The Inhabitant

Blu-ray Review

inhabitant blu-ray review cover
Capelight Pictures, 26.10.2018

OT: El habitante

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Töchter von Lot

Effektiver Horror-Mix aus Mexiko.

Inhalt

inhabitant blu-ray review szene 6
Der Tresor ist leer

Maria und ihre Schwestern Anna und Camila brechen Nachts in das Haus eines soeben beförderten Senators und seiner Frau ein. Dort soll Camila den Tresor leerräumen. Andernfalls würde ihr Auftraggeber sie töten. Als der Safe nur gähnende Leere präsentiert, entschließt sich das Mädchen, die Hausherren aufzuwecken und zu bedrohen. Immerhin gibt es Informationen, dass viel Geld im Hause ist. Und Camila kann nicht ohne die geforderte Summe nach Hause kommen. Allerdings reicht auch das vom Senator unter Zwang erbeutete Geld nicht aus, weshalb die beiden Schwestern ihre Geiseln erst einmal festsetzen. Als Camila Geräusche im Keller hört, wähnt sie eine weitere Person dort unten. Und sie behält Recht. In den kalten Räumen unter der Erde findet sie ein gefesseltes und augenscheinlich misshandeltes Mädchen. Offenbar die Tochter der Hausbewohner. Deren Warnungen schlägt Camila in den Wind und bringt das geschundene Kind mit in die obere Etage – unwissend, was die Gründe für deren Einkerkerung sind …

inhabitant blu-ray review szene 5
Camila braucht das Geld dringend

Schwere Orgelmusik und die Stimme einer jungen Frau, die mehrfach das „Vater Unser“ herunterbetet. Was sakral klingt, ist vor allem eins: Düster und richtig atmosphärisch. Der Einstand in einen (Horror)Film ist oft das wichtigste Element. Das Element, das darüber entscheidet, ob man Lust am Weitersehen hat oder das Geschehen doch eher peripher wahrnimmt. Der uruguayische Regisseur Guillermo Amoedo schaffte es zuletzt schon, mit dem von Eli Roth produzierten The Stranger zu überzeugen. Gerade auch, weil er sich Zeit für seine Figuren nimmt und in der Lage ist, ein effektives Bedrohungsszenario zu entwickeln, das von einer packenden Atmosphäre gestützt wird. In The Inhabitant nun knüpft er in Sachen Stimmung an The Stranger an und inszeniert gleichzeitig eine Story, die tatsächlich irgendwo im Fahrwasser von Don’t Breathe schwimmt und später in Der Exorzist übergeht.
An dieser Stelle könnte jetzt natürlich stehen „ohne deren Qualität“ zu erreichen. Doch das wäre tatsächlich gelogen. Und es würde dem Regisseur Unrecht tun. Denn Amoedos Werk ist eigenständig genug, um sich von US-Produktionen mit ähnlichem Thema abzusetzen. Erstaunlich ist vor allem, wie effektiv das bewusste Fehlen von Filmmusik sein kann, wenn man in vielen Szenen lediglich ein dauerhaftes Tiefbass-Brummen unterlegt.

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Warum wurde Tamara im Keller eingesperrt?

Wenn sich das Geschehen dann von Home-Invasion-Horror mehr und mehr zum Psycho- und Exorzismus-Thriller wandelt, ist auch das etwas frischer inszeniert als das ständige hysterische Gehabe so vieler Kollegen des Teufels-Austreibungs-Subgenres. Zumal eine sehr deutliche und starke Note von Kindesmissbrauch im Namen der Kirche hinzugefügt wird. Eine Note, die vor allem deshalb schockiert, weil die drei Hauptdarstellerinnen María Evoli, Vanesa Restrepo und Carla Adell ihre Figuren glaubwürdig und schmerzhaft-authentisch spielen. Ganz zu schweigen von der jungen Natasha Cubria, deren puppenhaftes Äußeres und ihre eingeschränkten Bewegungen schon für Schrecken sorgen. Cubria spielt das erstaunlich erwachsen und böse – zum Fürchten.
Der finale Twist gibt The Inhabitant noch einmal eine ziemlich kritische Note und wird dem katholischen Zuschauer nur bedingt gefallen – zumal der Film deutlich macht, dass der wahre Terror nicht in einem von einem Dämon besessenen Kind wohnt, sondern in der religiösen Verblendung der Kirche und der entsprechenden Interpretation durch gläubige Eltern.

Bild- und Tonqualität

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Es wird blutig

The Inhabitant ist vor allem ziemlich dunkel und dazu noch ziemlich schmal. Mit einem ungewöhnlichen Bildformat von 2,66:1 bleibt auf einem 16:9-Bildschirm fast die Hälfte des Bildanteils schwarz. Auf der anderen Seite garantiert dieser Weg eine erstaunlich breite Bühne des praktisch komplett in Innenräumen spielenden Films. Dunkel ist er aber dennoch. Das anfängliche Abendessen zwischen dem Senator und seiner Frau beginnt schon arg düster, bis sich das Licht über dem Tisch dann etwas aufhellt. Was als Stilmittel beginnt, verschluckt dennoch auch im weiteren Verlauf einige Details auf dunklen Oberflächen. Schwarz ist deshalb dennoch nicht sonderlich satt. Viele Einstellungen in Dunkelheit leiden unter grauschleieriger Optik mit leicht grün eingefärbtem Anteil. Außerdem gibt es schon mal Randunschärfen und Unruhen auf Details in Schwenks. In den helleren Szenen wurden die Farben durchweg warm gefiltert und hangeln sich in den Innenraumszenen an einer Braunpalette entlang. Das gibt dem Film eine behaglichere Stimmung als die Story es eigentlich impliziert.
Beim Sound tut sich The Inhabitant deutlich leichter als beim Bild. Schon der grummelige Score wirkt bedrohlich und furchteinflößend. Wenn dann seltsame Gurgel-Geräusche aus dem Keller oder hinter dem Duschvorhang erklingen, fröstelt es den Zuschauer effektiv und während des Showdowns wirbelt es dermaßen effektvoll um den Zuschauer, dass man meint, in einem Akustik-Strudel zu sitzen. Dazu passend sind die hervorragend verständlichen (nur manchmal etwas übersteuerten) Dialoge, die überdies professionell synchronisiert wurden.

Bonusmaterial

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Besessenes Kind, Priester – zwei Zutaten für einen Exorzismus

Im Bonusmaterial von The Inhabitant finden sich die Originaltrailer sowie einige Programmtipps des Anbieters.

Fazit

The Inhabitant zeigt erneut, dass Guillermo Amoedo nicht nur im Drehbuchschreiben, sondern auch als Regisseur Talent hat. Ihm gelingt es sogar, dem ausgelutschten Exorzismus-Thema noch etwas Neues abzuringen und atmosphärisch ist sein Film eh ganz weit vorne. Da ist es auch nicht ganz so schlimm, dass man zwischendurch im Wust von Flashbacks, Visionen und Dämonen-Manifestierungen mal den Überblick verliert.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 55%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 10%
Film: 65%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: Mexiko 2017
Regie: Guillermo Amoedo
Darsteller: María Evoli, Vanesa Restrepo, Carla Adell, Gabriela de la Garza, Flavio Medina, Fernando Becerril, Natasha Cubria
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 2,66:1
Laufzeit: 93
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Capelight Pictures)

Trailer zu The Inhabitant

Trailer THE INHABITANT (Deutsch)

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