The Dark – Angst ist deine einzige Hoffnung

Blu-ray Review

the dark die angst ist deine einzige hoffnung blu-ray review cover
Studio Hamburg, 27.09.2019

OT: The Dark

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Mina und Alex

Ungewohnt und gut – Zombiefilm mal ganz anders.

Inhalt

Der Ausgangspunkt vieler guter Horrorfilme: Eine Tankstelle im Nirgendwo

Als der Fremde bei der kleinen Tankstelle im Nirgendwo auftaucht, ahnt der Betreiber zunächst nicht, wenn er vor sich hat: Josef Hofer ist auf der Flucht und hat vor, sich in einem mysteriösen Waldstück zu verstecken, in das sich niemand sonst traut. Denn in Devil’s Den treibt Mina ihr Unwesen. Mina ist eine Untote. Und weil sie überleben muss, frisst sie Menschenfleisch. Kein Wunder, dass immer wieder Personen aus der Gegend verschwinden und der Wald seinen Ruf weg hat. Josef trifft alsbald auf Mina und wird bereuen, dass er sich nach Devil’s Den flüchtete …
Als Mina sich in dessen Auto umsieht, stößt sie auf einen Jungen. Alex, so heißt er, ist Josefs Entführungsopfer gewesen. Und Alex ist blind. Weil er deshalb nicht erkennen kann, wie entstellt Minas Gesicht aussieht und was sie für ein Wesen geworden ist, lässt Mina Nähe zu. Sie hilft dem Jungen mit den zugenähten Augen und es entwickelt sich eine Freundschaft. Bis die Polizei Josefs Wagen findet und in ihren Lebensraum eindringt …

Josef hat sein Ziel erreicht

Ein ernst gemeintes und ehrliches „Wow“ an unsere Nachbarn aus dem Süden! Was die österreichische Produktion mit ihrem US-Regisseur vor kanadischer Kulisse an Atmosphäre herstellt, hat durchaus internationales Niveau. Entstanden ist das gemeinsame Projekt vom Amerikaner Lange und seinem österreichischen Produzenten-Freund Florian Krügel, nachdem sich beide beim Studium in New York getroffen hatten und viel kreative Zeit miteinander verbrachten.
Für das erste Langfilmprojekt nahm man sich dann die schon 2013 von Justin P. Lange inszenierte Kurzgeschichte The Dark vor und füllte sie mit Details auf, um die 90 Minuten zu erreichen. Ebenso wie die Produktion selbst, so ist auch die Besetzung international. Mit den beiden Hauptdarstellern Nadia Alexander und Toby Nichols fördert man US-Nachwuchstalente, während man die Rolle des psychopathischen Jan Hofer mit dem österreichischen Kultdarsteller Karl Markovics besetzte.
Markovics eröffnet The Dark und gibt eine angemessen schaurigen und vor allem wortkargen Einstand. Abgesehen von dem kurzen Dialoge zwischen Tankwart und Fremden, gibt’s 20 Minuten lang kein weiteres gesprochenes Wort. Die Kamera verfolgt den auf der Flucht befindlichen Hofer und begleitet dessen Begegnung mit Mina in aller Konsequenz. The Dark gelingen dabei Bilder von einer Intensität und Atmosphäre, die The Walking Dead in den letzten Staffeln vermissen ließ.

Mina ist gezeichnet von ihren Erlebnissen

Womit allerdings nicht (nur) der Gorefaktor gemeint ist. Der fällt zwar durchaus beachtlich aus, wird aber der Spannung und Stimmung untergeordnet. Langes Film atmet die Motive einer Kaspar-Hauser-Geschichte und verknüpft das Ganze mit der Zombie-Thematik und romantischen Coming-of-Age-Aspekten. Letzteres ist nicht ganz neu, wurde es doch in Warm Bodies schon mal erzählt. Dort allerdings mehr mit komischen Aspekten und nicht mit der gleichen Dramatik/Tragik, wie es hier der Fall ist.
Als Zuschauer sollte man sich auf das ungewohnte Szenario einlassen können. Klassischer Zombie-Horror mit schleichenden und so hirn- wie sprachlosen Untoten wird hier nicht geboten. Mina ist – ihr Fressverhalten und Aussehen mal ausgenommen – immer noch ein normal wirkendes Mädchen. Dennoch geht eine große Faszination davon aus, dass sich hier ein fleischfressendes „Monster“ mit einem blinden Jungen zusammen tut. Die Beziehung, die sich zwischen den beiden entwickelt, ist nachvollziehbar inszeniert, krankt aber am unsympathisch aufspielenden Toby Nichols. Dessen Wandlung wird so richtig nicht nachvollziehbar und ernsthaft liebenswert kommt er nicht rüber. Das ist schade, weil Nadia Alexander in der Rolle der Mina vollauf überzeugen kann. Dass ihre Figur sich nach und nach wieder öffnen und Gefühle zulassen kann (nachdem, was ihr widerfahren ist) bringt die Darstellerin höchst glaubwürdig rüber.
Hätte man den beiden noch mehr Raum für Annäherung gegeben und weniger Intensität in das nervtötende Dauerschlürfen einer heißen Suppe gelegt; wäre man noch deutlicher auf die tragischen Folgen der Erlebnisse aus Minas Vergangenheit eingegangen und hätte mehr Futter in die Entführungsgeschichte von Alex gelegt, hätte das ein herausragender Independent-Film werden können. Was bleibt ist das „Wow“ für die wirklich atmosphärischen Bilder und die professionellen Masken.

Drei, die sich besser nicht in den Wald getraut hätten

Bild- und Tonqualität

Mehr als eine Zweckgemeinschaft

The Dark liefert technisch gesehen nur rudimentäre Eigenschaften:
Angefangen beim Bild, das „nur“ in 1080i/50 vorliegt und nicht mit 24 Vollbildern, wurde auch der Ton nur in schmächtigem Dolby Digital mit einer 0.5Mbps-Datenrate abgelegt. Beidem merkt man die technische Reduktion allerdings nicht an. Solange Player oder TV ein gutes De-Interlacing beherrschen, fallen typische Problematiken des Interlaced-Verfahrens gar nicht auf. Allerdings ist das Bild dunkel – sehr dunkel. Nicht nur im Wald, sondern auch in den Rückblicken ist die Ausleuchtung dermaßen spärlich, dass man sich bei Restlich im Raum auf einem TV anstrengen muss, Figuren zu erkennen. Das, was man sieht, ist aber laufruhig, kornfrei und angenehm scharf.
Beim Sound ist es noch erstaunlicher, was The Dark auf die Beine stellt. Angefangen beim dynamischen Vorbeifahren von Hofers Fahrzeug zu Beginn über die trockenen Schüsse aus seiner Waffe, bis zum dumpfen Hämmern der Axt in der Wand – das ist alles erstaunlich wuchtig und präsent. Und es zeigt: Ist eine Kompression gut gelungen und sauber gemacht, muss eine DD-Spur nicht schlecht sein. Zumal sie Dialoge präzise wiedergibt, feine Geräusche wie Waldvögel differenziert erklingen lässt und auch ein Knacksen im Waldboden authentisch darstellt.

Bonusmaterial

Bonusmaterial ist leider Fehlanzeige.

Fazit

The Dark beginnt stark und nutzt seine ungewohnte Prämisse für einige intensiv-gespielte Szenen. Schade, dass dem ungewöhnlichen Genremix zum Ende die Luft etwas ausgeht und der männliche Part des Teenie-Duos nur bedingt sympathisch charakterisiert wird.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 0%
Film: 60%

Anbieter: Studio Hamburg
Land/Jahr: Österreich 2018
Regie: Justin P. Lange
Darsteller: Nadia Alexander, Toby Nichols, Karl Markovics, Sarah Murphy-Dyson, Dan Beirne
Tonformate: Dolby Digital 5.1: de, en
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 91
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Studio Hamburg)

Trailer zu The Dark

The Dark (2018) – Trailer | deutsch/german

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