Stillwater – Gegen jeden Verdacht

Blu-ray Review

Universal Pictures, 20.01.2022

OT: Stillwater

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Frieden finden

Matt Damon in ungewohnter Rolle.

Inhalt

Bills Tochter sitzt seit Jahren in Frankreich ein

Bill ist ein stiller Typ. Einer, der sein Leben lang geschuftet hat, um irgendwie über die Runden zu kommen. Einer, der anpackt, wenn man ihn denn lässt. Oft genug haben ihn die Arbeitgeber schon vor die Tür gesetzt, weil einfach keine Arbeit mehr da war. Als aufrechter Amerikaner hilft er deshalb auch schon mal, Tornadoschäden zu beseitigen. Doch die wahre Herausforderung wartet nicht in einem Job, sondern im privaten Bereich. Bills Tochter Allison sitzt seit fünf Jahren in einem Gefängnis in Frankreich. Angeblich hat sie sich des Mordes an ihrer Mitstudentin und Affäre Lina verantwortlich gemacht. Als Bill mal wieder nach Frankreich reist, um seine Tochter zu sehen, drückt diese ihm einen Brief in die Hand. Mit dem Geschriebenen soll er eine Anwältin aufsuchen, da scheinbar vor Kurzem ein Junge auf einer Party sich mit dem Mord an Lina gebrüstet hat. Die Rechtsanwältin lehnt ein Aufrollen des Falles jedoch ab, da es lediglich Gerüchte seien. Privatdetektive kann sich Bill nicht leisten, weshalb er auf eigene Faust Nachforschungen anstellt. Dass ihn dies an die Grenzen bringen wird – zumal er Allison gegenüber angegeben hat, die Anwältin würde sich ihres Falles noch mal annehmen – kann Bill nicht vorausahnen …

Die Treffen zwischen Tochter und Vater sind nie einfach

Erinnert sich noch jemand an den Fall Amanda Knox? Die US-amerikanische Studentin saß von November 2007 bis 2011 in einem italienischen Gefängnis, nachdem man sie und ihren Freund Raffaele Sollecito der Mittäterschaft an der Ermordung der britischen Austauschstudentin Meredith Kercher beschuldigte. 2009 zunächst zu 26 Jahren Haft verurteilt, entließ man sie 2011 nach einem Berufungsverfahren. Nach einer Wiederaufnahme und erneuter Verurteilung zu 28,5 Jahren Haft im Jahre 2013, wurde der Schuldspruch zwei Jahre später in letzter Instanz wieder aufgehoben. Medial wurde die Geschichte weltweit mit größter Aufmerksamkeit verfolgt und fürs Kino stand die Geschichte schon diverse Male Pate – beispielsweise für Ruggero Deodatos Ballad in Blood oder Michael Winterbottoms Die Augen des Engels. Nun hat sich auch Tom McCarthy (Regie und Drehbuch für meinen ewigen Favoriten Station Agent) am wahren Hintergrund bedient, um eine fiktive Geschichte darauf aufzubauen. Und zwar eine, die sich nicht um die Schuld oder Unschuld der jungen Studentin dreht, sondern um einen Vater, der nach zahlreichen Rückschlägen wieder versucht, sein Leben in den Griff zu bekommen.

Bill ist in Frankreich nicht selten der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen

Stillwater ist dabei einer dieser Filme, die es schon nach drei Minuten schaffen, den Zuschauer auf eine bestimmte Weise zu berühren – jedenfalls denjenigen, der eine gewisse grundmelancholische Stimmung zu schätzen weiß und darauf anspricht. Die Kamera beobachtet eher als dass sie kommentiert und der von akustischen Gitarrenklängen dominierte Score trifft mitten ins Herz. Dazu die zurückgenommene Darstellung des Bill durch einen (sichtlich gewichtigeren) Matt Damon, der seiner Rolle eine spürbare Schwere verleiht. Nach und nach bekommen wir Einblicke in das Wesen dieses Bill. Erfahren, warum er und seine Tochter nicht den besten Draht haben und welches Schicksal über der Familie liegt. Einige dieser Details offenbaren sich, wenn Bill mit der Theaterschauspielerin Virginie unterwegs ist. Virginie hilft dem Amerikaner immer wieder als Dolmetscherin und muss sich dabei durchaus auch schroffe Kommentare von Bill anhören – offenbar hat dessen Vergangenheit so viele Narben hinterlassen, dass ihm sozialer Kontakt alles andere als leicht fällt. Natürlich ändert sich das im Laufe des Films, bzw. ändert sich Bill. Im Kontakt zu Virginies Tochter Maya findet er die Möglichkeit, Versäumtes nachzuholen und ein wenig Selbstvergebung zu finden.

Virginie hilft Bill

Ein wenig europäisches Flair und damit auch eine gewisse Atmosphäre versprüht Stillwater durch seinen Schauplatz Marseille. Thematisch angepasst zeigt der Film hier auch nicht die schönsten Touristengegenden, sondern jene, in die man als Besucher klassischerweise nicht gehen würde. Eine zusätzliche Dynamik entsteht dabei aus dem Aufgreifen sozialpolitischer Befindlichkeiten. So ist Virginies Freundin nicht nur daran interessiert, ob Bill Trump gewählt habe, sondern begegnet das Duo aus liberaler französischer Schauspielerin und grobschlächtigem US-Ölarbeiter auch innerhalb Marseilles immer wieder Vorbehalten gegenüber Zuwanderern. Dass es da zwangsläufig zu Konflikten kommt, liegt auf der Hand.
Was man Stillwater ein wenig vorwerfen könnte, ist seine Zweigeteiltheit. Während die Rahmenstory das erste und letzte Viertel bestimmt, liegt die eigentliche Stärke des Films im langen Mittelteilt. Dort, wo Bill nach und nach mehr von sich und seiner Vergangenheit preisgibt und wo er die Chance nutzt, seinen früheren Verfehlungen ein gewisses egalisierendes Moment gegenüber zu stellen. Die Verbindung zwischen ihm, dem wenig feinsinnigen “Anpacker” und der feingliedrigen Künstlerin Virginie funktioniert inhaltlich und darstellerisch – entgegen der Vermutung, dass eine solche Konstellation auch hätte Schiffbruch erleiden können. Ändert Stillwater dann zum Finale hin noch mal die Stimmung, ist irgendwie zu viel Zufall und Genrekonvention drin. Weder Bill noch der Film kommen an dieser Stelle glaubwürdig rüber. Abseits davon ist Stillwater durch seine zurückgenommene Regie, die tiefgründige Figurenzeichnung, das tolle Spiel von Damon und Virginie-Darstellerin Camille Cottin sowie einen grandiosen Schlusssatz ein echtes Highlight im Drama-Fach.

Preis: 14,99 €
(Stand von: 2022/01/25 2:34 pm - Details
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Format: Blu-ray
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Erscheinungstermin: Thu, 20 Jan 2022
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Bild- und Tonqualität

Ein Tag wie kein anderer

Stillwater wurde mit Kameras vom Typ ARRI Alexa Mini LF und ARRI Alexa Mini aufgenommen. Die Auflösung lag in 3.4K und 4.5K vor, was über ein 4K-Digital-Intermediate auf die Disk gemastert wurde. Wir haben es also mit einem (fast) nativen 4K-Prozess zu tun, auf dem die Blu-ray basiert. Die Scheibe schlägt sich in der Praxis dann auch recht gut. Die Bildruhe ist selbst in dunkleren Momenten sehr gut und bis auf vorhandene, objektivbedingte Randunschärfen ist die Auflösung ebenfalls gut, auch wenn nicht das letzte Quäntchen an Schärfe herausgeholt wird. Um dem Film eine gewisse Stimmung zu verpassen, hat man sich dazu entschlossen, nachträglich einen relativ deutlichen Gelbfilter über das Geschehen zu legen. Das wirkt zwar insgesamt ein bisschen kränklich, intensiviert aber durchaus die melancholische Schwere, die über dem Geschehen liegt.
Nicht unüblich ist es, dass Universal bei den “kleineren” Titeln schon mal lediglich eine komprimierte DTS-Spur fürs Deutsche integriert, während der O-Ton bei Stillwater in DTS HD Master Audio vorliegt. Hörbar dynamischer ist die englische Fassung nicht, zumal der dialogzentrierte Film wahrlich keine großen Lautstärkesprünge vollzieht. Richtig räumlich wird’s erstmalig nach 94 Minuten, wenn das Geschehen ins Fußballstadion wechselt und die Fans lautstark aus allen Speakern zu hören sind. Allerdings klingt das dann weder über die Synchro noch über den O-Ton sonderlich authentisch. Die Filmmusik, die nach 96 Minuten für etwas Dramatik sorgt, ist da angenehmer auf die Rears verteilt. Dialoge und Stimmen bleiben indes stets sauber auf dem Center und sorgen für eine sehr gute Sprachverständlichkeit.

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Bonusmaterial

Drei Featurettes hält das Bonusmaterial bereit. Beginnend mit “Eine Alchemie der Sichtweisen”, das sich grundsätzlich um die Geschichte und die Besetzung kümmert. Das zweite Hintergrundmaterial kümmert sich um den Drehort in Marseille und ist beinahe eine Liebeserklärung an die Stadt. Das Letzte wiederum portraitiert die Arbeit von Regisseur McCarthy etwas mehr. Insgesamt kommt hier allerdings nur eine Laufzeit von etwas über zehn Minuten zustande.

Fazit

Tom McCarthy ist ein Ausnahme-Regisseur im hollywood’schen Einerlei. Das beweist er auch mit Stillwater. Selbst wenn die düstere Aktion zum Schluss nicht richtig rund wirkt, bleibt ein bewegender, manchmal schmerzhaft ehrlicher und wirklich toll gespielter Film über einen Mann, der viel Schuld auf seine Schultern genommen hat und am Ende nur eine Teilerlösung erfährt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 40%
Film: 80%

Anbieter: Universal Pictures
Land/Jahr: USA 2019
Regie: Tom McCarthy
Darsteller: Matt Damon, Abigail Breslin, Camille Cottin, Deanna Dunagan, Lilou Siauvaud, Anne Le Ny
Tonformate: dts: de // dts HD-Master 5.1: en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 139
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures)
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Trailer zu Stillwater

Stillwater - Official Trailer (Universal Pictures)


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Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:

Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild”verbesserern” zu verfälschen.

2 thoughts on “Stillwater – Gegen jeden Verdacht

  1. Rüdiger Petersen

    Gibt es die Scheibe nicht in 4k ? Bei Prime habe ich mir den 4k Stream zugelegt was dann wohl mal wieder eine Mogelpackung sein dürfte. Werde mir den Film erst am Wochenende anschauen. Aber die Bewertung der BD liest sich ja ganz gut und da wird der sogenannte 4k Stream Dementsprechend auch gut aussehen……..so hoffe ich mal.

    • Hallo Rüdiger.
      Die physische Disk ist hierzulande nicht als 4K-Scheibe erhältlich.

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