Sweet Virginia

Blu-ray Review

Sweet Virginia Blu-ray Review Cover
EuroVideo, 25.01.2018

OT: Sweet Virginia

 


Zimmer #125

Ebenso intensiv gefilmter wie gespielter Psycho-Thriller mit grandiosen Darstellern.

Inhalt

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Sam ist der Betreiber des Motels

Der unbekannte Kerl, der soeben in einer Bar drei Männer getötet hat, ist mit seinem Job noch nicht ganz fertig. Man, bzw. Frau hat ihn noch nicht bezahlt und so wartet er darauf in der Kleinstadt irgendwo in Alaska. Er mietet sich in einem Motel ein und freundet sich langsam mit dem Betreiber, Ex-Bullenreiter Sam Abbott an. Sam weiß natürlich nichts von den Taten des Killers, kennt aber die Auftraggeberin. Die wiederum ist entsetzt darüber, dass gleich mehrere Beteiligte den Tod fanden – hatte sie doch nur die Ermordung ihres Gatten angeleiert. Und da kommt es kaum gelegen, dass ein „Kollateral“-Toter auch zu ihr eine Beziehung hatte. Stellt sich die Frage, ob sie nun noch Willens ist, für die „Arbeit“ zu bezahlen …

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Elwood hat gerade drei Männer getötet …

Verdammt, fängt das Ding düster an. Da kommt ein Typ in eine Bar, liefert sich einen kurzen Diskurs mit dem Betreiber, geht wieder raus und bringt die drei anwesenden Gäste mit acht gezielten Schüssen um, nachdem er erneut den Raum betritt. Dazu gibt’s schwere Violinen-Musik und dunkle, körnige Bilder. Was Sweet Virginia in den ersten zehn Minuten abliefert ist aber nur ein Vorgeschmack auf einen Film, dessen Drehbuch lange zu denen gehörte, die als genial abgestempelt waren, aber dennoch keine Produzenten fand. Auf dieser so genannten „Blacklist“ schlummerten zuletzt allerdings so einige Geschichten, die dann doch nicht sonderlich fesselnd verfilmt wurden. Jamie M. Dagg, der schon mit Mekong Rush überzeugen konnte, macht’s besser. Und das gilt schon für die Besetzung. Jon Bernthal, der seit The Walking Dead immer wieder in Nebenrollen Großes leistet und aktuell erfolgreich Marvel’s Punisher bei Netflix gibt, ist in der Hauptrolle perfekt besetzt. Mit langem Bart und unerschütterlichem Gemüt sorgt er für einen emotionalen Ankerpunkt in diesem wirklich dunkel gestimmten Psychothriller. Wer den Schauspieler bei TWD noch nicht mochte, der wird ihn dennoch vielleicht beobachtet haben und mittlerweile feststellen müssen, dass er zu den besten seiner Generation gehört und gerade die tiefgründigen und kaputten Charaktere beherrscht. Imogen Poots (Need for Speed) als Auftragsgeberin wandelt auf dem Grat von Verzweiflung und Wut und Christopher Abbott als Killer hat diesen leichten Wahnsinn in seinen Augen.

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… und will jetzt seine Kohle von der Auftraggeberin …

Dazu bildet das kühle Ambiente der kargen Gegend von Alaska den Rahmen und die ebenso spärliche wie düstere Filmmusik unterlegt das Geschehen kongenial. Die Konzentration auf die Entwicklung der Charaktere ist schon lange nicht mehr so intensiv gewesen. Allerdings muss man Freund davon sein, dass sich ein Film dafür Zeit nimmt. Denn rasant ist so ziemlich alles, nur keine zutreffende Beschreibung für Sweet Virginia. Das Grauen und der Thrill entwickeln sich schleichend und aus den Beziehungen der Figuren zueinander. Nach und nach entblättert der Film seine Fakten, die durchaus für Überraschungen sorgen und klar machen, in welche Lage sich gerade Lila manövriert hat. Interessanterweise braucht es dafür nicht viele Dialoge. Man taucht dennoch in die Gefühlswelt der Charaktere ein. Charaktere, die allesamt nicht gerade vom Leben begünstigt wurden und das eine oder andere Päckchen zu tragen haben. Antagonist Elwood bildet dazu den Gegenpol, wenn sich seine Aggressionen schon an einer ihm Unbekannten entladen, die er aus dem Auto heraus verflucht. Er ist eine wandelnde Zeitbombe und wird noch den Fehler begehen, eine Person zu bedrohen, die Sam nahe steht. Wenn sich dann im Finale vor dunklen Cello-Tönen die Gewalt entlädt, setzt es durchaus mal eine Gänsehaut vor so viel vibrierender Intensität.

Bild- und Tonqualität

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… notfalls auch mit Gewalt

Der Schweiß, der den Darstellern auf der Stirn steht, ist gut zu sehen und wird über eine in Close-ups recht gute Schärfe wiedergegeben. Um den düsteren Look des Films zu unterstützen, liegen Farbfilter über dem Geschehen in Sweet Virginia. Ein teils grüner, teils sepiafarbener Look dominiert die Szenen und Kontraste in Spitzlichtern überstrahlen schon mal etwas. Schwarzwerte leiden allerdings meist unter dem angesprochenen grünlichen Stich. Außerdem ist der Kontrastumfang in Tageslicht-Szenen eher mau und gräulich.
Akustisch geht’s ebenfalls nicht sonderlich hochtrabend her. Wo in vielen Filmen zumindest die beiden Hauptlautsprecher eingebunden werden, dominiert in Sweet Virginia beinahe ausschließlich der Center. Die anfangs abgegebenen Schüsse öffnen den Raum ein wenig, aber auch nur ein wenig. Wenn nach knapp 50 Minuten ein Zug vorbeifährt, greift der Subwoofer mal dezent ein. Aber auch das bleibt dann eher ein Einzelfall.

Bonusmaterial

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Sam wird bereuen, dass er nicht bei Bernie geblieben ist

Sweet Virginia liefert außer dem Originaltrailer keine weiteren Extras.

Fazit

Gegenüber Daggs Vorgängerfilm Mekong Rush ist Sweet Virginia inszenatorisch fast das komplette Gegenteil. Wo der eine vor Action und Rasanz nur so strotzte, nimmt sich der andere viel Zeit für seine Geschichte und präsentiert ausgedehnte Szenen mit statischer Kamera. Die Figuren sagen oft nicht viel, und dennoch sagen sie viel aus. Der Film braucht Aufmerksamkeit, belohnt dann aber mit düsterer und brutaler Intensität.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität (Originalversion): 60%
Bonusmaterial: 5%
Film: 80%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: USA/Kanada 2017
Regie: Jamie M. Dagg
Darsteller: Jon Bernthal, Imogen Poots, Christopher Abbott, Rosemarie DeWitt, Jared Abrahamson, Darcy Laurie
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 93
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Sweet Virginia

Sweet Virginia – Official Trailer l HD l IFC Films

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