The Field Guide to Evil – Handbuch des Grauens

Blu-ray Review

Lighthouse Home Entertainment, 24.01.2020

OT: The Field Guide to Evil

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Schauer-Mär

Neun Filmemacher, acht Filme – eine Horror-Anthologie mit Anspruch.

Inhalt

Songul kümmert sich um die kranke Schwiegermutter

Kathie und Valerie kommen sich im Wald näher und küssen sich. Doch das will der traditionellen Mutter von Kathie so gar nicht gefallen. Sie bittet ihre Tochter zum Gebet, um für ihre Sünde Abbitte zu leisten. Je stärker die Bindung zwischen den beiden Frauen wird, desto mehr scheint das Unheil über Kathie zu kommen …
Songul erwartet ein Kind und kümmert sich gleichzeitig um die schwer kranke Schwiegermutter. Als das Baby geboren wird, macht sie Bekanntschaft mit dem bösärtigen Al Karisi, dem Dschinn der Wiedergeburt …
In den nördlichen Wäldern der USA soll es humanoide Kinder geben, die einen überdurchschnittlich großen Schädel haben und möglicherweise Kannibalen sind …
Ein wahnsinniger König hortet einige ungewöhnliche humanoide Exemplare in einem Palast in West-Bengalen. Kurios aussehende Menschen, für die sich ein Zirkus interessiert …
Zwei Schuster-Brüder wetteifern um die Gunst einer Prinzessin. Einer von ihnen ist eifersüchtig auf den anderen, weil der an die Füße der Prinzessin darf. Ein Konflikt, der bald eskaliert …

Schockierende Erfahrungen

Tim League und Ant Timpson hatten sich 2012 erstmalig zusammen getan, um mit ihrer Horror-Anthologie The ABCs of Death eine 26-teilige Schauer-Kurzfilm-Geschichte auf den Weg zu bringen. Zwei Jahre später folgte ein weiterer Teil, der sich erneut am Alphabet entlang hangelte, hierzulande aber als 23 Ways to Die veröffentlicht wurde, weil drei Buchstaben (C, D und T) für eine 18er Freigabe der Schere zum Opfer fielen.
League und Timpson bleiben sich treu und versammeln in The Field Guide to Evil – Handbuch des Grauens nun neun Filmemacher für acht Kurzgeschichten. Aus so unterschiedlichen Ländern wie der Türkei, Österreich, Indien, Polen, England, Deutschland und Griechenland kommen die Regisseurinnen und Regisseure – und das nicht ohne Grund. Denn durch The Field Guide to Evil zieht sich ein ganz bestimmter roter Faden. Sämtliche Geschichten beziehen sich auf bestimmte Mythen oder Sagen der entsprechenden Länderfolklore. Das ist mal mehr bekannt (wie beim österreichischen Beitrag Die Trud) und mal weniger (wie bei der gerade mal in drei US-Staaten beheimateten Geschichte um die Melon Heads). Hierzulande am bekanntesten dürften dem Genrefan Can Evrenol sein, dessen türkischer Horror-Thriller Baskin für Aufsehen sorgte. Außerdem kennt man das Duo Severin Fiala und Veronika Franz, die gemeinsam den grandiosen Ich seh, ich seh realisiert hatten.
Die Deutsche Katrin Gebbe kennt man wiederum als Regisseurin von Tore tanzt.

Die Prinzessin wehrt sich

Jetzt ist es natürlich an The Field Guide to Evil, eine stärkere Verbindung zwischen den Geschichten herzustellen als das noch beim ABC des Todes der Fall war. Buchstaben haben nur wenig Zwangsbindung, folkloristische Märchen/Mythen/Schauergeschichten verdienen aber einen gewissen Zusammenhalt.
Und abgesehen von einem sich vorwärts blätterndem Buch, das auf die nächste Kurzgeschichte verweist, scheitert die Anthologie hier.
Leider auch etwas in der Qualität der Geschichten. Wirklich gut und hervor zu heben sind lediglich zwei der acht Short Stories: Die Sünderinnen von Höllfall (Die Trud) und The Cobbler’s Lot.
In Ersterem erzählen Fiala und Franz von der Trud, die sich des Nachts auf den Brustkorb der sündigen Frauen setzt und ihnen den Atem nimmt. Die Sünderinnen … eröffnen den Reigen und überzeugen mit einer tollen Szenerie, die von der Kamera stilvoll eingefangen wird und auch über die authentische Kleidung Atmosphäre erzeugt. Nur wenige Dialoge lenken von den Bildern ab, die kraftvoll geraten und denen eine Kritik an religiöser Vernarrtheit unterliegt. Sogar die „Trud“ selbst ist recht schaurig geraten und weiß zu überzeugen – selbst wenn (wie bei einigen der Geschichten) das Ende abrupt und nicht ganz schlüssig wirkt.
Zündler und die Jungfrau, der polnische Beitrag labt sich relativ deutlich an blutigem Gore, bleibt ansonsten fast komplett sprachlos und von der Bildgestaltung her fast surreal. Allerdings wirkt das nur bedingt rund und findet ebenfalls kein befriedigendes Ende.

Des Schusters Sehnsüchte

In der amerikanisichen Kurzgeschichte über die Melonheads bekommen wir es mit dem typischen US-Horrorlook zu tun, der sich atmosphärisch am deutlichsten von allen anderen unterscheidet, weil er im Vergleich so gewöhnlich und langweilig wirkt. Calvin Reeder präsentiert hier mit seinem Short-Movie den am wenigsten überzeugenden Beitrag, der zudem über seine günstigen CGIs stolpert, die das Geschehen ins Alberne ziehen.
Albern sehen auch die Gumminasen der Goblins aus, welche „Was ist mit Panagas dem Heiden geschehen?“ beölkern. Ein Hauch von Krampus weht durch die Story, die allerdings aufgrund des infantilen Benehmens der betrunkenen Dorfbewohner auf die Nerven geht.
Der Palast des Horrors liefert wiederum wenigstens stimmungsvolle Schwarz-Weiß-Bilder, wenn er seine indische Geschichte um einen König erzählt, in dessen Palastkeller allerlei Mutanten und kuriose Menschen hausen, für die sich ein Wanderzirkus interessiert. Ohne die Tiefgründigkeit eines Freaks von Tod Browning wird man hier zumindest optisch an den Klassiker aus dem Jahre 1932 erinnert – zumal hier bisweilen etwas Spannung aufkommt.
Nächtlicher Atemzug von Katrin Gebbe rollt den Drude-/Trud-Mythos noch einmal aus der bayerischen Sichtweise auf, weshalb sich die Grundlage zumindest mit der Geschichte von Fiala und Franz doppelt.
In Des Schusters Los (Cobbler’s Lot) zeigt uns der Brite Peter Strickland eine klassische Eifersuchtsgeschichte um eine schöne Frau. Im Stile eines Stummfilms mit Text-Zwischeneinblendungen, die von einem Erzähler leidenschaftlich vorgelesen werden, ist das vielleicht die stimmigste der acht Kurzgeschichten. Auch schauspielerisch weiß der letzte Short-Movie zu gefallen und hebt sich von den anderen sieben wohltuend ab.
Allerdings sollte man stets im Hinterkopf behalten, dass alle acht Kurzfilme eher etwas für den Arthaus-Horrorfan sind, keineswegs für den Mainstream-Schocker-Freund.

Die Geschichte der deutschen Regisseurin Katrin Gebbe kümmert sich um die Mär der Drud

Bild- und Tonqualität

In der griechischen Geschichte geht’s hinab in die Höhle der Teufelskinder

Je nach Kurzgeschichte variiert die Bildqualität von Field Guide to Evil. Während Die Sünderinnen von Höllfall dem Thema und der Zeit, in der die Geschichte spielt entsprechend grobkörnig ist, wechselt es schon bei der zweiten Short Story auf ein sehr rauscharmes und recht kontrastreiches Bild. Die dritte Story kommt dann mit einem sehr deutlich gefilterten Bild, das in Grün- und Blautönen schwelgt, während sich in der vierten Geschichte beim Aufblenden des Bildes Banding-Artefakte zeigen und im Verlaufe auch noch ein leichter (bewusster) Weichzeichner über dem Bild liegt. Die griechische Story über die Kallikantzaros fällt dann wieder mit einem massiven Korn auf, das die Story ziemlich dreckig erscheinen lässt.
Akustisch liefern die Kurzgeschichten jeweils dts-HD-Master-Sound in deutscher Synchro sowie der Originalsprache des Films. Sonderlich dynamisch wird das Geschehen zu keiner Zeit, lediglich die Surround-Speaker bekommen hin und wieder etwas zu tun, wenn Windgeräusche zu hören sind oder das Knacksen eines Feuers. Allerdings gibt’s es etwas Druck während der verbindenden Elemente des Buches. Taucht dieses auf, drückt der Subwoofer ein wenig ins Heimkino. Ansonsten bleiben zumindest die Stimmen sehr gut verständlich und haben sogar ein recht angenehm voluminöses Erscheinungsbild.

Bonusmaterial

Bonusmaterial ist – abgesehen vom Trailer – keines vorhanden.

Fazit

The Field Guide to Evil ist gut erdacht und in Teilen stimmungsvoll inszeniert. Leider wird der eigentliche rote Faden nicht für einen verbindenden Rahmen genutzt und einige der acht Geschichten hangeln sich haarscharf an der Albernheit oder der totalen Kryptologie vorbei – den polnischen Zündler und die Jungfrau jedenfalls verstehe, wer will.
Geglückt sind Beitrag #1 und #8, die beide eine stimmige Atmosphäre aufbauen. Gebbes Geschichte um die Trud doppelt sich leider mit jenem des österreichischen Regieduos, der im direkten Vergleich gelungener erscheint.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 65%
Tonqualität (Originalversion): 65%
Bonusmaterial: 5%
Film: 50%

Anbieter: Lighthouse Home Entertainment
Land/Jahr: Neuseeland 2018
Regie: Ashim Ahluwalia, Can Evrenol, Severin Fiala, Veronika Franz, Katrin Gebbe, Calvin Reeder, Agnieszka Smoczynska, Peter Strickland, Yannis Veslemes
Darsteller: Marlene Hauser, Luzia Oppermann, Karin Pauer, Birgit Minichmayr, Katrina Daschner, Elfriede Schatz, Naz Sayiner, Sureyya Kucuk, Andrzeij Konopka, Bogdan Teliszewski, Kannon Hicks, Vangelis Mourikis
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, Originalsprache
Bildformat: 1,78:1
Laufzeit: 118
Codec: MPEG-2
FSK: 18 (ungeschnitten)

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Lighthouse Home Entertainment)

Trailer zu Field Guide to Evil

The Field Guide to Evil – Handbuch des Grauens
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