The Guilty

Blu-ray Review

the guilty blu-ray review cover
Ascot Elite Home Entertainment, 22.02.2019

OT: Den skyldige

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Die bösen Schlangen töten

Herausragend spannendes Thriller-Kammerspiel aus Dänemark.

Inhalt

the guilty blu-ray review szene 1
Nicht gerade sein Traumjob: Strafdienst in der Notrufzentrale

Polizist Asger hat sich im Dienst eine Verfehlung erlaubt und muss nun bis zur anberaumten Gerichtsverhandlung als Telefonist in der Notrufzentrale Dienst schieben. Dass ihm das nicht passt, bekommen die Teilnehmer am anderen Ende zu spüren, denen seine überhebliche Arroganz entgegen schlägt. Doch dann meldet sich eine vollkommen verstörte Frau. Sie redet ihn mit „mein Schatz“ an, weshalb Asger seinen gewohnten Verdacht auf Alkoholmissbrauch äußert. Doch als er auflegen will, um die Leitung wieder frei zu machen, bemerkt er, dass die Frau so tut, als spräche sie mit ihrer Tochter. Ganz offenbar wurde sie von einem Mann entführt und fährt mit diesem im Auto gen Norden. Ein Anruf bei ihr zuhause bestätigt seine Annahme. Denn das kleine Mädchen gibt an, dass ihre Eltern einen heftigen Streit hatten und Mama nicht daheim ist. Möglicherweise ist der Entführer also der Vater. Asger hängt sich rein und will die Frau unbedingt retten. Doch wie will er das schaffen, wenn er nur telefonieren kann …?

the guilty blu-ray review szene 3
Asger merkt etwas spät, dass die Anruferin ernst meint

Buried, No Turning Back oder Nicht auflegen! – Das Thema des Thrillers auf engstem Raum oder bezogen auf nur einen Schauplatz ist nicht mehr ganz jung. Aber es liefert immer wieder Potenzial für hochspannenden Filme. In The Guilty kombiniert Regisseur Gustav Möller in seinem Debüt nun No Turning Back und The Call – Leg nicht auf zu einem nervenzerrendem Ganzen. Der komplette Film spielt ausschließlich in der Notrufzentrale und fokussiert sich auf Darsteller Jakob Cedergren. Zwar sind auch andere Schauspieler in der Zentrale zu sehen, doch die bleiben meist unscharf im Hintergrund. Ansonsten existieren sie nur als Stimme am anderen Ende des Telefons.
Inszenatorisch sind für den Film, den Gustav Möller praktisch mit 90% der Leute realisierte, die er von der Filmhochschule kennt, die Grenzen also eng gesteckt.
Dennoch findet er mit Kameramann Jasper Spanning genug Blickwinkel und Einstellungen, um das Geschehen erstaunlich dynamisch werden zu lassen. Natürlich liegt die Hauptlast aber auf Hauptdarsteller Jakob Cedergren. Ihn führt The Guilty zunächst als überheblichen Polizisten ein, der seinen Zwangsdienst in der Notrufzentrale nur widerwillig wahrnimmt. Es ist nur Mittel zum Zweck, die Gerichtsverhandlung hinter sich zu bringen, um endlich wieder mit Kollege Rashid auf Streife fahren zu können.
Doch der Notruf der entführten Mutter weckt im überheblichen Polizeibeamten auch ungeahntes Verantwortungsbewusstsein. Vielleicht wird er am Ende dieser Nacht sogar ein Stück weit ein besserer Mensch geworden sein. Vielleicht sorgen die Ereignisse dafür, dass er seine grundsätzliche Einstellung noch einmal überdenkt.

the guilty blu-ray review szene 5
Zuweilen muss er hilflos warten, bis sich wieder etwas tut

Man bekommt als Zuschauer also nicht nur die Entwicklungen mit, die mit der Entführung zu tun haben, sondern auch einen Wandel in der Charakterisierung der Hauptfigur. Die Spannung allerdings konzentriert sich auf das Geschehen am Telefon. Denn nach und nach kommen weitere Einzelheiten zutage, die das gesamte Ausmaß deutlich machen. Immer wieder überrascht The Guilty den Zuschauer – oder vielmehr Zuhörer – mit neuen (wenig angenehmen) Details. Unglaublich, wie stark dabei die Spannung ansteigt und wie sehr man sich selbst seine Bilder im Kopf entwickelt. Wie ein Hörspiel nimmt der Film gefangen – und das ganz ohne hektische Schnitte oder irgendwelche Actionsszenen. Besonders krass gestalten sich die Momente, in denen Asger nicht mehr weiß, was in dem Lieferwagen los ist. Ebenso hilflos wie er fühlt sich der Zuschauer in diesen Situationen. Ebenso emotional gepackt ist man, wenn die Sekunden nicht verstreichen wollen, bevor das Telefon wieder klingelt und man weiß, was gerade passiert ist. Und wenn dann, nach einer guten Stunde der Höhepunkt des Films erreicht wird und mit einer Wendung eingeleitet wird, die wie ein Schlag ins Gesicht wirkt, weiß man auch, warum The Guilty zur Recht als dänischer Beitrag zu den Oscars 2019 geschickt wurde – wenngleich er in der Vorauswahl leider scheiterte.

the guilty blu-ray review szene 2
Asger zieht sich für den Fall in einen ruhigeren Raum zurück

Bild- und Tonqualität

the guilty blu-ray review szene 6
Das Ende eines krassen Tages

The Guilty konzentriert sich auf die Zentrale, die gut ausgeleuchtet ist und für Kamera und Regie eine sehr kontrollierte Umgebung darstellt. Das Resultat ist ein blitzsauberes Bild, das sich aufgrund der praktisch ausschließlich in Nahaufnahmen gefilmten Szenen mit hervorragender Schärfe präsentiert. Auch die Bilddynamik ist hervorragend und stellt die dunkelblaue Dienstkluft genauso plastisch heraus wie das mit natürlichen Hautfarben getönte Gesicht Asgers. Rauschen oder andere Bildprobleme gibt’s nicht.
Abgesehen von einem bewusst eingesetzten leichten Grundrauschen in einigen Szenen konzentriert sich The Guilty vollkommen auf den Center und die Sprachwiedergabe. Hat man zu Beginn noch etwas Angst, dass man die Anrufer nur schlecht versteht, weil der Erste wirklich undeutlich rüberkommt, ändert sich das bei den späteren Gesprächen mit den relevanten Teilnehmern. Diese Dialoge dominieren natürlich den Ton und es gesellt sich nur selten mal etwas Filmmusik hinzu, die den Raum etwas öffnet. Dynamik entsteht in den wenigen dramatischen Szenen durch ein Anschwellen der Umgebungsgeräusche und eine Zunahme des Scores. Ein Effektfeuerwerk darf man hier natürlich dennoch nicht erwarten.

Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von The Guilty gibt es neben den Trailern nur ein knapp zehnminütiges, etwas sprödes Interview mit dem Regisseur und seinem Hauptdarsteller.

Fazit

the Guilty braucht den Vergleich mit internationalen Thrillern ähnlicher Ausgangsprämisse nicht zu scheuen. Ganz im Gegenteil: Jeder 85-minütige Krimi, der über eine Vielzahl von Darstellern und entsprechende Schauplätze verfügt kann sich von diesem thematisch und inszenatorisch eng gesteckten Film eine ganze Menge abschneiden. Absoluter Geheimtipp!
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 80%
Tonqualität (dt. Fassung): 70%
Tonqualität (Originalversion): 70%
Bonusmaterial: 30%
Film: 85%

Anbieter: Ascot Elite Home Entertainment
Land/Jahr: DK 2018
Regie: Gustav Möller
Darsteller: Jakob Cedergren, Jessica Dinnage, Omar Shargawi, Johan Olsen, Jacob Lohmann, Katinka Evers-Jahnsen,
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, dk
Bildformat: 2,35:1
Laufzeit: 86
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Ascot Elite Home Entertainment)

Trailer zu The Guilty

The Guilty I Deutscher Trailer

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