Suicide Kings

Blu-ray Review

Turbine Medien, 21.02.2020

OT: Suicide Kings

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Dark Side of the Moon

Herzlichen Glückwunsch, Turbine Medien!

Inhalt

Ein toller Plan

Was für eine geniale Idee – oder auch nicht:
Weil Elise, die Schwester von Avery, entführt wurde, nehmen er und seine drei Yuppie-Freunde den Ex-Mafioso Carlo Bartolucci  als Geisel. Nicht, dass der etwas mit dem Kidnapping von Elise zutun hätte, vermuten die Jungs, dass Carlo noch über reichhaltig Kontakte und Einfluss verfügt, um eine Freilassung der Schwester zu bewirken. Der Ex-Gangster und nun Geschäftsmann staunt nicht schlecht, als die Jungs ihm zur Verdeutlichung ihrer Absichten sogar einen Finger abschneiden – verbunden mit der Drohung, jedes Leid, das Elise widerfährt, auch ihm zuzufügen. Kaum eine Wahl habend knüpft Carlo Kontakte und bekommt Informationen heraus. Was ihn allerdings nicht davon abhält, mit seinen Entführern ein kleines Katz-und-Maus-Spiel zu beginnen. Denn eins ist klar: Einen Ex-Mafia-Mann sollte man nicht unterschätzen. Und schon gar nicht kidnappen …

Dabei hatte er den Ring doch erst einmal abgenommen

Ursprünglich schon im Juli 2019 als einer von 15 Titeln angekündigt, die das deutsche Label Turbine Medien zum 15. Jubiläum veröffentlichen wollte, hat es doch noch ein wenig gedauert, bis der unterschätzte 1997er Genrefilm das Licht der Welt erblickt. Nun allerdings ist es soweit – und das als weltweite Premiere auf Blu-ray.
Fans der Frühwerke von Quentin Tarantino wird’s freuen, denn Suicide Kings nimmt zweifelsohne Bezug auf Pulp Fiction. Die auf der Kurzgeschichte Tho Hostage von Don Stanford basierende (und von Alfred Hitchcock später herausgegebene) Geschichte liefert zahlreiche Winkelzüge und überraschende Wendungen. Die in mehreren parallelen Erzählsträngen verfolgte Story bemüht sich dabei um eine lockere Coolness, die man aus Tarantinos Werken kennt.
Der damalige TV-Filmemacher und Langfilm-Debütant Peter O’Fallon kommt an die Geschmeidigkeit seines Vorbilds allerdings nicht heran. Zu unausgegoren ist das Drehbuch, zu hektisch die Figuren und zu dünn deren Profil.
Wohl auch ein Grund, warum der Film in Kino seinerzeit mit nicht einmal zwei Mio. Dollar Einspiel bei (eigentlich geringen) vier Mio. Dollar Produktionskosten ordentlich floppte.
Doch wie es so einigen Genrewerken gewesen ist, so entwickelte sich auch für Suicide Kings ein kleiner Kult durch die spätere Heimvideo-Veröffentlichung.

Christopher Walken spielt auch an einen Stuhl geklebt wirklich fesselnd (Sorry für den billigen Wortwitz)

Und das nicht zu Unrecht. Denn die Grundprämisse ist originell, das kammerspielartige Szenario sorgt für Spannung und die Besetzung ist aller Ehren wert. Gerade aus heutiger Sicht betrachtet gibt’s eine Menge zu entdecken. Von Sean Patrick Flannery, der zwei Jahres später als Connor MacManus in Der blutige Pfad Gottes zu echten Kultehren kam, über Jeremy Sisto, der durch Serien wie Kidnapped oder Law & Order bekannt wurde, bis hin zu Johnny Galecki, der als Leonard Hofstadter in Big Bang Theory zu einem Weltstar wurde. Gemeinsam mit Henry „E.T. – der Außerirdische“ Thomas und Saturday-Nightlife-Entertainer Jay Mohr bilden sie ein Quintett von Jungstars, die als Yuppies perfekt besetzt sind.
Natürlich haben sie schauspielerisch aber einen schweren Stand gegen einen energischen Christopher Walken, der die Fünf auch noch an einen Ledersessel gefesselt an die Wand spielt. Ohnehin: Was ist das für eine großartige und herausfordernde Rolle für den passionierten Tänzer. Während der 30 Drehtage praktisch komplett mit Gaffa-Tape an einen Stuhl geklebt sein und nur auf Mimik und körperliche Ausbrüche zurückgeworfen zu sein – das hätte auch nicht jeder so überzeugend geschaft wie Mr. Walken. Besonders grandios ist aber dennoch eine Szene, in der er nicht fixiert ist: Während eines später in Suicide Kings gezeigten Rückblicks in sein Gangsterleben darf er mit langer Mähne ein paar coole Dance-Moves zeigen und kurz darauf als Killer fungieren.
Tatsächlich ist Suicide Kings zwischendurch ziemlich ruppig, was vor allem an der von Dennis Leary sarkastisch-bösen Figur des Lono Veccio liegt. Der Bodyguard von Bartolucci pflügt sich seinen Weg auf der Such nach seinem Boss durchaus auf blutige Weise. Wobei auch hier die eine oder andere Szene obsolet und für den Film unerheblich ist.
Resümierend zeigt sich, dass O’Fallon den Vergleich mit Tarantino nicht standhalten kann. Vielleicht sollte man Suicide Kings aber auch nicht zwingend unter diesem Aspekt schauen. Wer sich davon freimachen kann, bekommt 105 kurzweilige und gar nicht mal unoriginelle Minuten mit einem tollen Walken und vielen bekannten Gesichtern.

Lono erledigt die Drecksarbeit

Bild- und Tonqualität

Noch weiß Bartulocci nichts von seinem Schicksal

Für die Weltpremiere auf Blu-ray hat man Suicide Kings einer aufmerksamen Digitalisierung unterzogen. Der seinerzeit mit Panavision-Kameras analog auf 35mm gedrehte Genrefilm kommt weitgehend ohne Fehler oder Verschmutzungen aus. Hier und da gibt’s mal ein kleines schwarzes Pünktchen oder auch mal einen hellen Blitzer. Allerdings bleibt das die Ausnahme. Die ursprüngliche Körnung wurde weitgehend erhalten, wirkt hier und da aber etwas verwaschen. Während Close-ups im späteren Verlauf durchaus eine ansprechende Schärfe liefern und Walkens Fältchen offenbaren, wirken Halbtotale sowie viele Szenen zu Beginn etwas weicher (5’26). Hauttöne kommen etwas rötlich rüber, was aber ganz gut zum 90er-Jahre-Look passt, der sich an damalige TV-Produktionen anlehnt. Hauptproblem der Blu-ray sind absaufende Details im Schwarz. Selbst Schattenseiten von Gesichtern bleiben fast vollständig dunkel und zeigen keine Einzelheiten mehr. In den düsteren Nachtszenen sieht man bisweilen nur noch ausgeleuchtete Gesichter und ansonsten nichts. Auch auf dunklen Anzügen werden keine Details mehr sichtbar.
Suicide Kings kommt neben einer 2.0-Surround-Spur auch mit einem 5.1 dts-HD-Master-Sound. Letzteren hat man in den Actionszenen (wie nach gut zehn Minuten) durchaus räumlich aufgefächert. Die Tunnel-Unfallsequenz liefert authentischen Hall, quietschende Reifen aus allen Speakern und sogar ein wenig Druck. Echte Dynamik fehlt allerdings. Etwas mehr davon gibt’s über die Originalspur, die hier dynamischer zu Werke geht.
Da das im Prinzip die einzige Actionszene ist, konzentriert sich der Ton im Anschluss aber ohnehin auf die Wiedergabe der Dialoge. Hier kann man der Abmischung nur wenig vorwerfen, auch wenn sie ein bisschen muffiger klingt als die Originalfassung.

Bonusmaterial

Der Ex-Gangster lässt seine Kontakte spielen

Für die Blu-ray scheute man seitens Turbine Medien keinen Aufwand. Neben dem schicken Mediabook, das ein 20-seitiges Booklet von Filmwissenschaftler Stefan Jung enthält, gibt’s neu produzierte Interviews mit Regisseur Peter O’Fallon, Drehbuchautor Wayne Allen Rice, Kameramann Christopher Baffa und Cutter Chris Peppe. Über eine Gesamtlaufzeit von rund 110 Minuten sinnieren die Beteiligten über die komplizierten Drehumstände, das Casting, die Darsteller und die Locations. Außerdem warten die zu damaligen Testvorführungen angefertigten drei alternativen Enden, von denen letztlich aufgrund der Zuschauerreaktionen jenes genommen wurde, das man im fertigen Film zu Gesicht bekommt. Regisseur O’Fallon leitet diese Enden ein und kommentiert sie. Zusätzlich addierte man noch ein Sounddesign-Feature, diverse Trailer und einen kurzen Storyboard-Film-Vergleich. Der untertitelte Audiokommentar von O’Fallon und Allan Rice rundet das reichhaltige Angebot ab.

Fazit

Suicide Kings will vielleicht ein bisschen zu viel Tarantino sein und wirkt dadurch etwas verkrampfter. Die eigentlich originelle Story hätte einfach konsequenter und vielleicht etwas böser sein dürfen. Dafür überzeugen die Darsteller und das Setting ist schon irgendwie cool
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 90%
Film: 60%

Anbieter: Turbine Medien
Land/Jahr: USA 1997
Regie: Peter O’Fallon
Darsteller: Christopher Walken, Denis Leary, Henry Thomas, Sean Patrick Flanery, Jay Mohr,, Jeremy Sisto,, Johnny Galecki, Laura San Giacomo
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en // dts HD-Master-Audio 2.0 Surround: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Turbine Medien)

Trailer zu Suicide Kings

Suicide Kings (Blu-ray Trailer)
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