The Crucifixion – Sei achtsam, für was du betest

Blu-ray Review

Crucifixion - Sei achtsam, für was du betest Blu-ray Review Cover-min
Tiberius Film, 01.02.2018

OT: The Crucifixion

 


Rumänische Dämonen

Das osteuropäische Land scheint nicht nur ein gutes Pflaster für Blutsauger Dracula zu sein, sondern bietet auch leibhaftige Dämonen.

Inhalt

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Pater Dimitru und die vier Nonnen sind fest entschlossen, Adelina den Dämon auszutreiben

Rumänien: Nachdem sie im Jahre 2004 an einer Frau einen Exorzismus durchführten, der mit dem Tod der Besessenen endete, stehen die vier Nonnen und der Priester nun wegen Mordes vor Gericht. Die amerikanische Journalistin Nicole Rawlings bekommt Wind von der Story und sieht ihre Chance darin, die eigene Kritik an der Kirche mit Argumenten zu untermauern. Ihr Verleger erlaubt ihr die Geschichte – aber nur unter der Voraussetzung, dass sie objektiv bleibt. WIE objektiv sie sein muss, erfährt sie schon bald. Denn es scheinen durchaus böse Mächte im Spiel gewesen zu sein und nicht bloß ein paar mordlüsternde Nonnen und ein durchgeknallter Priester, der im Namen der Kirche ein willfähriges Opfer fand. Je weiter Nicole nachforscht und je mehr sie über die tote Adelina erfährt, desto stärker wird sie in die Geschehnisse hineingezogen – bis sie selbst in Gefahr zu sein scheint …

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Adelina zeigte im Vorfeld auffälliges Verhalten

Xavier Gens war 2006 mit dem kompromisslosen Horror-Schocker Frontier(s) aufgefallen, was ihm kurze Zeit später bereits das Hollywood-Debüt mit der Videospiel-Verfilmung zu Htiman einbrachte. Das verlief allerdings alles andere als glücklich – immerhin verlor er kurz vor der Fertigstellung der Produktion seinen Posten als Regisseur und es wurden einige Szenen mit einem anderen Filmemacher nachgedreht. 20th Century Fox hatte offenbar nicht das gleiche Interesse daran, den Film als ersten Teil eines Franchise zu etablieren, während Gens es immer auf eine Fortsetzung angelegt hatte. Mit The Divide kehrte der französische Regisseur dann mehr oder weniger zu seinen Terror-Wurzeln zurück, die er mit Frontier(s) losgetreten hatte. Nun, gut 12 Jahre nach seinem Langfilmdebüt nimmt er sich mit Crucifixion – Sei achtsam, für was du betest des Exorzismus-Subgenres an. Das ist zwar während der letzten Jahre bereits zur Genüge ausgewälzt worden, doch man darf ja auch mal objektiv an einen Film heran gehen, selbst wenn man gegenüber dem Teufelsaustreiber-Film Vorbehalte hat wie die Protagonistin gegenüber der Kirche. Immerhin handelt es sich bei der Grund-Geschichte um einen auf Wahrheiten basierenden Fall.

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Nicole ist wahrlich keine gläubige Person

Obwohl es Gens zwar nicht schafft, dem Thema inhaltlich Neues abzugewinnen, so kann er doch eines besser als viele andere vor ihm: Atmosphäre!
Schon die Eröffnungsszene mit dem in den letzten Zügen liegenden Exorzismus ist dreckiger, schmuddeliger und roher als entsprechende Szenen in vergleichbaren Filmen. Außerdem nutzt der Franzose die authentische Umgebung in Rumänien effektiv, um Stimmung zu erzeugen. Die vielen Kirchen, altbelassenen Dörfer mit Steinbauten und das Treiben auf den Märkten – das alles trägt zur Atmosphäre bei. Außerdem nimmt sich Crucifixion viel mehr Zeit, um die Motive und Argumente der Kirche während eines Exorzismus zu beschreiben. Andere Filme beleuchten diesen Punkt erst gar nicht.
Schade ist die allerdings zur Mitte hin drastische Tempo-Verschleppung während der Recherche-Arbeit Nicoles. Ihre Befragungen der Schwester der Verstorbenen und des örtlichen Priesters ziehen sich dann doch etwas in die Länge. Nach knapp einer Stunde steigert sich das Ganze dann und führt zu den genre-üblichen Spukerscheinungen und Körper-Verrenkungen. Auch das kann der französische Regisseur gut und erzeugt nach und nach immer mehr Spannung. Das Finale fällt dagegen erstaunlich unspektakulär aus und vermeidet allzu ausgedehnte (und meist nervige) Exorzismus-Rangeleien. Die Härte der früheren Filme lässt Gens jedoch vermissen. Abgesehen von der rauen Eingangs-Sequenz und ein paar grafischen Bildern, die Nicole beim Pathologen zu sehen bekommt, bleibt Crucifixion ziemlich blutarm. Durchweg gut sind die Darsteller-Leistungen, von denen Sophie Cookson als Nicole und Corneliu Ulici als Vater Anton noch herausstechen.

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Mord oder Teufelsaustreibung – darüber entscheiden die Gerichte

Bild- und Tonqualität

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Nicole und Anton kommen dem Dämon SEHR nahe

Crucifixion fängt zwar schmuddelig, kontrastschwach und farbverfälscht an, ändert dies aber, sobald die Szenerie in die Gegenwart wechselt. Dann bleibt das Bild stabil, ruhig und erstaunlich scharf. Allerdings ist es auch durchweg etwas hell, was nicht den maximalen Kontrastumfang ermöglicht. In den dunkleren Szenen und Keller-Korridoren der Kirche gesellt sich etwas Korn hinzu. Das allerdings wird nie störend oder nimmt gar Überhand an. Ab und an zeigen sich leichte Schärfeprobleme am unteren Bildrand.
Akustisch setzt Crucifixion ganz bewusst auf laute Jumpscares. Selbst das Vorbeifahren eines Citroën Kleinstwagens wirkt, als heize da der Dorf-Millionär mit dem Ferrari vorbei. Das ist an einigen Stellen ebenfalls übertrieben, verfehlt aber seine Wirkung, plötzlich hellwach vor dem Bildschirm zu sitzen, nicht. Direktionale Effekte wie das Feuerwerk nach etwas über 45 Minuten kommen sehr räumlich aus den Speakern und auch die Stimmen während des Festes lassen den Zuschauer inmitten des Geschehens sitzen (ab 47’00). Dialoge sind dazu präsent und hervorragend verständlich. Die deutsche Synchronisation ist (mit Ausnahme des Sprechers von Nicoles Verleger) sehr gut gelungen.

Bonusmaterial

Programmtipps und Originaltrailer – das sind die Extras im Bonusbereich von Crucifixion.

Fazit

Xavier Gens Beitrag zum Exorzismus-Subgenre ist zwar nur leidlich spannend und fügt kaum Neues zum Thema hinzu, kann aber durch Atmosphäre und gute Schauspieler punkten. Man sollte allerdings schon eine gewisse Affinität zum Thema haben, um sich zu gruseln – der Autor dieser Zeilen ist gegen Exorzismus-Filme schon seit Friedkins genrebegründendem Werk immun.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 10%
Film: 60%

Anbieter: Tiberius Film
Land/Jahr: Großbritannien, Rumänien 2017
Regie: Xavier Gens
Darsteller: Sophie Cookson, Corneliu Ulici, Brittany Ashworth
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 89
Codec: AVC
FSK: 16

Trailer zu The Crucifixion

THE CRUCIFIXION Official Trailer (2017) Sophie Cookson Horror Movie HD

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