Star Trek: Picard – Ein Ausblick

Star Trek: Picard

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Und bei sehr großen Ereignissen sind die Schatten umso intensiver.
Wenn am 24. Januar 2020 die siebte Serie aus dem Star-Trek-Universum an den Start geht, könnte die Vorfreude bei den Trekkies kaum größer sein.
Denn mit Star Trek: Picard begibt sich das Franchise ein gutes Stück weit zu seinen Wurzeln.

Blu-ray-rezensionen.net wagt einen Ausblick auf das, was uns im jungen nächsten Jahr erwarten wird.

Machen sie’s so!

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Eigentlich glücklich auf den Weinbergen

Es muss in etwa das Jahr 1988 gewesen sein, als der noch relativ junge Autor dieses Textes mit einer Serie in Berührung kam, die ihn langfristig geprägt hat. Lange bevor einer der öffentlich-rechtlichen und (später) privaten Sender die Ausstrahlung übernahm, enterten die ersten Folgen von Star Trek: The Next Generation die Videotheken. Damals, na klar, noch als VHS-Kassetten.
Vermutlich waren zwei Folgen auf jedem Tape und die wehrte Frau Mama lieh seinerzeit drei oder vier Kassetten aus.
Definitiv begann es mit der ersten (Doppel)Folge: Der Mächtige/Mission Farpoint.
Und damit war auch gleich einer der immer wiederkehrenden Bösewichte mit am Start: Q.
Was mich aber seinerzeit fesselte, war dieser glatzköpfige, so besonnen und weise agierende und stets die Ruhe und Übersicht bewahrende Kapitän.
Ohne dass ich zuvor je eine Folge der Klassik-Serie gesehen hatte, ist aus heutiger Sicht der Wandel vom Schürzenjäger-Cpt.-Kirk zum distinguierten und jederzeit die guten Manieren bewahrenden Jean-Luc Picard der schlauste Schritt gewesen, um TNG (wie die Serie unter Fans nur heißt) eigenständig werden zu lassen.
Patrick Stewart, der verdiente britische Theater-Darsteller, hatte bis zu seinem Einsatz als Käpt’n auf der Brücke zwar schon in einigen größeren Produktionen mitgespielt (bspw. als Gurney Halleck in Lynchs Der Wüstenplanet), sollte aber als Picard den endgültigen Durchbruch erzielen, der ihn zu einem der beliebtesten Darsteller überhaupt werden ließ.

Tee, Early Grey, heiß

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Picard trägt seine Vermutungen dem Kommando vor

178 Folgen über sieben Staffeln führte Jean-Luc Picard seine Mannschaft durch die unendlichen Weiten des Weltraums. Dazu kamen 1994, ’96, ’98 und 2002 die vier Kinofilme, die das Universum nach dem Ende der TV-Serie noch erweiterten und das Franchise auch finanziell in neue Regionen führte. Während das Kino im Anschluss daran noch sieben Jahre warten musste, um mit einem Reboot neue Abenteuer mit Kirk & Co. auf einer anderen Zeitlinie zu erleben, führte ab 1993 das Team von der Raumstation Deep Space Nine die Geschichte der Föderation weiter. Zunächst als „Dallas im Weltall“ und Soap Opera verspottet, brauchten die Damen und Herren um Captain Benjamin Sisko ein paar Staffeln, um die Story zu intensivieren. Und was zunächst nicht ernst genommen wurde, bot in den letzten vier Staffeln die bis dato komplexeste Rahmenhandlung mit äußerst intensiven Actionszenen bei den immer zahlreicher werdenden Auseinandersetzungen mit den Feinden der Föderation.
Früher als erwartet startete dann bereits nach zwei Staffeln DS9 mit Star Trek: Voyager die insgesamt vierte Realserie aus dem Universum. Manche vermuteten, weil die Fan-Reaktionen auf die ersten Staffeln Deep Space Nine so durchwachsen waren und man wieder eine echte Raumschiffserie bringen wollte.

Die Zeitlinie(n) des Star-Trek-Universums aufgeschlüsselt im Audible-Magazin (Bildrechte: © 2019 Audible-Magazin)

Erst nach dem Ende der Voyager schickte man dann Star Trek: Enterprise ins Rennen, die zeitlich weit vor der klassischen Serie spielte und bei der die Vulkanier den Menschen noch sehr skeptisch gegenüber standen.Gut zwölf Jahre sollte es nach dem Ende der vierten Staffel von Enterprise dauern, bevor 2017 auf dem Streamingsender Netflix mit Star Trek: Discovery das Serien-Universum den sechsten Ableger bekam – zwölf Jahre unserer Zeit, aber im Rahmen der Sternzeit kurz vor der klassischen Serie angesiedelt.
Wer kein eingefleischter Trekkie ist, der kann da schon mal durcheinander kommen, wann welche Serie spielt und wo noch dazu die jüngsten drei Kinofilme einzuordnen sind, die auf einer parallelen Zeitlinie (Kelvin-Timeline) spielen. Eine hervorragende Übersicht (inkl. aller Hörbuchreihen und Animations-Serien) dazu findet ihr bei den Kollegen vom Audible-Magazin: Endlich Ordnung im Star-Trek-Universum.
Die Übersicht zeigt auch, dass Star Trek: Picard zeitlich noch einmal 29 Jahre nach dem Ende von TNG angesiedelt ist.

Es sind die Legenden, die das Universum interessant machen

Besuch bei einem alten Freund

Das Erstaunliche an Star Trek: Picard ist, dass man es tatsächlich geschafft hat, Patrick Stewart noch einmal schmackhaft zu machen, sich das Leibchen der Föderation anzuziehen und an Bord eines Raumschiffs zu gehen. Als man ihm aber die Storyidee vorlegte, die Picard vor allem von der Zerstörung Romulus‘ (vgl. Star Trek) sowie dem Tod Datas in Star Trek: Nemesis beeinflusst porträtieren wird, sah Stewart offensichtlich genügend Potenzial für einen neuen Ansatz der Rolle.
Natürlich ist aber alleine schon eine spannende Ausgangssituation, dass Jean-Luc gut 15 Jahre nach dem Eintritt in den Ruhestand noch einmal aktiv wird.
Nach dem ersten Teaser, der lediglich Picard selbst auf seinem Weingut zeigte, veröffentlichte man im Oktober 2019 den offiziellen Trailer. Die knapp drei Minuten entfachten bei den Fans eine ungeahnte und durchweg positive Erwartungshaltung. Trotzdem Discovery auf Netflix derzeit mit guten Klickzahlen läuft und demnächst in die dritte Staffel geht, scheint es so, dass die Fangemeinde an Picard hängt wie an keinem Zweiten.
Dass in den beiden bisher veröffentlichten Trailern auch noch Date, Riker, Deanna Troi und vor allem Seven of Nine zu sehen sind, ließ die Stimmung noch einmal überschwenglicher werden. Wobei relativ sicher davon ausgegangen werden kann, dass diese innerhalb der Serie nur kurze Auftritte haben werden.

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Weiß Seven of Nine mehr?

Inhaltlich hält man sich bisher sehr bedeckt und muss sich die Informationen aus den Trailern und den darin gesprochenen Sätzen zusammen sammeln. So wird Picard auf seinen Weinbergen von einer mysteriösen jungen Frau namens Dahj besucht, die um seine Hilfe bittet, weil sie von einer großen Bedrohung weiß. Gerüchten zufolge könnte es sich bei Dahj um ein Wesen mit Menschen- und Borg-Genen handeln. Andere sprechen von einer möglichen Borg-Queen, die aus dem Kollektiv verbannt wurde.
Sollte sie eine Verbindung zu den Maschinen-Menschen haben, wäre alleine das schon Anlass genug, Picards Neugier zu wecken – immerhin war er selbst mal für eine kurze Zeit mit deren Kollektiv verbunden.
Der Trailer gibt zu verstehen, dass er mit Leidenschaft bei der Sache ist, als er sich darum bemüht, eine Mission zur Ergründung der drohenden Gefahr einzuleiten.
Gleichzeitig wird Star Trek: Picard auch eine stärker individualpsychologische Serie werden. Der Off-Kommentar innerhalb des Teasers vom Mai 2019 erzählt davon, wie Picard die Sternenflotte 15 Jahre zuvor aus der Dunkelheit führte und die „größte Rettungsaktion der Geschichte“ leitete, bevor das „Unvorstellbare“ passierte. Die Stimme stellt die Frage, was Picard dies gekostet habe und wie es um seinen Glauben bestellt sei. Den Glauben in die Menschen und in sich selbst.
Da die Antwort der Sternenflotte auf Picards Anfrage nach einer Aufklärungsmission offenbar abgeschmettert wird, darf spekuliert werden, ob die Aufnahmen der Crew, die sich zusammen findet und ihre Hilfe anbietet, darauf deuten lassen, dass Picard auf eigene Faust agieren wird. Und das könnte wiederum auch ein Indiz dafür sein, dass er endlich gewisse Dämonen austreiben will, die seit diesem „Ereignis“ von vor 15 Jahren in ihm wohnen und ihm keine Ruhe lassen.

Ausblick

Mit Star Trek: Picard dürfte Anbieter Amazon Prime das bisher heißeste Eisen seit der Fortführung des Original-Teams von Top Gear im Feuer haben. Dem Streamingdienst des Versandhandel-Giganten wird’s Recht sein, wenn er dadurch neue Abonnenten bekommt. Und Trekkies auf der ganzen Welt dürften den 23./24. Januar als Star-Trek-Tag mit fettem roten Stift im Kalender markieren.
Timo Wolters


Anbieter: Amazon Prime
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Douglas Aarniokoski, Jonathan Frakes u.a.
Darsteller: Patrick Stewart, Santiago Cabrera, Isa Briones, Michelle Hurd, Alison Pill, Brent Spiner, Jerry Ryan, Jonathan Frakes, Marina Sirtis

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter ©2019 CBS Interactive, Inc. All Rights Reserved. / Amazon Prime Video)

Trailer zu Star Trek: Picard

Star Trek Picard | Offizieller Trailer | PRIME Video

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2 thoughts on “Star Trek: Picard – Ein Ausblick

  1. Avatar JohnWick

    Wenn schon Amazon Prime, dann bitte:
    „Preacher ,Future Man, Sneaky Pete, Mr.Robot oder The Boys.“
    Alles wesentlich besser als dieser Star Trek Mist !

    • Avatar Rüdiger Petersen

      Ist halt Geschmackssache.

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