The Dive

Blu-ray Review

EuroVideo, 18.04.2024

OT: The Dive

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Letzter Tauchgang

Alter Wein in neuen Schläuchen?

Inhalt

Zwei Schwestern, gemeinsame Leidenschaft

Drew und May sind begeisterte Taucherinnen. So war es praktisch immer. Allerdings hat die eine, May, das Ganze seit einiger Zeit zur Profession gemacht, während die andere, Drew, der Sache immer noch als Hobby nachgeht. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass sie ihre Schwester gerne mal als Nerd bezeichnet, wenn diese im Fachchinesisch irgendwelche Sicherheitsregeln beim Tauchen herunterrattert. Ein wenig Sarkasmus ist dabei, vielleicht auch ein wenig Neid auf die ältere Schwester, die demnächst einen Job im fernen Ausland annehmen wird. Ein letzter gemeinsamer Tauchgang soll als vorläufiger Abschied dienen. Ein Tauchgang, zu dem die beiden sich ritualisiert einmal im Jahr aufmachen. Vielleicht die letzte Gemeinsamkeit der beiden, da sie privat mittlerweile doch sehr verschiedene Wege gegangen sind und sich auch nur noch oberflächlich im Leben der jeweils anderen auskennen. Ausgesucht haben sie sich in diesem Jahr eine hübsche Bucht im Mittelmeer, die sie mit einem Mietwagen eines lokalen Anbieters ansteuern. Die Vorbereitungen sind reine Routine, die Route unter Wasser in eine kleine Höhle nichts Besonderes für die erfahrenen Taucherinnen. Zudem ist die See ruhig und das Wetter gut. Dass nach einer Viertelstunde eine kleine Differenz zwischen beiden dazu führt, dass May sich kurz von Drew absetzt und an Ort und Stelle von einem schweren Felsbrocken, der sich an Land gelöst hat, getroffen und begraben wird, konnte keine der beiden ahnen. Nun ist guter Rat teuer und Luft Mangelware. Davon soll Drew in Form von Sauerstoffflaschen noch mehr holen, damit der fixierte May am Meeresgrund selbige nicht ausgeht. Doch die zurechtgelegten Ersatzflaschen sind ebenfalls unter Steinen begraben. Es verbleiben zwei Flaschen aus dem Mietwagen. Doch wird die Luft reichen, um Hilfe zu holen und sich zu überlegen, wie sie den Fels von May herunterbekommen …?

May nimmt’s sehr genau

Der Oktober 2020. Mitten in die noch anhaltende Pandemie und kurz vor dem zweiten Lockdown in Deutschland kam eine Blu-ray von (damals noch) Koch Films, die ein filmisches Äquivalent zum klaustrophoben Zustand deutscher Haushalte bot. Während man sich hierzulande in den eigenen vier Wänden mehr und mehr beklemmt fühlte, fokussierte sich der schwedische Regisseur Joachim Hedén in Breaking Surface auf die Schwestern Tuva und Ida, die bei einem gemeinsamen Tauch-Trip den Abschied einer von beiden auf die Philippinen feiern. Während des Tauchgangs wird Tuva von einem Felsen verschüttet und Ida muss irgendwie für Rettung sorgen. Klingt vertraut, nachdem man den Inhaltstext gelesen hat? Das könnte daran liegen, dass The Dive ein Remake eben jenes Breaking Surface ist. Der deutsche Regisseur Maximilian Erlenwein nutzt die Vorlage, um seinen ersten Langfilm seit dem 2014er Stereo mit Jürgen Vogel und Moritz Bleibtreu zu inszenieren. Gegenüber dem Original verändert er die Gegend und die Jahreszeit, während der The Dive spielt. War’s im schwedischen Thriller Weihnachten und völlig verschneit, gehen die beiden Schwestern hier nun bei Sonne und Sonnenschein irgendwo in einer staubigen Mittelmeergegend ins Wasser. Das bedeutete auch, dass es nicht ganz so unwirtlich ist, wenn Drew an die Oberfläche kommt, um dort nach Möglichkeiten zur Rettung ihrer Schwester zu suchen. Was Erlenwein allerdings (trotz einiger Rückblenden) weglässt, ist ein kleiner dramatischer Vorfall aus der Kindheit der beiden, der auch das Verhältnis zur Mutter einbezieht. Entsprechend ist The Dive etwas oberflächlicher und liefert weniger Substanz. 

Alles (noch) friedlich unter Wasser

Dennoch entwickelt der Unterwasser-Thriller immer wieder eine ähnliche Spannung wie das Original. Wenn Drew zwei weitere Tauchflaschen aus dem Auto holt, bleiben die Steine, die sich ihr in den Weg legen, realistisch und nachvollziehbar. Sie verhält sich trotz der Panik zudem rational und zielführend. Das hat man an anderer Stelle im Wettlauf mit der Zeit auch schon übertriebener und dämlicher erlebt. Auch die Situationen, in denen die beiden wechselseitig ihr Mundstück nutzen, um das benötigte Sauerstoff-Stickstoffgemisch zu erhalten, wirken authentisch (so ich das als absoluter Nicht-Taucher beurteilen kann – also eigentlich gar nicht). Dennoch ist es glaubwürdig vorgetragen und gerade das Aufsetzen der Fullface-Maske sorgt für Nervenkitzel, wenn Drew zuvor zwei Minuten Apnoe unterwegs war. Natürlich spitzen sich auch hier die Geschehnisse mehr und mehr zu. Natürlich nutzt der Film jede Möglichkeit, einen frühzeitigen Erfolg zu verhindern. Dennoch bleibt’s verhältnismäßig logisch und nachvollziehbar. Der Überlebenskampf der beiden Schwestern wird zunehmend bedrohlicher und das nimmt den Zuschauer durchaus mit. Was der Spannung leider etwas abträglich ist, sind die nicht ganz so starken Sympathien für die beiden Darstellerinnen. Vor allem May erfüllt zu Beginn nur die Funktion eines etwas muffeligen Tauchnerds und hat nicht sonderlich viel Zeit, das während der Unterwasserszenen zu ändern. Ausgerechnet ihr muss man aber als Zuschauer die Rettung wünschen und nicht das genaue Gegenteil. Sophie Lowe, die über weite Strecken des Films weit mehr zu tun hat und sich während der Szenen an Land körperlich an Grenzen bringen musste, macht das erneut gut und überzeugend. Zwar verlangt man ihr in The Dive nicht ab, was sie noch bei Autumn Blood (in absolut erschreckende-herausragender Art und Weise) tat, doch sie fügt ihrer Vita eine weitere sehr gute Performance hinzu. Insgesamt eines der gelungeneren Remakes eines skandinavischen Originals, mit dem auch Maximilian Erlenwein eine Visitenkarte abgibt.
Joachim Hedén bleibt derweil dem submarinen Genre treu. Sein nächster Film ist bereits abgedreht und hört auf den Namen The Last Breath. Bei dem geht es um eine Gruppe alter Studienfreunde, die sich auf einem Tauchausflug in der Karibik trifft, um das Wrack eines Kriegsschiffs aus dem Zweiten Weltkrieg zu erforschen. Bald wird man in dem Unterwasserlabyrinth aus verrostetem Metall gefangen und ist umgeben von Weißen Haien. Hedéns jüngster Unterwasser-Beitrag ist dabei nicht zuletzt aus einem bestimmten Grund interessant: Im Ende 2022 gedrehten Film spielt Julian Sands seine letzte Rolle, bevor er Anfang 2023 zu einer Wanderung in der verschneiten Bergregion Mount Baldy bei Los Angeles aufgebrochen war und von dort nicht mehr zurückkehrte. Erst im Juni 2023 fand man seinen Leichnam.

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Bild- und Tonqualität

Drew sucht Hilfe …

The Dive ist digital gedreht, was in Anbetracht der Unterwasseraufnahmen (und dem damit verbundenen Aufwand für analoge Filmarbeiten) nur logisch ist. Ob ein 2K – oder 4K-DI verwendet wurde, ist allerdings nicht bekannt. Sehr wohl aber, dass eine Red Epic Dragon zum Einsatz kam. In der Praxis fällt das Bild der Blu-ray sehr hell aus. Vor allem die Außenszenen sind mitunter im Himmel wenig differenziert und Wolkengebilde überstrahlen etwas. Der Kontrastumfang ist maximal mittelprächtig und lässt in den Unterwasserszenen zu wünschen übrig. Dort ist Schwarz maximal hellgrau. Das sorgt zwar dafür, dass man dort noch etwas erkennen kann, aber so richtig knackig ist es halt nicht. Apropos „unter Wasser“: Worunter Filme, die über weite Strecken unterhalb der Meeresoberfläche spielen, auf Blu-ray oft leiden, sind Bandingartefakte – also erkennbare Farb-/Helligkeitsabstufungen, die dort vor allem deshalb auftreten, weil die Datenrate aufgrund der sehr gleichen Bildanteile sinkt und die entsprechenden Abstufungen außerdem so nuanciert sind, dass die 8-Bit-Videoverarbeitung bei „lediglich“ 256 möglichen Helligkeitsabstufungen pro Farbkanal hier nicht genug Differenzierung hinbekommt. Doch anfänglich darf man überrascht sein, wie gut die Blu-ray das hinbekommt. Die Tauchgänge werden zunächst souverän und sauber abgebildet. Dann jedoch kommen sie auch hier, die Banding-Artefakte. Im Schein der Taschenlampe sieht man es immer wieder mal (15’19, 15’38, 16’48, 17’07). Was letztlich auch kein allzu großes Wunder ist, denn der automatische Encoding-Algorithmus sieht in der dunklen Unterwasserumgebung viel zu viel gleichförmige Bildanteile und fährt die Datenrate mitunter auf 5 Mbps runter. Das ist unterhalb der möglichen Datenrate einer DVD. Trotz allem hat man Unterwasserfilme schon unruhiger und weniger souverän umgesetzt gesehen. Denn abseits von den dezenten Bandingartefakten (die wirklich im Rahmen des Erträglichen bleiben) erschafft die Blu-ray ein erstaunlich konsistentes und gleichmäßiges Bild. Natürlich rauscht es mehr, je dunkler es im Wasser wird. Das liegt aber vor allem an der Dunkelheit selbst, und damit an der Tatsache, dass die ISO-Werte der verwendeten Kameras etwas höher gesetzt werden müssen, um überhaupt noch etwas zu erkennen. Je höher der ISO-Wert, desto stärker nimmt auch Bildrauschen auf dem Chip zu. Je heller das Bild wird, desto souveräner wird’s – zumindest im Hinblick auf die Kontrastierung und das Rauschverhalten. Dennoch ist ein durchweg vorhandenes Bildrauschen nicht zu verleugnen. Offenbar orientierte man sich hier am Original. Dieses war zwar digital gedreht, aber nachträglich mit teils sehr deutlichem Korn belegt, um das Bild bewusst schmuddelig zu halten.

… und hat keine Zeit

The Dive erscheint mit zwei DTS-HD-Masterspuren fürs Deutsche und Englische. Wobei der Film in Englisch produziert ist und die deutsche Fassung entsprechend eine aus dem Synchronstudio ist. Beiden gleich ist die hervorragende Verständlichkeit der Sprachanteile – und das gilt nicht nur für jene an Land, sondern auch für die von typischen Ventilgeräuschen begleiteten Dialoge in den Tauchmasken unter Wasser. Beide Tonspuren machen vor allem die dumpfen Geräusche unter Wasser akustisch sehr glaubwürdig mit. Da hat man nicht selten das Gefühl, selbst anwesend oder „da unten“ unterwegs zu sein. Bisweilen ist der Surroundeffekt dazu sensationell. Vor allem, wenn die Kamera durch die Blubberblasen hindurchtaucht und die Rears wirklich sehr raumfüllend eingesetzt werden (45’20).

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Bonusmaterial

Da bekommt man schon mal einen Genrefilm aus Deutschland und dann gibt’s dazu auf der Blu-ray nicht mal das geringste bisschen Bonusmaterial. Lediglich den Trailer hat man integriert, keine Making-ofs, keine Hintergrundfeaturettes, keine Interviews. Schade drum, denn vor allem ein Bericht über die Unterwasser-Dreharbeiten wäre wirklich interessant und wünschenswert gewesen.

Fazit

The Dive mag dem Original aus Schweden nichts Neues hinzufügen, funktioniert für sich genommen aber auf ganz ähnliche und durchaus spannende Art und Weise. Hauptdarstellerin Sophie Lowe gibt eine leidenschaftliche Kämpferin ab und die Blu-ray punktet mit solidem Bild und sehr atmosphärischem Ton. Nur bei den Extras hätte man wirklich ein wenig mehr erhofft als lediglich den Trailer.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 70%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 5%
Film: 60%

Anbieter: EuroVideo
Land/Jahr: Deutschland 2023
Regie: Maximilian Erlenwein
Darsteller: Louisa Krause, Sophie Lowe, David Scicluna, Shire Richardson, Stella Uhrig
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Untertitel: de, de f. Hörg.
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 91
Codec: AVC
FSK: 12

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter EuroVideo)
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Trailer zu The Dive

THE DIVE | Offizieller Trailer


So testet Blu-ray-rezensionen.net

Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
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Sunny

Komplett unnötiges Remake. Das Original war sehr gut. Top Atmosphäre, tolle Aufnahmen, gute Darsteller, spannend, etc.