4K Blu-ray Review


OT: The Long Walk


Das Haus des Vaters
Endlich!
Inhalt

In einer nahen Zukunft ist der Long Walk ein alljährliches nationales Ereignis. Freiwillig gemeldet, öffentlich gefeiert, gnadenlos überwacht. Die Teilnehmer starten gemeinsam, doch von Beginn an ist eigentlich klar, dass sie keine Gemeinschaft bilden sollten. Denn jeder Schritt ist Konkurrenz, jeder Stuhlgang ein Todesrisiko. Wer zu langsam wird, wer stolpert, wer auch nur für Sekunden innehält, bekommt eine Verwarnung. Die vierte Verwarnung ist der Todesschuss. Auch Ray Garraty ist mit von der Partie, auch wenn sich seine Mutter nur schwer vom einzigen Sohn trennen konnte. Ray schließt schnell Freundschaft mit dem freundlichen Peter McVries und gemeinsam mit ein paar anderen formen sie die Zweckfreundschaft der “Musketiere”. Doch irgendwann wird auch der zuversichtlichen Gruppe klar, dass man hier kein Spiel spielt. Der erste Schuss fällt, der erste Teilnehmer liegt tot am Boden und die darauf folgende Stille macht den Jungs unmissverständlich klar, dass hier nur einer lebend rauskommen wird …

Amok, Todesmarsch, Sprengstoff, Menschenjagd und Der Fluch – es war 1987, als ich erstmals mit einem Autor in Berührung kam, der fortan jede Leseminute meiner Freizeit (und das waren einige) in Beschlag nahm: Stephen King. In der Reihenfolge Sie, ES, Friedhof der Kuscheltiere, Shining, Das Monstrum, The Stand und der Talisman verbrachte ich die folgenden Jahre, bis die für mich thematisch interessanten Geschichten langsam rar wurden. Dann jedoch stieß ich in einem Supermarkt auf einen Autor namens Richard Bachman, von dem ich natürlich noch nichts gehört hatte. Und ich stieß auf die Sub-Headline: “Bachman ist King, Stephen King ist Bachman”. Meine Rezeptoren waren schlagartig geschärft und der Rückentext von Der Fluch klang interessant und irgendwie rätselhaft. Also nahm ich mir das Taschenbuch und las es. Nun mehr wissend, dass es sich bei Bachman um das Pseudonym jenes Autoren handelte, den ich bereits mehrere Tausend Seiten lang konsumiert, bzw. verschlungen hatte. Nach Der Fluch kam Menschenjagd und dann Der Todesmarsch. Ein Buch, das ich bis heute zu meinen absoluten Favoriten zähle und im Oeuvre von King immer in der Top-5 hatte. Was mich jahrzehntelang in Staunen versetzte, war die Tatsache, dass man im Laufe der 80er, 90er und 2000er beinahe jede große oder noch so kleine Short-Story Kings verfilmt hatte und sie bisweilen zur Unkenntlichkeit veränderte (Der Rasenmäher-Mann), aber den Todesmarsch links liegen ließ. Dabei war’s doch um ein Vielfaches aufwändiger, bspw. Der Fluch adäquat zu verfilmen als jene Vorlage, bei der man eigentlich nur 100 junge Schauspieler, ein paar Soldaten-Darsteller sowie einen Panzer und etwas leere Straße braucht.

Dass es über vier Jahrzehnte dauerte, bis dieser Stoff den Weg auf die Leinwand fand, gehört zu den großen Mysterien der Filmgeschichte, zumal die Rechte über lange Zeit in den Händen von Frank Darabont lagen (nachdem bereits Manen wie George A. Romero mit dem Stoff in Verbindung gebracht worden waren). Darabont, der mit Die Verurteilten und The Green Mile bewiesen hatte, dass er Kings Prosa wie kein Zweiter versteht, bezeichnete den Todesmarsch oft als seinen “Heiligen Gral”, den er eines Tages im Independent-Stil umsetzen wollte. Doch das Projekt versandete immer wieder. Später unternahm André Øvredal (Autopsy of Jane Doe, Die letzte Fahrt der Demeter) einen ernsthaften Anlauf, doch erst der Wechsel zu Lionsgate und die Verpflichtung von Francis Lawrence brachten den nötigen Schwung in die Produktion. Lawrence, der durch die Tribute von Panem bereits Erfahrung mit dystopischen Überlebenskämpfen junger Menschen hatte, traf eine für das Ergebnis essenzielle Entscheidung: Er ließ den Film fast vollständig chronologisch drehen. Dieser logistische Kraftakt (gedreht wurde unter der brennenden Juli-/August-Sonne von Manitoba/Kanada) war kein Selbstzweck, sondern diente dazu, den physischen Verfall der einhundert jungen Männer authentisch einzufangen. Man sieht den Gesichtern der Darsteller im Verlauf des Films an, dass sie nicht nur schauspielern, sondern dass die zurückgelegte Strecke und die ewige monotone Bewegung ihre Spuren hinterlassen haben. Das verleiht The Long Walk eine fast dokumentarische Rohheit, die man in einem glatten Hollywood-Produkt nur schwer hätte künstlich erzeugen können.

Die Inszenierung nutzt diesen physischen Realismus, um die psychologische Transformation der Teilnehmer spürbar zu machen, die sich zu Beginn noch in einer trügerischen Sicherheit wiegen. Wenn dann nach exakt 22 Minuten der erste Schuss fällt und der erste Teilnehmer leblos am Boden liegen bleibt, verändert sich die gesamte Tonalität des Films innerhalb eines Wimpernschlags. In diesem Moment ist der “naive Spaß” und das vermeintlich Heroische, das viele der Jungs zu Beginn noch wie eine Rüstung vor sich hergetragen haben, schlagartig vorbei. Auch wenn alle wussten, auf was sie sich einlassen, ist es noch einmal eine ganz andere Nummer, wenn aus einer diffusen Gefahr plötzlich Ernst wird und die Unschuld blutig auf dem Asphalt zurückbleibt. Die Kamera fängt das Entsetzen in den Augen der Überlebenden ein, die begreifen, dass es kein Zurück mehr gibt und der Tod ihr einziger ständiger Begleiter sein wird. Lawrence verzichtet hierbei auf effekthascherische Zeitlupen und lässt die Gewalt stattdessen trocken und unvermittelt wirken, was die Hoffnungslosigkeit nur noch verstärkt. Das anfängliche Geplänkel weicht einer beklemmenden Stille, die nur durch das rhythmische Geräusch der Marschierenden und das Quietschen der Panzerketten unterbrochen wird, während der “Major” (ein wenig “drüber” verkörpert von Mark Hamill) wie ein dunkler Gott über das Geschehen wacht. Dieser Übergang von der Abenteuerlust zur nackten Existenzangst bildet das emotionale Rückgrat des ersten Drittels und bereitet den Boden für die darstellerischen Höchstleistungen, die noch folgen sollen. Dass Drehbuchautor JT Mollner einige Änderungen vornahm, tut dem Film im Vergleich zum Buch tatsächlich gut. Die Reduktion von 4 mp/h auf 3 mp/h (ein Fehler, den King später selbst zugab) lässt das Geschehen realistischer werden. Schwierig genug, beständig mit 4,8 km/h zu gehen, sind 6,4 km/h für viele mit kürzeren Beinen schon eher Jogging-Tempo. Auch die Verkleinerung der Gruppe von 100 auf 50 ist positiv. Zum einen, um die Tötungen im Film nicht zu einem stumpfen Abballern geraten zu lassen und auch, um die Story nicht unnötig in die Länge zu ziehen. An dieser Stelle übrigens ein Lob für die VFX-Abteilung, denn es wurde mit Fake-Waffen und erstaunlich überzeugendem CGI-Blut gearbeitet.

Was Todesmarsch letztlich auch zu einer der gelungensten King-Verfilmungen macht, ist das Zusammenspiel der Darsteller sowie die Integration des Scores. Natürlich kann man nicht mit jedem der Teilnehmer mitfiebern. Das passiert aber auch im Buch nicht. Aufgrund der hervorragenden Besetzung gelingt aber etwas, das heute selten ist: Man bekommt genug Charakter- und Figurendifferenzierung hin, dass The Long Walk als Ensemblefilm funktioniert und die Dynamiken zwischen den Figuren nachvollziehbar und ergreifend sind. Mit zunehmender Laufzeit gibt es Abgänge von Figuren, die man liebgewonnen hatte, und deren Exekution nicht nur für die übrig gebliebenen Teilnehmer nachhalt, sondern auch für den Zuschauer. Cooper Hoffman in der Rolle des Ray ist von Beginn an sympathisch. Endlich mal wieder ein Allerweltstyp, mit dem man mitfiebert und dessen Aussehen erfrischend unheldenhaft ist. Und dann ist da David Jonsson in der Rolle des Peter McVries. Jonsson war schon als Andy in Alien: Romulus der mit Abstand bemerkenswerteste Akteur. Sein melancholischer Blick und sein stets nuanciertes und nachdenkliches Spiel wirken auch hier extrem gut. Meiner Meinung nach, und wenn er sich nicht selbst ein Bein stellt, wird er ein neuer Denzel Washington. Beide agieren demnächst sogar erneut gemeinsam vor der Kamera und zudem in ihren nächsten Filmen mit ein paar der wirklich großen Schauspieler. Und sie haben nach einer guten Stunde, wenn Ray Peter erzählt, was er sich im Gewinnfalle wünscht, gemeinsam die fünf stärksten und wahrhaftigsten Minuten des Films. Szenen, die weit über das hinausgehen, was man üblicherweise in Genrefilmen zu sehen bekommt. Ohnehin wird The Long Walk zu Beginn der zweiten Hälfte richtig stark. Hier kommt dann auch der angesprochene Score zur Geltung, der weiten Abstand nimmt von befürchteten Hip-Hip- oder Rap-Einlagen. Vielmehr werden melancholische Melodien integriert, die kongenial zum Geschehen passen. Wirklich klasse. Der Ton ist vor allem deshalb passend, weil es natürlich darauf hinausläuft, dass man sich als Zuschauer am Ende von Teilnehmern verabschieden muss, die man liebgewonnen hatte – und auch damit klarkommen muss, dass Freundschaften innerhalb der Gruppe nicht ewig Bestand haben werden. Und weil es auch ein veritables A*loch geben muss, übernimmt das Charlie Plummer als Barkovitch mit Inbrunst. Allerdings nicht, ohne dass der Zuschauer merkt, dass mehr hinter dieser Fassade des Provokateurs und Gruppen-Anarchos steckt.
Zu guter Letzt, das Ende: Dass Autor Mollner sich gemeinsam mit Francis Lawrence dazu entschloss, das Ende zu ändern (man sollte sich übrigens nicht das Making-of VOR dem Film anschauen), wurde nicht nur (überraschenderweise) von King abgenommen, sondern gibt dem Film tatsächlich eine ganz spezielle, eher dystopische und düstere Note, die aufgrund der Ambivalenz zur Unterhaltung nach 63 Minuten erstaunlich gut funktioniert.


- Film
Bild- und Tonqualität BD

The Long Walk ist digital gedreht, was man durchweg sehen und erkennen kann. Als Erstes fällt auf, dass das Color Grading nicht nur dezent, sondern relativ deutlich ins Gelbliche tendiert. Das passt insofern gut zum Film, da es eine gewisse Weltuntergangsdramatik unterstützt und den dystopischen Ton gut trifft. Die Blu-ray liefert außerdem ein ansprechend scharfes Bild, das Close-ups detailliert abbildet, in der Tiefe aber Federn lässt. Im Encoding hätte man noch etwas feiner arbeiten können, da das Digitalrauschen gelegentlich nicht perfekt homogen erscheint und bei Bewegung auch schon mal leicht aus dem Tritt kommt. Bisweilen deutlich zu sehen sind zudem Nachschärfungen, die zu dezenten Überkontrastierungen und leichten Artefaktsäumen rund um Figuren und Objekte führen (34’02).
Leonine war früher nicht unbedingt dafür bekannt, vorhandene Atmos-Tonspuren auch wirklich zu integrieren, wenn’s um die Heimkinoveröffentlichungen ging. Glücklicherweise hat sich das mittlerweile etwas geändert. Auch The Long Walk enthält eine verlustfrei kodierte Dolby-Atmos-Version, die für beide Sprachen (Deutsch und Englisch) vorliegt. Auf der regulären Ebene gibt’s hier zwar nicht sonderlich Spektakuläres zu hören, doch das ist letztlich inhaltlich bedingt. Wenn aber die vereinzelten Schüsse fallen, reißen diese oft maximal aus der Ruhe heraus. Und das tun sie dynamisch und kraftvoll. Auch ein wenig Basseinsatz ist spürbar – bspw. bei 12’03 und 35’50.

Hören wir uns ein wenig auf der Höhen-Ebene um, so geht es dort nach zwei Minuten los, wenn man den Radiomoderator innerhalb des Autos hört – dies im Übrigen sogar als exklusiver Soundeffekt, denn die englische Fassung ist in diesem Momenten “obenrum” stumm. Auch die Stimmen von Mutter und Sohn hört man dann mit leichtem Nachhall von oben, während der O-Ton nur das dezente Quietschen des Fahrzeugs auf die Heights legt. Beim Deutschen darf man aber davon ausgehen, dass hier dezente Upmix-Strategien angewendet wurden, denn man hört die Stimmen tatsächlich auch unter freiem Himmel – und das passt leider gar nicht. Wenn der Instruktor seine Anweisungen vornimmt, wird das sogar verhältnismäßig laut wiedergegeben, während der O-Ton hier weiter (und atmosphärisch passend) ruhig ist. Natürlich hört man dieses Hinzumischen der Stimmen praktisch nicht, wenn man die reguläre Ebene mitlaufen lässt, da die Stimme umso lauter aus dem Center kommt. Doch wenn es darum geht, echte Atmosphäre zu erzeugen, gehören Stimmen unter freiem Himmel nicht auf die Höhenspeaker. Den Schuss bei 11’42 und den bellenden Hund zwei Minuten später liefern dann aber beide Sprachfassungen. Ebenso wie gelegentliches Windrauschen, vorbeifliegende Vögel, summende Insekten oder außergewöhnliche Score-Elemente (bspw. das an Nightmare erinnernde Glockenspiel nach 21 Minuten). Natürlich kommen auch die Liquidationen mit entsprechenden Geräuscheffekten und liefern dynamische Attacken. Das passiert in der Regel vor jeder Exekution und sorgt bisweilen für echten Nervenkitzel. Gewitter und Regen nach etwas über 55 Minuten bekommen dann wieder eine räumliche Rundumatmosphäre und


Bild- und Tonqualität UHD

The Long Walk wurde rein digital gefilmt. Zum Einsatz kam hier die ARRI Alexa 35, die mit 4.6K aufzeichnet. Ausgehend davon wurde ein 4K-DI erstellt, was die UHD Blu-ray zu einer nativen 4K-Disk werden lässt. Leonine integrierte überdies HDR10 und Dolby Vision sowie einen im Rahmen von Rec.2020 erweiterten Farbraum. Gegenüber der Blu-ray zeigt sich die 4K-Disk in der Tiefe detailreicher und klarer. Figuren schälen sich deutlicher aus dem Hintergrund heraus und auch die Blätter an Bäumen sind besser zu erkennen. Wirklich spitzenmäßig scharf ist aber auch die UHD Blu-ray nicht. Und irgendwie erscheint das Bild etwas weich und glattgebügelt. Das hängt auch damit zusammen, dass man beim Encoding noch mehr hätte rausholen können. Allerdings vermeidet die UHD Blu-ray die Nachschärfungen der Blu-ray und bleibt rund um Objekte sichtbar authentischer und gleichmäßiger, ohne unschöne Artefaktsäume (34’02). Das etwas dunklere Grading tut dem Film keinen Abbruch, da es Bildanteile im Schwarz niemals versumpfen lässt, gleichzeitig den Schwarzwert knackiger und mit gleichmäßigerem Rauschen abbildet und der Film ohnehin die meiste Zeit im Hellen spielt. Dort wirkt das Bild in Summe von der Helligkeit her harmonischer und angenehmer. Das Color Grading hingegen unterscheidet sich nur minimal. Hauttöne sind etwas wärmer und Gelbanteile etwas reduziert. Ansonsten gibt es hier kaum Unterschiede.
Mea Culpa fürs Vergessen der Timecodes an den Screenshotvergleichen.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … etwas dunklere Abstimmung fällt nicht dramatisch aus.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … löst die 4K-Disk besser auf.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … sorgt für einen etwas atmosphärischeren Look.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … dass die 4K-Disk besser auflöst.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Ganz anders die 4K-Disk, die allerdings im Vergleich etwas softer wirkt.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Die 4K-Disk macht das besser, aber ebenfalls noch nicht perfekt. Das Digitalrauschen weist Farbmuster auf und ist noch nicht fein genug.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): Nicht so bei der UHD Blu-ray.


UHD HDR10 (Slider ganz nach links):


UHD HDR10 (Slider ganz nach links): … ist schon deutlich.


- Film
Bonusmaterial
Zunächst vorab: Wie beim Anbieter üblich, gibt es auch für das Bonusmaterial von The Long Walk keinerlei Untertitel. Was insbesondere deshalb schade ist, weil das fünfteilige Making-of nicht nur gut 80 Minuten lang ist, sondern wirklich informative Einblicke in die unterschiedlichen Aspekte des Drehs liefert – fernab vom üblichen Wir-hatten-uns-alle-ganz-doll-lieb-am-Set-Einerlei. Über das Making-of hinaus gibt’s noch den Filmtrailer sowie fünf weitere Programmtipps. Die Extras sind nur auf der Blu-ray abgelegt.
Fazit
Sehr gerne hätte ich es geschafft, The Long Walk noch im jüngst vergangenen Jahr zu besprechen, auf dass er in meiner Top-5 gelandet wäre. Habe ich nicht. Ist er nicht. Dafür erreichte er mich zu spät. Aber vielleicht in ungefähr 12 Monaten beim Rückblick 2026. Mich hat der Film fast komplett abgeholt und trotz der dezenten Veränderungen sofort in die Momente vor 35 Jahren zurückversetzt, als ich das Buch verschlungen habe. Sicherlich hat die Adaption ein paar kleinere Schwächen, die aber durch die beiden herausragenden Haupt- und die hervorragenden Nebendarsteller locker ausbügelt. Selten haben mich 100 Minuten Fußmarsch dermaßen gefesselt. Und das liegt vor allem am guten Drehbuch und den teils starken Dialogen zwischen den Teilnehmern. Visuell schlägt die 4K-Disk die Blu-ray in der Auflösung und Homogenität deutlich.
Timo Wolters
Bewertung
Bildqualität BD: 70%
Bildqualität UHD: 80%
Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (dt. Fassung): 80%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (dt. Fassung): 60%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (dt. Fassung): 75%
Tonqualität BD/UHD 2D-Soundebene (Originalversion): 80%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Quantität (Originalversion): 50%
Tonqualität BD/UHD 3D-Soundebene Qualität (Originalversion): 80%
Bonusmaterial: 70%
Film: 85%
Anbieter: Leonine
Land/Jahr: USA 2025
Regie: Francis Lawrence
Darsteller: Charlie Plummer, Cooper Hoffman, David Jonsson, Judy Greer, Mark Hamill
Tonformate BD/UHD: Dolby Atmos (True-HD-Kern): de, en
Untertitel: de
Bildformat: 2,39:1
Laufzeit: 109
Codec BD: AVC
Codec UHD: HEVC
Disk-Kapazität: BD-100
Real 4K: Ja (4K DI)
High Dynamic Range: HDR10
Maximale Lichtstärke:
FSK: 16
(Copyright der Cover, Szenenbilder und vergleichenden Screenshots liegt bei Anbieter: Photo Credit: Murray Close/Lionsgate)
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So testet Blu-ray-rezensionen.net
Die Grundlage für die Bild- und Tonbewertung von Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays bildet sich aus der jahrelangen Expertise im Bereich von Rezensionen zu DVDs, Blu-rays und Ultra-HD-Blu-rays sowie Tests im Bereich der Hardware von Unterhaltungselektronik-Komponenten. Gut zehn Jahre lang beschäftigte ich mich professionell mit den technischen Aspekten von Heimkino-Projektoren, Blu-ray-Playern und TVs als Redakteur für die Magazine HEIMKINO, HIFI TEST TV VIDEO, PLAYER oder BLU-RAY-WELT. Während dieser Zeit partizipierte ich an Lehrgängen zum Thema professionelle Bildkalibrierung mit Color Facts und erlangte ein Zertifikat in ISF-Kalibrierung. Wer mehr über meinen Werdegang lesen möchte, kann dies hier tun —> Klick.
Die technische Expertise ist aber lediglich eine Seite der Medaille. Um stets auf der Basis von aktuellem technischen Wiedergabegerät zu bleiben, wird das Testequipment regelmäßig auf dem aktuellen Stand gehalten – sowohl in puncto Hardware (also der Neuanschaffung von TV-Displays, Playern oder Ähnlichem, wenn es der technische Fortschritt verlangt) als auch in puncto Firmware-Updates. Dazu werden die Tests stets im komplett verdunkelbaren, dedizierten Heimkino angefertigt. Den Aufbau des Heimkinos könnt ihr hier nachlesen —> Klick.
Dort findet ihr auch das aktuelle Referenzgerät für die Bewertung der Tonqualität, das aus folgenden Geräten besteht:
- Mainspeaker: 2 x Canton Reference 5.2 DC
- Center: Canton Vento 858.2
- Surroundspeaker: 2 x Canton Vento 890.2 DC
- Subwoofer: 2 x Canton Sub 12 R
- Heights: 4 x Canton Plus X.3
- AV-Receiver: Denon AVR-X4500H
- AV-Receiver: Pioneer SC-LX59
- Mini-DSP 2x4HD Boxed
Das Referenz-Equipment fürs Bild findet ihr wiederum hier aufgelistet. Dort steht auch, wie die Bildgeräte auf Norm kalibriert wurden. Denn selbstverständlich finden die Bildbewertungen ausschließlich mit möglichst perfekt kalibriertem Gerät statt, um den Eindruck nicht durch falsche Farbtemperaturen, -intensitäten oder irrigerweise aktivierte Bild”verbesserer” zu verfälschen.
Ich war damals beim Mitternachts Screening und man konnte eigentlich davon ausgehen, dass aufgrund der Uhrzeit das Publikum mit dem Dargestellten umgehen kann. Dennoch sind zwei Pärchen unabhängig von einander gegangen mit dem Kommentar “Ist uns zu drastisch”. Ehrlich gesagt ist die FSK 16 wohlwollend, oder? Von Bild- und Ton war es im Kino definitiv obere Liga. Der Film an sich wandert aber nicht in meine Sammlung. Bei Leonine verzichte ich gerne.
Es ist bei der Einstufung der Altersfreigaben ja auch immer tagesabhängig. Die Todesschüsse sind, wo sie explizit zu sehen sind, tatsächlich (wenn auch rein CGI) heftig. Verteilt auf 100 Minuten Film sind das aber seltene Gewaltspitzen. Es wird bei der FSK ja auch immer mit einbezogen, ob man im Kontext des Films Identifikationsfiguren hat. Und ob aufgrund des Gesamthandlungsverlaufs gewisse Dinge abgemildert werden.
Ich habe vor Jahren mal eine “Brand-Email” an die FSK geschrieben, als ich die Heimkino-Veröffentlichung zum animierten DIE LEGENDE VON BEOWULF gesehen hatte. Der war im Kino FSK 12 und auch auf Blu-ray. Im Kino war er allerdings geschnitten und um die Gewaltspitzen sehr deutlich verändert. Zum Beispiel gab es drastisch weniger Blut und es fehlten einige Szenen.
Was ich da auf der Blu-ray zu sehen bekam, hat mich nachhaltig schockiert, wenn man die FSK 12 bedenkt. FSK 12 bedeutet hierzulande: Parental Guidance. Das heißt: Kinder ab sechs dürfen den Film sehen. Ja, das gilt im Prinzip vor allem für die Kinovorführungen und dort war der Film weniger blutig (wenngleich nur bedingt weniger gewalthaltig), aber das übertragen viele Eltern ja auch auf die Heimkino-Veröffentlichung. Mache ich bei meinem Sohn demnächst nicht anders, der gerne den Minecraft-Film schauen möchte, aber noch keine 12 ist.
Und für einen 12-jährigen ist die längere/ungeschnittene Fassung von DIE LEGENDE VON BEOWULF ein traumatisierendes Ereignis. Was dort in den ersten 20 Minuten an Splatter zu sehen ist, gereicht jedem Zombie-Schocker – animiert oder nicht. Und das hätte ZWINGEND eine FSK 16 gebraucht. Die Antwort der FSK war sinnbildlich: Im Verhältnis zum Rest des Films sind die ersten 20 Minuten irgendwann “vergessen”. Ich habe heute noch vor Augen, wie Grendel die Nordmänner zerreißt, ihre Gliedmaßen abrupft und das Blut aus ihren geöffneten Körpern trinkt.
Deshalb: Manchmal muss man die FSK nicht komplett verstehen.
Die FSK ist ja eine freiwillige SELBSTkontrolle der Industrie, die bei der Bewertung die eigenen wirtschaftlichen Interessen nie völlig ausblenden. FSK 18 ist dann manchmal im Horrorbereich eher ein Werbesiegel fürs Zielpublikum, ansonsten versucht man möglichst den Kundenkreis breit zu halten. Jurassic Park hätte nach damaligen Usus eigentlich auch eine FSK16 bekommen, aber man hätte dann auf die ganzen 12-15jährigen Dinofans verzichten müssen. Und die elterliche Begleitung bei FSK12, um kleinere Kinder zuzulassen, wurde damals eingeführt, als man den 2. Harry Potter trotz der Kürzungen beim besten Willen nicht als FSK12 einstufen konnte. Es wird auch immer nur auf das Kriterium sichtbare Gewalt geschaut, so dass verstörende Horrorstreifen wie Blair Witch Project ab 12 laufen. Und da wir ja nicht so prüde sein wollen wie die Amerikaner, muss man ab FSK12 durchaus auch schon mit expliziten Sexszenen rechnen. Eigentlich sollte man generell schauen, für welches Alter Filme inhaltlich geeignet ist. Wenn man tatsächlich mal den Eindruck hat, daß die FSK Jugendgefährdung eigennützig in Kauf nimmt, bleibt vermutlich nur die Strafanzeige.
Das ist korrekt, was du schreibst. Ich erinnere mich auch noch gut an die Parental-Guidance-Einführung durch die Novellierung des Jugendschutzgesetzes am 1. April 2003 (auch) als Reaktion auf HP 2.
Und selbstverständlich sollten sich verantwortungsvolle Eltern vorab Filme anschauen, die sie dann ihren Kindern zugängig machen.
Mir ging’s jetzt prinzipiell darum, dass die FSK bei gewaltvollen Inhalten stets mit den zwei genannten Argumenten a) Identifkationsmöglichkeit mit Figuren und b) Verhältnismäßigkeit über die Gesamtlaufzeit und Tonart zum Ende hin arbeitet, um Filme zu reglementieren, aber eben auch nicht selten mal vollkommen daneben liegt.
Ich möchte wirklich jedem, der ihn noch nicht gesehen hat, mal DIE LEGENDE VON BEOWULF in der Extended Heimkinofassung empfehlen und dann für sich zu überlegen, wie er diese 12er-Einstufung bewertet. Das ist schon hart daneben – in meinen Augen.
Ich kenn die Heimkinofassung das wirkt wirklich wie “Animationsfilm=Kinderfilm. Schaun wir uns gar erst an”. Fritz the Cat also demnächst im Kindergarten …
Oh ja LOL
Die FSK (und mit ihr die BPjM) geht halt auch mit der Zeit, wenn ich bedenke, an welchen “Gewaltstandard” sich die Gesellschaften (weltweit) mittlerweile so gewöhnt haben.
“Starship Troopers” ist jetzt auch schon seit fast einem Jahrzehnt als FSK-16 deklariert. Bei wie vielen ehemals beschlagnahmten Filmen ist dies jetzt ebenso? Im Vergleich zur “Killerspiele-Hysterie” der Jahrtausendwende ist es schon eine sehr legere Handhabe. Mein 13-jähriges Ich hätte’s gefreut.
Das ist natürlich auch nachvollziehbar und richtig. Die Gesellschaft ändert sich, die Sehgewohnheiten ebenfalls. Man darf als Horrorfilmfan heute schon einigermaßen zufrieden sein, wenn man schaut, was man heutzutage auch an ultrabrutalen Streifen ungeschnitten ins Heimkino bekommt. Ein Terrifier 3 wäre vor 20 Jahren innerhalb von 2 Sekunden indiziert oder gar beschlagnahmt worden. Und oft lag die FSK halt auch bei den “zu harten” Einstufungen daneben. Die Nummer mit Starship Troopers habe ich nie verstanden.
Ich habe halt eher Probleme damit, wenn die FSK zu niedrig einstuft. Zu hoch ist eine Nummer, wo ich sage: Okay, dann muss man halt 18 sein. Aber zu niedrig gefährdet halt aktiv Kinder- oder Jugendlichen-Seelen. Und da reagiere ich mittlerweile sehr empfindlich. Wenn du mit einem Siebenjährigen Filme schaust, die teils ab 0 freigegeben sind und siehst, wie er sich vor einigen Szenen gruselt, dann sieht man Filme auch noch mal mit einem anderen Auge. Der erste Toy Story ist ab 0 freigegeben. Zuletzt mit ihm geguckt. Und ganz ehrlich: Die Szenen in Sids Kinderzimmer mit dem Spielzeug, das direkt aus einem Tim-Burton-Film stammen könnte und nicht sprechen kann, sind in ihrer Dauer und Dramatik aber mal gar nichts für Kinder unter 6.
Kleiner Korrektur..Harry Potter nicht als FSK6
“…der gerne den Minecraft-Film schauen möchte…” Oh Gott, blanke Kindeswohlgefährdung, auch ohne Gewalt und obszöne Witzchen. 😮
LOL – so ist das mit den Kids. Ich hoffe ja, dass er nach dem Schauen ähnlich drüber denkt 😉
.. zu “meiner Zeit”, also in den 1970er Jahren, wurde damals “Schweinchen Dick” (Looney Tunes)- ein unvorstellbarer Name heute – wegen zu heftiger “Brutalität (Einschlagen auf Mäuse)” aus dem TV Programm genommen…
Es sind wohl damals ein paar Meerschweinchen, im Selbstversuch durch fehlgeleitete Kinder, ums Leben gekommen.
Man mag gar nicht daran denken, was heute mit den kleinen Rackern so passiert (offtopic aus)
Interessanter Film… ist davon auszugehen, dass die Schwächen im Encoding Leonine zuzuschreiben sind? Denn dann würde ich eher zb. bei Lionsgate zugreifen.
… ist vermutlich von auszugehen. Encoding wird ja immer lokal gemacht. Ob aber die Lionsgate wirklich besser ist, kann ich nicht sagen.
Bisschen sehr horrorlastig, die Webseite in letzter Zeit. Der Film interessiert mich persönlich überhaupt nicht. Ich vermisse hingegen Deine Meinung zur 4K von „Dante‘s Peak“ (Turbine) mit tollem Bild aber etwas verunglücktem Atmos-Ton.
Ich würde THE LONG WALK nicht wirklich ins Horror-Genre packen. Eher eine Art dystopisches Stand By Me, aber das ist sicherlich Befindlichkeitssache. Für mich ein absolutes Highlight. Zuletzt gab’s mit Smashing Machine ja durchaus Nicht-Horror. 2025 war ein absolutes Horrorgenre-Jahr im Kino. Trotz Familienhits wie Zoomania und dem Megahit Avatar hat das Horrorgenre 17! Prozent der Kinoeinnahmen ausgemacht. Und wenn ich wirklich alle (aufs hohe Einspiel bezogenen) Horrortitel gemacht hätte, hätte das noch wesentlich mehr ausgemacht. Im Gegenteil war 2025, wenn du meinen Jahresrückblick gelesen hast, ja ein absolutes Jahr voller Backkatalog-Titel. Die Hälfte aller Rezis hier waren aus dem Backkatalog – und das waren fast ausnahmslos keine Horrorfilme (Chucky mal ausgenommen). Im Gegensatz dazu habe ich zahlreiche Horror-Kinohits aus 2025 ausgelassen (Conjuring 4, Final Destination Bloodlines, Bring Her Back, Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast, M3gan 2.0, The Monkey, Frankenstein).
Wäre Dante’s Peak hier als Rezimuster aufgeschlagen, hätte es ein Review bereits gegeben.
Schönen Gruß an Turbine. Kein Kauf, wenn keine Rezi von Timo
Kannst du das mit dem Atmos-Ton präzisieren? Bin ebenfalls scharf auf die Scheibe, die Blu-ray war m. E. einer der Tiefpunkte von Universal bildmäßig
Der Atmos-Ton, insbesondere der O-Ton, ist in der Dynamik schwächer als die alte DTS-HD-Variante. Zudem ist der zusätzlich integrierte englische DTS-Ton wohl ein Downmix vom neuen Atmos-Ton, nicht der alte DTS-HD-Mix – erkennbar an einem Geräusch eines umfallenden Sacks mit Holz, das deutlich in den Hintergrund gemischt wurde, auf der alten Tonspur jedoch hörbar vorhanden ist. Der deutsche DTS-Ton ist hingegen wohl in puncto Dynamik weitgehend identisch mit dem alten DTS-Ton der Universal-Disk.
Ich empfand die deutsche Atmos-Spur als recht dynamikarm und zudem in der Abmischung deutlich zu frontlastig. Die alte deutsche BD zum Vergleich habe ich nicht mehr, aber das Bild der UHD ist sehr gut, vielleicht ein wenig hell. Zu den anderen Tonspuren kann ich nichts sagen.