The Lodge

Blu-ray Review

Leonine Distribution, 12.06.2020

OT: The Lodge

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Weihnachten in den Bergen

Im Nachfolgefilm zu Ich seh, ich seh schnuppern die beiden Österreicher Filmemacher internationale Filmluft.

Inhalt

Kameramann Thimios Bakatakis liefert höchst atmosphärische Bilder

„Die ist voll behindert!“ – Die Worte, die Richards Tochter Mia für des Vaters neue Freundin findet, sind alles andere als freundlich. Vor nicht allzu langer Zeit hatten sich die leiblichen Eltern getrennt und dessen zwei Kids schieben der neuen, Grace, die Schuld für die Trennung in die Schuhe. Für Aidan, Richards Sohn, kommt noch hinzu, dass er Grace für eine Psychopathin hält, weil sie die einzige Überlebende einer Sekte ist, die vor einiger Zeit kollektiven Selbstmord begangen hatte. Grace ist die Tochter des Sektenführers und blieb verschont, weil sie die Botschaft der fundamentalistischen Christen in die Welt hinaus tragen sollte. Nun beschließt Richard, ausgerechnet zum Familienfest Weihnachten in der alten Hütte in den Bergen zu verbringen, auf dass sich die Kids und Grace dort näher kommen. Und weil der Herr Papa einiges an Arbeit in der Stadt zu erledigen hat, werden die Kinder und Grace einige Tage lang alleine bleiben. Tage, vor denen Grace Respekt hat. Tage, in denen Richards Kinder mit der Frau zusammen sein müssen, die sie nicht mögen. Doch bald geht es schon nicht mehr nur ums Mögen oder Nichtmögen, sondern ums blanke Überleben …

Laura ist am Ende

Mit Ich seh, ich seh hatte das österreichische Duo aus Severin Fiala und Veronika Franz vor rund fünf Jahren einen mehr als beachtenswerten Psychothriller inszeniert, dessen Grusel sich größtenteils aus den Figuren und ihren Geheimnissen ergab und der aufgrund der Kinder-vs.-Erwachsenen-Thematik schwer im Magen liegen blieb. Beste Erinnerungen an Michael Hanekes Funny Games beschwörte der Film seinerzeit. Kein großes Wunder, dass nun auch internationale Studios auf das Regie-Paar aufmerksam wurden und man ihnen mit The Lodge eine etwas größer angelegte Genreproduktion ermöglichten. Der Eröffnungsfilm vom Fantasy Filmfest 2019 entfernt sich vom strukturellen Grundgerüst nicht allzu weit von Ich seh, ich seh, Beide nutzen einen abgelegenen und isoliert wirkenden Schauplatz und konfrontieren dort Figuren miteinander, die durch Misstrauen aneinander geraten. Während dies in Ich seh, ich seh allerdings erst nach und nach entstand, ist es in The Lodge von Beginn an vorhanden. Hüben wie drüben ist es aber erneut eine Frau, die mit zwei kleinen Kindern umgehen muss (oder anders herum – je nach Betrachtungsweise).
Dabei mag zunächst abschrecken, dass ein Genrefilm mit einer Laufzeit von 109 Minuten nicht eben knapp ausfällt. Die Befürchtung, es könnte deshalb mal etwas langatmig werden, kann man zumindest nicht von der Hand weisen. The Lodge nutzt die Zeit aber effektiv. Und zwar, um seine Figuren ausgiebig einzuführen.

Richard hofft, dass sich Grace und seine Kinder in der Waldhütte näher kommen

Die Konzentration liegt dabei ganz bewusst zunächst auf den Kids. Sie sind es, die den Schmerz ertragen müssen und sie sind es auch, die ein tiefes Misstrauen der zukünftigen Stiefmutter gegenüber haben. Grace (gespielt von Riley Keough aus It Comes at Night) taucht über 20 Minuten lang nur in Worten auf. Selbst ihre ersten physischen Auftritte sind zunächst schemenhaft hinter einer weißen Wand und später durch die beschlagene Scheibe des Autos zu sehen. Für den Zuschauer vermittelt das ein unbehagliches Gefühl.
Muss man sich ebenso vor ihr fürchten, wie die Kids das tun? Die kühle Atmosphäre des kommenden Winters und der verschneiten Berg-Gegend tut ihr Übriges dazu, dass es einen immer wieder fröstelt. Auch die unterschwellige Filmmusik, die meist von dissonant klingenden Geigen getragen wird, unterstützt das.
Ähnlich wie im Vorgänger finden die Fiala und Franz zudem erneut Möglichkeiten, selbst erwartbare Geschehnisse schockierend und direkt zu inszenieren, wie es hier erstmals nach etwas über siebeneinhalb Minuten der Fall ist. Zweifelsohne rechnet man mit der Aktion. Doch die Konsequenz, mit der hier gefilmt und agiert wird, sorgt für den ersten Schlag in die Magengrube – was (erneut) noch verstärkt wird durch die Art, wie die Bilder eingefangen werden. Denn auch wenn mit Thimios Bakatakis ein anderer Kameramann beschäftigt wurde als in Ich seh, ich seh, so versteht sich auch der Grieche prächtig darauf, durch vornehmlich statische Einstellungen Atmosphäre zu erschaffen.
Statisch ist jedoch auch die zweite halbe Stunde, in der die Geschichte nur langsam an Fahrt aufnimmt.  Man bekommt zwar einen Eindruck von der Isolation und wähnt schon mal ein bisschen The Shining um die Ecke lugen, doch etwas mehr Tempo hätte es dann doch sein dürfen. Erst nach etwa 55 Minuten nimmt die Story dann eine gewisse Richtung an, die dem Zuschauer ein paar Rätselspielchen mit auf den Weg gibt. Die Dramatik und Dynamik zwischen den Figuren nimmt zu und kumuliert am Ende erneut in einer überraschend konsequenten Art und Weise. Der Weg dahin mag nicht sonderlich überraschend sein, ist bisweilen zu oberflächlich im Hinblick auf Grace‘ Vergangenheit, aber erneut ist es erstaunlich, wie konsequent das Regieduo sein (düsteres) Ding durchzieht.

Richard vergewissert sich, ob Grace sich im Ernstfall verteidigen kann
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Bild- und Tonqualität

Auf der Hütte geschehen merkwürdige Dinge

The Lodge ist sichtbar analog gefilmt. Jederzeit gut erkennbar am feinen, nicht allzu auffälligen Korn, das durchweg beständig bleibt und nie groß Überhand nimmt. Oft ist es an den Bildrändern mal etwas unschärfer, was an den verwendeten Weitwinkel-Optiken liegen dürfte. Gerade die Szenen aus dem Inneren des Puppenhauses zeugen davon. Der Kontrastumfang ist eher durchschnittlich, da es kaum Szenen gibt, in denen mal wirklich helles Licht für Ausleuchtung sorgt. Schwarzwerte sind nie wirklich knackig, wirken oft bewusst etwas aufgehellt. Die Schärfe geht in Ordnung, reißt aber auch in Close-ups keine Bäume aus.
The Lodge wirkt vornehmlich durch seine stille Atmosphäre. Das ist natürlich gleichbedeutend damit, dass hier nicht permanent Spektakel abgefeiert werden. Dialoge sind gut verständlich und die sparsam eingestreute Filmmusik kommt recht atmosphärisch zur Geltung. Die einzelnen Schüsse aus dem ollen Revolver zeigen, dass der Ton aber auch durchaus Dynamik kann. Denn wenn Grace ihre Schießkünste präsentiert, durchpeitschen die Sounds die Totenstille mit großem Hallo-Wach-Faktor (34’30). Auch der Einbruch ins Eis gerät sehr kraftvoll (51’52) und die Orgel nach 65’50 spielt tief bis in den Sub hinab.

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Bonusmaterial

Im Bonusmaterial von The Lodge findet sich lediglich der Trailer nebst einigen Programmtipps.

Fazit

The Lodge mag nicht die Qualität von Ich seh, ich seh erreichen, bietet aber einen erstaunlich düsteren Ansatz mit konsequenter Durchführung, atmosphärischen Bildern und starken Darstellern. Deshalb durchaus über dem gewohnten Niveau.
Timo Wolters


Bewertung

Bildqualität: 65%
Tonqualität (dt. Fassung): 80%
Tonqualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 10%
Film: 65%

Anbieter: Leonine Distribution
Land/Jahr: GB/CA 2019
Regie: Severin Fiala, Veronika Franz
Darsteller: Riley Keough, Lia McHugh, Jaeden Martell, Richard Armitage, Alicia Silverstone, Danny Keough
Tonformate: dts HD-Master 5.1: de, en
Bildformat: 1,85:1
Laufzeit: 108
Codec: AVC
FSK: 16

(Copyright der Cover und Szenenbilder liegt bei Anbieter Leonine Distribution)

Trailer zu The Lodge

The Lodge | Trailer (Deutsch / German) | 2020 | Horror

 

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