Spider-Man: Far From Home 4K UHD

Blu-ray Review

Sony Pictures, 14.11.2019
Sony Pictures, 14.11.2019

OT: Spider-Man: Far From Home

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Blip Blip

Der zweite Spider-Man mit Tom Holland ist eine Zäsur im MCU.

Inhalt

Mysteriöser Superheld verscheucht gigantisches Elemente-Wesen

WARNUNG VORAB: Diese Rezension enthält Spoiler zu Avengers: Endgame.
Acht Monate nachdem die Avengers mit vereinten Kräften Thanos besiegen konnten und die durch dessen Fingerschnips zuvor zu Staub zerfallenen Menschen wieder zurück kehrten, beginnt für Peter Parker das neue Schuljahr. Nicht ganz so einfach, da für die Zurückgekehrten die Zeit praktisch stehen blieb, während die andere Hälfte fünf Jahre älter geworden ist. Es gibt also durchaus einige Schüler, deren Geschwister nun älter sind als sie selbst. Zum Glück für Peter sind sein Freund Ned und auch MJ „geblipt“ und demnach immer noch im gleichen Schuljahr. Es wäre aber auch zu schade, wenn Peter MJ nicht irgendwann seine Liebe gestehen könnte. Und weil er das endlich tun möchte, nimmt er die gemeinsame Klassenfahrt nach Europa zum Anlass dafür. Zumindest plant er es so und hat sich Paris dafür ausgesucht. Dumm, dass ausgerechnet schon bei der ersten Station in Venedig ein gigantisches Wassermonster auftaucht, das von einem mysteriösen Fremden mit grünen Energiestrahlen bekämpft wird, während Peter ohne seinen Spider-Man-Anzug nur Schadensbegrenzung bei der Zerstörung der Stadt leisten kann. Der fremde Held entpuppt sich als Quentin Beck, der zwar von der Erde kommt, allerdings von einer alternativen Version aus einem Multiversum. Beck erzählt Peter, dass noch eins dieser Elemente-Wesen unbesiegt ist und er gemeinsam mit ihm dieses Feuermonster in Prag bezwingen möchte. Zur gleichen Zeit händigt Nick Fury die mit der künstlichen Intelligenz E.D.I.T.H. ausgestattete Brille von Tony Stark an Peter aus. Denn es steht außer Zweifel, dass Tony in Peter seinen legitimen Nachfolger sah. Peter allerdings denkt im Moment nicht ans Superhelden-Dasein, sondern möchte die Klassenfahrt als Urlaub genießen. Nick Fury allerdings sieht das anders und auch Quentin Beck lässt Spider-Man keine Ruhe – zumal „Mysterio“, wie Beck nur noch genannt wird, ein gewisses Geheimnis verbirgt …

Fury und Maria Hill schauen derweil zu

Auch wenn’s thematisch Sinn macht: Avengers: Endgame ist nicht der letzte Film der dritten Phase des MCU. Diese Ehre gebührt dem 23. Film des gesamten Marvel Cinematic Universe, Spider-Man: Far From Home.
Vielleicht auch deshalb, weil man nicht mit dem wehmütigen und eher düsteren Endgame schließen, sondern den Ton zum Schluss noch mal lockern wollte.
Wie dem auch sei, der zweite Solo-Auftritt von Tom Holland als Spider-Man geriet zur ersten Spidey-Adaption, die über eine Milliarde Dollar einspielen konnte, was ihn gleichzeitig zum erfolgreichsten Sony-Titel aller Zeiten werden ließ.
Das Experiment, den Schwung von Endgame noch mal mitzunehmen und die dritte Phase locker ausklingen zu lassen, darf damit als geglückt gelten.
Und das auch künstlerisch. Denn Spider-Man: Far From Home, für den nach Homecoming erneut Jon Watts auf dem Regiestuhl Platz nahm, wurde vom Publikum und der Kritik mehr als wohlwollend aufgenommen.
Denn, ganz ehrlich: Peter Parker war neben seiner steigenden Verantwortung als Held eben immer auch ein Teenager. Und als Teenager hat man bisweilen auch mal andere Interessen, als ständig die Welt zu retten. Seine Beziehung zu MJ ist so ein Ding. Und gerade die Tatsache, dass der „Blip“ sämtliche Menschen in der einen oder anderen Form be- und getroffen hat, sorgt natürlich für Story-Elemente, die im Umfeld von Schülern/Teenagern für genug Verwirrung sorgen.

Wie man ein Superheldenkostüm durch den Zoll schmuggelt

Far From Home nähert sich dem Thema gewohnt (und betont) leicht. Ein kurzer TV-Ausschnitt einer Jugendnachrichten-Sendung klärt den Zuschauer kurz über die Verhältnisse auf und schon ist man drin, im Schulalltag an der Midtown High School. Und man ist drin, in der Zeit nach dem Sieg über Thanos.
Mit einigen Running Gags, die Bezug auf die gealterten Schulkollegen nehmen, kontert man humorvoll ein anderes Motiv: Den Tod von Peters Mentor Tony Stark.
Denn dieses Ereignis schwingt im Hintergrund dauerhaft mit – nicht nur in dem Moment, in dem Fury Peter die Brille des Iron Man aushändigen möchte.
Watts schafft es mit seinem zweiten MCU-Beitrag erneut, die Waage zwischen Coming-of-Age und Superheldenfilm, zwischen packender Action und Humor-Elementen zu halten. Und Tom Holland, der erneut in die Rolle des Spider-Man schlüpft, ist nach Tobey Maguire und Andrew Garfield ein weiterer Glücksgriff für den Part.
Während Maguire so gut war, weil er die schwierige Gratwanderung aus jugendlichem Heldentum und großer Verantwortung mit Tiefgründigkeit füllte, ist Holland zwar vermeintlich oberflächlicher, aber eben ein sehr zeitgemäßer Spider-Man. Und er ist ein sympathischer junger Kerl. Seine zurückhaltende bis schüchterne Annäherung an (die stark geschriebene und gespielte) MJ erzeugt beim Zuschauer das Ich-nehme-dich-an-die-Hand-Gefühl, während er sich auf der anderen Seite mit einer unnachahmlichen Unbekümmertheit in die großen Kämpfe gegen Schurken stürzt, weil sein Wesen trotz der Geschehnisse immer noch rein und ohne dunklen Fleck ist. Ein bisschen wirkt er damit so wie der frühe Captain America, dessen große Stärke ebenfalls die einwandfreie Moral gewesen war.

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Nick hätte gerne etwas von Parkers ungeteilter Aufmerksamkeit

Dass er in Spider-Man: Far From Home auch lernen muss, was es heißt, eine entsprechende Verantwortung zu übernehmen, hatte schon Maguire in der ersten Spider-Man-Trilogie erfahren. Und nun muss auch Hollands Peter Parker feststellen, dass Naivität und zu schnelles Vertrauen auch zu Konsequenzen führen kann.
Im Falle von Far From Home offenbart sich diese Konsequenz mit dem Storytwist nach knapp einer Stunde. Dieser kommt zwar für versierte Kinofans nicht sonderlich überraschend, bietet aber Anlass für eine großartige Performance von Jake Gyllenhaal. Der ansonsten eher für vielschichtige Rollen bekannte Schauspieler war immer schon mal ins Gespräch gebracht worden, wenn es um einen neuen Superhelden ging.
Hier darf er dann zeigen, dass auch Marvel-Filme von gutem Schauspiel profitieren können. Da sein Mysterio so etwas wie ein Schauspieler im Schauspiel ist, muss er genau auf dieser schmalen Linie zwischen Glaubwürdigkeit und Wahnsinn agieren und bekommt mit der Ansprache vor seinen Kollegen Gelegenheit, sein Können zu demonstrieren.
Gleichzeitig füttert der Film die Figur des Quentin Beck mit nachvollziehbarem Hintergrund und einer Portion Irrsinn – fürs MCU liefert das eine der denkwürdigeren Rollen.

Da kommt was Großes auf die Schulfreunde zu

Nicht unbedingt denkwürdig, aber sehr rasant und ziemlich gut getrickst sind die Actionszenen des Films. Auch wenn man praktisch bis zur Sequenz in Venedig warten muss, bevor man die erste große Show geliefert bekommt, machen die gigantischen Wasser- und (später) Feuerwesen richtig was her – auch optisch.
Und dass Spider-Man: Far From Home Venedig noch krasser in Schutt und Asche legt als es seinerzeit im Finale von Casino Royale der Fall war, hätte sich die italienische Wasserstadt wohl auch nicht gedacht.
Wirklich großartig choreografiert ist die Sequenz, in der Spider-Man gegen gefühlt 1000 Drohnen rund um die Tower Bridge kämpft – selbst im Marvel-Universum eine der herausragenderen Szenen.
Schwierig (für Europäer) ist es allerdings immer, wenn amerikanische Filme einen Trip auf den alten Kontinent unternehmen. Oft resultiert das in Folklore-Quatsch und dem, was sich die Amerikaner eben unter den niedlichen Gebräuchen der Europäer vorstellen. Das ist schon beim Lichterfest in Prag etwas peinlich, wird aber so richtig albern, wenn Parker in Holland über einen sichtlich gestellten kleinen Käsemarkt stolpert, den es so bei unseren direkten Nachbarn wohl nicht mal mehr in der kleinen Provinz Broek op Langedijk gibt.
Außerdem nervt auch hier wieder das Platzieren des immer gleichen Fahrzeugherstellers. In Sachen Product Placement sind die MCU-Filme wirklich ein unangenehmes Beispiel. Immerhin bekommen die Luxus-Schiffe des Autofabrikanten ein bisschen ihr Fett weg, wenn ihre Gurte nicht funktionieren und auch dem Zug von Peter nicht standhalten – übrigens auch eine Szene, in der das verschmitzte Schauspiel von Holland zur Geltung kommt.
Und wenn er bei der Auswahl eines neuen Anzugs zur Einstimmung auf das Finale während AC/DCs Back in Black Happy ein „ich liebe Led Zeppelin“ entgegen schmettert, ist das nicht nur ein augenzwinkernder Verweis auf seine unwissende Jugend, sondern schlägt die Brücke zur Intro-Szene des ersten Iron Man und damit zum ersten der 23 Filme, der drei MCU-Phasen. Viel runder kann man das nicht gestalten und abschließen – bis, ja bis im Mai 2020 mit Black Widow die Phase IV beginnt.

Spider-Man, ähm … Night Monkey in Prag

Bild- und Tonqualität BD

Mysterio scheint schlagfertig, mit seinen grünen Energiestrahlen

Ja, da ist es wieder, das äußerst glatt gebügelte und vollkommen rauschfreie Digitalbild, das die meisten der MCU-Filme auszeichnet. Auch Spider-Man: Far From Home hat diesen völlig cleanen Look, der kein Körnchen offenbart. Dazu ist die Blu-ray bis auf ein leichtes Banding im roten Marvel-Titelschriftzug jederzeit absolut souverän in der Farbdarstellung. Selbst wenn es mal sehr intensiv wird, wie im Falle von Neds Gesicht im Widerschein der Lichter auf dem Riesenrad in Prag. Genauso gut gelingen die kühleren Szenen, bspw. in Tante Mays Büro. Dort dominieren Grau- und Blautöne, die kontrastreich wiedergegeben werden. Schwarzwerte sind dabei richtig satt und präsent. Auch die Schärfe überzeugt, wenngleich die mehrheitlich sehr jungen Gesichter nicht sonderlich viele Details offenbaren. Ganz anders bspw. die Totale von Berlin, in der man nicht nur den Alex wunderbar erkennen kann, sondern vor allem die Einzelheiten der höheren Wohngebäude. Das Gleiche gilt für die Feinheiten auf Spider-Mans Anzug – vor allem, wenn das Ganze auch noch so famos ausgeleuchtet wird, wie im Finale (105’59). Insgesamt und ohne Zweifel ein absolut vorzügliches Blu-ray-Bild, das von der UHD erst einmal übertroffen werden muss.

Schulterschluss zwischen Superhelden

Akustisch lässt Sony für die Blu-ray von Spider-Man: Far From Home erst einmal nichts anbrennen. Mit verlustfreien dts-HD-Master-Spuren fürs Deutsche und Englische setzt es schon nach anderthalb Minuten einen Wahnsinns-Effekt, wenn Mysterio in einer grünen Wolke auf die Erde fällt, bevor ein mächtiger Bass-Sweep vom Auftauchen des Stein-Giganten zeugt. Sieht man davon ab, dass Whitney Houstons I Will Always Love You gruselig schwankend und viel zu verhallt rüberkommt (was aber auch daran liegen könnte, dass es zum Story-Element der Jugend-Nachrichten gehört), ist das ein dauerhaft hervorragender Tonsektor.
Und das wird spätestens deutlich, wenn nach zwanzig Minuten die Wasserfontäne emporschießt und der fluide Kollege im Anschluss halb Venedig auseinander nimmt. Was hier an Wucht und Surroundfeld-Aktivität erzeugt wird, ist schon klasse. Der Score hat da bisweilen ein paar Schwierigkeiten, ebenso dynamisch zu erscheinen.
Besser funktioniert das beim feurigen Auftritt des Giganten nach etwas über 50 Minuten. Dort bleibt der Score etwas souveräner, während teils brachiale Attacken das altehrwürdige Pflaster malträtieren. Schön, dass der Sound auch dann nicht versagt, wenn es direkt im Anschluss an die Actionfeuerwerke deutlich feinere und/oder isolierte Signale gibt. Nachdem die Gefahr auf dem Lichterfest in Prag beseitigt ist, lodern noch sachte die Flammen und auf dem Riesenrad knarzt es verächtlich von den Rears – ein klasse direktionaler Soundeffekt (55’39). Richtig großartig ist die spätere Stimme Becks, wenn er aus seinen Drohnen heraus ertönt und den Zuschauer komplett in seine Mitte nimmt (ab 78’02). Das klingt im Englischen zwar noch etwas intensiver und direkter, aber auch die Synchro macht das wirklich gut. Richtig fett wird’s übrigens noch mal, wenn nach 104 Minuten vehement an der Tür gepoltert wird, hinter der sich Happy und M verstecken. Vielleicht fehlt es ab und an noch etwas an Feindifferenzierung in den brachialen Actionszenen, dennoch hat man es hier mit zwei sehr guten Tonspuren zu tun.

Bild- und Tonqualität UHD

spider-man far from home 4k uhd blu-ray review szene 2
London ist in Gefahr

Spider-Man: Far From Home ist mit ARRI Alexa Minis und Red-Ranger-8K-Kameras aufgenommen wurden und lieferte an deren Ausgang 3.4K- und eben 8K-Auflösung. Leider erstellte man davon allerdings nur ein 2K-Digital-Intermediate, das für die UHD hochskaliert und um einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum sowie den beiden HDR-Formaten HDR10 und Dolby Vision ergänzt wurde.
Im laufenden Bild zeigt sich die UHD der Blu-ray praktisch ebenbürtig und bietet in den gut ausgeleuchteten Szenen einen dezent sichtbaren Vorsprung in Sachen Kontrastdynamik und Farbintensität. So kommt der rote Spider-Man-Anzug in der finalen Auseinandersetzung etwas kräftiger rüber und die Farbdifferenzierung gelingt noch eine Note feiner. Die Detaildarstellung wird nur in wenigen Szenen deutlich sichtbar besser – bspw. beim T-Shirt-Label des Holländischen Nationaltrikots, dessen XXL-Label man besser lesen kann als über die Blu-ray. Die Totale von Berlin wirkt auch etwas klarer umrissen, ohne dass hier aber Welten zwischen beiden Disks liegen.
Solange die Szenen tatsächlich hell sind, können auch sehr kontraststarke und farbige Szenen dem Bild nichts anhaben. Allerdings ist die dunkle und sehr rot ausgeleuchtete Szene, in der Peter in der Oper noch mal zu MJ und Brad schaut, dann doch etwas zu farbkräftig und überkontrastiert leicht. Auch das leichte Banding im roten Marvel-Schriftzug zu Beginn ist über die UHD noch zu erkennen. Ganz anders hingegen die prägnanteren Farben beim Feuer-Element-Giganten, die über die UHD zum HDR-Fest werden. Apropos HDR-Fest: Der UHD gelingen in den dunklen Szenen (Totale über Prag 49’50) die deutlich prägnanteren Spitzlichter. Die Intensität der Straßenlaternen und der Feuerwerkskörper brennt einem hier fast die Netzhaut weg, während die Blu-ray dagegen fast matt erscheint.

Blu-ray (16’06): (Slider ganz nach rechts): Ein schönes Beispiel für Kontrast- und Farbintensivierungs-Unterschiede zwischen der Blu-ray, die im Vergleich matter erscheint …

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … und der UHD, die kräftige Farben und Kontraste liefert, während sie gleichzeitig mehr Differenzierung in den Farben bietet.

HDR10 vs. Dolby Vision (16’06): (Slider ganz nach rechts): Dolby Vision setzt sich zwar nicht deutlich ab, intensiviert aber die Orangetöne nochmals etwas.

Blu-ray (75’57): (Slider ganz nach rechts): Berlin bleibt über die Blu-ray etwas trüber.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die UHD bietet die kräftigeren Farben, was den rost-roten Ziegeldächern genauso zugute kommt wie den mit farbigen Streifen und Dachabschlüssen versehenen Gebäuden der Holzmarktstraße 69, 73 und 75 (unten links).

Blu-ray (103’19): (Slider ganz nach rechts): Spideys roter Anzug wirkt schon über die Blu-ray kräftig.

UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Er strahlt aber über die UHD sichtbar stärker und intensiver.

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Kann Spidey die Drohnen aufhalten?

Ups, was ist hier passiert? Hat der Disney-Virus nun auch die Sony-Soundabmischungen erreicht? Wo sind Bass und Dynamik der dts-HD-Spuren geblieben? Bereits in der kurzen Eröffnung mit dem Element-Wesen fehlt es an der Vehemenz des LF-Kanals und das differenzierte maschinengewehrartige Abfeuern von Becks Energiestrahlen ist über den Sub plötzlich nur noch ein dezentes Wubbern.
Zunächst mal liegt das am deutlich geringeren Pegel, den man der Atmos-Spur von Spider-Man: Far From Home mitgegeben hat. Aber selbst bei einer deutlichen Anhebung der Lautstärke kommt man maximal an den Pegel, nicht aber an die Dynamik der dts-HD-Spuren heran. Zwar erreicht das nicht ganz das Drama der schlechtesten Disney-Atmos-Spuren, aber es ist einfach ärgerlich, wenn zudem die dts-HD-Spur der Blu-ray so gut ist.
Kümmern wir uns aber trotzdem auch darum, was die Höhen-Ebene dem Film akustisch hinzufügt. Erstmalig werden die Heights aktiv, wenn Beck aus dem Himmel anrauscht. Das nächste mal hört man dann die Anschnallzeichen und Durchsagen im Flugzeug oder später am Flughafen von Venedig von oben. Alles nicht sonderlich laut oder prägnant, aber mit klarer und sehr guter Kanaltrennung. Tritt das Wassermonster in Erscheinung setzt es ab Minute 20 immer wieder sehr dedizierte Signale aus der Höhe. Wasser spritzt aus den Speakern, das Heulen und Gröhlen des Kollegen ist zu hören und auch Schreie der Menschen von der Brücke – eine sehr aktive 3D-Sound-Sequenz. Nach knapp 40 Minuten braust dann die erste Drohne donnernd aus der Luft heran und das Feuerwerk nach 47’35 setzt eine echte Duftmarke auf die Heights. Natürlich geht’s dann auch beim Kampf mit dem Feuermonster sehr aktiv weiter, bei dem man auch mal die Stimmen von Beck hört, während er hinter der Kamera schwebt. Wenn sich in Berlin die Räume dann verändern, gibt’s auch coole Sounds und natürlich kommt Becks Stimme, die schon über die dts-HD-Masterspuren so prägnant aus den Drohnen zu hören ist, dediziert aus den Heights – einer der sensationellsten 3D-Sounds der letzten Monate, inklusive individueller Nutzung aller vier Höhen-Lautsprecher (ab 78’00). Aufgrund der Tatsache, dass der Film ansonsten eher spärlich mit Höhensignalen versorgt ist, ist das gemeinsam mit den ganz netten Sound im Finale wenigstens ein schöner Trost.
Für die Nicht-Originalton-Hörer bleibt indes alles beim (guten) Alten. Denn die UHD liefert die gleiche dts-HD-Master-Spur wie die Blu-ray.

Bonusmaterial

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Back @ Home

Das Bonusmaterial von Spider-Man: Far From Home liegt komplett auf der enthaltene Blu-ray vor. Neben einer Gag Reel sowie fünf entfallenen und alternativen Szenen gibt’s noch einen exklusiven Kurzfilm namens „Peter’s To-Do-Liste“, der zeigt, wie Peter letzte Besorgungen für den Europatrip macht und Geld für MJs Geschenk organisiert. Nebenbei hat er noch eine letzte Rettungsaktion in New York zu leisten.
Kern der Extras sind aber die zahlreichen Featurettes. Angefangen von den Stunts (viel, viel Wire-Work) über die Entwicklung, die Parker machen muss bis hin zu den Schauplätzen in Europa. Allerdings hätte man gerade bei Letzterem noch etwas mehr gewünscht als das doch eher oberflächliche Geplänkel, das hier zum Besten gegeben wird. In „Ginter-Riva-Effekt“ bekommen wir ein kurzes Featurette über Peter Billingsley, der seine Rolle aus dem ersten Iron Man erneut übernahm und „Versteckte Ostereier“ klärt über einige Details (unter anderem aus den Comics) auf, die man vielleicht während des Films verpasst hat – wie bspw. das BFP auf Parkers Koffer, das eine Referenz und Hommage an Peters Onkel Ben ist.

Fazit

Trotz der teils klischeehaften Schilderung der Eigenschaften Europas ist Spider-Man: Far From Home ein höchst unterhaltsamer, in Teilen großartig choreografierter Marvel-Film geworden. Holland und Gyllenhaal sind beide klasse und die Balance zwischen Coming-of-Age und Superheldenfilm funktioniert. Spannend dürfte sein, was sich die Drehbuchschreiber für die Fortführung der Story einfallen lassen, nachdem sie sie mit einem fiesen Cliffhanger in der Mid-Credit enden lassen und Sony dann doch noch eine Einigung mit Disney über die gemeinsame Zusammenarbeit gefunden hat.
Eine gewisse Melancholie macht sich bei Fans nicht nur breit, weil das Kapitel der Avengers vorerst (oder sogar endgültig) beendet scheint. Vielmehr ist Far From Home der erste Film ohne Cameo von Stan Lee – und das macht wahrlich traurig.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität BD: 90%
Bildqualität UHD: 90%

Tonqualität BD/UHD (dt. Fassung): 90%
Tonqualität BD (Originalversion): 90%

Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 80%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 60%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 85%

Bonusmaterial: 70%
Film: 80%

Anbieter: Sony Pictures Home Entertainment
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Jon Watts
Darsteller: Tom Holland, Zendaya, Jake Gyllenhaal, Marisa Tomei, Cobie Smulders, Samuel L. Jackson, Jon Favreau, Angourie Rice, Martin Starr, Numan Acar
Tonformate BD: dts-HD-Master 5.1: de, en
Tonformate UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): en // dts-HD-Master 5.1: de
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 129
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Nein (2K DI)
High Dynamic Range: HDR10, Dolby Vision
Maximale Lichtstärke: 9978
FSK: 12

(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots: © 2019 Columbia Pictures Industries, Inc. All Rights Reserved. | MARVEL and all related character names: © & ™ 2019 MARVEL.)

Trailer zu Spider-Man: Far From Home

Spider-Man: Far from Home – HD Trailer

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3 thoughts on “Spider-Man: Far From Home 4K UHD

  1. Avatar Rüdiger Petersen

    Habe die Blu-ray bereits im Regal stehen und bei dieser guten Bewertung freue ich mich natürlich wenn die Scheibe im Player liegt. Da ich den Film bereits im Kino gesehen habe weiß ich das er sehr gut ist.

  2. Avatar Mattes Möller

    Verstehe ich es richtig, dass die Originaltonspur der UHD der O-Ton Spur der BD hinterherhinkt?

    Und auch, dass das Bild der UHD nur marginal besser ist? Wenn beide Punkte zutreffen, sende ich wohl mein vorbestelltes UHD-Steelbook zurück. Ich finde das BD-Steelbook ohnehin optisch gelungener.

    Ansonsten wie immer eine tolle Review, vielen Dank und weiter so!

    • Hallo Mattes.
      Korrekt ist: Die englische Atmos-Fassung der UHD ist über die reguläre Ebene weniger dynamisch als die dts-HD-Master-Version der BD. Dafür hat sie mitunter sehr nette Atmos-Effekte.
      Die Bildqualität der UHD ist durchaus (nochmals) besser als jene der BD. Da die BD aber bereits sehr sehr gut ist, sind die Differenzen nicht so eklatant groß wie bei anderen Disks.

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