mit einem Film von 1960 zu tun haben. Kaum zu glauben auch, dass das ohne nachträgliche Schärfung geschah, denn Überschärfungsartefakte sind zu keiner Zeit auszumachen. Ganz im Gegenteil fällt im direkten Vergleich nun auf, dass die Blu-ray ein wenig nachgeschärft wirkt, während die UHD insgesamt realistischer erscheint. Gut zu erkennen ist das bei einigen Szenen in der Tiefe, in denen die BD scheinbar schärfer ist. Dies allerdings dann doch mit ein paar Abstrichen in Sachen übertriebener Kantenschärfe. Für beide Disks kann man das Haar in der Suppe suchen und wird es hier und da finden. Beide Disks sind aber in Anbetracht ihres Alters und der Herkunft eines wirklich nicht gerade gut erhaltenen Negativs absolut hervorragend geworden.
Entgegen manch anderer UHDs ist Spartacus übrigens nur einen Hauch dunkler abgestimmt. Die Durchzeichnung in Schattenbereichen bleibt beständig gut. Der Schwarzwert ist exemplarisch gut und das Weiß in den Augen leuchtet sichtbar kräftiger als über die Blu-ray.
Hier und da scheinen ein paar hellere Stellen etwas zu überstrahlen, worin sich dann auch schon mal ein klein wenig farbiges Rauschen verirrt, aber das ist mäkeln auf ganz hohem Niveau, wenn man das Alter des Films bedenkt. Farben wie jene auf Spartacus‘ Körper bei 26’24 erscheinen noch mal prägnanter und kräftiger. Auch die roten Roben der Römer scheinen den erweiterten Farbraum komplett auszureizen. Vielleicht reicht es in Summe nicht zur absoluten Höchstnote, aber Spartacus gehört als Film mit analoger Herkunft ganz klar in die Top-5 der bisher besten Releases.
Dolby Vision wirkt alles in allem noch etwas strahlender und prägnanter. In puncto Farbgebung bleiben die Unterschiede jedoch praktisch nicht existent. Beide HDR-Varianten sind klasse.
Fun Fact: Der kurze Schnittfehler bei 10’13 ist auch auf der UHD enthalten.

Blu-ray (84’20): (Slider ganz nach rechts): Die Blu-ray ist ja wahrlich nicht schlecht.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Aber die Unterschiede im Kontrastumfang und der Farbnuancierung sind dann doch deutlich. Die UHD liefert hier einfach viel mehr Kraft.

HDR10 (84’20): (Slider ganz nach rechts): Das gleiche Bild zwischen HDR10 und Dolby Vision.

Dolby Vision (Slider ganz nach links): Dolby Vision betont die Highlights etwas mehr, ist insgesamt etwas heller.

Blu-ray (150’30): (Slider ganz nach rechts): Auch die Wiesenszenen kurz vor der Schlacht zeigt sich über die Blu-ray im direkten Vergleich trüber.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD bietet auch hier mehr Farbdifferenzierung und Kontrast.

Blu-ray (50’28): (Slider ganz nach rechts): Ein schönes Beispiel für die Unterschiede in der Farbkraft.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Man beachte den magentafarbenen Mantel, der via UHD intensiver ist. Auch die Ornamente auf der Tunika strahlen kräftiger.

Blu-ray (26’18): (Slider ganz nach rechts): Zweimal Kirk Douglas. Einmal über die schon kontrastreiche BD…

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … und über die noch kräftigere UHD. Die rote Farbe knallt dem Zuschauer förmlich entgegen und die Haut ist noch satter gebräunt. Die Belichtung liegt hier einzig auf Douglas, nicht auf dem Hintergrund.

HDR10 (14’05): (Slider ganz nach rechts): Noch einmal ein Vergleich zwischen HDR10 und Dolby Vision.

Dolby Vision (Slider ganz nach links): Dolby Vision kräftigt auch hier die hellen Bereiche etwas mehr, wirkt ein wenig strahlender.

Spartacus und seine Mannen erwarten die Römer

Die UHD hält akustisch ein Upgrade bereit. Beide Sprachen erklingen nun in objektbasiertem DTS:X und sie klingen beide etwas besser. Die Synchronversion ist etwas offener, etwas klarer. Sie scheint auch ein bisschen mehr Gebrauch von den Surroundspeakern zu machen. Beide Sprachen liefern ein wenig mehr Druck als über ihre dts- bzw. dts-HD-Master-Pendants, was man in einigen Momenten des Scores ebenso hört/spürt wie bei der finalen Schlacht. Hier liegen zwar keine Welten zwischen den Fassungen der Blu-ray, aber eine Verbesserung ist es allemal.
Die dts:X-Spur hat natürlich die theoretische Möglichkeit, die Höhen-Kanäle mit einzubeziehen. Tut sie aber nicht. Also nicht wirklich. Bisweilen (wenn man die reguläre Ebene wirklich komplett abklemmt) hört man gaaaanz leise die Filmmusik von oben. Das klingt allerdings eher „verirrt“ als gewollt. Die dts:X-Spur zielt also wirklich auf eine möglichst saubere Wiedergabe der ebenerdigen Speaker und vermeidet neumoderne 3D-Sounds. Nicht einmal der Regen, der auf das Tuch-Dach von Spartacus‘ Unterkunft fällt, wurde auf die Heights gelegt, was tatsächlich die erste echte Gelegenheit für einen dedizierten 3D-Sound gewesen wäre (96’20).

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Bonusmaterial

Zwangsverbindung, die das Fass zum Überlaufen brachte

Das Bonusmaterial von Spartacus ändert sich gegenüber der 2015er BD nicht. Das jüngste Feature auf dieser ist das „Gespräch mit Kirk Douglas“. Der Hauptdarsteller war zum Zeitpunkt des Interviews bereits fast 100 Jahre alte und trotz seiner sprachlichen Schwierigkeiten (resultierend aus einem Schlaganfall 1995) erinnert er sich noch ganz genau an die Dreharbeiten und die Schwierigkeiten, die er mit Kubrick hatte. „Spartacus wiederherstellen“ nimmt sich neun Minuten Zeit für die Restaurierung des Bilds und des Tons. Hinzu kommen die bekannten vier unveröffentlichten Szenen sowie Archiv-Interviews und ein unvertonter Blick hinter die Kulissen. „Alle Nachrichtensendungen“ liefert einige Wochenschau-Berichte zu Film un Darstellern und eine Bildergalerie bietet noch mal über 100 Stills des Films und der Plakate. Vertonte Extras liegen mit deutschen Untertiteln vor.

Fazit

Spartacus ist auch heute noch episches Monumentalkino allererster Güte. Natürlich sind die Sehgewohnheiten heute andere. Natürlich muss es heute immer schnell auf schnell und zack zack gehen. Aber wer sich mal diese drei Stunden Zeit nimmt, wird mit einem Historien-Epos belohnt, das voller gesellschaftspolitischer Aussagen steckt, glänzend gespielt ist und in puncto Ausstattung und Bilder noch heute Maßstäbe setzt. Die bereits phänomenale Blu-ray wird von der UHD in Sachen Kontrast, Farbtiefe, Farbdifferenzierung und Detailschärfe noch einmal übertroffen. Der DTS:X-Sound liefert zwar eine Overhead-Effekte, klingt aber offener als die alte dts-Spur.
Auch wenn das Steelbook schon an vielen Stellen ausverkauft ist, ist bei Universal davon auszugehen, dass eine Amaray-Box-Fassung nachgeschoben wird. Alle, die das Steelbook nicht ergattern konnten, dürfen sich im Vorfeld jetzt schon auf die Amaray freuen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 95%
Bildqualität UHD: 95%

Tonqualität BD (dt. Fassung): 70%
Tonqualität BD (Originalversion): 80%

Tonqualität UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 75%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 0%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 0%

Tonqualität UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 85%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 0%
Tonqualität UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 0%

Bonusmaterial: 60%
Film: 90%

Anbieter: Universal Pictures Germany
Land/Jahr: USA 1960
Regie: Stanley Kubrick, Anthony Mann
Darsteller: Kirk Douglas, Sir Laurence Olivier, Jean Simmons, Charles Laughton, Sir Peter Ustinov, John Gavin, Nina Foch, Herbert Lom, John Ireland, Woody Strode
Tonformate BD: dts-HD-Master 7.1: en // dts 5.1: de
Tonformate UHD: DTS:X (dts-HD-Master-Kern): de, en
Bildformat: 2,20:1
Laufzeit: 197
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Ja (4K Remaster)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 1000 Nit
FSK: 16

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Universal Pictures)

Trailer zu Spartacus

Spartacus | Remembering Kirk Douglas | "I Am Spartacus!"

 

18 thoughts on “Spartacus 4K UHD

  1. Avatar bloob

    es ist doch immer wieder schön und erstaunlich, was man aus so alten filmmaterialien herrausholen kann.

  2. Avatar ondy

    Dts-x auf basis eines true-hd kern?

    • Kennste nicht? Neuer Codec. Von mir selbst entwickelt 😛
      Gut aufgepasst, mal wieder. Ich ändere es natürlich ab.

  3. Avatar ondy

    Mit dir mal ein bier trinken das wer klasse 🙂

    • Wenn’s bei mir auch Wein sein darf … 😉

    • Avatar Dominik

      Weißt du ob da nochmal ein Release kommt? also nicht von amazon sondern bei media, saturn, müller etc?

      • Es wird mit höchster Wahrscheinlichkeit eine reguläre Fassung in der Amaray-Box kommen. Allerdings kann das bei Universal dauern, da man den Steelbook-Käufern augenscheinlich einen gewissen Vorteil verschaffen möchte. Die Amaray-4K-Version von GLADIATOR kam fast auf den Tag genau ein Jahr nach der Steelbook-Variante.
        Die Amaray wird’s dann mit Sicherheit überall geben und nicht nur beim Amazon.

        • Avatar Jacob

          Die reguläre amaray lässt sich schon länger in zb UK vorbestellen für 19,99 Pfund. Erscheint am 17. August

  4. Avatar Lars P

    Hallo und vielen Dank mal wieder für die tolle Rezension

    Gibt es eine Möglichkeit diesen Film in 4 k auch noch ohne das Steelbook zu kaufen.
    Die ch gehöre zu denjenigen, die einfach nur den Film gucken wollen…

    • Hallo Lars.
      Wenn man bei Universal nach der Regel geht, werden exklusive Steelbooks beizeiten durch eine reguläre Amaray ergänzt.
      Allerdings dauerte dies bei der UHD von „Gladiator“ ziemlich genau ein Jahr.

  5. Avatar MikeD.

    Hallo. Ich stimme dir bei dieser Rezession 100% zu. Ich war begeistert vom Bild ,als ich mir Spartacus Mittwoch Abend angesehen habe.

  6. Avatar vanjx

    Ich habe Glück noch eine „Steelbook Edition“ bekommen zu haben. Gesehen habe ihn noch nicht, wird aber am Wochenende nachgeholt. Das der Film trotz des alters noch so gut aussieht, freut mich um so mehr. Vielen Dank für das Testen.

  7. Avatar Helmut

    Großes Lob dafür, dass du (fast als einziger) auch klar benennst, dass die 4k -Restaurierung bereits für die schon hervorragende 2015er Blu-ray erfolgte. Viele Reviews insbesondere im englischsprachigen Raum ignorieren das komplett und suggerieren, dass jetzt für die UHD nochmals ein komplett neuer Scan erfolgt ist und nehmen nur Bezug auf die maue Erstauflage. Werde aber auch auf jeden Fall upgraden, nicht zuletzt wegen deines tollen Reviews, vielen Dank!

    • Danke für den netten Kommentar 🙂
      Das mag manchmal ja auch einfach Unwissenheit sein und/oder mangelnde Zeit für entsprechende Recherche. Ich will da keinem Kollegen (egal, woher) mutwillige Falschaussage unterstellen. Am Ende lohnt sich in der Summe die 4K-UHD-BD aber eben auch gegenüber der 2015er BD noch einmal. Und ich finde persönlich einfach toll, dass man sich für BD und UHD-BD diese Arbeit überhaupt gemacht hat. So alte Klassiker so hochwertig zu restaurieren, ist ja wahrlich kein alltägliches Ding.

  8. Avatar Michael

    Ein wirklich tolles und tief recherchierte Review.
    Ich habe eine Frage zu deinem Bewertungssystems. UHD und BD haben bei der Bildqualität beide 95%, aus dem Review lese ich heraus, dass die UHD ein besseres Bild liefert. Mich würde interessieren in wieweit diese beiden Bewertungen von BD und UHD miteinander vergleichbar sind. Lohnt sich bei Gleichstand die UHD?

    • Hallo Michael.
      Die Prozentbewertungen von BD und UHD sind insofern NICHT vergleichbar, als dass sie sich stets auf ihr eigenes Bewertungssystem beziehen.
      Eine UHD mit 90% kann immer noch besser sein als eine BD mit 95%. Würde man die Noten übergreifend auf beide Formate anwenden, müssten man im Nachhinein alle Blu-rays abwerten. Und irgendwann vielleicht UHDs, wenn es noch etwas höherwertigeres gibt. Bei DVDs wäre man dann schon im Schnitt auf 40-50% fürs Bild angekommen und alte VHS-Kassetten hätten dann 10% 😉
      Also: Die Gladiator UHD lohnt sich gegenüber der Blu-ray durchaus. Zwar wird man die höhere Auflösung erst ab 65“ aufwärts sehen, aber gerade in puncto Kontrast und Farbkraft sowie Spitzlichter ist die UHD sichtbar besser.

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