The Dead Don’t Die

Blu-ray Review

dead don't die blu-ray review cover
Universal Pictures, 24.10.2019

OT: The Dead Don’t Die

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Wie die Ameisen

Wenn Jim Jarmusch einen Zombiefilm macht, wird was Besonderes draus.

Inhalt

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Centerville: 738 Einwohner, Tendenz fallend

Centerville ist ein Traum. Vielleicht nicht der amerikanische, aber ein Traum. Zumindest in Sachen Ruhe. Das kleine Nest hat nicht mal 1000 Einwohner und die finden sich auch noch alle töfte. Ein vermisstes Huhn ist da noch das Schlimmste, um das sich die drei Polizisten der Stadt kümmern müssen. Während sie das tun, fällt ihnen plötzlich auf, dass es gar nicht dunkel ist, obwohl schon acht Uhr Abends. Wie das Fernsehen berichtet, handelt es sich um eine mögliche Verschiebung der Erdachse -- verursacht durch Fracking, oder sowas. Und das hat natürlich krasse Auswirkungen auf die Zeit und die Natur und so. Kein Wunder, dass eines Nachts die Toten aus ihren Gräbern erwachen und sich an den Lebenden laben. Lediglich für die Stadtsheriffs Cliff, Ronnie und Mindy ist das neu. Verstörend sogar. Denn ausgeweidete Leichen gab’s zuletzt, als mal ein Fuchs eine Kuh gerissen hat. Ronnie allerdings weiß Bescheid: Zombies, Ghuls, Untote -- fieses menschenfleischfressendes Gesocks, das nur durch die Zerstörung des Kopfes zu stoppen ist. Das jedenfalls weiß Ronnie. Was er nicht weiß: Bald gibt es mehr Untote in Centerville als Lebende und zu Dritt ist man eher schlecht als recht gewappnet …

Wildes Tier oder doch ein Angriff von Ghulen? Die Dorfsheriffs sind sich noch etwas uneinig

Wenn Jim Jarmusch ruft, kommen sie alle. All seine Freunde, Bekannte und Kollegen aus der etwas alternativeren Künstlerschiene. Von seinem alten Buddy Tom Waits über Iggy Pop bis hin zu Bill Murray, Tilda Swinton oder Adam Driver sieht man Gesichter, die man (teilweise) wohl als Letztes in einem Zombiefilm vermuten würde.
Und man könnte es ja auch als Anbiederung an ein Thema deuten, das seit ein paar Jahren seinen zweiten Frühling feiert. Auf der anderen Seite kommt Jarmusch damit reichlich spät -- gerade, wenn man betrachtet, dass Ruben Fleischer nun schon bereits zum zweiten Zombieland ausholte.
Vielleicht ist es also doch ein bisschen einfach, Jarmusch das Ausnutzen eines populären Themas anzulasten -- zumal sein The Dead Don’t Die ja durchaus andere Pfade verfolgt als das Gros der Genreproduktionen.
So behalten die Untoten in Jarmuschs Film bspw. ihre typischen Eigenheiten. Der eine wird angezogen von seiner Sucht nach koffeinhaltigen Heißgetränken und eine andere kann nicht aufhören, an Chardonnay zu denken. Außerdem tauchen für die Charaktere alte Bekannte auf und werden als solche auch angesprochen. Wenn Murrays Cliff Farmer Frank ohne große Überraschung ob dessen Wiederauferstehung erkennt, um ihm im nächsten Moment mit den Worten „Du erntest, was du säst“ die Rübe weg zu pusten, ist das genau der lakonische Humor, den man vom Regisseur kennt und erwartet. Und wer über Tilda Swintons sensationellen Auftritt als schwertschwingede Bestatterin mit Faible für clowneske Leichenschminke (und ihre Verwunderung über das Verhalten der beiden „Opfer“) nicht vor Lachen am Boden liegt, hat mit Jarmuschs Humor ohnehin nicht viel am Hut. Auch wenn ihr Michonne-Verhalten tatsächlich arg abgekupfert ist.

Zelda kommt aus Schottland oder so

Außerdem haftet den Filmen des schlohweißhaarigen Regisseurs immer auch ein bisschen Gesellschaftskritik an. In The Dead Don’t Die knöpft er sich anfangs ein wenig die weißen Rednecks vor, die so unrettbar am derzeitigen Präsidenten festhalten und die alles Fremdartige verurteilen. Großartig, wenn sich Steve Buscemi in der Rolle von Farmer-Frank über den viel zu „schwarzen Kaffee“ beschwert, wenn Afroamerikaner Hank direkt neben ihm sitzt.
Allerdings verlässt der Film dieses Motiv recht zügig und konzentriert sich auf eine etwas durchschaubare und klischeehafte Konsumkritik. Das macht noch Spaß, wenn Hipster ihr Fett wegkriegen, ist in der Summe aber ein bisschen müde.
Müde -- oder sagen wir besser „langsam“ ist das Erzähltempo von The Dead Don’t Die. Bill Murray redet im Bonusmaterial von den „krassen“ Actionszenen, die er für den Film vornehmen musste. Tatsächlich ist seine „rasante“ Fahrt durch eine Pfütze die schnellste Autosequenz des Films -- und es gibt einige. Normalerweise bewegt sich die Kamera eher in Zeitlupe und seine Protagonisten gleich dazu -- und zwar nicht nur die Untoten, die hier (G.A. Romero würde es freuen) schlurfen und nicht rennen.
Nein, ein Actionfilm ist das nicht. Aber auch das weiß und erwartet man, wenn man bspw. Jarmuschs Dead Man gesehen hat.
Vielmehr sind es die schrulligen Figuren, ihre eingefahrenen Verhaltensweisen oder das urkomische Aufeinanderprallen von Kleinkaffpolizisten mit „dem, was man nur aus Filmen kennt“, das für Unterhaltung sorgt -- absurde Ideen wie das private Fahrzeug Ronnies inklusive. The Dead Don’t Die funktioniert nicht über sprühenden Dialogwitz oder rasantes Tempo. The Dead Don’t Die funktioniert über das absurde Element in der Lakonie der geschilderten Ereignisse. Das wird vielen Zusehern zu wenig sein. Langweilig gar. Aber Fans von Jarmusch werden es lieben.

Tötet den Kopf

Bild- und Tonqualität

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Iggy Pop -- der Einzige der Darsteller, bei dem ein bisschen Dreck im Gesicht ausreicht, um authentisch einen Untoten zu mimen

The Dead Don’t Die liegt im 16:9-Vollbild vor und nutzt weitgehend warme und an einer Braunpalette entlang hangelnde Farben. Das lässt den Film sehr erdig und harmonisch erscheinen. Herausragend gut ist die Bildruhe, die selbst in den ganz dunklen Szenen keine Körnung offenbart. Wer bei den Close-ups denkt: „Wow, hier geht’s scharf zu“, der reagiert auf die ursprünglich hohe Auflösung der verwendeten Kamera, die über ein 4K-Digital-Intermediate gemastert wurde. Hätten wir es hier mit einer UHD zu tun, wäre es also quasi eine native 4K-Disk. So ist es zwar „nur“ eine Full-HD-Scheibe, aber die bringt die ursprüngliche Auflösung mit toller Detaildarstellung rüber. Ganz egal, ob es Murrays Gesicht im Streifenwagen ist oder die Einzelheiten von Klamotten und angesteckten Marken. Wunderbar ist auch, dass die Schärfe über die komplette Bildfläche homogen verteilt und der Kontrastumfang trotz des erdigen Looks ordentlich geworden ist.
Unschön ist einzige der teils weiche Hintergrund in der Opening-Scene, der die Blätter des Waldes eher wie ein Gemälde denn einen Film aussehen lässt. Außerdem könnt’s im Schwarz ein bisschen prägnanter sein.
Der Ton liegt fürs Deutsche in regulärem dts vor, während die Originalspur in unkomprimiertem dts-HD-Master abgelegt wurde. Große Unterschiede gibt es zwischen den beiden Spuren allerdings nicht. Auch die deutsche dts-Fassung liefert prägnante Dialoge und eine souveräne Front. Echte Surroundeffekte oder Dynamik im Bassbereich sucht man zunächst völlig vergeblich. Aus den Rearspeakern rauscht es nur beständig ein wenig. Filmmusik wird (abgesehen vom mehrfach zu hörenden Titelsong) praktisch gar nicht integriert. Wenn aber im späteren Verlauf öfter mal geschossen wird, gibt es auch kurze dynamische und effektvolle Aktivität

Bonusmaterial

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Tom Waits als Einsiedler Bob -- eine weitere skurrile Rolle für den großartigen Songschreiber/Musiker

Bill Murray: Zombiejäger und Actionstar reflektiert der Darsteller in seiner typisch selbstironischen Art, wie viel ihm die Rolle des Sheriffs abverlangt hat und was er alles geleistet hat („schnelles Fahren durch eine Pfütze“). „Zusammenhalt“ beschreibt das familiäre Element am Set, das Jarmusch schon alleine deshalb herstellt, weil sie (fasst alle schon mehrfach mit ihm gedreht haben. Beide Featurettes laufen allerdings nur sehr kurz, während das sechsteilige Hinter-den-Kulissen es auf sagenhafte 5’16 Minuten bringt. Zwar ist auch das kurzweilig und komisch geraten, aber ein bisschen mehr hätte man sich schon gewünscht als einen 360°-Kameraschwenk beim Dreh einer Szene, der dann als „Rundgang am Set“ verkauft wird.

Fazit

The Dead Don’t Die könnte für den einen oder anderen eine anstrengend-langweilige Nummer sein -- hier sollte man sich nicht vom zügig geschnittenen Trailier irritieren lassen. Denn Jarmuschs Zombie-Persiflage ist keine Gag-Revue wie ein Shaun of the Dead. Wer aber auf die langsame Erzählweise und Filme des Regisseurs steht, wird auch diesen lakonischen Kommentar auf Konsumismus lieben.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 40%
Film: 70%

Anbieter: Univeral Pictures
Land/Jahr: USA 2018
Regie: Jim Jarmusch
Darsteller: Bill Murray, Adam Driver, Chloë Sevigny, Tilda Swinton, Steve Buscemi, Danny Glover, Caleb Landry Jones, Rosie Perez, Iggy Pop, Sara Driver, RZA, Carol Kane, Selena Gomez, Tom Waits
Tonformate: dts HD-Master 5.1: en // dts 5.1: de
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 105
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Universal Pictures / © 2019 Image Eleven Productions, Inc.)

Trailer zu Dead Don’t Die

The Dead Don't Die - Trailer deutsch/german HD
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