The Bravest – Kampf den Flammen

Blu-ray Review

Capelight Pictures, 28.02.2020

OT: Lie huo ying xiong

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Acht Mio. Einwohner in Gefahr

Chinesisches Feuerdrama voller Pathos.

Inhalt

Der Kommandant erklärt die prekäre Lage

Feuerwehrkapitän Liwei ist einer der Besten. Doch bei einem Einsatz seines Teams in einem Restaurant führt eine Fehleinschätzung eines Kollegen zu einer gewaltigen Gasexplosion. Der Mann kommt ums Leben und Liwei wird degradiert. Aufs Land versetzt versucht er, die Schmach zu verarbeiten, muss aber erst einmal große Aufträge wie einen Fall von entlaufenen Hausschweinen lösen. In der großen Stadt übernimmt derweil ein Nachfolger seinen Posten. Der junge Ma Weiguo ist motiviert, hat von Haus aus aber wenig Unterstützung. Vor allem sein Vater zweifelt an seinen Fähigkeiten. Diese kann Weiguo allerdings bald unter Beweis stellen. Denn nach einer Explosion auf einem Öldepot ist die Lage außer Kontrolle. Es drohen weitere große Feuer und Explosionen. Vor allem ein großer Tank mit 100.000 Kubikmeter Öl könnte Feuer fangen und offene Öl-Pipelines würden für ungeahnte Zerstörung sorgen. Auch Liwei wird hinzugerufen. Doch vor Ort ist nicht nur das Feuer ein Problem, sondern vor allem das Rangeln um Kompetenzen und um die Frage der Ehre …

Ein heldenhafter Blick gen Himmel

245 Mio. Dollar – wahrlich kein schlechtes Einspielergebnis. Selbst für einen chinesischen Film, die natürlich eine ganze Menge Potenzial an Kinogängern haben, ist das schon eine Hausnummer.
Möglicherweise liegt das gute Einspielergebnis auch an der außergewöhnlichen Technik des Films. Denn The Bravest wurde mit 48 Bildern pro Sekunde gefilmt, nicht mit den üblichen 24 fps. Damit steht das chinesische Katastrophendrama auf einer Stufe mit Jacksons Hobbit und geht in die Richtung eines Gemini Man.
Ähnlich wie Ang Lee ergötzt sich aber auch Tony Chan etwas zu sehr an der Technik seines Films. Zahlreiche Super-Slowmotions sollen Dynamik erzeugen, nerven irgendwann aber ziemlich und wirken extrem aufgesetzt.
Schade, dass vor allem zu Beginn nicht alle CGIs wie bspw. die berstenden Pipelines oder das splitternde Fensterglas überzeugen.
Immerhin freut’s den chinesischen Patrioten, dass die Helden hier in Übergröße dargestellt werden und in Zeitlupe gen Einsatzort hetzen dürfen. Freilich, um dort für das große Ganze (Stadt, Staat und Vaterland) tapfer ihr Leben zu riskieren. Während Hollywood vom Heroismus der 80er-Jahre-Katastrophenfilme langsam einen selbstironischen Abstand bekommt, darf in China noch unverholen die rote Flagge gehisst werden.
Und welche Berufsgruppe (das Militär mal ausgenommen) dient besser als Projektionsfläche für Patriotismus als die strahlenden Helden der Feuerwehr?
Da verwundert es dann auch nicht, wenn das Feuer auch sprachlich zum Feind erklärt wird, gegen den man „zum Angriff“ bläst.

Nur die leisen Vorboten einer Zerstörung von apokalyptischen Ausmaßen

Das Selbstbild der Chinesen wurde immer schon von der Frage nach der Ehre dominiert. Jeder möchte ein Held sein.
Der junge neue Kommandant will endlich der Mann sein, den sein Vater nie in ihm sah und der alte Liwei steht für das andere Extrem des (zunächst) zögerlichen Angsthasen, der um keinen Preis mehr einen Mann aus seinem Team ans Feuer verlieren möchte. Zwei Pole, wie sie nur im heutigen Pathos-Kino Chinas vorkommen. Echte Grauzonen sucht man hier vergeblich. Ehrenhaft ist nur der, der heldenhaft den Feuertod stirbt, weil er blindlings Befehlen ins Desaster folgte.
Man muss The Bravest zu Gute halten, dass es immerhin einen Bösewicht gibt – EINEN!
Der hinterhältige (und typisch rückgratlos dargestellte) Geschäftsmann und Betreiber der Anlage, der von Beginn an nicht die Wahrheit erzählt, bekommt in seiner Unehrlichkeit sein Fett weg.
Ansonsten bleiben praktisch nur strahlenden Helden übrig. Der chinesischen Führung werden solche Filme gefallen, denn die Provinz- und Zentralregierungen schicken aber wirklich nur die allerbesten Streitkräfte, Hubschrauberpiloten und Verstärkungseinheiten. Natürlich ohne Widerspruch und augenblicklich.
Sieht man von all dem triefenden Pathos ab, gibt’s zumindest eins satt: Action. Schwer zu sagen, ob man innerhalb eines Films schon mal derart viele Explosionen gesehen hat. Aber wenn Chinas Filmindustrie auf die Kac*e haut, dann so richtig. Schon die Eröffnungssequenz würde so manchem Film für den Showdown reichen. Dass sich im Laufe des Mittelteils des Films das Bedrohungsszenario in apokalyptisch-nukleare (20 Atombomben, mindestens) Ausmaße verändert, sorgt durchaus für Spannung. Die meisten Feuer sind dabei überzeugend umgesetzt und sehr oft nicht digital getrickst. Das macht schon Spaß beim Zuschauen, weil’s einfach überwältigend aussieht. Idealerweise schaltet man dabei dann einfach den Ton aus. Denn die Dialoge sind nicht nur 08/15, sondern bisweilen ziemlich naiv und dumm. Außerdem liegt unter dem Geschehen ein dröhnender Score voller Streicher und Bläser, die ein Hans Zimmer nicht hätte pathetischer zusammen komponieren können und der irgendwann echt anstrengend ist.
Der größte Pluspunkt neben dem Setting und der spektakulären Action bieten noch die beiden Hauptdarsteller. Sie geben ihr Bestes, um den wenig tiefgründigen Figuren Leben einzuhauchen.

Bild- und Tonqualität

Irgendjemand muss ja die Ventile schließen

The Bravest wurde mit ARRI-Alexa-XT-Kameras in 2.8K aufgezeichnet. Das alleine wäre nichts Besonderes, wenn man in 24 fps gedreht hat. Hat man aber nicht. Originär wurde mit 48 fps, also einer höheren Frame Rate (ähnlich wie bei Der Hobbit oder zuletzt bei Gemini Man) aufgezeichnet. Genutzt wurde dabei die TrueCut-Plattform von Pixelworks. Leider ist im Prozess des Konvertierens für die Blu-ray dann etwas ziemlich schief gegangen. Da die BD nur für 1080p mit 24 fps spezifiziert ist, musste von der High Frame Rate wieder auf den Kinostandard runter gerechnet werden. Eigentlich sollte das kein Problem sein, da 48 immerhin ein Vielfaches von 24 darstellt. Tatsächlich ist dem Film seine HFR-Gestaltung immer noch anzusehen, da die Bildtiefe sehr hoch ist und man aufgrund von schnellen und teils umfassenden Schwenks mal so richtig zeigen wollte, was 48 fps in der Bewegungsdarstellung können. Mit einer Bildfrequenz von 24 fps sieht das allerdings nicht nur bescheiden aus, sondern ruckelt derart unanständig, dass man ab und an eher ein 3:2-Pulldown vermuten könnte (wo natürlich keins sein kann). Nimmt man den Schwenk über die Brücke zu Beginn, ist das kein typisches, gleichmäßiges 24-fps-Ruckeln, sondern ein ungleichmäßiges, stößiges (1’45). Das Gleiche gilt für die Kamerafahrt über die Hausdächer bei 2’00, das ebenfalls richtig fies aussieht. Möglicherweise war’s aber auch nicht die Rück-Konvertierung, sonder eine Art Zeitraffer-Stilelement, das Tony Chan hier bewusst eingesetzt hat. Denn auch später werden vor allem die Fahrten der Rettungswagen immer wieder extrem ruckelig (ab 23’55)
Glücklicherweise stellt sich das meist ein, sobald das Geschehen regulär am Boden stattfindet. Hier sind Bewegungen dann wieder filmisch und ohne ungleichmäßige Ruckeleien. Zudem kann die digitale Aufzeichnung hier mit sehr klaren und (meist) rauscharmen Bildern überzeugen, die zuvor bei der Totale auf die Hausdächer noch von Rauschen durchzogen war. Hervorragend gelingen die Farben, die das Feuer sehr kräftig orange darstellen und fast schon die Durchzeichnung einer HDR-UHD erreichen. Zusätzlich ist die Schärfe bisweilen an der Grenze dessen, was Schauspieler von sich selbst sehen wollen (23’12).

Beim Ton von The Bravest gibt’s leider auch ein bisschen Kritik. Obwohl beide Tonfassungen in dts-HD-Master vorliegen, ist die in Mandarin gesprochene Originalversion lauter, liefert präzisere Surroundeffekte und etwas mehr Dynamik. Die deutsche Synchro klingt im Vergleich hörbar beschränkter. Die Anhebung der Lautstärke verbessert das Ganze etwas, doch der O-Ton bleibt etwas (zu)packender.
Letzteren sollte man übrigens ausnahmsweise konservativer einpegeln, da er deutlich lauter ist der sonst übliche Referenzpegel.
Beiden Tonfassungen gemein ist ein Mangel an Tiefbass. Wenn nach sieben Minuten das Haus in einer heftigen Mehrfach-Explosion in einer Wolke aus Feuer, Schutt und Asche hochgeht, fehlt’s spürbar an Subwoofer-Unterstützung. Was hätte das für eine brutale Sequenz werden können, wenn man den LFE-Kanal ordentlich eingebunden hätte.
Immerhin ist die Räumlichkeit sehr gut. Trümmer fliegen hörbar um den Zuschauer herum zu Boden und wenn der Käpt’n seine Männer nur noch dumpf hört, wird das authentisch reproduziert. Auch der Score wird räumlich wiedergegeben und Stimmen geraten hochwertig synchronisiert und gut verständlich.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von The Bravest gibt’s lediglich den Originaltrailer zum Film.

Fazit

The Bravest darf sich zweifelsohne den Titel als Film mit den meisten Explosionen und Feuersbrünsten aller Zeiten auf die Fahne schreiben. Backdraft wirkt dagegen wie ein romantisches Candle-Light-Dinner.
Wer auf sowas steht, bekommt reichlich Input. Ansonsten muss man den chinesischen Ultrapathos schon mögen, um die heldenhaften Zeitlupenbilder und die Staatsdienlichkeit des Films zu ertragen.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 75%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 10%
Film: 50%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: China 2019
Regie: Tony Chan
Darsteller: Huang Xiaoming, Du Jiang, Tan Zhuo, Zi Yang, Ou Hao, Hou Yong
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, ch
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 119
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Capelight Pictures)

Trailer zu The Bravest

Trailer THE BRAVEST (Deutsch)

 

3 thoughts on “The Bravest – Kampf den Flammen

  1. Avatar Sascha

    Da hat wohl jemand seine Hausaufgaben nicht vollständig gemacht…48fps und dann aber NUR auf BD abgefertigt – lächerlich! Eigentlich mag ich mir die Schwenkszenen zu Beginn gar nicht wirklich vorstellen. Da könnte ich mir echt wieder den Bart raufen. Warum haut man das Ding nicht einfach vernünftig in soliden 48fps auf die Scheibe ohne „epileptische“ Ruckler?! Kann doch jetzt nicht soooo schwer sein.

    • Hi Sascha.
      Das Problem ist natürlich, dass BDs nicht mit mehr als 24p (bei progressiven Vollbildern) spezifiziert sind.
      Man hätte also eine UHD rausbringen müssen, um die 48 fps darstellen zu können. Und das war für diesen hierzulande dann doch eher kleinen Titel vermutlich ein zu hoher Aufwand.
      Ich vermute, wie gesagt, auch fast mehr, dass es sich um einen bewussten Zeitraffereffekt des Filmemachers handelt. Denn eigentlich sind praktisch nur die Szenen mit den Löschzügen in Bewegung davon betroffen.

      • Avatar Sascha

        Allright, dieser technische Hintergrund war mir so (noch) nicht bekannt – danke für die Aufklärung. Nichtsdestotrotz ist die Neugier aufgrund des Genres und der fernöstlichen „Herkunft“ zu groß, um das Teil nicht wenigstens einmal zu verkosten. 🙂

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