Tal der Skorpione

Blu-ray Review

Busch Media Group, 25.10.2019

OT: –

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Frösche auf dem Spielplatz

Wenn einem beim Schauen eines Films die Spucke wegbleibt.

Inhalt

tal der skorpione blu-ray review szene 1
Der Geldgeber im Hintergrund meint, die Fäden in der Hand zu haben

Die Brüder Ribbeck sind schwer reich und noch schwerer gestört. Ihre Eigenschaft, ein zweites X-Chromosom zu besitzen, bringt sie irgendwann auf die Idee, den Übersoldaten aus einer Gruppe von entsprechenden Kandidaten heraus zu filtern. Diese Ausgewählten entführt man dann und setzt sie in einem Waldgebiet aus. Auf Leben und Tod dürfen sie sich dort nun gegenseitig dezimieren, bis der Sieger feststeht. Einer von ihnen ist der Polizisit Kamarowski, der unfreiwillig zum Helden avancieren könnte, wenn er sich der bis an die Zähne bewaffneten Gegner entledigen kann …

„Polackenschwein“, „Bimbo“, „Kameltreiber“ – Claude-Oliver Rudolph zitiert aufs Nervigste und Übertriebendste Beleidigung aus dem Lehrbuch für gute Rassisten

Was passiert, wenn man Bert Wollersheim, Martin Semmelrogge, Claude-Oliver Rudolph, Mathieu Carrière, Ralf Richter und Micaela Schäfer für Dreharbeiten auf eine Deponie/in einen Wald einlädt und ihnen Knarren in die Hand drückt?
Nun, offensichtlich haben sie eine Menge Spaß, machen ziemlich viele Sachen kaputt und folgen dem Credo, unter dem Regisseur Patrick Roy Beckert seinen Tal der Skorpione verstanden wissen will: „Zynisch, dreckig, kabumm“
Mann kann Beckerts Film viel vorwerfen, aber nicht, dass er nicht genau das abliefert, was die drei Worte ausdrücken. Zynisch sind beinahe alle Figuren, dreckig geht’s ab der ersten Minute zu und Krach macht diese wilde Action-Achterbahnfahrt auch eine Menge.
Dass die Regie dilettantisch ist, das Timing der Actionszenen mies und die Darsteller deutlich unter der Grenze des Professionellen (oder wahlweise über der Grenze des Overacting) agieren – das steht auf einem anderen Blatt.

Die Tochter des Wissenschaftlers hat schlagende Argumente, um selbst in den Wald zu gehen

Ein Blatt, das diese Rezension erst einmal gar nicht ausspielen möchte – es gibt später noch genug Raum dafür.
Zunächst mal sind die Voraussetzungen ja gar nicht so übel. Man nehme besagte Kultfiguren des nationalen Schauspiels, werfe sie in ein Szenario, das der Anbieter wohlwollend als Mix aus Battle Royale und Deliverance bezeichnet und gebe ihnen einen Hauch von Drehbuch an die Hand. Sollte eigentlich reichen, um einen hübschen deutschen Actioner zu realisieren, der eine Menge Spaß machen sollte, wenn man das Hirn an der Kasse abgibt und das Denken von der ersten Minute an einstellt.
Spaß kann man dann auch haben – wenn man auf möglichst viele blutige Shoot-outs steht und ein paar Sandkastenspiele von Erwachsenen in einem kleinen Waldgebiet des Erkelenzer Lahey-Parks goutiert. Man muss außerdem Respekt zollen vor der Leidenschaft der Beteiligten. Mit einem Budget von ~250.000 Euro muss man schon einen Nerv der größeren Stars des Films getroffen haben, um sie von dem Projekt zu überzeugen und abzüglich deren Gehalts noch genug Geld für Waffen-Ausstattung und ein paar Actionszenen übrig zu haben. Glaubt man den Gerüchten, die von einer Fortsetzung sprechen, ist der Respekt umso größer. Denn bei einem Kinoeinspiel von unter 10.000€ müssen die vielen privaten Finanziers damit leben, dass sie (bspw.) als hübsche Leichte unter den Statisten endeten.
Zu verdanken ist das Schauspiel übrigens dem Erkelenzer Versicherungsfachmann Thomas Kercmar. Der Filmliebhaber hat schon ein paar Gastrollen in größeren Produktionen auf der Vita und fungiert hier als alleiniger Produzent (sowie in der Doppel-Rolle als verrückter Dr. Fröhlich und tuntiger Werner von Braun).

Ja, er ist es: Bert Wollersheim

Als Produzent brauchte er dann aber doch einige Zeit, um das Werk letztlich zu vollenden. Bereits seit 2013 arbeitete man an dem Projekt, das zunächst unter dem Titel Breakdown Forest firmierte. Schon im Herbst 2016 hatte man geplant, den Film fertig zu haben und im Kino zu reüssieren. Doch es dauerte noch bis Mitte 2019, um alles in den Kasten zu bekommen und endlich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Eine letzte Verzögerung gab es noch, nachdem die FSK einer kürzeren FSK-16-Fassung (die fürs Kino von den Machern scheinbar favorisiert wurde) die Freigabe komplett verwehrte. Interessanterweise gelangte dann der Director’s Cut ohne Auflagen mit einer 18er Freigabe ungehindert durch die Freiwillige Selbstkontrolle – offenbar an einem anderen Tag, mit anderen Beurteilern.
Wie dem auch sei: Diese Fassung landete nun auch auf der Blu-ray. Man bekommt also alles, was man als Gore-Hound so sehen möchte: Zünftige Einschusslöcher und aufgeschlitzte Kehlen.
Obendrauf gibt es eine Menge trashiger bis (möglicherweise) sarkastisch gemeinter Einzeiler mit deutlich reaktionärer Konnotation. Man darf es auf die Figuren reduzieren, die ja ohnehin Klischee-Abziehbilder irgendwelcher Kino-Ikonen sind und die ein Ralf Richter lustvoll und ein Claude-Oliver Rudolph mit dem üblichen Arschloch-Image (und reichhaltig rassistischem Unterton) abliefert. Bewusst sein sollte man sich darüber, dass die eigentlichen Hauptfiguren eher von Laiendarstellern bestritten werden.
Dies allerdings bis auf wenige Ausnahmen (Regisseur Patrick Roy Beckert als Sajoscha Petrosevitsch merkt man an, dass er seinem Projekt auch darstellerisch einen Stempel aufdrucken wollte) vollkommen talentfrei.

Die Spiele werden viele Opfer kosten

Denn was die Hobbyakteure hier abliefern, entbehrt jeder Beschreibung. Das Schlimme aber: Sie werden von den vermeintlichen Profis kaum übertroffen. Während ein Ralf Richter leider unter seinen Möglichkeiten bleibt, arbeiten Rudolph und Semmelrogge weiterhin daran, ihren einst durch Das Boot zu Recht erhaltenen Ruf nachhaltig zu ruinieren. Klar, Ruprecht Knochenhauer ist ein Sackgesicht. Dass ihn Rudolph aber derart nervtötend Schimpfwörter und rassistische Parolen runterbetend darstellt, geht spätestens nach seiner zweiten längeren Szene gehörig auf den Senkel. Und es ist an Infantilität und unfreiwilliger Albernheit kaum zu überbieten.
Es kommt leider noch hinzu, dass Tal der Skorpione mit 130 Minuten viel zu lang ausgefallen ist und sich zwischendurch in den belanglosen Dialogen und der unübersichtlichen Struktur völlig verheddert. Wer hier mit wem ist und warum und vor allem wann – darüber verliert man bald komplett den Überblick. Mal ganz davon abgesehen, dass man kaum glauben mag, dass diese Ansammlung an dämlichen Idioten, die sich gerne mal freiwillig mitten ins Sperrfeuer begibt, wirklich die Elite-Auswahl derer sein soll, die um die Krone des Supersoldaten kämpfen.
Am Ende muss man so ehrlich sein und festhalten, dass ein bekanntes und geflügeltes Sprichwort hier leider abgewandelt werden muss: Denn Tal der Skorpione ist so schlecht, dass er schon wieder schlecht ist. Weil das aber so ist, muss man das eigentlich gesehen haben, um es zu glauben.

Auch Ralf Richter kann nicht ändern, dass man ihm belanglos-absurde Dialoge in den Mund legt

Bild- und Tonqualität

Der Produzent in einer Mehrfachrolle

Tal der Skorpione beginnt mit etwas softem Bild auf der staubigen Baustelle und reißt dort auf den hellen Bereichen auch deutlich aus. Das gleiche Bild ergibt sich bei den bewusst dramatisch gefilterten Rückblicken. Einige Szenen in Innenräumen glänzen hingegen mit rasiermesserscharfen Close-ups – definitiv die besten Einstellungen des gesamten Films. Die Schießereien in den Innenräumen sind oft in farbloser Optik und lassen den letzten Punch im Schwarzwert vermissen. Dazu gesellen sich in düsteren Szenen auch leichte Unruhen (Rauschen) hinzu. Wechselt die Szenerie in den Wald, kommt es darauf an, ob ruhige Einstellungen zu sehen sind oder schnelle Kamerafahrten. In den ruhigen Phasen kann man die unfassbare Knollennase Claude-Oliver Rudolphs in ihrer ganzen Pracht bewundern, wird es rasanter, schmieren die Bewegungen etwas. Außerdem gibt’s später in den nebelverhangenen Szenen auch noch Banding-Artefakte.
Beim Ton erfreuen die Schusswechsel mit verhältnismäßig effektvollem Widerhall und auch der Tiefbass-Bereich wird ganz ordentlich gekitzelt, wenn vorhandene Explosionen den Waldboden umpflügen. Dialoge kommen gut verständlich rüber, laufen aber oftmals nicht synchron (53’10). Dafür lebt der Wald ein wenig atmosphärisch auf und auch der integrierte Score sorgt für Surround-Aktivität.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von Tal der Skorpione gibt’s neben den Trailern ein paar Bilder von der Kinopremiere in Berlin sowie einen Audiokommentar von Regisseur Roy Beckert.

Fazit

„Wer immer für diese Kacke hier verantwortlich ist …“ – Claude-Oliver Rudolph spricht nach etwas über 50 Minuten aus, was viele Zuschauer im nüchternen Zustand wohl dauerhaft denken, wenn sie Tal der Skorpione schauen.
Nein, Patrick Roy Beckert und sein Produzent Thomas Kercmar haben kein Highlight des deutschen Actionfilms abgeliefert. Vielmehr wirkt das Geschehen wie eine Zusammenkunft von militärisch ausgestatteten Rollenspiel-Anhängern. Die Schauplätze sind billig, die Darsteller unterirdisch und die Dialoge zum Haare raufen.
Wer aber wirklich mal sehen möchte, wie die versammelte Elite des deutschen Kultkinos hölzern vor sich hin schauspielert, der ist hier genau richtig.
Was den Film außerdem interessant macht, ist die Leidenschaft des Regisseurs. Bei aller Amateurhaftigkeit: Dessen Inbrunst ist ihm in jeder Szene anzusehen, die er als Schauspieler in den Film packt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Bonusmaterial: 40%
Film: 30%

Anbieter: Busch Media Group
Land/Jahr: Deutschland 2019
Regie: Patrick Roy Beckert
Darsteller: Claude-Oliver Rudolph, Ralf Richter, Martin Semmelrogge, Mathieu Carrière, Michaela Schäfer, Elena Carrière, Bert Wollersheim, Taynara Joy, Uwe Fellensiek, Anouschka Renzi
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 131
Codec: AVC
FSK: 18 (ungeschnitten)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Busch Media Group)

Trailer zu Tal der Skorpione

Tal der Skorpione – offizieller Trailer (2019)

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One thought on “Tal der Skorpione

  1. Avatar Rüdiger Petersen

    Selbst schuld wer sich so ein Schund kauft. Rausgeworfenes Geld.

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