The Innocents

Blu-ray Review

Capelight, 29.07.2022

OT: De uskyldige

Unterstützt die Arbeit an meinem Blog, indem ihr den Film bei Amazon kauft. *
Unterstützt die Arbeit an meinem Blog, indem ihr den Film bei Amazon kauft. *

Böse

Pessimistischer Entwurf einer Kindheit.

Inhalt

Anna und Ida müssen sich in neuer Umgebung zurechtfinden

Ida und ihre ältere Schwester Anna sind mit ihren Eltern eben in eine neue Wohnung in einem Wohngebiet mit hohen Apartmentklötzen gezogen. Anna ist als Autistin auf die Hilfe ihre kleinen Schwester angewiesen, was für Ida nicht leicht ist. So seht sie sich nach Freund in ihrem Alter. Das scheint in der neuen Umgebung bald zu passieren, denn sie lernt Ben kennen. Ben zeigt ihr im Wald etwas Unglaubliches. Er kann Gegenstände in ihrer Bewegung manipulieren. Ida ist zunächst fasziniert, dann jedoch wieder abgestoßen, als Ben einem Tier Gewalt antut. Dennoch unternimmt sie weiterhin etwas mit Ben und der gleichaltrigen Aisha. Die scheint eine geistige Verbindung zu Anna aufbauen zu können. Denn während Idas große Schwester nie Schmerz zu empfinden scheint, fühlt Aisha diesen stellvertretend. Dann, plötzlich, beginnt Anna wieder zu sprechen, während Ben zunehmend wütender zu werden scheint …

Ida ist erstaunt über Bens Fähigkeiten

Eskil Vogt ist in Norwegen vornehmlich als Drehbuchautor unterwegs. Und das sehr erfolgreich. 2022 erhielt er für sein Skript zu Joachim Triers Der schlimmste Mensch der Welt eine Oscarnominierung. Auch zu Triers Thelma steuerte er die Vorlage bei und tat dies natürlich auch für sein Regiedebüt Blind. In diesem erblindete eine Frau von einem Moment auf den anderen und entwickelt (neben einem Misstrauen ihrem Mann gegenüber) eine imaginäre Geschichte, in der mehrere Figuren schwere Schicksalsschläge erleiden – ganz wie sie selbst. Blind lebte davon, dass der Zuschauer irgendwann kaum noch weiß, ob er sich in der Realität oder in der Gedankenwelt der Protagonistin befindet – ein kleines Meisterwerk. Nun, acht Jahre nach seinem Debüt, nimmt Vogt für The Innocents wieder das Regiezepter in die Hand und hat die Vorlage (natürlich) erneut selbst geschrieben. Herausgekommen ist ein Film, der nicht jedem schmecken wird. Vor allem Eltern mit jüngeren Kindern werden hier ordentlich dran zu knabbern haben. Denn unter der Oberfläche eines Sozialdramas mit Superhelden-Anstrich brodelt der Horror, der sich nicht davor scheut, die Zerstörungswut von Kindern zum Thema zu machen. Und, das ist das Besondere: Es auch nicht zu erklären.

Kindheit kann einsam sein

Ja, die Eltern wirken hier und da etwas mit ihren Kids überfordert. Ja, die Wohnsituation könnte irgendwie angenehmer sein. Aber The Innocents ist kein Film darüber, wie unzumutbare soziale Umstände und Gewalteskapaden der Eltern aus Kindern soziopathische Täter machen. Vielmehr begibt sich Vogt mit seinem Skript in jenes von Trieben und dem Ausprobieren gesteuerte Verhalten, das Kinder in jenem Alter haben, da ihnen noch der große Bezugsrahmen fehlt. Jeder von uns wird das kennen: Wenn man sich als Kind unbeobachtete fühlte oder die Eltern mal aus dem Haus waren, hat man genau die Dinge gemacht, die man nicht sollte: Süßigkeiten naschen, Fernsehen schauen oder Schlimmeres. Man hat seine eigenen Grenzen ausgelotet und geschaut, wie weit man in Sachen Mutprobe oder Ungezogenes gehen kann. Eskil Vogt beginnt mit scheinbaren Kleinigkeiten. Er zeigt, wie Ida ihre Schwester während einer Autofahrt mutwillig kneift – immerhin kann sich Anna nicht wehren und ihren Eltern nichts davon sagen. Ida fühlt sich von den unverständlichen Artikulationen ihrer Schwester genervt und übt auf gewisse Weise Rache dafür, dass Anna so anders ist und man ständig auf sie Rücksicht nehmen muss. Nach und nach treibt Eskil dieses Verhalten auf die Spitze. Zuerst wird ein Regenwurm zerquetscht, dann geht es einer Katze an den Kragen, bevor Menschen Ziel der Machtdemonstrationen werden.

Warum sieht Aisha diese Dinge?

Der Film steigert das Ganze, indem er seinen jungen Protagonisten übersinnliche Fähigkeiten verpasst. Plötzlich verfügen die Kids über Möglichkeiten, denen kein Erwachsener etwas entgegensetzen kann. Und diese unverhoffte Macht wird im kindlichen Austesten an die Grenzen getrieben. Dabei entwickelt The Innocents von Beginn an eine unterschwellig unangenehme Stimmung, die nicht selten zu einem Verkrampfen in der Magengegend führt. Kindern dabei zuzusehen, wie sie ihre Eltern bewusst verletzen; wie sie darüber hinaus kein Erbarmen gegenüber anderen Kinder zeigen – das ist bisweilen schwer zu ertragen. Nicht jede Szene gerät dabei grafisch, oft stellt sich das Unbehagen ein, weil es unter der Oberfläche rumort. Dabei darf man durchaus etwas Geduld mitbringen, da das dritte Viertel von The Innocents ein wenig auf der Stelle tritt, bevor sich die Ereignisse im letzten Akt wieder verdichten. Aber alleine aufgrund des starken Schauspiels der vier Kinderdarsteller überzeugt Vogts Werk. Ein Pluspunkt ist dabei, dass er nie erklärt, was es mit den Kräften auf sich hat, seinen Film nie ins Fantastische abdriften lässt, sondern immer in seinem reduzierten Mikrokosmos verortet.

Preis: 10,97 €
(Stand von: 2022/11/28 8:25 pm - Details
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
)
Sie sparen: 4,02 € (27%)
20 neu von 10,97 €1 gebraucht von 11,55 €
Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Fri, 29 Jul 2022
(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)

Bild- und Tonqualität

Ben am Ende seiner Kräfte?

The Innocents wurde mit einer Arri Alexa Mini volldigital aufgenommen. Kameramann Sturla Brandth Grøvlen, der auch den deutschen One-Take-Film Victoria fotografiert hatte, nutz allerdings massive Stilmittel, um dem Film seinen ganz eigenen Look zu verpassen. Eine hinzugefügte Körnung ist durchweg sehr deutlich vorhanden. Und sie nimmt noch zu, wenn’s dunkler wird. Ist das der Fall, gesellt sich in das Rauschen auch eine gewisse Farbigkeit hinzu. Farben sind gerade in den helleren Szenen etwas entsättigt, was den blonden und hellhäutigen Mädchen ein fast ätherisches Äußeres verpasst. Bei wenig Kunstlicht sind Farben hingegen kräftiger und relativ rötlich gestimmt. Die Schärfe ist bedingt durch das hinzugefügte Korn etwas beeinflusst. Geraten Close-ups noch knackig, sind Halbtotale häufig ziemlich unscharf. Das Encoding ist recht gelungen und vermeidet grobe Pixelanhäufungen der künstlichen Körnung. Der Ton schlägt sich weniger eigen als das Bild. Die Atmosphäre auf dem Innenhof der hohen Häuser wird räumlich dargestellt und wenn die (toll ausgewählte) Filmmusik zu hören ist, werden einzelne Töne greifbar auf die Rears gelegt. Das unterschwellige leise Dröhnen, das The Innocents teilweise unterlegt ist, verfehlt seine Wirkung nicht, während Dialoge sehr deutlich und gut verständlich bleiben. Zerreißen einmal einzelne lautere Geräusche die Stille (beispielsweise das Zufallen einer Tür), kommt spürbar Dynamik ins Spiel. Gerade die räumliche Darstellung der Geräusche innerhalb und außerhalb des großen Gebäudes wird aber mit herausragendem Realismus rübergebracht. Was ebenfalls gut gelingt, ist die Trennung von Stimmen, sobald Protagonisten zu hören sind, die nicht im Bildmittelpunkt stehen. So kommen Dialoge auch gerne mal aus den Rears oder von den Stereospeakern.

Preis: 10,97 €
(Stand von: 2022/11/28 8:25 pm - Details
×
Produktpreise und -verfügbarkeit sind zum angegebenen Datum / Uhrzeit korrekt und können sich ändern. Alle Preis- und Verfügbarkeitsinformationen auf https://www.amazon.de/ zum Zeitpunkt des Kaufs gelten für den Kauf dieses Produkts.
)
Sie sparen: 4,02 € (27%)
20 neu von 10,97 €1 gebraucht von 11,55 €
Studio:
Format: Blu-ray
Spieldauer:
Erscheinungstermin: Fri, 29 Jul 2022
(* = Affiliate-Link / Bildquelle: Amazon-Partnerprogramm)

Bonusmaterial

Das Bonusmaterial von The Innocents besteht aus dem (leider nicht untertitelten) Audiokommentar, den Regisseur Vogt mit seinem Kameramann Sturla Brandth Grøvlen als erweiterte Frage-Antwort-Variante eingesprochen hat.

Fazit

The Innocents ist kein Film fürs nebenher Anschauen. Mit Szenen, die unangenehm wühlen, Kinderdarstellern, die einem Angst und Bange machen und einen kongenialen Score brennt sich Eskil Vogts Werk trotz einiger Längen ins Gedächtnis ein. Dazu gibt’s ein stark stilisiertes Bild und einen überraschend gelungenen Tonsektor.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 60%
Tonqualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität (Originalversion): 75%
Bonusmaterial: 40%
Film: 75%

Anbieter: Capelight Pictures
Land/Jahr: Norwegen 2021
Regie: Eskil Vogt
Darsteller: Rakel Lenora Fløttum, Alva Brynsmo Ramstad, Sam Ashraf, Mina Yasmin Bremseth Asheim, Ellen Dorrit Petersen, Morten Svartveit, Kadra Yusuf
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, nw
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 117
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Capelight Pictures / Mer Film)
*Affiliate-Links sind mit * gekennzeichnet. Für Einkäufe über diese Affiliate-Links erhalten wir eine Provision. Für den Käufer entstehen keine Mehrkosten. Infos zum Datenschutz findet ihr hier.

Trailer zu The Innocents

THE INNOCENTS Trailer (Deutsch)


So testet Blu-ray-rezensionen.net

Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professioneller Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.

Dort findet ihr auch das aktuelle Referenz-Gerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:

Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierten Bild“verbesserern“ zu verfälschen.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
3 Kommentare
Neueste
Älteste Most Voted
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anschauen!
Ralph

Danke für die gute Besprechung – und aufgrund deiner Kritik habe ich mir nun auch das schicke Mediabook bestellt. Ich finde generell die Auswahl der Filme, die du besprichst, sehr gut!

Doktor-Monroe

Ein starker Streifen, der mir noch besser gefallen hat als „Blind“. Ich werde mir die Blu Ray gleich bestellen. Da ich den Film in einem kleinen Off-Kino gesehen habe, das nicht gerade für seine gute Akustik bekannt ist, freue ich mich vor allem darauf die Tonspur richtig genießen zu können, wobei mir im Kino wieder aufgefallen ist, wie schwer ich mich mittlerweile mit dem deutschem Synchron tue, der schon lange nicht mehr ansatzweise so gut ist wie sein Ruf. Allerdings gucke ich im Grunde nur englische Filme im Original, Untertitel lenken mich immer irgendwie ab, und werde so nicht in Versuchung kommen auf den norwegischen Track zurück zu greifen. Ich freue mich trotzdem auf die Zweitsichtung im Heimkino und bin grundsätzlich sehr gespannt wie es mit der Regie Karriere von Vogt weiter geht. Hat definitiv was lose, der Mann.