The Ballad of Lefty Brown

Blu-ray Review

Ballad of Lefty Brown Blu-ray Review Cover
EuroVideo, 24. 05.2018

OT: The Ballad of Lefty Brown

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Schattendasein

Wie ein älterer Handlanger wider Willen zum Helden wird.

Inhalt

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Lefty und Edward sind über die letzten 40 Jahre zu Freunden geworden

Montana im Jahre 1889: Lefty Brown ist zwar schon 63 Jahre alt, aber Zeit seines Lebens nur Handlanger oder seinem Namen entsprechend „linke“ Hand des Cowboys Edward Johnson. Bei ihm ist er trotz seines hohen Alters durchaus respektabel angesehen. Leftys Loyalität macht ihn zum Aspiranten für Edwards Nachfolge in Sachen Leitung der Ranch. Denn Johnson wurde soeben zum Senator von Montana ernannt und soll nach Washington in die Politik. Für die Zeit seiner Abwesenheit muss das Anwesen natürlich entsprechend verwaltet werden. Als ein Viehdieb auftaucht, machen sich die zwei älteren Herren höchstselbst auf die Jagd. Mit dem leidvollen Resultat, dass Edward mit einem Loch im Kopf endet. Lefty, der sich und seiner Gebrechlichkeit die Schuld am Tod seines Herrn gibt, überbringt die schmerzhafte Nachricht Johnsons Frau und schwört, dass der Mörder teuer dafür bezahlen wird. Die Witwe vertraut zwar eher auf den Sheriff und den Gouverneur, doch Lefty möchte einmal in seinem Leben etwas wirklich richtig machen. Dass er mit seiner Verfolgung des Killers in ein Wespennest sticht, weiß er natürlich anfangs noch nicht …

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Zum ersten Mal in seinem Leben muss Lefty seinen Mann ohne Geleitschutz stehen

In einer Zeit, in der Western mal wieder aus der Mode zu sein scheinen, ignoriert Regisseur Jared Moshe sämtliche Vorzeichen und kommt mit einer ziemlich frischen Idee um die Ecke, eine Figur in den Mittelpunkt zu stellen, die sonst eigentlich eher eine Randerscheinung wäre. Der humpelnde, in Ehren ergraute Haus- und Hofangestellte, der nicht mal in der Lage ist „seinen eigenen Arsch zu finden“, wird zum Held wider Willen. Das ist originell und lebt von der Darstellung Bill Pullmans. Mit grauem Backenbart und müder Sprache lässt der sympathische Darsteller keinen Zweifel an seiner Gebrechlichkeit und stellt auch das introvertierte und intellektuell nicht so ganz Höhe befindliche Wesen der Titelfigur glaubwürdig dar. Charmant und unwiderstehlich wie immer ist Pullmann und damit emotionaler Ankerpunkt für den Zuschauer. Denn der muss leider damit leben, dass The Ballad of Lefty Brown seine anderen Figuren (die durchaus zahlreich sind) ziemlich blass und ohne großen Hintergrund belässt. Jim Caviezel als Gouverneur und Tommy Flanagan als Sheriff/Marshall sind prominente Gesichter, die ihren Charakteren aber keinerlei Geschichte geben dürfen. Irgendetwas scheint die vier alten/älteren Männer zu verbinden. Was das genau ist, hätte man als Zuschauer gerne erfahren.

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Marshall Tom Harrah kennt Lefty schon lange

Die Story selbst, die vor dem Hintergrund des Baus der Eisenbahn und dem damit verbundenen Wechsel in der Gesellschaft erzählt wird, gibt den Rahmen dafür, dass für gewisse (altmodische) Kerle offenbar kein Platz mehr vorhanden ist. Leftys überzeugte Suche nach Rache, der unbändige Wille, seinen Lebensabend noch mit dieser einen sinnvollen Sache anzufüllen, kann damit auch als Festhalten an das Althergebrachte gedeutet werden, bevor der Strukturwandel das Cowboy-Dasein mehr oder weniger durch das Verlegen der Schienen plattwalzt. Ein Actionfilm ist The Ballad of Lefty Brown dabei nicht geworden. Schnell geritten wird praktisch gar nicht und nur einer der Schüsse, die während der ersten 43 Minuten fallen, ist auch wirklich tödlich (lässt man mal das Intro beiseite). Behäbig ist er, dieser Western, der sich an den Klassikern orientiert und gleichzeitig eine Art Abgesang darstellt. Begleitet von (natürlich) epischen Aufnahmen der Landschaft und einem tollen Score machen gerade solche Westernfans hier einen Fund, die nicht auf ständiges Rumgeballer stehen. Schade, dass sich hinter der Rachestory dann auch noch ein Subplot verbirgt, der zwar nicht unüberraschend kommt, aber ebenfalls nur rudimentär erklärt wird. Gerade nach der 65 Minute zieht es sich deshalb dann doch arg. Etwas mehr Sorgfalt im Drehbuch und ein bisschen mehr Figurenzeichnung und aus The Ballad of Lefty Brown hätte ein wirklich großer Western werden können.
Das merkt man im Übrigen vor allem dann, wenn Pullmann und Kathy Baker in gemeinsamen Szenen zu sehen sind. Sobald diese zwei Schauspiel-Schwergewichte die Leinwand füllen, sitzt man gebannt davor und schaut ihnen zu. Baker, die als Witwe eine wirklich starke Rolle zum Besten geben darf, hält mit Pullmann mühelos mit – beide sind am Ende besser als das etwas löchrige und wenig strukturierte Drehbuch.

Bild- und Tonqualität

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Der Gouverneur wirkt undurchsichtig

Während der dunklen Abblendungen der Kamera gibt es hier und da leichtes Banding – gerade in der regnerischen Eingangsszene zeigt sich das ein wenig. Darauffolgend hellt das Geschehen auf und wird von deutlicher Körnung abgelöst, die den Look alter und traditioneller Western herstellen soll. Während der Szenen mit Himmelshintergrund wird das bisweilen so stark, das die Landschaft aussieht wie ein Aquarell-Gemälde. Dazu ist die Farbgebung sehr warm und bräunlich gefiltert. Andere Farben scheinen praktisch nicht zu existieren. Im Zusammenhang mit dem Korn wirkt das Bild von The Ballad of Lefty Brown stets ein wenig schmuddelig und übersättigt. Auch der Kontrastumfang leidet ein wenig unter darunter, aber auch aufgrund der Tatsache, dass man weitgehend auf künstliche Lichtquellen verzichtete (15’40).
Bedrohlich grummelnd raunzt der Donnergroll zu Beginn von den Rearspeakern und wird vom folgenden Regen effektvoll abgelöst. Auch der Schuss, der Edward nach etwas über zehn Minuten niederstreckt, kommt satt rüber und fegt erst einmal den letzten Staub aus den Ritzen des Heimkinos. Das Gleiche gilt für die Querschläger und Geschosse, die nach etwas über zwanzig Minuten durch die Luft flitzen. Da die Shoot-Outs stets wirklich räumlich abgeliefert werden, macht das Sounddesign durchweg richtig viel Spaß. Glänzend verständlich ist dabei die Synchronisierung der Darsteller, die (im Falle von Pullmann) auch mit ihrer angestammten Stimme spricht.

Bonusmaterial

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Winkt sie ihrem Mann das letzte Mal?

Den Trailer zum Film ausgenommen gibt’s im Bonusmaterial zu The Ballad of Lefty Brown nichts weiter zu holen.

Fazit

The Ballad of Lefty Brown ist zwar behäbig und etwas unentschlossen inszeniert, doch Bill Pullmanns Darstellung des Titelhelden entschädigt für die eine oder andere Länge oder Holprigkeit. Das Sounddesign überzeugt zudem auch anspruchsvolle Heimkino-Liebhaber.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 5%
Film: 65%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: USA 2017
Regie: Jared Moshe
Darsteller: Bill Pullman, Kathy Baker, Jim Caviezel, Tommy Flanagan, Peter Fonda, Emily Jones
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 111
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu Ballad of Lefty Brown

The Ballad of Lefty Brown – Trailer

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One thought on “The Ballad of Lefty Brown

  1. Markus

    Ein echter Western Klassiker der „Neuzeit“ und eine Empfehlung von mir ist der Film „Open Range“. Eher ruhig erzählt aber mit gut ausgearbeiteten Charakteren, sehr guten Darstellern (ich liebe Robert Duvall als Cowboy) und tollen Aufnahmen. Deine Meinung zu diesem Film würde mich sehr interessieren.

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