The Gray Man [Netflix]

Netflix Review

Netflix, 22.07.2022

OT: The Gray Man

 


Existenz im Schatten

Die Russo-Brüder geben mal so richtig Geld aus …

Inhalt

Six muss Wäsche waschen

Weil man ihm vor 18 Jahren einen Deal angeboten hat, ist Court Gentry nun schon zwei Jahrzehnte bei der CIA unterwegs. Als Teil einer Elite-Einheit operiert er innerhalb des Sierra-Programms und tötet unter dem Codenamen „Six“ böse Jungs. Einen aktuellen Auftrag jedoch scheint er nach Auffassung seiner Geldgeber zu vermasseln. Was tatsächlich passierte: Six weiß niemals, wer die Person ist, die er töten soll. Und als er seinem Kontrahenten gegenüber steht, offenbart ihm dieser, dass er Sierra vier ist. Vier berichtet, dass der gemeinsame Auftraggeber, Carmichael, ein doppeltes Spiel spielt. Ahnend, dass man von nun an hinter ihm her ist, nimmt er Kontakt zu seiner einzigen Vertrauensperson auf – jenem Mann, der ihm damals den Deal angeboten hat. Doch die CIA hetzt Six Lloyd Hansen auf den Hals – einen soziopathischen Killer ohne Skrupel …

Carmichael setzt den Soziopathen Lloyd Hansen auf Six an

120 Mio. Dollar (Outlaw King), 150 Mio. Dollar (6 Underground, Red Notice), 160 Mio. Dollar (The Irishman) und jetzt 200 Mio. Dollar – während die traditionellen Filmstudios nach den Giganten-Spektakeln des MCU nach und nach (und im Angesicht einer Rezession) sparen, wirft Streaming-Anbieter Netflix das Geld mit offenen Händen zum Fenster raus. Oder aber in die Arme seiner teuer eingekauften Stars. Im Falle von The Gray Man dürften bereits die Regisseure/Autoren ein Vermögen gekostet haben. Denn mit Anthony und Joe Russo hat man bei Neflix die beiden kreativen Köpfe hinter den letzten beiden Captain-America – und Avengers-Filmen für sich gewinnen können. Wo die Russos allerdings zuletzt im Kino unfassbar erfolgreich waren, scheiterten schon ganz andere große Kaliber mit Filmen beim Streamingportal. So warf man Michael Bay in 6 Underground nicht ganz zu Unrecht Chaos und mangelndes Interesse an den Figuren nach, schimpfe über Zack Snyders Army of the Dead„, weil er zäh und unausgegoren sei und auch Scorsese kam nicht kritiklos davon, als man seinem Irishman vorwarf, dass der Regisseur seine eigenen Filme kannibalisiere und nur noch palavernde verwirrte alte Männer zeige. Es muss also erst einmal gar nichts heißen, wenn berühmte Namen viel Geld in die Hand bekommen und für Netflix einen Film drehen. Mitunter ist die Skepsis unter den Abonnenten im Vorfeld groß angekündigter Filme derart ausgeprägt, dass die Vorverurteilung entsprechend freudige Erwartungen übertrumpft.

Prag wird Schauplatz einer riesigen Actionsequenz

Bei The Gray Man könnten die Aktien aber vielleicht etwas anders stehen. Die beiden Hauptstars sind nicht am oberen Ende der Verdienstetage zu finden, sodass eine Menge des Budgets in die Schauplätze floss, was dem Film die größtmögliche Authentizität einer Agentenhatz verleihen sollte. Die Geschichte basiert auf den Romanen von Mark Greaney, der vor allem dadurch bekannt wurde, dass er Tom Clancy bei dessen letzten Romanen assistierte und nach dessen Tod die Jack-Ryan-Serie fortsetzte. Von den Gray-Man-Romanen gibt es mittlerweile zwölf an der Zahl. Es sollte schon einmal eine Verfilmung geben, die seinerzeit von New Regency Pictures angestoßen wurde und witzigerweise von James Gray! (Ad Astra) inszeniert werden sollte. Brad Pitt wurde mit der Hauptrolle in Verbindung gebracht, doch dazu kam es nie. Auch die Russos wurden schon früher mit dem Stoff assoziiert. Seinerzeit mit einem femininen Gegenentwurf zur eigentlich auf einen männlichen Protagonisten setzenden Geschichte. Charlize Theron war damals als Hauptdarstellerin im Gespräch, drehte dann als Ausgleich Atomic Blonde. Erst im Juni 2020 ging es dann mit dem aktuellen Skript und mit Netflix als Produktionsstudio an die Dreharbeiten. Und die fanden in Long Beach/Kalifornien statt, wechselten dann nach Europa und besuchten das Château de Chantilly nordöstlich von Paris, bis man die Pandemie-Situation „ausnutzen“ und im ansonsten überfüllten Zentral-Prag drehen konnte. Die Hauptstadt von Tschechien hielt übrigens auch für eine der größten Actionszenen des Films her – und zwar als „Stand-in“ für Bangkok. Auf den Straßen Prags inszenierte man das Songkran Wasserfestival, das thailändische Neujahrsfest, das Mitte April gefeiert wird und bei dem die Menschen sich zu Tausenden auf Straßen treffen, um sich eine riesige Wasserschlacht zu liefern.

Hansen tötet ohne mit der Wimper zu zucken

Diese Songkran-Sequenz ist eine von insgesamt neun! Actionszenen des Films. Noch einmal in Großbuchstaben: NEUN! Verpackt in 130 Minuten dürfte The Gray Man zu den atemlosesten Filmen gehören, die je gedreht wurden. Etwas, das die Russo-Brüder übrigens selbst merkten, nachdem sie die vierte Actionszene abgedreht hatten und sich bereits völlig ausgelutscht fühlten. Mit der Aussicht, nicht mal die Hälfte „geschafft“ zu haben, sehnten sie sich fast nach einem Marvel-Film zurück, der in der Regel nur aus 3-5 großen Szenen besteht. In diesem Zusammenhang ist vor allem interessant, dass man Ryan Gosling als Hauptdarsteller besetzte, da dieser bisher noch in keinem richtig groß angelegten Actionfilm mit von der Partie war. Doch schaut man genauer hin, ist dessen Besetzung perfekt. Gosling ist herausragend im zurückgenommenen Acting. Darin, gewisse Gefühlsregungen mit minimalen Mitteln auszudrücken. Ein Typ, der in der Masse auch gerne mal untergeht. Und genau das ist ja die Anforderung an Court „Six“ Gentry – ein Kerl, der in der Masse untergehen möchte, bzw. muss. Er muss, um zu überleben, kontrolliert, diszipliniert und ruhig sein. Kamera und Inszenierung tun ihr Übriges dazu, indem sie Gentry oft in Unschärfe tauchen oder die Beleuchtung eher von ihm weg setzen. Gosling überführt derweil seinen „Driver“ aus Nicolas Winding Refns Film in eine neue Dimension und macht das mit dem ihm eigenen Charme und seiner Art des trockenen Humors. Ein ziemlich genialer Schachzug war die Besetzung von Chris Evans als Antagonisten. Mit fiesem Oberlippenbart darf der Buddy der Russos (es ist bereits der fünfte gemeinsame Film) mal auf die Seite der Bösewichte wechseln und tut das mit süffisantem Sadismus – man erkennt den Captain America kaum wieder. Und das macht richtig Spaß. Man kann The Gray Man sicher vorwerfen, dass er vor lauter Atemlosigkeit hier und da vergisst, sich um die Figuren zu kümmern; dass der teils rasante Wechsel der Schauplätze gehetzt und episodenhaft wirkt. Aber wer mal wieder richtig zünftige und herausragend inszenierte Action sehen möchte, der sitzt hier genau richtig. Schon die Eröffnung mit einem Kampf zwischen den Batterien eines riesigen Feuerwerks ist  Was die Russos in in der Prager Innenstadt abfackeln, ist schon absolut sensationell, schwerem Geschütz und Tempo vorlegen ist grandios. Die Choreografie und das Timing in der Sequenz, in der Six mit Handschellen gefesselt gegen schwerstbewaffnete Gegner zu Gange ist, ist atemberaubend. Schade, dass sich hier doch ab und an zeigt, dass selbst 200 Mio. Dollar nicht genug sind, um jeden einzelnen Computereffekt zu perfektionieren (Sprinter-Lieferwagen bei 77’13).

Bild- und Tonqualität

Kann Six seinem Mentor Fitzroy trauen?

The Gray Man wurde mit Sony Venice Kameras volldigital aufgenommen. Wie es für Netflix-Titel üblich ist, sollte auch hier über ein 4K-DI gemastert worden sein – alles andere wäre sehr überraschend. Aussagekräftige Informationen waren allerdings nicht zu bekommen, sodass am Ende das Auge für eine Beurteilung reichen muss. Netflix streamt den Titel mit Dolby-Vision-Grading und einem im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum. Witzigerweise gehen die Russo-Brüder, wie oben erwähnt, dieses Mal nicht den Weg, ihren Film farblich entsättigt zu präsentieren, was über den Stream mit teils sehr lebhaften Tönen wiedergegeben wird. Schon das rote Sakko, das Gosling zu Beginn in der Bar trägt, knallt dem Betrachter entgegen. Die Neonlichter, die hier mitunter zu sehen sind, werden sehr lebhaft dargestellt. Auch das Feuerwerk nach knapp neun Minuten kommt richtig knallig. Hier sieht man dann auch die Auflösung, wenn die Funken von explodierten Leuchtkörpern einzeln zu erkennen sind. Was nicht immer so gut gelingt, sind die Schwarzwerte. In schwächer ausgeleuchteten Szenen wirkt’s schon mal etwas gräulich/diesig. Close-ups sind hinreichend scharf, allerdings hinterlässt das Bild schon mal einen etwas soften arg digital-glatten Eindruck. Klasse sind allerdings die Spitzlichter. Das Blitzen in Evans‘ und Thorntons Augen während der Fahrt im Van nach gut einer halben Stunde gibt davon einen guten Eindruck.

Zwei Killer, die unterschiedlicher kaum sein könnten

Netflix liefert für The Gray Man neben einer englischen und einer französischen auch eine deutsche Atmos-Fassung. Dafür gibt’s erst einmal Lob. Was man dieser von Beginn an aber leider nachsagen muss: Im Tiefbass bleibt sie blass. Und das gilt für Diskobeats ebenso wie für die Unterstützung von Schüssen oder bei Explosionen. Erst bei 27’40 gibt’s mal sonores Brummen des Fliegers, das den Raum etwas füllt. Dafür bleibt die Explosion bei Minute 53 erstaunlich flach. Und die Szenen in Prag, in denen nun wirklich mit schwerstem Kaliber geballert wird, erfahren ebenfalls kaum Bassunterstützung. Gerade die Sequenz nach 27 Minuten ist unglaublich räumlich und es ist ständig was los, während der Militärtransporter beginnt, das Zeitlich zu segnen. Das hätte eine wirklich herausragende Sequenz werden können, wenn zusätzlich zum räumlichen Verhalten auch Fundament vorhanden wäre. Stimmen sind indes gut eingebettet und klar verständlich. Schade dennoch, dass man hier Potenzial verschenkt hat. Wie aber siehts mit der Höhenebene aus? Kann die überzeugen?

Die Russos fahren schwere Geschütze auf

Zunächst wird das Feierwerk nach gut drei Minuten schon mal mit etwas Krachbumm von oben begleitet. Kurz darauf hört man das Ticken der Uhr aus den Heights und wenn das Feuerwerk dann noch einmal richtig losgeht, spratzelt es erneut von oben. Die Sirene kurz darauf ist freilich ein gern genommener 3D-Sound. Schade, dass man den Helikopter nach 16 Minuten erst gar nicht vertont hat. Ganz hübsch hören sich die traditionellen Klangschalen-Geräusche nach 22 Minuten an und fünf Minuten später produziert die Actionszene im Flugzeug massig Wind-, Flatter- und Feuergeräusche. Die bis dato beeindruckendste 3D-Ton-Sequenz, die allerdings auch insgesamt mehr Dynamik vertragen hätte. Hier und da werden ein paar Segmente der Filmmusik mit auf die Heights gelegt. Was aber wirklich schade ist, ist der Mangel an Dynamik und Vehemenz. Wenn nach etwas über 66 Minuten das Zimmer in Schutt und Asche geschossen wird, hört man splitterndes Glas und andere Dinge von oben – aber eben viel zu leise und zaghaft. Da wäre so viel mehr drin gewesen. Bei 87’27 gibt’s mal wieder einen Hinweis, was man hätte machen können, wenn ein Helikopter hörbar über die Köpfe flappt.

Fazit

Gosling ist charmant, Evans unerwartet böse und die Action setzt neue Maßstäbe – The Gray Man ist ein sehr unterhaltsamer und kurzweiliger Actioner, der deutlich mehr Qualität hat als das Gros der Netflix-Produktionen (auch der teuer produzierten). Hätten die Russos ein/zwei Actionszenen weggelassen und sich dafür noch ein bisschen mehr auf Charaktermomente wie jene zwischen Six und Fitzroys Nichte Claire konzentriert, hätte es ein rundum herausragender Film werden können.
Visuell fehlt’s zwar zuweilen an satten Schwarzwerten, dafür sind Farben kräftig, Spitzlichter phänomenal und so mancher Shot aus der Vogelperspektive (Wien) wirklich spitze. Eine gewisse Enttäuschung ist der Dolby-Atmos-Ton, der zwar sehr räumlich daherkommt, dem aber das Tiefbass-Fundament fehlt.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%

Tonqualität 2D-Soundebene (dt. Fassung): 75%
Tonqualität 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 50%
Tonqualität 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 60%

Tonqualität 2D-Soundebene (Originalversion): 75%
Tonqualität 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 50%
Tonqualität 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 60%

Film: 75%

Anbieter: Netflix
Land/Jahr: USA 2022
Regie: Joe & Anthony Russo
Darsteller: Ryan Gosling, Chris Evans, Ana de Armas, Jessica Henwick, Billy Bob Thornton, Regé-Jean Page
Tonformate: Dolby Atmos (DD+-Kern): de, en, fr
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 129
Real 4K: Ja
HDR: HDR10, Dolby Vision
Datenrate: 15.25 Mbps
Altersfreigabe: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder: © Cr. Paul Abell/2022 Netflix, Inc.)

Trailer zu The Gray Man

THE GRAY MAN | Official Trailer | Netflix


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Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:

Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild“verbesserern“ zu verfälschen. Streaming-Filme werden zudem über mehrere unterschiedliche Apps Kontrolle geschaut, um etwaige deutliche Differenzen auszumachen.

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16 Kommentare
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Rüdiger Petersen

Für mich mit einer der besten Actionfilme die ich je gesehen habe, alleine schon die Straßenbahnsequenz ist sehenswert was da an Action aufgeboten wird ist wirklich klasse.

Lemmybook

Wofür haben die Roussos das geld aus dem Fenster geschmissen.
Der Film verschandelt eine nahezu perfekte Vorlage total.
Das muss eine Menge Mühe gekostet haben.
Da Buch und die Hörfassung auf Audible biten sowohl bessere Action, Sory und Atmosphäre.
Netflix sollte sich einmal an Amazon´s „Reacher Adaption oder am Boot orienteiren, da kann man lernen eine gute Vorlage entsprechend umzusetzen.
Amazon ist mit „Gnadenlos“ ein genau so entäuschendschlechtes Filmchen gelungen
Auch ohne das ich die Vorlage kenne ist das meiner Meinung nacheiner der schlechtesten Filme der letzten Jahre.

Bovie

Ich habe den Film am Freitag gesehen , und dann am Sonnabend mit meiner Frau zusammen noch eimal
, und wir sind total begeistert. Tolle Schauspieler , sehr gute Action Vielen Dank an Netflix.

Rüdiger Petersen

Fande ich auch……einfach ein super Film.

Hans Georg

Das soll der teuerste Netflix Film sein?
Tyler Rake: Extraction sieht da weitaus wertiger aus, die Kampfchoreos sind besser, die Kameraführung ruhiger und der Schnittstil weniger hektisch.
Auch die Audiospur klingt räumlicher und dynamischer, obwohl die deutsche hier nicht in Dolby Atmos vorliegt.
Ständig bewegen sich irgendwelche Effekte präzise um den Zuschauer herum, von Stimmen die immer wieder über die Rears wandern bis hin zu Musikstücken die aus verschiedenen Wohnungen erklingen, und ebenfalls passend zum Bild aus verschiedenen Lautsprechern erklingen.
Genau so hab ich mir Surround früher immer vorgestellt.
Leider werden aber besonders Dialoge meistens auf den Center, höchstens noch auf die Front beschränkt, unabhängig davon ob die Person im Bild ist oder nicht.
In Zeiten von Dolby Atmos & Co wäre da ja sogar noch viel mehr drinnen, was das dynamische Wandern von Dialogen über sämtliche Lautsprecher angeht.

Weißt du woran das meist konservative Mixing von Dialogen liegt, Timo?

uhd ultra high digital

sah das programm auch im kino angekuendigt. scheint wohl eher kein kinofilm zu sein. noch nichtmal heimvideo. mietpixel zahle ich nicht. hoechstens kauf medium. verzichte wohl. danke

Björn

Bislang konnte ich deine Reviews ja nachvollziehen, aber hier zucke ich doch zusammen. Wo setzt die Action denn neue Maßstäbe? Das ist schlechtes CGI, komplett zerschnitten und nichts, was man nicht schon woanders besser gesehen hat. Es knallt, es kracht – echte Stunts sind Mangelware. Man kann den Green Screen wie bei Red Notice auch schon, förmlich immer sehen. Gut choreografiert ist es auch nicht, wobei man das wegen der zerschnittenen Action nicht mal genau abschätzen kann. Der Film hetzt von Location zu Location, die Figuren sind Abziehbilder und völlig egal. Hier ist nichts, was einen emotional mitnimmt oder begeistert – Ana de Armas: Völlig verschenkt. Chris Evans: lächerliches Overacting. Gosling: Ok – so würde ich gerne aussehen, aber auch der ist austauschbar. Die Story ist wurscht und ein roter Faden für die Actionszenen (die leider nix taugen). Dieser Film ist eine große 200 Millionen Euro Gurke (wo ist das ganze Geld bloß hin?). Man merkt, dass die Russos keine guten Regisseure sind, sondern nur SFX-Auftragsarbeiter. Avengers war ja keine Regisseurleistung, das war nur Abdrehen von Storyboards für die Animatoren. Keine 10% Wert dieser Mist.

k-ulf

Wenn man den Kameramann der halben Fast & Furious Reihe anheuert, und das Material vom Cutter von Morbius und Ambulance schneiden lässt, braucht man sich nicht zu wundern, dass das nichtmal gut aussieht.

Björn

Ambulance hab ich bis heute nicht zu Ende geguckt – nach 60 Minuten war mir ernsthaft schwindelig von den wilden Schnitten und vor allem von den überflüssigen ständigen Drohnenflügen (die wir hier auch wieder haben). Ist halt für die Generation Tik Tok gemacht.
Ich guck mir lieber hundertmal hintereinander Stirb Langsam und Lethal Weapon an, als ein zweites Mal Filme wie „Gray Man“ oder „Ambulance“.
(Wobei ich von Michael Bay „Bad Boys 1“ und „The Rock“ für Granatenfilme halte! Da konnte er aber noch wenigstens ab und zu mal die Kamera stillhalten und man konnte den Schnitten sogar noch folgen)

k-ulf

Ich bin bei Ambulance auch vorzeitig aus dem Kino, als gerngesehender Stammgast konnte ich zum Glück ohne Aufpreis noch den Kinosaal wechseln und stattdessen Everything Everywhere All At Once sehen.
The Gray Man war nicht ganz so schlimm aus meiner Sicht aber trotzdem arg unübersichtlich in den Actionszenen.
Außerdem war ich eingeladen zum Screening in Köln, und da geht man eher nicht früher aus dem Saal.
Schon der Höflichkeit wegen.
Trotzdem ein echt belangloser Film der sich unmittelbar neben Red Notice, Extraction, Outside The Wire, 6 Underground und all dem anderen Netflix Schrott einreiht.
Was Action angeht, kam von Netflix noch kein sehenswerter Vertreter.
Leider.

k-ulf

Der schnelle Schnitt ist vielmehr Faulheit und Zeitmangel als Zeitgeist.
Diese Filme sind Massenware, bleibt also keine Zeit aufwendige Kampfchoreos zu planen.
Man schneidet am Ende eh alles so zusammen, dass nichts mehr zu erkennen ist.
Außerdem will der Zuschauer ja seine großen Stars die waghalsigsten Stunts und Kämpfe machen sehen, können allerdings nur die wenigsten.
So lassen sich in der Wackelkamera-Schnittgewitter-Kombination natürlich hervorragend Stuntdoubles verbergen.
Ab und zu das Gesicht seiner Idole erkennen zu können reicht den meisten offenbar.
Das mit Extraction war mein Fehler, hab ich völlig verdrängt und nebenbei auch noch namentlich mit irgendeinem anderen Film verwechselt.
Der ist tatsächlich recht ansehnlich, wohl deswegen hab ich ihn jetzt nicht direkt mit Netflix in Verbindung gebracht.

muhl.erhard

Was für eine Gurke.
Letzte Woche im Kino gesehen, und ich muss sagen- da gehört er auf keinen Fall hin. Trotz des hohen Budgets wirkt das eher wie ein 90er Jahre Direct2DVD B-Movie.
Dazu passt auch der Ton.
Hätte nicht vor dem Hauptfilm der Trailer zu Mission Impossible 7 dem Subwoofer Höchstleistungen abverlangt, hätte ich wohl gedacht er sei kaputt.

muhl.erhard

Das oder der Subwoofer ist tatsächlich zwischen Werbung und Film kaputtgegangen. ^^